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Klein, aber oho

Zwei Plädoyers für kleine Hunde:


Warum ein kleiner Hund?

Von Eva und Oskar Kroll
Der Mensch geht seit über hunderttausend Jahren eine Symbiose mit den Hunden ein. Hunde hatten in diesem Zusammenleben mit den Menschen immer eine Aufgabe, zum Beispiel als Hütehund, Herdenschutzhund, Wachhund und Helfer bei der Jagd. Diese Spezialisierung hat sich über Jahrtausenden in den Genen der Hunde festgesetzt. Diese Hunde sind in der Regel mittelgrosse bis grosse Typen. Wie kann man aber in einer Stadt diesen Hunden noch ein artgerechtes Leben ermöglichen? Selbst auf dem Land gibt es kaum noch Aufgaben für den Hund.

In unserer verstädterten Gesellschaft wird der Freiraum jedes einzelnen, auch der unserer Hunde, immer kleiner. Kann jeder Halter seinem Wachhund, Jagdhund, Hütehund usw. noch die entsprechenden Aufgaben bieten? Im Gegenteil, wenn diese Hunde nicht den nötigen Ausgleich bekommen (mindestens zwei bis drei Stunden Auslauf und Aufgaben pro Tag) werden sie zu "Neurotikern".

Es drängt sich (leider immer häufiger) der Eindruck auf, dass gerade grosse Hunde von Besitzern ohne Selbstbewusstsein gehalten werden, um ihre Komplexe zu kompensieren. Hierbei bleibt aber leider der Hund auf der Strecke. Hierzu sei angemerkt, dass der Hundebesitzer, der seinem Hund den nötigen Ausgleich bieten kann, sicherlich seinen mittelgrossen Hund auch in einer ausreichend grossen Wohnung artgerecht halten.

Eine der wichtigsten Aufgaben der heutigen Hunde ist die des Sozialpartners. Für diese Aufgabe muss der Hund aber nicht gross sein, hier eigenen sich kleine Hundetypen, die eher als Gesellschafter gezüchtet wurden, besonders gut.

Was spricht besonders für kleine Hunde? Hunde sind Rudeltiere und sollten möglichst zu zweit gehalten werden, besonders wenn die Halter einige Stunden nicht anwesend sind. Kleine Hunde können viel einfacher als Rudel gehalten werden, auch in einer Mietwohnung. Sie sind viel mehr mit ihrem Menschenrudel zusammen, da diese nicht - wie oft grosse Varietäten - im Garten oder Zwinger gehalten werden. Bei einer Rudelhaltung kann der Halter sehr viel über das Sozial- und Rudelverhalten und damit auch über sich selbst lernen.

Da wir aus eigener Erfahrung die Einzel- und Rudelhaltung kennen, plädieren wir persönlich nur noch für die Mehrhundehaltung. Unsere erste Hündin hat sich viel zu sehr an uns geklammert und wollte mit anderen Hunden kaum etwas zu tun haben. Daher kam für uns nach deren Tod und eingehenden Gesprächen mit Züchtern nur noch ein Mini-Rudel in Frage. Wir können zwar auch mit Hunden spielen, ersetzen aber in keiner Weise einen Artgenossen für sie. Sie können miteinander spielen, ihr komplettes Register an Sozial- und Spielverhalten untereinander ausleben.

Ausserdem sind sie so nicht alleine, wenn wir mal abwesend sind. Vom Rudel lernt der einzelne Hund oft viel schneller als vom Menschen. Trotz allem behält jeder Hund seine persönlichen Eigenheiten und hat seine eigene, individuelle Beziehung zum Halter. Die Rangordnung innerhalb des Rudel muss aber vom Halter unbedingt beachtet werden.

Ein kleiner Hund ist auch mit zwei Stunden Auslauf am Tag zufrieden, kann andererseits bei entsprechenden Training auch lange Wanderungen mitmachen. Fahrradtouren sind ebenso möglich, er kann ab und an mitlaufen, sonst fühlt er sich im Fahrradkorb wohl.

Sie werden oft wesentlich älter als grosse Rassen. Auch hier ist der kleine Hund im Alter viel besser zu handeln, er kann auch auf langen Wanderungen noch mitgenommen werden. Ist er müde, kommt er in eine entsprechende Tasche und schläft eine Runde. Sie sind ideal für ältere Leute, die weder in der Lage sind, einen grossen Hund an der Leine zu halten, bzw. stundenlang am Tag sportlichen Aktivitäten nachzugehen.

