Hilfe: Welpe im Haus!
Vor lauter Entzücken auch schon die ersten dicksten Hunde gemacht? Immer wieder. Erwachsene Menschen geraten in Panik, wenn der neue vierbeinige Bonsai-Mitbewohner Schwung in die Bude bringt - seinen tierischen, hundsgemeinen. Der folgende Text ist der Versuch einer biologische Anleitungen zum gegenseitigen Glücklichsein.
Sie trugen drei Jahre lang Windeln, sonst hätten Sie längst einen neuen Teppichboden. Oder waren Sie schon mit zwei Jahren erwachsen? Es ist anstrengend wie lehrreich, junges Leben aufzuziehen. Wie einen Welpen. Wer sich dessen nicht bewusst ist, möge sich einen weisen alten Hund zulegen. Oder ganz auf einen verzichten. Wer einen Putzfimmel hat oder ganz „wertvolle" Gegenstände in seiner Edelwohnung liebt - ebenso. Dabei könnte man selbst von einem Welpen angewandte Sozialkunde lernen. Wie macht ein verantwortungsvoller Hundefreund sich halbwegs verständlich, wie lehrt man dem Welpen die neue Hausordnung? Mit hundsgemeiner Biologie.
Das richtige Abgabealter gibt es nicht, Nur Anhaltspunkte. Natürlich gibt es ein Alter, vor dem
Welpen nie und nimmer abgegeben werden dürfen, es sei denn aus Tierschutzgründen.
Die Regel ist eine biologische: Wenn die Mutterhündin beginnt, die Welpen von der eigenen
Milchbar abzusetzen, und wenn die Welpen schon mal ihre eigenen Wege gehen, sich also
selbstständig machen. Das ist in der Regel frühestens ab der siebten Lebenswoche der Fall, meist
ab der achten. Niemals vor der siebten Woche! Das wäre Tierquälerei!
Die andere Grenze, in der die Welpen ihre neuen Eltern, Präger und Rudelgenossen finden sollten,
ist die vor dem dritten Monat. Denn hier endet schon die wichtigste Kernprägephase, wo sie am
schnellsten ihren Charakter und grundlegenden Erfahrungen intus bekommen.
Es gibt Arbeitszuchten, die früher selbstständig werden als die modernen Haushunderassen. Dies
gilt es im Sonderfall zu berücksichtigen. Meine neue Herdenschutzhündin war ein solcher Fall.
Sie machte sich - mit einem grossen und mächtigen jungen Kangal-Rüden als Anstandswauwau, schon
ab der sechsten Lebenswoche mal geradewegs aus dem Welpenlager davon. Ihre Mutter hatte
Vertrauen in den liebevollen Welpensitter. Anima war die erste an den Zitzen der Mutter, sie
bewies auch in den ersten Tagen den stärksten Überlebenswillen (Biotonus genannt; damit war sie
„mein").
Da ich unbedingt wieder eine Hündin zu meinem damals sechsjährigen Rüden (anderer Typ) haben
wollte, und ich eine selbstbewusste, „freche" bevorzuge, habe ich die richtige Wahl für meinen
Rüden und mich getroffen.
Anderen Menschen, die vielleicht noch kleine Kinder haben, oder nicht sehr hundeerfahren sind,
würde ich zu einem weniger Durchsetzungsvermögen erfordernden Charakter raten. Hündinnen sind in
der Regel etwas „durchlässiger" als Rüden. Aber es ist nur eine Regel. Meine beiden Hündinnen
waren immer Führungsnaturen. Ich bevorzuge selbstbewusste Hunde. Auch mein Rüde ist so. Ich
habe aber nie Schwierigkeiten mit einer etwaigen Dominanz mir gegenüber gehabt. Das präge ich
bereits in den ersten Tagen und Wochen. Später muss ich diese Herausforderungen nur noch
korrigieren. Und es gibt keine dominanteren, selbstbewussteren Hunde als normal aufgewachsene
Herdenschutzhunde. Anderen Leuten, die weniger Erfahrungen haben, die Neulinge sind, würde ich
zu einem leichtführigen, höchstens mittelgrossen Hund raten. Siehe auch
„Mensch-Hund-Typberatung" in der Rubrik "Ratgeber".
Die Vorbereitung zum Abholen
Der Welpe bekommt beim letzten Besuch eine, seine künftige Liegedecke beim Züchter hinterlassen,
damit sich der Kleine, durchaus der ganze Wurf, geruchsmässig verewigen kann und vertraute
Gerüche hinterlässt. Der Welpe wird mindestens drei Stunden vorher nicht mehr gefüttert, eine
Stunde vorher kein Wasser mehr, damit er sich im Auto nicht gleich in die Hosen machen muss, was
Stress verursacht. Er muss sich vor Antritt der Fahrt entleert haben können.
Ein guter Züchter gewöhnt den Wurf oder einzelne Welpen schon vorher an das Autofahren und sogar
an eine leichte Leine. Und einen Futterplan mit Übergangs-Rationen gibt er auch mit.
Der Transport, die Gewöhnung ans Auto und den neuen Aufenthaltsplatz im Auto
Ausgiebig und in aller Ruhe das Auto „zeigen", also beschnuppern lassen, mit ruhigen Kommentaren
begleiten, damit der Welpe Vertrauen fast zu dem Ding, in dem er gleich eine zeitlang verbringen
muss. Er darf dabei aber nicht ein einziges Mal in den Sitzraum der menschlichen Passagiere,
damit er sich nicht umgewöhnen muss an seinen ständigen und einzig richtigen, nämlich vor
Aufprall und Stürzen sicheren Platz. Nicht nur wegen der Hunde-Haftpflichtversicherung. Dazu
nimmt man beim letzten Besuch des Züchters eine Decke mit, in der er dann beim Einsteigen in den
Hundeplatz seinen vertrauten Geruch wiederfindet. Alles soll dazu dienen, ihm den völlig neuen
Aufenthalt angenehm zu machen. Damit er künftig gern Auto fährt und dies nicht als Stress
empfindet.
Es ist etwas anderes, den gesamten Wurf, womöglich mit Mutterhündin, ans Autofahren zu gewöhnen,
und meist mit einem anderen Auto mit eben anderen Gerüchen und Geräuschen, als ihn
mutterseelenallein hinten herumtorkeln zu lassen. Das Alleinbleiben im Auto muss er auch erst
lernen, durch sanfte und stete Gewöhnung.
Fein heraus ist, wer einen zweiten autogewöhnten und eben erfahrenen Hund als Unterstützung
dabei hat. Ich habe es bei meiner neuen Welpenhündin gemerkt: Allein ein Horror, mit dem Rüden
(fast) ein Vergnügen. Haben Sie keinen zweiten? Leihen Sie sich eine normale Hündin aus dem
Freundeskreis. Rent-a-female.
Immer zu zweit abholen. Denn nun steigt eine Person zu ihm in den Laderaum, und kann ihn so
beschäftigen/ablenken. Dann erst wird der Wagen angelassen. Er muss sich auch an diese neuen
Geräusche und Gerüche gewöhnen. Die Ablenkung einer Person hilft dem Welpen, in keine Panik zu
verfallen, wenn sich seine neue Hundehütte bewegt. Und gleich in die erste Kurve. Er wird bald
lernen, sich dagegen zu stemmen. Profis ahnen sogar den Kurvenverlauf voraus (weil sie immer auf
den Verkehr nach vorn gucken) und stellen sich drauf ein.)
Gewöhnung ist alles. Das erste Ziel, bei dem das Auto anhält und er raus darf, das wird er sich
als angenehm oder unangenehm einprägen: Sie haben die Wahl zwischen Wald, Wiesenblumen oder dem
antiseptischen Geruch der Tierarzt-Praxis oder den Benzindüften und Glasscherben auf
Autobahn-Raststätten.
Die Fahrt, die Pausen und das Ziel
Künftig wird der Pilot (der kein Angeber und kein Anfänger sein darf) fahren wie mit einem
Krankentransporter, soll der Hund Autofahren nicht zum Kotzen finden. Also ruckfrei, keine
überflüssigen Beschleunigungs- und Notbremsungsmanöver. Pferdetransport-Gespann-Fahrer wissen
dies. Tiere müssen sich auf dieses Verhalten erst gewöhnen, wie Sie bei der ersten Fahrstunde.
