Das Grosse Elend
Niedrige Lebenserwartung bei Riesenrassen wie Irish Wolfhound und Deutschen Doggen durch Zucht-/Erbkrankheiten
Mit "Grossem Elend" sind Schwierigkeiten von Hundetypen gemeint, die mindestens 80 Zentimeter Schulterhöhe gross werden (oft über 90) und oder über 70 Kilo schwer. Es sind meist vererbte Erkrankungen, die die durchschnittliche Lebenserwartung drastisch drücken: auf unter sechs Jahre.
Schlechtes Beispiel dafür sind die beiden grössten aller Hunderassen, der Irish Wolfhound und die Deutsche Dogge. Die Gründe werden von den meisten Züchtern verleugnet, weil sie nicht förderlich für das Ansehen, beziehungsweise den Verkauf sind. Doch es gibt sie, die Ausnahmen mit vergleichsweise hohem Alter von sieben oder neun Jahren, dennoch weit unter dem Durchschnitt aller Hunde.
Früher, viel früher gab es solche extreme Riesen nicht. Auch der Irish Wolfhound, als heutiger Typ eine mildere Rekonstruktion des einstmals ziemlich wilden Solo-Wolf- und Grosswildkillers aus dem frühen Mittelalter, war zu seinen legendären Zeiten kleiner, vermutlich 75 bis 80 Zentimeter an der Schulter. Die Deutsche Dogge zu ihren Anfängen (aus Mastiffs und grossen Saupackern hervorgezüchtet) und die anderen Molosser ebenfalls.
Der berühmteste Bernhardiner, Barry, konnte die 40 Menschenleben aus Lawinenabgängen nur retten, weil er vermutlich 50 und nicht - wie heute - mindestens 80 Kilo wog. Einige Ausstellungs-Exemplare des Pyrenäenberghunds, als aktiver Herdenschutzhund untauglich geworden, wiegen genauso viel, der Mastin Espanol in Show-Kondition gar manchmal 100 Kilo. Als Herdenschutzhunde, weil sehr viel beweglicher, wiegen sie bei ihrer Grösse gesunde rund 80 Zentimeter und maximal 75 Kilo.
Erst der Gigantismus einiger Züchter und Kunden - gekürt in Schönheits-Ausstellungen - brachte diese Extremwüchse hervor. Und damit gesundheitliche Probleme der grösseren Art. Den Preis für Inzucht und Riesenwuchs zahlen die Kunden - und die Hunde. Wenn einer dieser Riesen mehr als acht Jahre alt wird, schreien die Züchter und Besitzer schon Hurra und verkünden es - bewusst gelogen - als normal.
Doch oft genug schaffen diese Giganten nicht einmal das fünfte Lebensjahr. Sonst käme das niedrige Durchschnitts-Lebensalter von knappen sechs Jahren nicht zustande. Und diese Zahlen sind von Organisationen errechnet, die beim Ableben dieser Giganten kein Geld mehr verdienen, also daran interessiert sein müssten, dass die Hunde lang leben: Hundeversicherungen.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebenserwartung mittelgrosser Hunde wie zum Beispiel Schäferhunde liegt bei zehn Jahren, bei Kleinhunden gar bei 15. Nur einige vor allem durch Inzucht kaputtgezüchtete übermittelgrosse Rassen wie Rottweiler und Berner Sennenhund werden im Durchschnitt auch nicht alter als sechs Jahre.
Beispiel Irish Wolfhound:
Die Gegenwart des legendären und in vielen märchenhaften Liedern besungenen Riesen ist bedrohlich genug: Die durchschnittliche Lebenserwartung des Irish Wolfhounds ist genau so schlecht als der ohnehin schlechte des Grössen-Kollegen Deutsche Dogge.
Wissenschaftliche Literatur über die Gefahren der Inzucht von unabhängigen (!) Genetikern gibt es nun wirklich zur Genüge, alles andere sind durchsichtige wie eigennützige Ausreden. Ich führe hier neben der "Kleinen Kynologie" des Vererbungsforschers Prof. Dr. Wilhelm Wegner (mit unzähligen Literatur-Hinweisen) nur ein Buch von einem anderen wirklichen Tierzuchtexperten an: Dr. Hellmuth Wachtel: "Hundezucht 2000".
Auswege aus dem Zucht-Dilemma?