Nicht geeignet sind kleine Hunde aber für Leute, die meinen, diese Hunde brauchen nur ein Katzenklo, müssen im Höchstfall mal für fünf Minuten um den Block geführt werden und sich ansonsten dekorativ auf dem Sofa (natürlich farblich passend) machen.

Für kleine findet sich leichter ein Pflegeplatz bei Abwesenheit des Halters (Krankheit oder andere Umstände), sie können bei Bahnfahrten kostenlos mitgenommen werden und werden von Nicht-Hundehaltern eher akzeptiert. Auch eine Urlaubsreise mit einem Kleinhunderudel ist einfacher zu organisieren. In den meisten Restaurants und Gaststätten werden die Kleinen gerne akzeptiert.

Auch kleine Hunde können Aufgaben übernehmen, natürlich nicht als Lawinenhund oder ähnliches, aber sind als Sozialpartner oft das letzte lebendige Wesen für alleinstehende Leute. Und selbstverständlich können sie bei entsprechender Eignung und Erziehung als Therapiehunde, etwa bei Besuchen in Seniorenheimen, krebskranken Kindern im Krankenhaus u. ä. wertvolle Aufgaben übernehmen. Es gibt zum Beispiel auch etliche Chi's , die die Begleithundeprüfung bestanden haben.

Leider haben kleine Hunde oft ein Image als Schosshündchen. Daran sind nicht zuletzt die jeweiligen Halter schuld: Der Hund ist nicht erzogen, fett gefüttert, wird bei jeder Begegnung mit anderen Hunden unverzüglich hochgerissen, Schleifchen im Haar, Regenmantel usw. Bei Erziehungsfehlern wird der Hund nicht so gefährlich und kann jederzeit körperlich beherrscht werden. Das ist jedoch kein Freibrief für die "Nichterziehung".

Grundsätzlich gilt: Auch ein Kleinhund muss artgerecht gehalten werden, braucht Erziehung, Auslauf und Kommunikation mit anderen Hunden.

Um die Aufgaben als Sozialpartner wahrnehmen zu können, müssen bei der Züchtung Extreme wie:

· Dackel mit so kurzen Beinen, dass der Bauch bald auf dem Boden schleift
· Basset mit immer längerem Rücken
· Pekingesen mit immer kürzerer Schnauze, dass er kaum noch atmen kann
· Yorkie und Chihuahua auf extremen Zwergwuchs mit einem Gewicht von 500 bis 1000 Gramm und einem überdimensioniertem Apfelkopf, Patella-Luxation, Fontanelle vermieden werden.

Die Züchter und Verbände müssen sich darauf besinnen, gesunde und sozial geprägte Hunde zu züchten und nicht nach Schönheitskriterien und Modeerscheinungen, die die Lebensfähigkeit beeinträchtigen, zu züchten. Die Gesundheitskosten für die Hunde trägt alleine der Liebhaber.

Ein gesunder Chi zwischen zwei und drei Kilo ist ein lebenstüchtiger Hund, wenn bei der Zucht nach gesundheitlichen Kriterien ausgewählt wird, das heisst, die Eltern und Vorfahren (soweit nachvollziehbar) dürfen keine Patella-Luxation (Kniescheibenverlagerung) haben. Der Bundesverband Praktischer Tierärzte hat gemeinsam mit dem VDH ein Untersuchungsprogramm gestartet, um diese Erbkrankheit zu bekämpfen. Zur Zucht sollten nur gesunde Chi`s mit mindestens zwei Kilo Gewicht eingesetzt werden.

Als besonderes Merkmal der Chihuahuas gilt die so genannte Molera, also die offene Fontanelle im Schädeldach. Bei grossen Hunderassen liegt auf dem Schädeldach noch die bis zu ein Zentimeter hohe Scheitelleiste als zusätzlicher Schutz des Gehirns. Die fehlende Scheitelleiste, das dünne Schädeldach und die Molera können zu vorgeburtlichen Verletzungen führen. Diese oft als Merkmal der Qualzucht beschriebene offen gebliebene, also nicht zugewachsene Fontanelle, irrtümlicherweise auch oft mit Hydrocephalus (Wasserkopf) in Verbindung gebracht, ist laut Zuchtstandard in kleiner Ausprägung erlaubt, (wird aber leider auch extensiv ausgelegt). Sie kommt bei seriöser Zucht heutzutage nur in einer sehr kleinen Ausprägung vor. Hunde mit grosser Fontanelle sollten daher keinesfalls zur Zucht eingesetzt werden. Diese Fontanelle kommt aber auch bei verzwergten Yorkies und Zwergpinschern vor.