Dehnen Sie die erste Etappe nicht über eine Stunde hinaus. Nichts ist rückfälliger, als das
Wasserlassen und gar den ersten Durchfall im Auto zu haben. Dem Welpen, der von seiner Mutter
ständig entsorgt wurde und sein Lager sauber hielt, ist das „peinlich". Er fühlt sich unwohl im
eigenen Dreck. Also frühzeitig in ein entlegenes Waldstück oder eine Wiese, ohne jegliche
Ablenkung oder gar Picknick-Glasscheiben am Boden, ohne Gestank einer Tankstelle; sondern
richtig angenehm.
Der Welpe wird noch im Auto angeleint! Sonst gibt es den ersten Stress mit Geschrei und der
Welpe flitzt davon! Also genau das, was in der Erziehung für einen Monat zurückwirft. Alle
Anfangsfehler gleich in einer halben Stunde. Vielleicht sitzt er sogar ab, reiner Zufall,
während Sie ihn mit ruhigen Worten geduldig und ohne Gezerre anleinen. Dann loben Sie ihn gleich
dazu. Das Halsband darf nicht über den Kopf rutschen! Es soll ihn natürlich auch nicht würgen.
Nicht unkontrolliert springen lassen, sondern herausheben, wenn die Ladekantenhöhe des Autos
höher ist als er selbst. Also meist. Denn sein Knochenbau und seinen Bänder und Sehnen sind noch
alles andere als stark genug, um solche Sprünge ohne späteren Schaden zu überstehen. Dann sofort
auf den Boden setzen!
Ziehen Sie ihn von Anfang an nie! Und vor allem darf nicht jeder an ihm dran herumzerren!
Nun lassen Sie ihm die Zeit, sich umzusehen und zu schnuppern, keine Eile! Kein Stress. Unter
Stress kann niemand sein Geschäft verrichten. Oder er wird gleich zu Anfang ein nervöser Typ.
Passen Sie auf, wohin er latscht und riecht! Bei Hundekot mit Verbotshörzeichen „Nein"
wegziehen, aber nur kurz. Dann die Leine wieder locker lassen, damit ihm die Leine nicht als
Folterinstrument bekannt wird. Eine angespannte Leine spannt den Hund an, eine lockere macht den
Hund locker.
Die Leine ist nämlich die Verlängerung von Ihnen.
Dann wieder reinheben. Die meisten Autos, beziehungsweise der Ladekantenhöhe sind noch Gift für
den jungen Muskel- und Knochenbau. Er schafft es sowieso nicht. Er soll sich auch beim
Reinklettern nicht gleich verletzen. Wäre wieder ein Rückschlag bis zu dem Zeitpunkt, wo sie
glauben, er packt es, er will selber rein. Drinnen wieder loben, vielleicht ein Leckerle als
Belohnung. Und dann die Heckklappe zuschlagen, damit seine Rute gequetscht wird? Aha. Ruhig und
sicher zudrücken, währenddessen den Hund beruhigen, denn diese Klappe ist für ihn so gewaltig,
wie es ein Riesenzugtor einer mittelalterlichen Burg für sie als Kind wäre.
Zu Hause werden keine Besuche empfangen, auch und vor allem nicht der Kindergarten der Nachbarn
oder verknuddelnde Tanten und nicht der Hund des Nachbarn. Der junge Hund ist sowieso gestresst.
Zu viel Informationen an diesem Tag. Ruhe! Er muss sofort auf sein neues Klo geführt werden!
Damit da nicht gleich das nächste Zuordnungsproblem auftaucht und sich niederlässt.
In seinem Garten darf er dann schnüffeln, bis ihm die Luft ausgeht. Sein Revier! Passen Sie auf
seine unruhigen Beschnupperungen am Boden auf. Er sucht. Er sucht seine Duftmarken und die
seiner Welpengeschwister oder seiner Mutter. Dieses Hinweisschild „Hier ist Euer Klo" ist aber
nicht da. Alles klinisch rein. Er muss aber dringend. Beruhigen Sie ihn mit ein paar Worten,
womit aber kein nervöses Zuquatschen gemeint ist. Dann, wenn er sich krümmt, oder sich mit dem
Heck ablässt, dann loben Sie ihn mit Worten über den - grün gewesenen - Klee und streicheln ihn.
Er weiss dann, so etwa nach fünf, sechs Tagen der konsequenten Wiederholung, und nach
korrigierenden Rückschlägen, hier ist mein Klo, hier darf ich es machen. Es liegt an Ihrer
Konsequenz, wie schnell Sie und Ihre Familienmitglieder das hinkriegen. Sagen Sie nie: der Hund
macht hin, wo er will! Ihm wurde ein neues Klo vor die Tür gesetzt.
Er lernt schneller, als Sie glauben, wenn Sie es ihm logisch zeigen. Er wird nie gestraft, wenn
es nicht gleich klappt, oder wenn er sich im Spiel vergisst. Das tun viele Welpen noch - wie
auch Menschenkinder. Aber die haben Windeln haben - schon vergessen? Wenn er am falschen Ort
ansetzt, sofort am Kragen hochnehmen, dann tritt eine biologisch-automatische Tragestarre ein,
damit er sich nicht durch Zappeln verletzt, und ein deutliches, also kein gutgemeintes „Nein"
dazu, damit er sich dieses Verbots-Hörzeichen gleich einprägt. Dann wird er auf sein
Freiluft-Klo geführt, dort wird gewartet, bis er ansetzt, das Wasser zu lassen, dann wird er
gelobt. So ist es logisch.
Und wenn es doch mal passiert, und das wird es, nie schütteln, das versteht der Welpe als
totschütteln. Und das wollten Sie nicht, oder? Setzen Sie ihn dorthin ab, wo er machen soll.
Bei Erfolg loben. So prägt er sich das ein.
Pfützen und Festeres werden danach mit ungiftigen Geruchsneutralisierern gereinigt. Er soll
seinen Geruch hier nicht wiedererkennen. Denn dies würde bedeuten, hier war mein Klo, hier darf
ich es.
Wiederholung und Konsequenz machen den Erfolg.
Und dann ist erst mal Ruhe, wenn er seinen Rückzugsplatz gefunden hat. Schliesslich sind Sie nun
auch fix und foxi. Im Übrigen wird der Hund, und sei er noch so niedlich, ausser dem
Blitztransport zum richtigen Hundeklo, nie getragen! Er ist ein Lauftier und nicht krank! Nur
ins Auto, anfangs keine Treppen, vor allem keine glatten und durchsichtigen, da kann er auf den
Arm genommen werden.
Aber wie richtig tragen? Eine Hand unter den Brustkorb und Hals, die andere unter das Gesäss
schieben. Kinder tragen den Hund nicht, denn sie könnten ihn fallen lassen. Nicht, dass sie der
Hund was täte, aber es macht ihm das Tragen nicht angenehmer. Er ist kein Teddybär, kein
Spielzeug!
Die wichtige Prägephase gilt für alle jungen Hunde zwischen der fünften und zwölften
Lebenswoche.
Man nehme daher bitte auch den entzückendsten Welpen ernst - und nicht als Ersatzbaby.
Das missverstandene „Sauberkriegen"
Ich zitiere einen ganz einfachen, aber sehr bündigen Passus aus dem 1975 erschienenen Buch „Der
unverstandene Hund" von Tierarzt Dr. Ferdinand Brunner im Kapitel „Schwierigkeiten mit der
Stubenreinheit und deren plötzlicher Verlust": „Wenn man das Pech hat, ausgerechnet zur
unwirtlichen Herbst- oder Winterszeit einen jungen Hund zu bekommen, dann sind die
Schwierigkeiten mit dem Stubenreinwerden besonders gross. Begreiflich, denn wie soll sich der
Hund lösen - Schliessmuskel erschlaffen lassen - wenn er vom angenehm warmen Zimmer in das
rauhe, kalte Wetter ins Freie geführt werden muss. Schwierigkeiten bereiten auch Hunde, die
viel länger als üblich in einer Zwingeranlage gehalten wurden, ehe man sie an ihren endgültigen
Besitzer in einer Grosstadt verkaufte."
