HD-Ranking
Von Gitta Vaughn
Preisfrage: Welche Rasse hat die meisten Probleme mit dieser Erkrankung an der Hüfte: Mops, Deutscher Schäferhund (DSH) oder Australian Terrier? Auch auf den Deutschen Schäferhund getippt? Falsch. Der Mops ist es!
Offizielle Klassifizierung über die Hüftgesundheit ist in Amerika nicht Sache der einzelnen Rassezuchtverbände. Die Orthopedic Foundation for Animals (OFA) ist die zentrale Stelle für Hunde aller Rassen, die Röntgenaufnahmen bewertet und eine nationale Datenbank unterhält.
Seit 1966 gibt es die OFA, und damals war die HD (Hüftgelenks-Dysplasie) der Hauptgrund für die Entstehung der Datenbanken. In den letzten Jahren hat sich die Arbeit der OFA auch auf andere vererbbare Krankheiten bei Hunden und Katzen ausgeweitet. Heute unterhält die OFA Datenbanken über 15 vererbbare Krankheiten. Für Züchter und Käufer ein extrem wichtiges Hilfsmittel. Die meisten dieser Datenbanken sind der Öffentlichkeit zugänglich.
Aber zurück zur HD. Die Datenbank über HD umfasst 132 Rassen. Der Mops liegt dabei an zweiter Stelle. 60,5 % der untersuchten Tiere haben HD, und keine einzige Aufnahme wurde für die Einstufung "excellent" (ausgezeichnet) erteilt. Nur der English Bulldog kann noch schlechtere Werte aufweisen, hier haben 75,4 % der untersuchten Tiere HD und auch hier keine Tiere mit "excellent".
Beim Australian Terrier sieht es da fast umgekehrt aus. Nur 0,8 % der Hunde haben HD und 6,0 % erhielten die Wertung "excellent".
Der Deutsche Schäferhund liegt auf Platz 34. 19,3 % der Hunde haben HD und
3,3 % die Bewertung "excellent".
Unter den unrühmlichen ersten zehn Plätzen sind auch Bordeaux-Dogge auf dem dritten, Otterhound gleich darauf, sowie Bernhardiner auf dem sechsten wie Mastino Napoletano auf dem siebten Rang aufgeführt.
Gut schnitten dabei die Hetzhunde ab.
Im Vergleich der Rassen, die seit 1972 erfasst werden, zeigt sich, dass mit dem Vergleich der gleichen Rassen ab 1995 die Tendenz positiv ist. Bei allen sank die Prozentzahl an HD-Erkrankungen. Teilweise dramatisch, teilweise minimal. Und bei fast allen Rassen gab es eine Zunahme der als "excellent" eingestuften Hüften.
Die tatsächliche Verbreitung von HD innerhalb einer bestimmten Rasse ist jedoch nicht bekannt. Der Haken der Untersuchung: Die meisten Röntgenaufnahmen werden von Züchtern eingesandt, und es ist anzunehmen, dass Aufnahmen von schlechten Hüften gar nicht eingeschickt werden.
Jeder niedergelassene Tierarzt kann die Röntgenaufnahmen anfertigen. Er muss sich dabei an die Vorgaben der OFA halten. Die Aufnahmen müssen eindeutig gekennzeichtnet werden. Die Aufnahmen, die alle Anforderungen erfüllen, werden von drei Fachtieraerzten für Radiologie unabhängig voneinander bewertet.
Die OFA hat eine eigene Einteilung: Normale Hüften erhalten eine OFA-Nummer. Das sind Hüften, die als "excellent/ausgezeichnet" "good/gut" und "befriedigend/fair" eingestuft sind.
Hüften mit HD werden eingeteilt in "mild", "mittel" und "schwer". Diese erhalten keine Nummer, werden aber in der Datenbank geführt. Diese Daten sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich, ausser der Besitzer gibt seine Einwilligung dafür.
Hüften, die im Grenzbereich "fair" und "mild" liegen, und für die die Radiologen zu keiner einheitlichen Meinung kommen, sollten in sechs Monaten nochmals geröngt werden. Über 50 % der nachuntersuchten Hunde wies in der Vergleichsaufnahme keine negative Veränderung vor und erhielten die Einteilung "fair".
Werden andere Veränderungen auf den Röntgenbildern (z. B. Veränderungen an den Wirbeln) erkennbar, werden die Besitzer davon in Kenntnis gesetzt.
Die OFA-Nummer gibt nicht nur Hinweise auf die Einstufung, sondern enthält auch das Alter, in dem die Röntgenaufnahme gemacht wurde, sowie einen Hinweis, ob der Hund dauerhaft gekennzeichnet ist durch Tätowierung oder Microchip. Hunde ohne dauerhafte Kennzeichnung werden entsprechend eingetragen.
Die OFA unterhält mittlerweile die grösste HD-Datenbank der Welt. Die Teilnahme ist rein auf freiwilliger Basis. Bei vielen Hunden lässt sich der HD-Stand über Generationen verfolgen.
Es ist interessant zu sehen, dass die Züchter mancher Rassen überproportional engagiert sind und erhebliche Fortschritte gemacht haben, während die Teilnahme bei anderen Rassen eher gering ist - und Fortschritte in der HD-Bekämpfung auch nur minimal sind. Wie überall ist es Sache des Käufers, sich zu informieren.
Aber solange es "Züchter" gibt, die auf die Frage,ob ihre Zuchthündin HD-bewertet sei, antworten: "Ist das die Hüftsache? Also meine Hündin ist gesund. Sie lahmt nicht", und solange solche "Züchter" Käufer für ihre Welpen finden, werden die Chirurgen, die den kranken Hunden künstliche Hüften einbauen, genug zu tun haben.
Die OFA-Rangliste mit 100 Bewertungen von Januar 1974 bis Dezember 2003 kann hier eingesehen werden:
www.offa.org/hipstatbreed.html
Noch ein kurzer Blick auf die OFA-Ranking-Liste der Ellenbogen-Dysplasie (ED):
Die fünf schlechtesten Befunde de Reihe nach: Chow Chow, Rottweiler, Berner Sennenhund, Shar Pei und Neufundländer. Der Deutsche Schäferhund an siebter Stelle. Die besten Befunde: Border Collie, Briard, Bearded Collie, der Boxer an viertbester Stelle.
Und noch die Patellar-Luxationen: die schlechtesten Befunde bei Spitz, Chow Chow, Cocker Spaniel, Shar Pei und Labrador Retriever, die besten Befunde bei Grosser Schweizer Sennenhund, Bull Terrier, Bouvier des Flandres, Kuvasz und Mastiff.
© bei der Autorin; 3/2004