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Agility, Clicker, Flyball,
Freestyle und Co.

  • Agility
  • Clickertraining
  • Flyball
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  • Obedience

  • Wer hält was von den Erziehungsmethoden oder Sportarten?
    Halterinnen und Halter mit ganz unterschiedlichen Hundetypen und Erfahrungen beziehen Stellung. Die Autor(inn)en: Marion Daser, führt eine kleine Hundeschule und hält einen Sarplaninac- und einen Kraski Ovcar-Herdenschutzhund; Marilis Weißkopf unternimmt Touren mit vier Alaskan Malamutes; Gitta Vaughn in Texas hält sieben Hunde, darunter Rottweiler, Schäferhund oder "Borzollie" (Mix aus Barsoi und Collie); Katja Hasselbeck hat zwei Deutsche Doggen; Eva Kroll hält vier Chihuahuas; Richard Ebert, früher Hundephobiker, lebt seit einem guten Jahr mit einem Labrador-Retriever.  


    Den Anfang macht Eva Kroll, die mit ihren Chihuahua-Hündinnen nun zum zweiten Mal einen Agility-Kurs absolviert hat und über ihre Eindrücke berichtet:

    Wir haben nun schon zweimal ein Wochenende in einem auf Hunde spezialisierten Hotel mit jeweils 15 bis 24 Chis verbracht und dabei natürlich auch den hoteleigenen Agilityplatz in Anspruch genommen.
    Slalomstangen: Hier habe ich Yasmin an die Leine genommen, bin mit ihr zweimal durch die Stangen gegangen - immer lobend - dann haben wir es ohne Leine versucht. Ich also rückwärts durch die Stangen, laufend das Kommando "komm Yasmin" aufsagend, und sie - dem Gesicht nach zu urteilen - sehr freudig hinter mir her.
    Röhre bzw. Tunnel: Die Frage war: wie erkläre ich einem Hund, dass er nicht an der Röhre vorbei, sondern durchlaufen soll? Einige von uns krabbelten, den Hund vor sich, mit durch die Röhre, andere setzten ihn an dem einen Ende hinein, während der andere Partner am anderen Ende lockte. Nach ein bis zwei Übungen hatten sie es verstanden und liefen einfach durch.
    Treppe: Auch hier wieder: Chi auf die Treppe gelockt, über die waagerechte und wieder herunter. Hier ist besonders zu erwähnen, dass eine der Teilnehmerinnen blind ist. Auch sie hat - nachdem sie das Gerät genau abgetastet hatte - die Übung mit ihrem Chi gemeistert.
    Sprung über die Hindernisse/Stangen: Ich gebe zu, hier versagten wir Menschen kläglich! Ein Chi sieht einfach nicht ein, warum er über ein Hindernis springen soll, wenn er nebenher/untendrunter vorbeikommt. Unsere vier zum Beispiel springen im Wald begeistert und locker über umgestürzte Baumstämme und sonstige Hindernisse, aber nur, wenn sie nicht drum herum bzw. unter dem Stamm durchkriechen können.
    Ich weiss nicht, wer einen unbeteiligten Betrachter mehr zum Lachen gereizt hätte, die Chis oder wir Menschen, die - alle ohne große Ahnung in dieser Sache - überlegten, wie sie ihrem Hund die Sache beibringen sollen. Fakt ist: Hunde und Menschen waren begeistert bei der Sache und hatten riesigen Spass.



    Marion Daser:

    Als ich meine Kraski-Ovcar-Hündin Pera bekam, machte ich mir viele Gedanken, wie ich ihr (sie war meine erste Herdenschutzhündin) nicht nur körperliche, sondern vor allem auch geistige Beschäftigung verschaffen konnte. Ich wusste, die Hunde sind intelligent und selbständig, und ich wollte sie fordern und fördern, wo immer ich konnte. Als sie alt genug war, dachte ich auch einmal daran, mit ihr Agility zu probieren.