Er muss erst sein neues Klo kennen lernen. Er muss auch lernen, dass dies nicht im Haus ist -
für ihn. Er muss bestimmt, aber ohne Zorn, im Ansatz des unruhigen Suchens (Herumschnüffelns) am
Boden nach dem vermeintlich richtigen Ablass-Ort scharf beobachtet ( Vorsicht! Das geht ganz
schnelll!) und beim Absenken des Hinterteils, bevor er Wasser lässt, mit einem Verbotshörzeichen
„Nein" aufgehoben und an seinen künftigen Bestimmungsort gehievt werden. Dort wird gewartet, und
zwar stressfrei und kommentarlos, dass er dort sein Geschäft verrichtet. Tut er es, wird er über
den grünen Klee gelobt. Dies muss konsequent mehrmals geübt werden.
Zum Vergleich: Kleinkinder tragen drei Jahre lang eine Windel. Und Hunde sind vom natürlichen
Wurflager aus reinliche Tiere. Die Mutter reinigt sie und beseitigt den festen Stoffwechsel.
Dann kommt die völlig neue Situation und die völlig neue Hausordnung.
Hunger, Müdigkeit oder Spiel, alles auf einmal
Anstrengend, das alles, was wir ihm zumuten. Er hat sich das alles nicht ausgesucht, sondern wir
ihn! Also machen wir es ihm angenehm. Aber nicht bequem. Er muss nun in den nächsten Wochen die
neue Hausordnung kennenlernen. Er wird sich es bequem machen wollen.
Zunächst hat er aber einfach einen Bärenhunger. Es sei denn, Sie haben ihn schon so gestresst,
dass ihm das Fressen vergangen ist. Oder er ist zu müde. Erst mal ne Runde poofen. Sie geben ihm
in seine Schüssel die Portion, die Ihnen der Züchter als Übergangsration aufgeschrieben hat. Und
zunächst dasselbe Futter. Da gibt es grosse Unterschiede, und jeder weiss es noch besser. Fragen
Sie einfach den Tierarzt. Wenn Sie wechseln wollen, machen Sie dies nicht auf einmal, sondern
setzen vom neuen Futter immer ein bisschen mehr zu, damit sich sein Magen und seine Nase
umstellt.
Dabei werden auch noch viele alte Zöpfe gepredigt. Knochen und Milch sind tabu. Im Zweifel den
Tierarzt fragen. Auch für die Aufzucht der Welpen sollte in keinem Fall mehr als 28 Prozent
Rohproteinen gegeben werden. Immer mehr Hersteller begreifen, dass hier nicht viel gleich gesund
ist. Es gibt beim benötigten Calcium-Haushalt eine Über- und eine Unterversorgung.
Knochen verstopfen erstens nur, zweitens ist das keine Mahlzeit, wie man heute besser weiss,
drittens sind seine zwar spitzen, aber weichen Zähne nicht für solche Dinger geschaffen. Erst
wenn sie gewechselt sind und fest sitzen sollen, dann braucht er Nageersatz in Form von
Büffelhautknochen. Vorher braucht er andere verdauliche Gegenstände, an denen er herumnagen kann
- statt an Händen, antiken Möbelfüssen, Handbesen oder giftigen Putzmittelflaschen. Oder Schuhe.
Alle für ihn erreichbaren Haushalts-Reinigungsmittel sind sicherzustellen.
An den spitzen Zähnen darf sich auch nichts einhängen oder daran gezogen werden, das gibt eine
Fehlstellung des Gebisses, wenn nicht gar ein Zahn rausreisst.
Wo hinlegen, wo schlafen, wo sind seine Geschwister?
Das wird ein Drama: Irgendwann wird der Kleine seine Geschwister vermissen, nachdem er müde
geworden ist. Er sucht die Körperwärme seiner Geschwister. Aber wo hinlegen?
Legen Sie sich zu ihm auf den Boden, oder besser gleich auf seinen zugfreien, nicht an den
vielfrequentierten Plätzen, sondern an seinem Rückzugsraum. Das kann für die ersten Tage zur
Eingewöhnung ein Platz neben Ihrem Bett sein.
Nie im Bett! Das Bett, überhaupt Ihre Plätze sind für den Welpen von Anfang an tabu. In einer
intakten Hundefamilie würde sich ein rangniederer Hund nie erlauben, sich auch nur entfernt in
die Nähe des Rudelführers zu legen. Wenn, dann lässt sich schon mal der Rudelführer zu ihm
hernieder. Aber nur als Fürsorglichkeit. Der Hund will auch nicht auf oder ins Bett, sondern auf
den Rang (Thron) des Bosses. Ob das ein warmes Bett ist, ist ihm zunächst egal. Die meisten
Leute lügen sich an, wenn sie glauben, der Hund wolle zu Ihnen. Nein, der will nur das, was er
kriegen kann. Also, runter vom Bett. Und wenn es 20mal sein muss. Er ist hartnäckig.
Aber er darf am Bett schlafen, wenigstens für die erste Nacht. Weil ihm die Sehnsucht zu seinen
Geschwistern zum Heulen ist. Das ist Gruppenkontaktheulen. Eine soziale Singstunde. Er braucht
Körperkontakt.
Ich habe meine Akbash-Hündin nicht in ihr neben meinem Bett bereit gestellten Körbchen (es tut
auch eine nicht zu flauschige Decke) gelegt, als nach dem letzten Entleeren Schlaf angesagt war
- sie ging selber rein. Sie brauchte etwa eine Stunde, bis sie die richtige Schlafposition fand.
Ich hielt ihr eine Hand von mir hin, damit sie Kontakt halten kann. Ich ersetzte also leidlich
den Kontakt zu ihren verlorenen Geschwistern. Ich weiss nicht, ob ich oder sie eher
eingeschlafen bin. Ich vermute: sie. Das Riesenbaby legte sich noch mit vier Monaten ins
Körbchen, obwohl sie ihre langen Haxen nicht mehr unterbringen konnte. Da ging sie endlich raus
aus dem Kinderbett und legte sich auf die Decke.
Will der Welpe raus und rauf auf das Bett - also zu Ihnen - dann hilft nur eiserne, geradezu
ermüdende Konsequenz: „Nein". Runter, Hand auf den warmen kleinen Körper legen, über die Kruppe
oder noch besser mit dem Finger leicht und zart über die Stirn (Jargon: Stop) streichen.
Das beruhigt. Ihre Hand schläft ein. Alles ist gut.
Die neue Hündin bestieg einmal dieses Körbchen. Und nie wieder. Sie jammerte auch nicht nach
ihren Geschwistern. Sie zog es vor, auf grossen Decken zu schlafen.
Jeder ist halt anders. Auch beim Schlafen.
Fress- und Tischsitten
Auch wenn dies in den entsprechenden Kapiteln bereits behandelt wurde: es ist von grosser
erzieherischer Wirkung, wenn man gewisse Hausordnungen von Anfang an festlegt, und nur bei
eigenen Fehlern korrigiert. Hunde sind Gewohnheitstiere, sie lieben feste Ordnungen. Und Welpen
brauchen gewissen Ordnungen, schon, um ihren Stoffwechsel kontinuierlich aufzubauen.
Und der Halter hat nach dem ersten Stress - wann frisst er, wann pinkelt er, wann kackt er
(immer und immer dann, wenn Sie es nicht erwarten...) - langsam die Zeiten im Griff, er lernt
den Welpen beim Wichtigsten kennen. Fressen, Verdauen und Entleeren.
Der Hund hat seinen von Anfang an ungestörten Platz, wo die Fress- und seine stets mit frischem
Wasser gefüllte Schüssel steht. Dort, während des Fressens darf er nur zur Erziehungskontrolle
des Rudelbosses (Sie und Ihr Lebenspartner, nicht aber Kinder!) „gestört" werden, damit er sich
daran gewöhnt, dass er Vertrauen aufbaut (ihm keiner die Beute wegnimmt) und daher nicht zu
knurren hat. Sonst wird er in Ruhe gelassen.
Nachdem er aufgehört hat, seine Ration zu fressen, gibt man ihm noch zehn Minuten Frist, dann
wird die Schüssel geleert. Keine Ausnahme. Nur so gewöhnt er sich das Nachfassen oder Schlecken
über zig Stunden ab, so gewöhnen Sie ihn daran, das Sie sich auf seinen Stoffwechsel-Rhythmus
einrichten können. Er soll ungestört, aber zügig seine Portion fressen.
