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Waschbären und Marderhunde - neuer Job für Hunde?

Einige mindestens mittelgrosse Hunde könnten auf dem Lande und in ländlichen Siedlungen bald wieder einen Job erhalten als Wachhunde. Unerwarteter tierlicher Besuch aus dem Osten Europas: Waschbär und Marderhund sind stark im Kommen.

Die possierlichen Waschbären kannte man früher nur als Darsteller in US-Filmen. Nun kommen sie leibhaftig, sie sind sie auf dem Vormarsch in Zentraleuropa.
Seit 70 Jahren sind sie zwar schon in Europa, aber in den letzten Jahren kam der Zuwachs fast einer Invasion gleich: Der Bestand dieser Kleinbären hat von 2002 auf 2003 um fast ein Viertel zugenommen. Man schätzt allein in Deutschland den Bestand auf gut 100 000 Tiere.

Marderhunde sind ebenfalls in diesem Grössenzuwachs hier zu finden. Ihr Bestand wächst ebenfalls weiter.

Neozoen sind gebietsfremde Tierarten. In Deutschland haben sich rund 1 000 Neozoen eingelebt, dabei sind 90 Prozent wirbellose Tiere wie Insekten, der Rest aber Huftiere und Beutegreifer.

Besonders bekannte Säugetier-Neozoen sind Waschbär, Marderhund und auch der amerikanische Nerz, der Mink. Die Pelzmode hat die Tiere nach Europa gebracht. Diese Tiere wurden früher zu Tausenden als Pelzlieferanten gehalten. Tierschützer sorgten dafür, dass die Farmen schliessen mussten. Freigelassene (auch von militanten Tierschützern in unkontrollierten Nacht- und Nebenaktionen nicht ganz selbstlos "befreite") und entflohene Tiere blieben jedoch und vermehrten sich.

Marderhunde wurden in West-Russland ausgesetzt und gelangten über Polen nach Ostdeutschland. Für die Allesfresser Waschbär und Marderhund ist reichlich Nahrung vorhanden. Die Tiere haben hierzulande kaum natürliche Feinde. Haushunde unter Mittelgrösse sind meist keine Abschrecker.

Nahrungsanalysen an Marderhunden durch das Naturkundemuseum Görlitz sagten aus, dass die Tiere hauptsächlich von Mäusen und Insekten aber auch von Fallwild, Früchten und Abfällen leben.


Gefahr oder nicht?

Ein Artikel von Andreas Wittgen, mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Ökologischen Jagdverbands (oejv).

Die Waschbärpopulation in Nordrhein-Westfalen (NRW), Nordhessen und Südniedersachsen hat sich vorrangig aus gezielten Auswilderungen am Edersee entwickelt. Des weiteren gibt es eine aus Pelztierfarmflüchlingen begründete Population östlich von Berlin. Inzwischen kann davon ausgegangen werden, dass diese Spezies über ganz Deutschland verbreitet ist.

Das noch heute erkennbare Schwerpunktvorkommen im Dreiländereck Hessen (Kaufunger Wald, Habichtswald, Kellerwald, Burgwald), NRW (Weserbergland /Ostwestfalen) und Niedersachsen (Solling) geht dabei nicht nur auf die Nähe zum ursprünglichen Aussetzungsgebiet Edersee zurück. In dieser Region sagt der Reichtum an naturnahen Laubmischwäldern den Lebensraumansprüchen dieser Tierart besonders zu. In diesen Gebieten gibt es aufgrund der Niederschläge relativ viele Wasserläufe, und in den Wäldern sind in entsprechendem Umfang grobborkige Laubhölzer.

Vor allem das Vorkommen größerer Eichenbestände fördert die Ansiedlung durch Waschbären. Dies liegt an der Tatsache, daß alte Eichen mit Asthöhlen vom Waschbär als Schlaf- und Winterquartier bevorzugt genutzt werden. Dass er so selten gesehen wird, hängt mit seiner Dämmerungs- bzw. Nachtaktivität zusammen.