Notiz auf der Homepage Irish-Wolfhound-Point: "Im Frühjahr 2001 hat der Vorstand des DWZRV (Deutscher Windhund-Zucht-und-Rennverein) beschlossen, dass keine Untersuchungsergebnisse von Windhunden mehr in der Verbandszeitschrift "Unser Windhund" veröffentlicht werden. Das betrifft unter anderem die Untersuchungen auf HD und DKM (Anm. d. Red.: Dilative Kardio-Myopathie = verspätete Herzmuskelerkrankung, kommt auch bei anderen sehr grossen Rassen vor) beim Irish Wolfhound."
Es meldeten sich daraufhin viele Züchter, die dies für kontraproduktiv halten und wieder für eine Veröffentlichung plädierten, anders könne man - so der Tenor - den Problemen nicht beikommen.
Es gibt Hunde, die nicht mal mehr das dritte Jahr überleben, kaum, dass er gerade ausgewachsen ist. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen: Ich kenne noch acht- und neunjährige Hunde.
Aus den Abstammungspapieren der I.W. kann man heute oft nur noch gerade mal zwei oder drei Linien erkennen, auf die die grösste Anzahl heute lebender Hunde zurückzuführen sind.
Wie kann man - ausser dass sich verantwortungsvolle Züchter um eine Auffrischung mit gesunden Genen kümmern - diesem grassierenden Problem beikommen?
E-Mail einer deutschen Züchterin:
"Sie wissen, dass ich stets gern bereit bin, mich zu engagieren, wenn ich hinter etwas stehen kann ;-) Allerdings ist das Thema "Irish Wolfhound und Gesundheit" in letzter Zeit von verschiedenen Seiten mit einer Negativ-Berichterstattung überzogen worden - vor allem, was die deutsche Zucht betrifft - dass es mich langsam zu ärgern beginnt...
Zum Beispiel gibt es da einen Irish Wolfhound-Halter, dessen Hund noch gesund war, als er schon anfing, Kampagnen gegen den Züchter im Internet zu starten, weil er inzwischen mit ihm verkracht war (vorher waren sie die dicksten Freunde). Eben dieser Irish Wolfhound-Halter (Sie werden ihm ganz sicher schon irgendwo im Internet über den Weg gelaufen sein, weil es kaum ein Gästebuch oder Forum gibt, in dem er seine Hetze nicht verbreitet hat) stellt in seiner Landesgruppe Bayern hanebüchene Anträge, was die Herzuntersuchung beim Irish Wolfhound betrifft (es fehlt quasi nur noch, dass alle Zucht-Irish Wolfhound eigentlich zwangseingezogen werden müssten nach deren Ableben).
Aber jetzt kommt es : Dieser Mensch geht nach Irland und kauft sich dort einen Hund "weil die doch so viel langlebiger sind".... Da kann ich nur sagen : Was für ein Blödsinn!!! In Irland wird NICHTS untersucht - es gibt keinerlei Beschränkungen/Vorschriften etc.etc. Aber wenn einem dort erzählt wird, dass die Hunde im Durchschnitt zwölf Jahre alt werden (selbstverständlich wird dies durch nichts belegt) dann glaubt man das, weil man es glauben will. Und die Züchter in Deutschland, die wirklich zum grossen Teil sich sehr engagiert um Gesundheit und Langlebigkeit bemühen, die werden noch als schwarze Schafe hingestellt und schlechtgemacht!!!
Ich kann Ihre Erfahrungen, dass kaum noch ein Irish Wolfhound das dritte Jahr nicht überlebt, nicht bestätigen! Die Welpen aus meinem ersten Wurf (geworfen neun in 1995) leben bis auf zwei, die durch einen Unfall - verschuldet durch deren Besitzer - im vorigen Jahr gestorben sind - alle noch (es war immerhin ein Elfer-Wurf!). Ebenso lebt deren Mutter bei bester Kondition immer noch (inzwischen 9 1/2jährig - ich werde sie bei der Jahresausstellung in der Veteranenklasse wiederum zeigen.
Ich habe bisher erst einen von mir gezogenen Hund verloren : vor kurzer Zeit einen zweijährigen Rüden, der nach einer Borreliose-Infektion schwer nierenkrank wurde.
Auch die Züchterin, mit der ich sehr gut befreundet bin und die seit fast 30 Jahren Wolfshunde züchtet, kann die von Ihnen angenommene These, dass die Irish Wolfhounds kaum noch vier Jahre alt werden, nicht unterstreichen.