Wie viel? Anfänger, die das richtige Mass nicht im Gefühl haben können, verlassen sich auf die
Ratschläge des Züchters oder Tierheimpersonals, wiegen von mir aus die Portionen ab. Ich habe es
in der Hand, ich gehe nach Gefühl. Wenn meine Hunde, die meist las Arbeitshundezuchten nie
Fressnotoriker sind, auch als Welpen immer aufhörten, wenn sie satt waren, wenn die Welpen
aufhören zu fressen, haben sie genug. Mit der erwähnten Schonfrist. Basta mit der Pasta.
Nicht nur bei Welpen besteht die Gefahr bei Feuchtfutter in warmer Jahreszeit oder überheizten
Wohnungen, wenn es nicht nach dem Fressen entsorgt wird, dass sich im kleinen Magen durch das
komfortabel gemachte Schlingen und durch das Verderben des Futters Gase bilden und den Bauch
aufblähen. Kann auch bei aufgeweichtem Trockenfutter passieren, das im Magen wie ein
hefe-ähnlich aufgehendes Konzentrat wirkt. Die Gefahr einer Magendrehung droht.
Ich gebe ihnen Trockenfertigfutter aus schwedischer Herstellung, damit sie geduldig beissen und
nicht schlingen. Andere mögen die zahnbelagputzende Brocken, die in der Grösse zum Welpen passen
sollten, ein wenig einweichen. Aber da werden sie eher zum Schlingen verführt. Man kann es nach
den Eigenschaften des Hundes entscheiden.
Danach werden sie sofort auf ihre Stoffwechselplätze geführt, wenn sie es nicht schon selber
tun. Beim Stoffwechsel gelobt, wenn sie es dort tun, wo Sie es als Halter das neue Hundeklo für
richtig halten. Der neue Welpe muss dies ja wissen und gezeigt bekommen. Hunde sind saubere
Wesen, sie beschmutzen ihr Nest nur, wenn der Mensch ihnen andere Möglichkeiten versperrt.
Danach ruhen meine Welpen oder sie bewegen sich normal.
Ich höre immer wieder diese Hysteriker oder Theoretiker, die schreiben, dass Welpen nach dem
Fressen drei Stunden ruhen sollten. Werden die mit Valium gefüttert? Oder fressen sie sich wie
Idioten den Wanst voll, dass man Angst haben muss, sie bekämen beim ersten Hopser eine
Magendrehung? Die oft tödlich verlaufende Magendrehung hat meist ganz andere Ursachen. Aber die
Welpen dürfen nie und nimmer nach dem Fressen zu Leistungen aufgefordert werden. Leider muss man
immer wieder beobachten, dass diese jungen Hunde mit sich besser umgehen (es besser wissen) als
manche Erwachsene mit ihrem untrainierten Körper.
Ich füttere meine mindestens mittelgrossen Hunde vom Abgabealter bis zum nach dem
Milchzahnwechsel (meist zum fünften Monat) mit maximal 25 Prozent Rohproteinen, alles andere ist
fast schon ungesund, vor allem überholte Ansicht. Die Tagesration verteile ich gleichmässig auf
drei Rationen.
Ab dem Zahnwechsel (endlich keine zerschundenen Hände und Hosen und Hemden mehr ...) bekommen
sie ihre angepassten Rationen auf zweimal täglich verteilt. Ab einem guten Lebensjahr nur noch
einmal. Bei extrem kleinen und extrem grossen oder schweren wie empfindlichen Rassen muss man
bei erwachsenen Hunden immer zwei Rationen täglich geben.
Vor Zusatzmitteln würde ich abraten. Es sind nur Überversorgungen, die nicht selten ungesund
sind. Und sie bewirken nichts, kosten nur viel Geld. Ich spare nicht am Futter, aber das
Teuerste ist noch lange nicht das beste. Das Billigste ist freilich oft das Teuerste, weil auf
diese Rechnung meist noch die dann erforderliche Tierarzt-Behandlung draufschlägt.
Wie auch immer Erfahrungen aussehen: Das richtige Mass zu finden ist leicht, Übertreibungen sind
eher schädlich.
Und das richtige Mass des Gewichts möge man nicht von seiner eigenen eventuellen
Übergewichtigkeit auf den eigenen Hund übertragen, mitgefressen, mitgelitten. Zwei Drittel aller
Hunde sind übergewichtig. Wie ihre Halter. Lieber schlank halten, da lebt der Hund länger, er
belastet seine Gelenke nicht so schwer. Sonst freut sich der Tierarzt.
Fühlen Sie über die Flanke ihres Hundes. Wenn Sie die Rippen spüren, hat er das richtige Mass.
Und nochmal: Gut gemeint ist oft schlecht getan. Gerade auf dem Ernährungssektor. Für den Rest
lesen Sie bitte das entsprechende Kapitel „Ernährung" halt ernährungsbewusster.
Sie dürfen nur nicht Ihre Gewohnheiten und Ansichten auf Hunde übertragen. Ein Hund ist ein Hund
ist ein Hund. Auch was seine Ernährung betrifft. Dass sie der Werbung nicht glauben müssen, das
empfehle ich Ihnen aber gerne. Sie glauben doch sonst auch nicht alles.
Noch einen drauf, mit vollfetter Absicht, denn ich kenne das Problem der gemästeten Hunde aus
eigensüchtiger „Tierliebe", die nur durch den kranken Magen des Hundes geht: Haben Sie schon mal
einen fetten Wolf gesehen - auch nur im Fernsehen? Oder einen Hund bei der Arbeit?
Dass Fressen nur in der Hundeschüssel stattfindet, ist hundelogisch. Sonst erzieht man sie zu
Bettlern. Es braucht nur eine Ausnahme. Denn der Hund ist streng und konsequent. Er lauert auf
seine Gelegenheit, wartet wie ein Jäger. Und wenn doch was runterfällt, manche Menschen sind da
irre selbstbelügend, dann hat er gewonnen. Merken Sie was, wie das geht, wer da wen „erzieht"?
Sie werden verlieren, aber bemühen Sie sich und sagen Sie nie zu Ihrem Hund: Du Bettler!
Es wäre eine völlig falsche Berufsbezeichnung: Er nimmt sich nur, was er kriegen kann. Da fängt
er als ganz Kleiner an.
Der erste Ausgang und die Überforderung
Ruhig spazieren gehen ist was anderes. Aber niemals Stress ausüben. Lassen Sie ihn neugierig
sein. Lassen Sie ihn unten laufen, da, wo er hingehört. Und Kontakt aufnehmen zu anderen Hunden,
wenn Sie deren Halter als sozial kennen! Schlechte Erfahrungen wird man nicht vermeiden können,
soll man auch nicht, aber nicht gerade den guten vorziehen.
Die ersten Spaziergänge sollten eine Viertelstunde nie überschreiten. Überforderung ist
krankheitsfördernd. Konnten Sie mit - sagen wir mal - einem Jahr schon einen 5 000-Meter-Lauf
hinlegen?
Welpen schlafen in den ersten Wochen noch viel. Aber nie so viel, dass Sie nicht restlos bedient
sein würden. Aber ihn in seinem körperlichen und psychischen Wachstum entwickeln zu sehen, ist
ein Vergnügen, das nicht zu ersetzen ist und viel zu schnell vor sich geht.
Sie haben die Entwicklung, was aus ihm wird, in der Hand. Sie übernehmen den acht bis zehn
Wochen alten Welpen, sofern er schon beim Züchter verantwortungsvoll auf Menschen und Umgebung
geprägt wurde, für weitere zwei Wochen in der entscheidenden Prägephase.
Nützen Sie diese Zeit. Zeigen Sie ihm seine und Ihre Umwelt. So wird er mit Ihnen selbstsicher.
Unnötig zu sagen, dass man für die Eingewöhnung des Welpen ohnehin Urlaub nimmt. Denn diese Zeit
ist erstens Aktiv-Urlaub und zweitens ein Gewinn für die spätere Entwicklung. Wer jedoch zu
wenig Zeit für einen Hund hat, und es kommt nie auf die Körpergrösse des Hundes an, der möge
Tierfreund bleiben und so lange auf einen verzichten.