Als Nahrung wird - jahreszeitlich unterschiedlich - all das aufgenommen, was ihm auf seinem Weg vor die Pfoten kommt: Samen (z. B. Eicheln), Beeren, Obst, Insekten, Würmer, Schnecken, Amphibien, Fische, seltener Jungvögel, Eier oder Kleinsäuger. Bei der Nahrungssuche kommt den Vorderfüßen als sehr feinfühliges Tastorgan eine besondere Bedeutung zu, da sie den Untergrund mit den Pfoten betasten und so zwischen dem Laub, in Erdlöchern oder unter Wasser Verwertbares erkennen.

Die Besatzdichte konnte von Hohmann erstmals im Solling untersucht werden: Sie liegt mit ein bis vier Tieren pro 100 ha zur Zeit deutlich geringer als in seinen Heimatgebieten. Ein Grund für die relativ geringe Dichte im Solling mag sein, daß die Eichenwälder im Solling nicht flächendeckend verbreitet, sondern in kleinere Bestandesflächen konzentriert sind.

Fakt bleibt jedoch, dass der Waschbär sich gerade in den Gebieten gern aufhält und "wohl" fühlt, die reich strukturiert sind und häufig eine Flora und Fauna mit seltenen, auch unter Naturschutz stehenden Arten aufweisen, also normalhin als schützenswert ausgewiesen werden könnten bzw worden sind. Die Untersuchungen belegen, dass das Vorkommen des Waschbärs bislang keinen Einfluss auf z. B. seltene Höhlenbrüter und andere Tierarten hat.

Ein Problem könnten auf längere Sicht vielleicht Waschbären darstellen, die "verstädtern" und somit bei entsprechend dichtem Besatz aufgrund des großen Nahrungsangebots Schäden in Haus, Hof und Garten anrichten können. Der Waschbär als Krankheitsüberträger (z. B. der Tollwut) ist bei uns, anders als in Amerika, noch nicht in Erscheinung getreten.

Seit Sommer 1999 wird das Phänomen der Verstädterung von Waschbären am Beispiel der Stadt Bad Karlshafen näher untersucht. Fazit: Der Wäschbär hat sich in Deutschland etabliert. Aufgrund seiner Lebensweise und seines Nahrungsspektrums ist bisher kein negativer Einfluss auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt festzustellen. Aufgrund dieser Tatsache stellt selbst der "Naturschutz" nicht die Forderung, gegen den Kleinbär verstärkt vorzugehen. Zudem wird man ihn ob seiner Heimlichkeit und Anpassungsfähigkeit nicht ausrotten können.

Eine Bejagung kann erfolgen, ein Jagderfolg vom Ansitz wird jedoch eher zufällig sein. Die Verwendung von Totschlagfallen ist zu unterlassen, da die Vorderläufe des Waschbären für seine Ernährung unentbehrlich sind - ihre Verwendung ist vorsätzliche Tierquälerei!

Wie der Waschbär wurde der Marderhund ausgesetzt (in der früheren UdSSR), vornehmlich seines Pelzes wegen. Er passte sich den neuen Verhältnissen gut an und breitete sich unter anderem nach Westen aus, wo er die Elbe und den Rhein schon gequert hat. In den ostdeutschen Bundesländern ist er, wie es scheint, wesentlich weiter verbreitet als im übrigen Bundesgebiet. Angaben über die Besatzdichte können nicht gemacht werden. Aufgrund seines Aussehens (Fell und Körperbau) wird er zudem häufig mit dem Waschbären verwechselt. (Anm. der Red.: Man nennt ihn daher auch Waschbärhund.)

Marderhunde bevorzugen offenes Gelände, das durch Gewässer, Hecken, (Laub-) Wald und landwirtschaftliche Flächen reich strukturiert ist. Sie nutzen Fuchs- und Dachsbauten als Unterschlupf, begnügen sich aber auch mit anderen dunklen Unterschlupfmöglichkeiten. Dort verschlafen sie als dämmerungs- und nachtaktive Tiere den Tag. Bei der "heimlichen" Nahrungssuche nimmt er neben Insekten, Mäusen, Fröschen und Fischen auch in nicht unerheblichen Anteil pflanzliche Nahrung zu sich.