Ganz sicher hat zugenommen die Rate an Knochenkrebserkrankungen - aber das nicht nur beim Irish Wolfhound, sondern bei allen grossen Rassen und grossen Mischlingen und auch weltweit. Da die Krebserkrankungen beim Menschen ebenfalls rasant zugenommen haben, vermute ich stark, dass Umwelteinflüsse hier eine grosse Rolle spielen.
Weil ich inzwischen erfahren musste, dass man durch Diskussion des Thema Gesundheit des Irish Wolfhound nur erreicht, dass weniger offene und diskussionsbereite Züchter - vor allem auch im Ausland - als die "besseren" angesehen werden (genau diese Diskussion mit diesem Ergebnis fand zum Beispiel kürzlich in der Tierarzt-Mailing-Liste statt!) möchte ich lieber darauf verzichten, diesen betreffenden Artikel mit zu verfassen."
Die Situation in den USA und England
Bericht von Gitta Vaughn
In den seriösen Berichten über den Irish Wolfhound in den USA schreibt man von einer Lebenserwartung von 6 bis 7 Jahren: Rüden knapp 6, Hündinnen 6,6 Jahre. Knochenkrebs, Magendrehung, Jugendliches Nierenversagen tauchen sehr häufig als Todesursache auf.
Allerdings scheint das Herz auch in den USA ein Knackpunkt zu sein: Dilated Cardiomyopathy (DCM). Es scheint eine Variante zu geben, wo meist Hunde unter zwei Jahren plötzlich - meist in Bewegung - tot umfallen.
In England gibt es einen Canine Heart Disease Research Fund, der sich sonders des Irish Wolfhound annimmt. Auf Shows werden die Hunde kostenlos mit EKG und Ultraschall untersucht. Die Studie läuft sein 1985 (University of London).
Dobermänner befällt das DKM oder DCM auch, kommt aber hauptsächlich beim Irish Wolfhound vor. Es kann von Züchtern aber mittlerweise getestet werden, so dass betroffene Hunde aus der Zucht genommen werden könnten.
Die Atrial Fibrillation (AF; Atrio-Ventrikularklappen-Insuffizienz = AV: erworbene Herzklappenfehler) befällt etwa elf Prozent der Irish Wolfhounds in England. Erste Symptome zeigen sich bei Rüden mit durchschnittlich 45 Monaten, Hündinnen mit 59 Monaten. Es scheint, dass Hunde mit AF später DCM (Dilated Cardio-Myopathy) entwickeln: Rüden mit durchschnittlich 77 Monaten, Hündinnen mit 86 Monaten.
Eine genetische Veranlagung wird als sehr wahrscheinlich angenommen.
Eher erfreulich sind die Ergebnisse bei Dysplasien nach der OFA-Statistk 2000:
Ellenbogendysplasie 13,3 Prozent, Hüftgelenksdysplasie gar nur 5,7 Prozent der untersuchten Hunde.
Aus der Datenbank der Association of Veterinarians for Animal Rights aus USA (Vereinigung der Tiermediziner für Tierrechte): bei der Deutschen Dogge wurden 45 genetisch bedingte Krankheiten registriert, beim Irish Wolfhound "nur" 13.
Die Züchter und ihre Funktionäre haben es in der Hand, die betreffenden Zuchttiere bei genetischer Disposition zu solchen Krankheiten strikt aus der Zucht zu nehmen.
Dass im Herkunftsland des Irish Wolfhound nichts dagegen untersucht wird, wirft ein schlechtes Licht auf die doch sonst so auf ihren legendären Hund (auch wenn er eine Rekonstruktion ist) stolzen irischen Rasse-Funktionäre.
Beispiel Deutsche Dogge
Man kann es hier kurz machen und aus neutralen Belegen behaupten: Bei der Deutschen Dogge ist das Bild keinen Deut anders, nicht mal, was die "typischen" Erkrankungen betrifft.
Dennoch - schon weil dieser Hund populärer ist als der Irish Wolfhound, einige Fakten aus dem Reich der Deutschen Doggen-Zucht, auch aus den USA, wo dieser Riese ebenfalls sehr beliebt ist, leider auch aus den Gründen der Superlative wie beim Irish Wolfhound: Wie bei ihm scheinen die meisten Hunde an Herzproblemen (DCM), Magendrehung oder Krebs zu sterben.