    Pera sah sich die Sache an und hopste mir zuliebe über eine Hürde. Vor dem Tunnel sah sie mich an: "Bist Du sicher, dass ich da durch muss? Aussen herum geht es doch viel einfacher!" Da ich darauf bestand, trottete sie also durch den Schlauch. Slalom fand sie ausgesprochen blöd: "Warum soll ich mich da durchwinden? Daneben kann ich so schön gerade laufen - schau her!" Und lief fröhlich neben den Stangen davon. Was sie gut fand, war der Tisch. Aber nur deshalb, weil es da ein Leckerli gab (schliesslich ist Pera verfressen bis zum Exzess!).

    Nach diesen Erfahrungen stellte ich das Experiment Agility ein. Pera machte es sichtlich überhaupt keinen Spass, und ich kann mich auch anders sportlich betätigen.

    Da Herdenschutzhunde so gut wie keinen Beutetrieb haben, machte ich mit Flyball erst gar keinen Versuch. Pera findet Bälle ziemlich langweilig, und so wusste ich, dass Flyball kein Hit werden würde.

    Herdenschutzhunde sind intelligente Hunde, die über Generationen darauf selektiert wurden, möglichst selbständig zu denken und zu arbeiten. Die Hunde müssen in Gefahrensituationen blitzschnell selbst entscheiden, was zu tun ist und können dabei nicht auf den Befehl des Hirten warten. Wenn sie in der Ausführung eines Befehls keinen Sinn sehen, tun sie diese Sache, wenn überhaupt, nur sehr widerwillig. Jede Stereotypie ist ihnen ein Greuel.

    Als das Clickern in Mode kam, habe ich mich auch damit befasst. Pera war begeistert, dass der Clicker ein Leckerli ankündigte. Bei jedem Click rannte sie, so schnell sie konnte, zu mir, um sich ihre Belohnung zu holen. Click ohne Belohnung? Keine Chance - Pera war tödlich beleidigt und reagierte nach dem Motto: "Mach Deinen Kram allein, wenn Du mir kein Leckerli gibst. Oder glaubst Du, Dein komisches Klick interessiert mich?"

    Unser Sarplaninac-Rüde Alf zeigt die Verhaltensweisen, die Pera an den Tag legt, noch viel ausgeprägter. Ihn kann man mit Leckerlis sowieso nicht hinter dem Ofen hervorlocken, und der Clicker entlockte ihm nur ein müdes Gähnen. Mein Lebensgefährte hat ihn ein einziges Mal mit auf den Agility-Platz genommen - Alf legte sich unter die Rampe in den Schatten und liess sich nicht dazu herab, die verschiedenen Geräte auch nur ansatzweise "auszuprobieren".

    Um unsere Hunde geistig zu fordern, sind keine von Menschen erdachten Spielchen notwendig. Sie sind - schon aufgrund ihrer Veranlagung - aufmerksam, haben viel Spass daran, unser Katzenrudel zu bewachen (Pera spielt sogar Babysitter!) - und: sie suchen gerne!

    Wir haben eines schönen Tages spasseshalber eine kleine Fährte gelegt und sie mit wenigen Stückchen grünem Pansen garniert. Dieses Spiel finden beide Hunde toll, und so dürfen sie nun jedes Wochenende im Wald nach Verstecktem suchen.



    Gitta Vaughn:

    Früher hatten es die Hunde leichter Hund zu sein. Für viele war der tägliche Freilauf normal. Ohne Menschen, ohne Leine. Der Tag war ausgefüllt: unzählige Duftspuren die zu untersuchen waren, Begegnungen mit anderen Hunden, Katzen die auf Bäume gejagt wurden. Müde, hungrig, zufrieden und ausgelastet kamen die Hunde dann nach hause. Verantwortungsvolle Halter gestatten solche Ausflüge heute nicht mehr. Und wie sieht das "Hund sein" dann aus?

    Die überwiegende Zeit im Haus, in der Wohnung. Spaziergänge allzu oft auf den ewig gleichen Wegen. Wenn es wirklich schlecht läuft für den Hund, dann immer nur an der Leine. Wir haben Fernsehen, Radio, Zeitung, Bücher und eine Vielzahl an Hobbies um uns körperlich und geistig zu stimulieren. Und der Hund? Im goldenen Käfig körperlich und geistig unterfordert. Gelangweilt kommt er auf dumme Ideen. Wir schimpfen ihn dann Problemhund und gehen die hausgemachten Probleme mehr oder weniger hundegerecht an.