Er will lernen - mit Ihnen
Besuchen Sie mit ihm eine Welpenschule. Er lernt den Sozialkontakt und vor allem die Rangordnung
mit anderen Hunden. Und sie lernen mit ihm. Solche Kontakte entscheiden über seinen Charakter
ganz erheblich, ob daraus ein Angstbeisser wird oder ein Souverän.
Welpe ist der Hund, bis er seine Zähne wechselt, das ist je nach Entwicklung verschieden, aber
meist nicht vor dem vierten Monat. Spätestens zum sechsten Monat sind die spitzen Beisserchen
endlich ersetzt und hoffentlich vollzählig. Dann ist er kein Welpe mehr, er wird Junghund.
Denn dieser Beitrag war nur eine Anleitung für die ersten glücklichen, aber erschöpfenden
Schritte.
Ein Hund, der nichts lernen darf, bleibt ein dummer Hund. Spielen ist ein entscheidende
Vorstufe.
Spielen ist Lernen zum Überleben. Und spielen Sie mit ihm, lassen Sie ihn dabei nicht allein,
denn beim Spielen, sogar dem Anpfiff und der Beendigung, da fängt der Kindergarten-Unterricht
schon an.
Hier zeigt es sich schon, wer der wahre Herr im Haus ist. Denn die Rangordnung ist eines der
wichtigsten Regeln für das streng ordnungsliebende Gesellschaftstier Hund. Er muss nun in seinen
Rang eingeordnet werden. Von Unterordnung gleich Unterdrückung spricht niemand, der einen
selbstsicheren Hund will. Nur einen devoten Soldaten. Er muss die Regeln kennen lernen.
Ein eingeordneter Hund ist immer auch ein zufriedener.
Man darf sich nicht davon abhalten lassen, dass er ja noch so klein und so süss sei. Er wird
Ihnen dann bald zeigen, was er davon hält. Er ist ja nicht doof. Wer ihn jedoch für doof hält,
ist selber ...
Strafen?
Bitte bei Hunden nicht militant werden! Strafen kennen Tiere untereinander auch nicht. Sie
weisen sich und andere zurecht. Die brutalste Strafe für Hunde - vor allem für Welpen - ist die
Isolation von der Umwelt einschliesslich Menschen; die zweithärteste ist Trennung aus dem Rudel
(ein-, meist ausschliesslich Menschen). Korrekturen im Hundesinne sind: Aus dem Spielplatz
entfernen, Überschnauzenpacken - nicht zudrücken, nur packen, wie die Hunde es auch tun.
Korrekte Verbotshörzeichen: „Nein!", am besten geknurrt „Nnnaaa!". Und immer unmittelbar, noch
besser im Ansatz der „Untat". Zu spätes „Strafen" verwirrt den Hund, er verknüpft es nicht mehr
mit dem Verbot.
Am besten, man schaut sich das bei den Hundeeltern ab. Die können das.
Wir streben doch an, unseren Hund wie bei Familie Wolf zu erziehen, weil wir diese Rangstruktur
in seiner tierlichen Verständlichkeit bewundern. Haben Sie schon mal ein Elektroschockgerät bei
einem Wolf gesehen? Haben Sie schon mal gesehen, wie erwachsene Wölfe sich gegenseitig
verknuddeln? Aber dort sprechen sie mit ihrem ganzen Körper. Sie setzen ihn ein. Das hat man uns
aberzogen. Lernen wir von den Hunden wieder eindeutige Körpersprache. Für sprachgestörte
Menschen, und das sind viele, können kommunikativ geprägte Hunde geradezu als Logo-Therapeuten
wirken.
Ich habe das von einer Wolfsfamilie abgeschaut, bei meinem Rüden als Welpe simuliert, und er hat
es als Methode übernommen und macht es so:
Sie suchen sich ein absolut begehrenswertes Teil für den Welpen. Etwas, was er verflucht gerne
hätte, oder was ihm als Spielzeug gerade das Liebste ist. Das nehmen Sie auf und tragen es so
umher, dass es für den Welpen wahnsinnig interessant wird.
Machen Sie das Spiel hundeverständlich, ach was - machen Sie einfach den Hund und gehen auf alle
Viere runter, wenn es der Nachbar nicht sieht oder der Lebensgefährte.
Noch besser: Sie nehmen wie eben ein Hunde-Rudelführer dieses Beutestück ins Maul. Das sieht
dann für den Welpen aus wie im richtigen Wildhundeleben.
Dann lassen Sie das gute Stück fallen.
Der Welpe, wenn nicht ganz verdattert, wird es sofort haben wollen. Da fahren Sie ihn an mit
einem böse geknurrten „Nnnaaa!" oder „Nnneein!" Ja nach Dialekt. Das Knurren ist dabei wichtig,
denn das kennt er von seiner Mutter. Jetzt fängt es jedoch erst an. Das Bestätigen sie jetzt
durch eine kleine Verbesserung der Lehrstunde: Sie krabbeln mit dem Teil, das Sie wieder
aufgenommen haben, ein paar Zentimeter weg, der Welpe schaut sehr gierig, und lassen es so
fallen, dass Sie wie scheinbar nachlässig mit dem Rücken zum Welpen gebückt sind.
Sie schauen durch ihre Beine zu ihm, was er macht. Aber er darf dies nicht als Kontrolle
erkennen. Er ist ja nicht blöd. Ganz versteckt. Mein Rüde hat sich dabei nicht mal umgedreht. Er
hört ja besser.
Dann krabbeln Sie weg vom Tatort, tun so, als interessiere Sie das Ganze nicht mehr. Haben aber
alles unter Kontrolle. Der Welpe wird nun - viel vorsichtiger als beim ersten Versuch -
herankriechen. Wenn sein Hals lang wird und der Fang schon geöffnet zum wegholen des
Beutestücks, dann fahren Sie herum und - klar - Sie verknüpfen dies wieder mit dem
Verbotshörzeichen „Nein!", das später ja ohne dieses bühnenreife Stück funktionieren soll.
Knurren Sie, überwinden Sie sich. Es hilft nur dem Verständnis des Hundes, der Verbote nur dank
Knurren kennt. Im Notfall durch Schnappen. Das ersparen wir uns aber, weil es bei unserem Gebiss
zu lächerlich ist. Der Welpe ist vermutlich - wenn Sie es ernst genug gemeint haben - unter den
Tisch geflitzt. Huch! Böse. Hm. Entweder verstärken und wiederholen Sie dies nochmal, oder Sie
stehen auf, nehmen das Teil und - weg damit. Ende der Vorstellung.
Wichtig ist auch dies als Lehre: Sie beginnen ein Spiel mit dem Welpen, und nur Sie beenden es.
Damit dürfte die Rangfolge und -einordnung fürs Erste geregelt sein. Bei meinem Rüden sass das
bei einer Wiederholung so gut, dass er auch nach sechs Jahren niemals auch nur die Rangfolge
hätte in Frage stellen wollen. Ich lobe ja nur ihn...
Spielen lernen
Noch einmal, auch wenn es langweilt, aber da wir Menschen kaum mehr spielen können, oder es
durften: Spielen ist Anleitung zum Leben - bei Wildtieren: Überleben.
Spielen ist nicht bloss Herumalbern. Etwas spielend beigebracht zu bekommen, ist nach wie vor
die beste pädagogische Methode. Im Spiel kann der Welpe lernen, was zu weit geht, wer der
Stärkere ist und der Schwächere. Gute Pädagogen unter erwachsenen Hunden lassen es zu, dass auch
mal der Welpe „oben auf" ist, sie, die wirklich überlegenen, unterwerfen sich schon mal, damit
der Welpe selbstsicher wird. Das wird bei den meisten jungen Hunden bei schwachen Erziehern,
Dresseuren, heute noch falsch gemacht. Der Welpe bekommt nie das Gefühl, wie stark er sein kann.
So werden Angstbeisser erzogen. Aber zum Schluss eines Raufspiels müssen immer Sie als „Sieger"
hervorgehen. Damit klar bleibt, wer der Boss ist.
Mein im Rang eindeutig höher stehender Rüde, obwohl kleiner als die Hündin, wirft sich heute
noch im Raufspiel mit der ohnehin sehr dominanten Hündin auf den Rücken, bietet ihr die Kehle,
nur zum Schein, um zu zeigen: Ich kann es mir leisten, sie wird wohl noch wissen, wer hier der
Boss ist. Wenn sie die spielerische Schwäche ausnützen würde, würde er ihr den Frack versohlen.