Eine Besonderheit haben die Doggen-Züchter den Kollegen des Irish Wolfhound voraus, was die Möglichkeit an erblichen Erkrankungen angeht: Die Variante mit dem Defekt-Gen Merle-Faktor bei "Tiger"- oder "Harlekin"-Doggen (siehe auch hundezeitung unter: Hundekunde). Und einen deutlich höheren Anteil an Hüftdysplasie-Erkrankungen (HD), die beim Irish Wolfhound bemerkenswert gering ausfällt.
Studien über Grössenwachstum und Lebenserwartung belegen aber bei der Deutschen Dogge generell einen Zusammenhang zwischen Grösse und Lebenszeit. (Übrigens: Künstlich und deutlich kleingehaltene Tiere lebten im Laborversuch 75 Prozent länger als ihre normalgrossen Kollegen.)
In etlichen US-Homepages über die - fälschlich - als Great Dane bezeichnete Deutsche Dogge (der wirklich grosse Däne ist der Broholmer) wird potenziellen Käufern geraten, gezielt nach Erbkrankheiten zu fragen. Die Orthopedic Foundation of Animals (OFA) stellt eine Gen-Datenbank vor, in der die Tests veröffentlicht werden - soweit nicht nachteilig. Für wen wäre die Bekanntmachung nachteilig? Nur für den Züchter.
Wie Gitta Vaughn auf den Seiten der Purdue Universität bestätigt findet, gelten als Haupttodesursache bei der Deutschen Dogge Magendrehung, Krebs und Herzkrankheiten. Magendrehung scheint dabei aber das spezielle Risiko für Doggen zu sein.
Seit 1995 läuft eine Studie über Magendrehung an der Uni Purdue. Die Rasse mit der absoluten Spitze hinsichtlich Magendrehung, beziehungsweise Magendrehung als führende Todesursache: Deutsche Dogge.
Vorsichtigen Schätzungen von Purdue nach werden 50 Prozent aller Deutschen Doggen von Magendrehung befallen. Wenn man davon ausgeht, dass die Todesrate allgemein bei 25 Prozent mit Magendrehung liegt, ist das extrem.
Eine der Empfehlungen von Purdue: Nicht mit Hunden züchten, die bereits Magendrehung hatten, oder die Verwandte ersten Grades mit Magendrehung hatten. Das vorbeugende Festnähens des Magens sollte auch nur mit der Kastration/Sterilisation zusammen erfolgen, weil mit diesen Hunden wirklich nicht gezüchtet werden sollte.
Halten sich die Züchter an solche Ratschläge oder ignorieren sie?
Bei der Deutschen Dogge herrschen sonst weitgehend die selben Ursachen wie beim Irish Wolfhound. Es kann also nur an der Inzucht und am Riesenwuchs liegen. Doch die meisten Züchter scheinen keine grossen Anstrengungen zu machen, am hausgemachten Problem zu arbeiten und die Situation für Käufer und vor allem für die Hunde zu verbessern.
Und die anderen Riesen?
Die Situation bei den schweren und grossen Molossern (Mastiffs und Doggen aller Arten, Bernhardiner und molosside Herdenschutzhunde wie Pyrenäenberghund, Kaukasische Owtscharki oder Mastines Espanoles, die freilich deshalb oft nicht mehr arbeitstüchtig sind), sind nicht viel besser, falls überhaupt. Die beiden Vertreter der spanisch-französischen Berggegenden werden teilweise als Showobjekte bis zu 100 Kilo gemästet. Einige Züchter denken aber wieder um und lassen wieder abspecken, zum Nutzen der Lebenserwartung, Gesundheit und Tauglichkeit.
Man kann durchaus behaupten: je schwerer und grösser, desto lebensuntüchtiger. Ausnahmen, wie immer in solchen Fällen, eingeschlossen.
Züchter jener aktiver Herdenschutzhunde wissen von Lebenserwartungen ihrer Hunde (und das sind keine Einzelfälle), die eher über als unter der Zehnjahres-Marke liegen. Diese Hunde dürfen eben nicht zu gross und schwerfällig sein, weil sie ausdauernd und beweglich sein müssen. Dann leben sie auch länger.
Oder denken solche Züchter wie jene Verkäufer von kurzlebigen Gegenständen: Wenn er früher kaputtgeht, dann kaufen sie schneller wieder einen neuen Riesen?
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