    Versuchen Sie mal sich in die Rolle ihres Hundes zu versetzen. Einen Tag lang. Gar nicht so schrecklich langweilig? Und wenn Sie das nun fünf Tage in der Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr aushalten müssten? Haben Sie schon mal einen verregneten Urlaub im Hotelzimmer verbracht? Schrecklich, nicht wahr? Da freut man sich direkt aufs Büro.

    Viele Halter haben das Problem erkannt und versuchen dem abzuhelfen. Suchen Wege dem Hund körperliche und geistige Herausforderungen zu stellen. Und wie so oft, schiesst Mensch übers Ziel hinaus. Was vom Ansatz her durchaus dazu taugt Halter und Hund gemeinsam aktiv werden zu lassen, ein Team zu bilden, körperlich und geistig fit zu halten wird ganz schnell zum Wettbewerb umfunktioniert. Das Unheil nimmt seinen Lauf: schneller, weiter, höher. Die Zuschauer wollen ja auch auf ihre Kosten kommen. Und dem Menschen winken die Pokale. Je mehr Prestige die Prüfung, desto grösser und oft auch hässlicher der Pokal. Der Hund kommt unter denselben.

    Menschliche Leistungssportler kennen das Verletzungsrisiko, wissen um die Dauerschäden. Sie gehen dieses Risiko bewusst ein. Da wird verbissen trainiert, fit gespritzt wenn es sein muss. Aber es wird auch gezielt aufgebaut und vorbereitet. Kein Sportler steigt aus dem Auto und verlangt sofort Höchstleistung von seinem Körper. Nach der Leistung kommt die Abkühlphase, für viele die auflockernde Massage. Und der Hund?

    Hunde, die aktiv in Sportarten wie Frisbee oder Mondioring eingesetzt werden, halten das nur drei bis vier Jahre durch. Dann sind sie verbraucht. Der Hund weiss das nicht. Er weiss nicht, dass er die restlichen Jahre seines Lebens mit den Dauerschäden leben muss.

    Wenn Sie wieder mal einen hundesportlichen Wettkampf besuchen, beobachten Sie mal, wie viele Hunde aufgewärmt werden, wie viele nach dem Einsatz die Zuwendung bekommen, die einem Leistungssportler zusteht. Und was wird mit dem Leistungsgerät im Ruhestand? Nicht viel, denn der Halter hat meist schon einen Nachfolger, der jetzt eisern trainiert wird. Für den alten bleibt da oft nicht viel Zeit. Er hat ausgedient. Und das Argument: "Den Hunden macht das irre Spass, die sind ganz verrückt drauf"? Nun, Kinder würden sich auch lieber von Pommes, Gummibärchen und Eiskreme ernähren. Warum erlauben die Eltern das nicht?

    Was soll so ein Fanatiker denn auch sonst sagen? Etwa: "Ich weiss, dass ich die Gesundheit meines Hundes gezielt ruiniere, aber das ist halt der Preis für meine Geltungssucht"? Da bleibt nur sich selbst und andere zu belügen.

    Dabei geht es doch auch anders. Ich kenne Hundeschulen, in denen Agility rein gar nichts mit Wettkampf gegen die Uhr und andere Teams zu tun hat. Da ist jedes einzelne Hindernis so entworfen und gebaut, dass vom grössten Bernhardiner bis zum kleinsten Papillion alle gefahrlos mitmachen können. Die Anforderungen sind auf den jeweiligen Hund abgestimmt. Und nicht darauf, was sein Mensch meint.

    Es gibt Kurse für Senioren, egal ob Mensch oder Hund, in denen alles ruhiger und gelassener zugeht. Die Atmosphäre ist entspannt und keinem Hund werden die Hindernisse mit Gewalt beigebracht. Flyball und Freestyle Kurse in denen es um entspanntes miteinander geht, um gemeinsames Tun. Nicht um Sekunden und Punkte. Zum Glück für unsere Hunde haben die meisten Halter für ernsthafte Turnierambitionen weder das Interesse noch die Zeit.