Es sind ganz einfache Spielregeln, die ein junger Hund lernen kann. Aber sie sind ungeheuer
konsequent und streng. Bei Hunden gibt es kein Wenn und Aber. Keine Unentschiedenheit.
Psychisch starke Hunde nützen jede Schwäche, die sich ihnen im Ernstfall bietet, gnadenlos aus.
Das wird aber bereits im Rudel unter verschieden alten Tieren erprobt.
Wenn ein Welpe, wie meist der Fall, keinen erfahrenen Hund als direkten Rudelgenossen zur
Verfügung hat, dann müssen die menschlichen Rudelmitglieder diesen Lehrkörper darstellen. Und
mit Körper meine ich wirklich die ausgeprägte Körpersprache, zu denen eben nur
gesellschaftstüchtige Tiere fähig sind. Sie müssen sich anderen mitteilen. Damit der andere
versteht, was gemeint ist, was man will oder nicht. Dazu gehören Bestätigung und Verbot,
Vermeiden und Vortäuschen (Imponieren).
Fürs erste genügt, weil der überglückliche Mensch zu viel zu tun hat mit dem Glücklichsein und
Beobachten, dass man dem Welpen die menschlichen Hände langsam entzieht. Sie sind fortan - auch
wenn es schwerfällt, andererseits wiederum nicht, weil die Zähnchen ekelhaft spitz sind wie bei
Katzen - keine Spielzeuge mehr. Hände müssen immer etwas Gutes für den Hund bedeuten. Er würde
fürchterlich verwirrt, wenn ihn die Hand, die ihn versorgt, auch streichelt, plötzlich zu einer
Waffe würde. Hunde machen dies ehrlicher. Sie können als erfahrene Tiere mit ihrem
Multifunktionswerkzeug Gebiss sehr sensibel umgehen. Aber das und noch viel mehr muss der Welpe
erst noch lernen. Seinen Beissdrang kann man mit geeigneten Spielzeugen (kein Plastik)
befriedigen. Er muss sich ja nun anderweitig beschäftigen, weil die Geschwister nicht mehr da
sind, mit denen man sich messen kann, bei denen man Nestwärme vorfindet.
Sie sind für ihn nicht Welpe, sie sind Rudelführer! Wenn Sie diese Rolle abgeben, wird er sie
bald übernehmen, und Sie merken es später. Er nimmt sich nur, was er kriegen kann.
Sie fangen sofort damit an, ein Spiel anzupfeifen, und es auch zu beenden: vom Boden wieder
aufstehen und Spielzeug wegstellen. Sie bestimmen fortan die Regeln. So stellen Sie klar, wer
hier der Boss ist. (Hier dürfen Sie es endlich sein, also tun Sie es.)
Das geht alles ohne Gewalt. Haben Sie schon mal gesehen, wie ein Hund einen Welpen zurechtweist?
Dazu braucht er keine Zeitung, keinen Stock, sondern den Überschnauzengriff.
Ich habe meine Welpen auch mal über den Fang gebissen, nicht zugebissen, nur gepackt, weil dies
auch die Elterntiere so machen. Der Überschnauzenbiss kann später mit einem Überschnauzengriff
mit der Hand ersetzt werden. Das verstehen die Hunde sofort.
Und ein „Pfui", haben Sie das schon von einer Hundemutter gehört? Eben. Ich knurre meine Hunde
heute noch an, tief grollend, ich zeige meine noch vorhandenen Zähne. Die Hunde verstehen. (Sie
tun wenigstens so.)
Seien Sie ein Souverän gegenüber ihrem Hund, spielen Sie mit ihm, aber nie gegen ihn.
Höhere Lebewesen lernen früh und schnell. Also keine Ausreden Ihrerseits. Sie können dem Welpen
schon in den ersten Tagen beibringen, dass er gemeint ist, wenn Sie seinen Namen rufen.
Dazu klatschen Sie in die Hände, um durch dieses Geräusch seine Aufmerksamkeit zu erregen, und
als Signal, dass es von Ihnen ausgeht, und sagen dazu seinen Namen.
Kommt er dann auch noch rein zufällig zu Ihnen, verknüpfen Sie dies sofort mit einem „Hier".
Wunderbar! Er hat Ihr Hörzeichen mit der Umsetzung verknüpft. Die Verknüpfung zum richtigen
Zeitpunkt ist das Geheimnis der Ausbildung. Und wenn Sie ihn unmittelbar danach loben und
belohnen, haben Sie das Prinzip des Lehrens begriffen.
Sitzt er dann auch noch vor Ihnen ab, wiederholen Sie den Ablauf mit einem „Sitz", wenn er sich
gerade - noch zufällig - in diese Haltung bewegt. Noch schöner, ist ja fast die halbe
Grundausbildung! Weil Sie es begriffen haben, wie man Hunden etwas biologisch beibringt. Denn
die Verknüpfung zum richtigen Zeitpunkt ist das Geheimnis der Ausbildung. Fürs erste. Denn nur
die - auch für den Welpen - verständliche Wiederholung bestätigt und speichert ab.
Rangordnungs-Training
Dies ist die wichtigste Lernübung für den Welpen, weil sie in seiner intensivsten Lernphase, der
Prägephase zwischen der fünften und zwölften Lebenswoche, geübt wird.
Der Welpe hat schon bei seiner Mutter und mit seinen Wurfgeschwistern gelernt, dass es
Unterschiede gibt: Stärkere, Schwächere, Frechere, Zurückhaltendere. Und er hat gelernt, dass
hund sich durchsetzen muss, um zu seinen existenz-sichernden Bedürfnissen zu kommen.
Wird ihm das im neuen Heim alles wie von selbst gewährt, darf er alles tun und lassen, wie er
will, wird er sich diese neue Bequemlichkeit sofort erobern und verteidigen. Wäre doch blöd,
wenn er es nicht täte. Er wird so ganz flott zum eigentlichen Rudelführer gemacht. Im Rudel
selber bekäme er dafür sofort eins auf die „Schnauze". Da gab es eine ganz klare Rangordnung.
Das erkennen erfahrene Hundehalter schon beim ersten Krabbelversuch zur mütterlichen Milchbar.
Hier zeigte es sich schon, wer sich durchsetzen wird auch im späteren Hundeleben. Biotonus
nennen das die Fachleute: Überlebenswille. Ich suchte meine beiden Hündinnen genau danach aus.
Sie waren stets die ersten an den Zitzen.
Im neuen Rudel muss die neue Hausordnung neu gelernt werden. Was man tun darf, wo, und was
nicht. Wer es nicht lernen darf, tut, was er will. Das wird bei kräftigen Hunden dann später
schwierig zu kontrollieren, weil die Halter es versäumt haben, die Rangordnung herzustellen und
immer wieder zu bestätigen.
Damit fängt man klein an. Am ersten Tag schon, wann nicht dann, wann denn? Hund, auch ganz
junge, denken sehr konsequent biologisch. Sie nehmen sich, was sie kriegen können. Wir aber
legen als neue Rudelführer die Regeln fest. Er wird sie jeden Tag überprüfen. Ob es nicht
doch...
Kleine Regeln erleichtern die künftige Rangordnung. Denn ein eingeordneter Hund ist ein
zufriedener. Er braucht diese Sicherheit seines Rangs.
Essen Sie von Anfang an zuerst selbst etwas, muss nicht viel sein, irgend einen Bissen, damit
ihr Welpe sieht: Wie zu hause, der Boss frisst zuerst. Dann erst bekommt der Welpe seine Ration,
natürlich nur an seinem Platz. Sie und alle Familienmitglieder gewöhnen ihn daran gleich, dass
sie ab und zu an seine Schüssel fassen dürfen, sie wegnehmen und wieder hinstellen. Von Beginn
an einfach als Gewohnheit einführen. Das kann meist nach wenigen Tagen dann wieder unterbleiben,
weil der Welpe es ohne Murren akzeptiert, dass man an seine Schüssel geht. Er hat dann Vertrauen
gefasst, weil er letzten Endes nicht um sein Fressen betrogen wurde. Sie müssen im Grunde nur so
tun, als würden sie jederzeit Kontrolle über sein Tun ausüben. Das reicht meist.