Leider fehlen genauere Untersuchungen von Mageninhalten der in Deutschland geschossenen oder gefangenen Marderhunde, so dass das Nahrungsspektrum nicht genau bekannt ist. Für Russland liegen entsprechende Untersuchungen vor, wo der pflanzliche Anteil deutlich über 50 Prozent liegt.

Fazit: Den Marderhund als gefährlichen Räuber zu bezeichnen ist überzogen und entspricht nicht der Wahrheit. Er ist noch seltener als der Waschbär anzutreffen und daher (neben dem Nahrungsspektrum) unter anderem auch deshalb indifferent und wird es wohl auch bleiben. Eine Bejagungsnotwendigkeit in Form einer Bekämpfung besteht aus Sicht des "Naturschutzes" nicht. Der Jagderfolg wird wegen der heimlichen Lebensweise wie beim Waschbär eher zufällig als gezielt sein. Für die Fallenjagd gilt die gleich Forderung wie beim Waschbär - keine Verwendung von Totschlagfallen!


Kommentar der Redaktion:

Hunde als Abwehr?

Nachricht der Agentur ddp kurz vor Silvester 2003: "Ein Streit zweier Vierbeiner um eine Hundehütte hat die Eisenacher Polizei alarmiert. Wie die Ordnungshüter mitteilten, kontrollierte der Angestellte einer Wachschutzfirma mit seinem Hund am zweiten Weihnachtstag ein Firmengelände in Wutha/Farnroda. Als der Wachhund seine eigene Hütte untersuchte, stieß er auf ungebetenen Besuch: einen Waschbären. Dieser hatte es ich bereits gemütlich gemacht und verteidigte seine neue Bleibe mit Bissen. Auch die Polizei konnte dem Alteigentümer nicht zu seinem Recht verhelfen. Sie hinterließ allerdings die Telefonnummer des zuständigen Jagdpächters."

Ob dem "Hundefreund" geholfen werden konnte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Welche Hunde können Waschbären und Marderhunde von Übergriffen auf Haus und Hof und Kleinnutztieren abhalten? Ausser Herdenschutzhunden und grossen Herdengebrauchshunden wie zum Beispiel Collies, Beauceron, Briards, Berger de Picards und die anderen mindestens mittelgrossen Schäferhund-Schläge, sowie die grossen Schnauzer und Terrier oder die schweizer Sennenhunde, auch bewegliche Molosser. Natürlich auch beherzte Grosswildjägerhunde.

Dazu gibt es in den USA jedoch Spezialisten: "Waschbärhunde", eben Coonhounds genannt. Oder auch die - hier erfreulich (sonst setzt ein naiver Run ein) unbekannten - Catahoulas, die nicht nur Kühe scheuchen, sondern auch mal Wildschweine. Und das will was heissen!


Zoologische Daten:

Waschbär (procyon):
25 Unterarten. Der nordamerikanische procyon lotor ist der bekannteste Typ. Familie der Kleinbären. Länge ohne Rute zwischen 60 und 110 cm, Schulterhöhe um die 50 cm, Gewicht bis über 20 kg. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein riesiger dunkler Dachs, dichtes graubraunes Fell, spitz zulaufender Fang, kurze Ohren, dichtbehaarte Rute. Waschbären sind auch Nager-, besonders Rattenvertilger. Der Gang ist ein gemächlicher Trott mit stark gewölbtem Rücken, er kann auch kurz sprinten, aber nicht schnell. Sie bluffen meist nur, sind wenig aggressiv, nachtaktiv. Keckernde Laute.

Marderhund (nyctereutes procyonoides):
Gehören zur Familie der Hundeartigen (Canidae). Stammt ebenfalls ursprünglich aus Nordamerika. Körperlänge zwischen 50 und 60 cm, Schulterhöhe etwas über 20 cm. Gewicht um die sieben Kilo. Äusserlich wie ein kleiner Waschbär, aber nicht verwandt mit ihnen. Dichtes mittellanges Fell, erdfarbig mit schwarzbraunen Tönungen, Gesichtsmaske schwarz, nachtaktiv. Leben einzeln oder in Rudeln bis zu sechs Tieren. Sie können nicht bellen.

 

 

 

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