    Ich habe auch nichts gegen Flyball zum Zeitvertreib. Mein Rottweiler macht das gerne. Aber jeder der ein Flyball Turnier besucht hat weiss mit welcher Wucht die Hunde auf die Platte auftreffen. Es gehört kein Medizinstudium dazu sich vorzustellen, dass dies bald auf die Gelenke geht. Bei Turnierpferden hat man in vielen Studien die massiven Kräfte gemässen die bei der Landung auf wenige Quadratzentimeter im Pferdehuf wirksam werden. Man kennt Ursache und Wirkung wenn Springpferde auf den Beinen kaputt sind. Aber auch hier nimmt menschlicher Ehrgeiz keine Rücksicht auf das Sportgerät Tier.

    Haben Sie schon mal einen Frisbee-Wettbewerb gesehen? Mit offenem Mund die wahnsinnigen Sprünge bestaunt, wenn die Hunde sich in die Luft katapultieren, um die fliegende Plastikscheibe mit dem Maul aufzufangen? Der Mensch wirft die Scheibe gezielt so, dass der Hund diese irrsinnigen Sprünge machen muss, um sie zu erwischen. Hier finden Sie keine Schäferhunde oder Berner Sennenhunde. Spektakuläre Sprünge verlangen kleine, drahtige Hunde. Grosse Hunde sind für solche Akrobatik nicht gebaut und entsprechend sind die Schäden. Ich halte einen Sport, der solche Sprünge mit voller Absicht will, für tierschutzwidrig.

    Diensthunde, Rettungshunde, und Herdenschutzhunde leben mit einem "Berufsrisiko". Sorgfältige Ausbildung und wohlüberlegte Einsätze können dieses Risiko reduzieren. Tierrechtler haben ihre eigenen Ansichten dazu. Ich kann jedoch keinen Grund dafür finden, Haushunde aus rein sportlichen Gründen erheblichen gesundheitlichen Risiken auszusetzen. Hier meine ich nicht das alltägliche Verletzungsrisiko das wir alle tragen, selbst beim Spaziergang um die Ecke.

    Es gibt unzählige Möglichkeiten sich mit dem Hund gemeinsam zu betätigen. Ohne Zwang und Pokalsucht. Jeder wird etwas finden, was ihm und dem Hund entspricht. Und es gibt unzählige Halter, die ab und an ein Turnier mitmachen. Einfach aus Spass an der Freude. Ohne übertriebenen Ehrgeiz, der immer auf Kosten des Hundes geht. Und damit habe ich auch keine Probleme. Im Gegenteil, das ist besser als der gelangweilte und übergewichtige Stubenhocker.

    Das Angebot ist gross, schauen Sie es sich aber bitte kritisch an. Nepper, Schlepper und Bauernfänger finden sich auch hier. Melden Sie sich nicht blind an. Schauen Sie sich eine Übungsstunde ohne Ihren Hund an. Wie geht man mit den Hunden um? Werden alle Hunde in einen Topf geworfen, oder nimmt der Ausbilder Rücksicht auf jeden einzelnen Hund? Entspricht das Ihren Erwartungen? Wie verhalten sich die Hunde? Reden Sie anschliessend mit den Teilnehmern. Reden Sie mit dem Ausbilder, stellen Sie Fragen. Werden die ausführlich beantwortet, oder werden Sie gedrängt ein Anmeldeformular auszufüllen? Werden umgekehrt auch Fragen an Sie gestellt, werden Sie beraten? Und wenn Sie ein schlechtes Gefühl im Magen haben, hören Sie darauf. Es dürfte begründet sein.

    Falls Sie eine sportliche Aufgabe wie Agility anstreben, sollten Sie vorher mit Ihrem Tierarzt darüber reden. Falls Sie schon lange nicht mehr aktiv waren, sollten Sie auch mit Ihrem Hausarzt darüber reden. Gerade bei Agility wird auch der Halter körperlich ganz schön gefordert.



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