Das darf aber nie zum Ärgern ausgenutzt werden oder als Spiel. Kinder dürfen dies nie mit dem
Hund üben, ohne die Kontrolle der Eltern. Denn Kinder kennen darin keine Lehre, sondern eine
Möglichkeit zur Unterdrückung. Das wäre fatal für die Beziehung zwischen Hund und Kinder.
Die Verantwortung der Eltern ist hier gefragt. Sorglosigkeit fördert hier Probleme.
Der Welpe muss nur lernen, dass er nicht knurren darf, wenn ihm Ranghöhere das Essen - in seinem
Sinne - streitig machen. Der Spagat dieser Übung ist aber, ihm gleichzeitig das Vertrauen zu
vermitteln, dass er nicht gestraft wird. Vor allem nicht, dass er ständig am Fressen gestört
wird. Das wäre ein Eigentor, weil der Welpe dann natürlich um sein Fressen kämpfen wird. zu
recht. Und er wird beim nächsten Fressen nervös und bekommt daher - wie wir bei Prüfungsterminen
- eine nervöse Verdauung mit dünnflüssigen Folgen.
Sie gewöhnen den Welpen mit diesem in aller Ruhe ausgeübten Training daran, dass Sie als
Rudelführer jederzeit über ihn Kontrolle ausüben können. Wie im Raufspiel auch. Er darf mal
obenauf sein, sich als Sieger fühlen, ein Spielzeug sichern (wegtragen), dann muss er wieder
verlieren lernen (unterliegen, das Spielzeug auslassen mit dem Hörzeichen „Aus!"). Dann wird er
dafür gelobt. Wenn er spielend lernen darf, wie das ist, oben auf zu sein, wird er psychisch
stark gemacht.
Kontrolliert wird dies damit, dass zum Ende eines Spiels, dass immer der Rudelführer verkündet,
der Rudelführer gewonnen hat - oben auf war. So wird die Rangfolge bestätigt.
Bei später aggressiv-dominanten Hunden ist dieses Rangordnungs-Lernspiel, eines der wichtigsten
in der wichtigsten Zeit, der Prägephase im Alter von fünf bis zwölf Wochen, ausgeblieben.
Ich bevorzuge sehr selbstbewusste und selbstsichere Hunde. Sie lernten diese Rangfolge auf
spielerische, aber eben für sie lehrhafte Weise. Ich hatte nie Probleme mit der Rangfolge. Ja,
mein Rüde gab diese Erfahrung an beide Welpen-Hündinnen weiter. Auch er konnte er es sich
leisten, mal den Schwächeren zu geben, damit sie sich aufbauen konnten und lernen, wie es ist,
stark zu sein.
Wie er es von mir gelernt hat. Ich habe ihn bei Zurechtweisungen schon mal angeknurrt und in den
Fang gepackt, mit meinen lächerlichen Beissern. Aber er hat ein für allemal verstanden. Dies gab
er als wundervoller Assistenzlehrer an Welpen weiter.
Tierärztliche Erst-Versorgung
Ich will hier Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt nicht ins Handwerk pfuschen, aber wir ziehen
hier alle an einem Strang. Ich hoffe sehr, dass der Züchter seiner Pflicht nachgekommen ist, und
zeitgerecht durchgeimpft und entwurmt hat, so weit das Abgabealter es gebietet. Darmparasiten
sind gefährlich. Vor allem der Fuchsbandwurm. Eine ausreichende Behandlung ist auch zum Schutz
der Menschen wichtig, wenn sie in Kontakt mit Hunden kommen, vor allem mit Welpen. Spulwürmer
sind vor allem für Welpen schwierig. Bei trächtigen Hündinnen werden Larven in der Muskulator
erweckt, die sich bei einem früheren Befall dort eingenistet haben. Die Larven wandern in die
Milchdrüse und den Uterus und infizieren so die ungeborenen Welpen. Nur der Hundebandwurm ist
für den Menschen nicht gefährlich. Er wird durch Flöhe übertragen.
Für trächtige und säugende Hündinnen und ihren Nachwuchs ist eine mehrmalige Entwurmung im
zweiwöchigen Abstand erforderlich. Am besten ist die erste Entwurmung der Welpen in der zweiten
Lebenswoche und danach alle zwei Wochen, bis sie drei Monate alt sind. Anfangs soll die Mutter
mitentwurmt werden. Später genügt eine Behandlung alle drei Monate, bis der Hund ein Jahr alt
ist. Danach genügt eine halbjährliche Entwurmung. Die (weiteren) Entwurmungs-Termine sind
jeweils eine Woche vor der jährlichen Impfung zu legen.
Ihr Tierarzt wird das weitere Vorgehen und mit Ihnen über die fortlaufenden Impfungen sprechen.
Lassen Sie den Kot mehrmals analysieren. Denn alle Welpen, die mehr als ihr Wohnzimmer sehen
dürfen, riechen an allem, was hochinformativ für sie ist, und das ist auch der Auswurf anderer
Lebewesen. Es sind mitunter beschissene Informationen. Denn in der Stadt gibt es wahre
Parasiten- und sonstige Krankheitsherde, gerade auf Hundespielplätzen, bei Hundeschulen,
Tierarztpraxen, auf Strassen, wo sich leider fast jeder Hund entleeren unfreiwillig muss. Und
wie viele Hundehalter lassen ihren Hund regelmässig entwurmen? Also auch erwachsene zweimal
jährlich? In der freien Natur interessiert dagegen der Kot anderer Tiere, ebenfalls parasitär
befallen. Schaf- oder Marderkot oder andere Exkremente sind nicht selten von Würmern befallen.
Viehzüchter sorgen nicht so für ihre Tiere wie Sie. Daher ist eine im Welpenalter sorgfältig
abgestimmte Kot-, manchmal Blut-Analyse sehr wichtig für die weitere Gesundheit.
Ich würde bei sehr jungen Welpen, also bis zum zweiten Lebensmonat, mit Banminth oder Welpan
entwurmen, denn die kräftigeren Tabletten Drontal und Drontal Plus schlauchen die noch sehr
jungen Welpen zu sehr. Nach diesem Alter aber muss ordentlich entwurmt werden, gegen alle
möglichen Wurmarten. Mit den genannten Tabletten. Je zehn Kilo eine Tablette. Exakt zu dosieren.
Deshalb ist auch eine kontinuierliche Gewichtskontrolle wichtig, damit man etwaige Veränderungen
bemerkt. Aber Welpen entwickeln sich nicht gleichmässig. Sie legen auch Wachstumspausen ein, um
danach oft richtig zu explodieren.
Nach dem Wechsel des Milchgebisses zum vollständigen endet die Welpenzeit. Dann wird der Welpe
Junghund. Der Zahnwechsel setzt normalerweise mit dem vierten Monat ein und ist allgemein mit
dem fünften abgeschlossen. Hände und Wertgegenstände werden fortan nicht mehr gelocht.
Wenn der Welpe im Frühjahr abgeholt wird, ist gleichzeitig mit den ersten Ausflügen auch die
Zeckenzeit angesagt. Es ist alles andere als Nachsicht geboten. Zecken können sogar
lebensgefährliche Krankheiten übertragen. Ein Halsbändchen als „Schutz"? Vergessen Sie es.
Das war mal, als noch gar nichts gegen Zeckenbisse auf dem Markt war. Sie wirkten kaum. Heute
gibt es besseres. Fragen Sie auch hier Ihren Tierarzt. Wer vorsichtig vorgehen möchte, gebe dem
Welpen etwas Knboblauch-Granulat ins Futter. Ist besser als nichts.
Eine Anfrage bei den renommierten Tierkliniken der Universitäten Hannover und Giessen zum
Verdacht, dass Wurmmittel wie Drontal plus oder Anti-Zecken-Mittel wie ExSpot oder Frontline in
einen ursächlichen Zusammenhang mit epileptischen Krampfanfällen zu bringen sind, ergab, dass
den Kliniken darüber nichts bekannt ist. Und Tierärzte müssen eventuell sofort berichten.
Der Tierarzt wird den Hund beim ersten Besuch auch gründlich untersuchen. Aber machen Sie diesen
aufregenden Besuch nicht gleich nach dem Abholen vom Züchter, quasi auf dem Weg nach Hause, denn
dann verknüpft der Welpe dies mit der unangenehmen Logik: Autofahren gleich Tierarztgeruch.
Warten Sie ab, bis sein Darm (nach der Umstellungs-Nervosität) sich beruhigt hat. Es sei denn,
alles fliesst zu lange.
Für die erste Reise könnte der Tierarzt, fragen Sie vorher, Kohletabletten empfehlen, damit es
nicht gleich dünn kommt. Der Züchter gibt diese Verdickung in seine letzte Fütterung.
Das richtige Tragen und - wie lange
Nur der abgesetzte Welpe, also der ganz junge bis zu etwa acht bis neun oder auch mal bei
grossen, schwerwachsenden oder gezüchtet kurzfüssigen Rassen bis zehn Wochen, darf oder soll
getragen werden, wenn es über steile, haltlose oder gar durchsichtige Treppen geht oder sonstige
Hindernisse. Natürlich auch ins und aus dem Auto. Denn dies beansprucht die Gelenke und Sehnen
des Welpen zu sehr.
Danach runter auf den Boden, wo normale Hunde hingehören. Dazu haben sie vier Beine. Es sind
Lauftiere und keine, die man auch geistig auf den Arm nimmt. Vor allem dann nicht, wenn sie
Schnauzenkontakt zur hundegerechten Begrüssung mit anderen Hunden haben wollen und müssen.
Gerade die ängstlichen Halter erziehen ihren Hund so zur eigenen Angst, zu Isolation
(Höchststrafe für Gesellschaftstiere) und zur unkontrollierten Angeberei (später:
Angstbeisserei). Dieses Hochnehmen verführt andererseits fremde Hunde dazu, den Kontakt zu dem
weggerissenen Hund erneut und intensiver zu suchen. Also Hände weg, wenn der Hund unter normalen
Umständen unterwegs ist.
Wie soll er - wenn schon - getragen werden? Nicht von Kindern, die dieses Gewicht nicht locker
beherrschen. Mädchen sind freilich hier sehr viel vorsichtiger als Jungen.
Eine Hand unter die Vorderbrust - zwischen den Vorderläufen gespreizt. So hat man die Kontrolle
über seinen Vorderbau und hält die Balance, wenn er vorn herumsucht. Das Hinterteil hält man mit
der anderen Hand, man unterstützt quasi den Rest von unten.
Es kann schon vorkommen, dass diese Hand, weil es so schön warm wird, mal befeuchtet wird. Aber
einen „Tod" müssen Sie sterben, wenn sie ein Lauftier auf den Arm nehmen.
Andere typische Welpen-Eigenschaften
Das Nagen aller erreichbarer und schier unmöglich erreichbarer Gegenstände. Der Welpe hat bis
zum allseits ersehnten Wechsel der spitzen Milchbeisser zum richtigen Gebiss einen unstillbaren
Nagetrieb. Es treibt ihn im Kiefer, es juckt und - lebt eben. Das will abreagiert und
beschäftigt werden.
Geben Sie dem Welpen Ersatzobjekte statt teurer Kleidung oder Schuhe oder Möbelstücke oder
Zeitungen oder Kloschüsselbürsten oder ...
Kausteifen, kleinere Büffelhautknochen - angepasst an die Maulweite, und andere künstliche
Gegenstände wird er vielleicht als Ersatz akzeptieren. Bei mir gibt es sogar - einen Babyschuh
als Kauknochen. Als ganz junger Welpe trug in Anima stolz umher, irre Beute! Dann aber wurde ihr
das zu albern und nicht mehr ernsthaft genug. Ich konnte sie verstehen.
Sie hat sonst keine Spielzeuge. Ich setzte enge Grenzen bei Vermenschlichung. Denn sie hat ihren
Abenteuerspielplatz im grossen Garten. Stecken, Wurzeln etc. Und ihren grossen Rüden und mich
oder besuchende Kinder. Oder Verbotenes.
Gut, einen Tennisball hat sie gefunden. Damit spielen wir Apportieren, im Grunde aber das
Herkommen. Bei einem Herdenschutzhunde eine reife Leistung, denn die finden das Apportieren
höchst albern. Retriever oder Pudel als geborene Apportierer hingegen können sie damit tagelang
beschäftigen.
Nicht jeder Hundetyp ist ein vermenschlichter Spielfex. Ernsthafte Arbeitszuchten brauchen was
Ernsthaftes zum Spielen. Mitunter schon mal - wie bei meiner Welpenhündin - eine Schnecke
inklusive Haus. Machen Sie mal einem jungen Tier klar, dass es mit anderen Tieren nicht ...
Achten Sie vielmehr darauf, dass keine weichen, leicht abzubeissenden Kunststoffe oder sonstiger
menschlicher Müll, Plastikteilchen etc. auf der für den Welpen greifbaren Umwelt bereitstehen.
Fremden Kot riechen und gar fressen ist für sensible Industriemenschen höchst unappetitlich. Nun
haben die Hunde aber ein natürliches Verhältnis zu dem, was auch andere Hunde fressen. Wir
müssen uns dazu ein Klo bauen und haben Toilettenpapier. Manchmal. Wenn Sie im Wald spazieren
gehen, sind manche wieder Tier.
Hunde riechen - zum xten Mal, aber dies ist enorm wichtig - 60-fach besser als Menschen. Und
diese Gerüche sind Informationen gerade für unerfahrene Hunde. Wer war da und hat wann was
gefressen und - später - welches Geschlecht hat der Hund? Er erfahrener Hund zieht nur noch
seine Geschlechterfrage raus. Ein junger will alles wissen, so intensiv, dass er die fremde Info
aufnehmen will. Damit leider auch mögliche Parasiten. Deshalb ist eine gründliche wiederholte
Entwurmung wichtig. Dieses Kotinteresse lässt mit der Zeit nach. Er weiss dann besser Bescheid.
Aber halten Sie sich mit ihrer Vermenschlichung zurück und schimpfen den Hund nicht, weil er
anders ist. Denken Sie daran, dass Menschenkinder drei Jahre lang Windeln tragen.
Die grossen Entwicklungsstufen
Hunde wachsen sehr unterschiedlich, nicht kontinuierlich an allen Körperteilen. Ich definiere
das in vier wichtigen Wachstumsschüben:
1. Die Geburt, der Biotonus (Überlebenswille) im Wurflager, die Primärprägung durch die Mutter
und schon durch den Züchter und Umgebung, bis zum Abgabealter nach dem Absetzen der Mutter.
2. Die Zeit der Grundimmunisierung und die zweite Präge- beziehungsweise Lernstufe (zwischen der
siebten und vierzehnten Lebenswoche) mit sehr starkem Wachstum.
3. Der Zahnwechsel und damit das Ende der Welpenzeit, gleichzeitig starke Lernphase und Übergang
zur Geschlechtsreife (fünfter bis maximal neunter Lebensmonat) und nach dem Zahnwechsel nochmals
Wachstumsschub.
4. Die Geschlechtsreife (Pubertät) und der „letzte Schliff" der Rangeinordnung, die höheren
Weihen der Ausbildung können an die abgeschlossene Grundausbildung schliessen. Er wächst nur
noch wenig, setzt aber mehr Muskeln an.
Aus einem unförmigen Etwas wird auch ein stattlicher Hund. Ein Lauftier, ein bewegungsfreudiger
Beutegreifer. Vergessen Sie das bitte nie!
Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund.
Gemeinsames Lernen in einer Welpenschule
Nicht vergessen, den Welpen in einer Welpenschule anzumelden! Denn für die weitere
Sozialentwicklung ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass der Welpe Kontakt mit allen
Spiel(rauf)arten zu seinen Artgenossen erhält. Damit er gleich Rangordnungen und Sozialverhalten
spielerisch kennenlernt. Sonst wird es später ernst.
Leider ist nicht jede Welpenschule auch biologisch geschult. Überforderungen, Leistungsdruck und
Unterordnungsdressur sind für alle Hunde unverständlich. Also von den Haltern abzulehnen.
Dennoch: Selbst schlechte Welpenschulen sind besser als gar keine. Denn der Welpe braucht vor
allem Hundekontakt und Rangordnungsspiele. Dabei kann er auch an fremde Gegenstände; Geräusche
und Menschen gewöhnt werden. Basis für seine spätere Entwicklung.
Und nun viel Vergnügen, und noch mehr Geduld und Nerven!
Sie werden später ausbezahlt: mit viel Lachen.
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