Der Begriff "Apfelkopf" bezieht sich nicht auf einen extrem hohen Schädel, sondern bezeichnet lediglich die Form des Kopfes im Gegensatz zum "Birnenkopf", dem eher schmalen Kopf mit langgezogener Nase, die beim Chi nicht erwünscht ist. Auch hier sollten aber Extreme vermieden werden.

Probleme gibt es auch ab und zu beim Zahnwechsel. Wenn die Milchzähne nicht ausfallen, müssen diese unbedingt gezogen werden um Fehlstellungen beim Gebiss zu vermeiden.

Auch bei Klein- bzw. Zwerghunden gilt: Je mehr gut erzogene Kleinhunde sich auf unseren Strassen zeigen, desto grösser auch die Akzeptanz von Gross - oder gar Nichthundehaltern. Jeder Kleinhundebesitzer ist aufgerufen, an der Imageverbesserung mitzuarbeiten.

Es soll hier wirklich keinem Liebhaber seine Rasse ausgeredet werden, aber jeder sollte auch so tolerant sein, dem Kleinhund den Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen, der ihm gebührt: Ein vollwertiger Hund im Kleinformat!

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Warum ich auf die Kleinen kam

Von Luise Daser
Seit ich denken kann, waren grosse Hunde mein Ideal. Man sollte sie mindestens im Stehen am Halsband nehmen können. Der Umgang mit diesen Lebewesen hat mich immer fasziniert, ich musste mich hineindenken, anpassen, und es war immer selbstverständlich, dass von mir verlangt wurde, das Verhalten und die Reaktionen der Hunde verstehen zu lernen. Nur zu einem geringen Teil konnte ich auf das Verständnis der Hunde mir gegenüber vertrauen. Nur mit Körperkraft sind grosse Hunde nicht zu beherrschen.

Wenn diese grossen Hunde dann auch noch meine Verteidigung übernahmen, dann fühlte ich mich beschützt, ich genoss die Wärme und die Zuneigung die sie mir entgegen brachten, ganz besonders.

Dann hatte ich die Idee, für längere Wanderungen einen Hundebegleiter zu suchen, der handlicher ist als ein grosser Hund, der auch lieber Bergtouren mitmacht als mein Sarplaninac. Der legte sich nämlich nach zwei Stunden auf den Weg und machte mir klar, dass seine Bereitschaft für anstrengende Wege jetzt erschöpft sei. Der handlichere Hund durfte aber nicht zu lebhaft sein, denn jeden Tag grosse Spaziergänge waren nicht möglich, und jagdfreudig wie ein temperamentvoller Terrier, das konnte ich schon gar nicht brauchen.

Nach langem Suchen fand ich einen Tibet Spaniel. Er lehrte mich, dass auch kleine Hunde echte Herausforderungen sein können, dass sie ebenso wie die grossen Lebewesen sind mit eigener Meinung, dass ein ständiges Kommunizieren zwischen Tier und Mensch die gleiche Herausforderung darstellt wie mit dem Herdenschutzhund und auch die gleiche Beglückung bringt. Eigentlich müsste das ja selbstverständlich sein.

Ich musste meine Meinung revidieren, ein kleiner Hund sei nicht ganz vollwertig, er sei vielleicht nur ein untertäniger Rutenwedler. Meine Erfahrungen wurden neu geordnet. Die "Kleinen" - und ich hatte schnell mehrere - waren geradezu raffiniert, wenn sie einen Vorteil erhoffen konnten, sie zeigten sich als ausdauernde Spaziergänger, und ich brauchte auch im Wald keine Leine, sie schliefen friedlich, wenn keine Zeit für lange Wege war, sie hatten niemals schlechte Laune, sie waren immer unkompliziert, und allem Neuen gegenüber eher gleichgültig. Nichts regte sie auf.

Dabei zeigten sie eine liebenswerte Hingabe ihren Menschen gegenüber, sie machten alles mit und hatten eine unglaubliches Talent sich mit einer Situation zu arrangieren, man kann sie sich gut als Überlebenskünstler vorstellen.

So habe ich nach einer Jahrzehnte langen einseitigen Begeisterung für grosse Hunderassen erkennen müssen, dass das Glück, mit Hunden leben zu können, nichts mit der Grösse des Partners Tier zu tun hat. Die Kleinen erfordern zwar eine etwas andere Einstellung. Aber ein Zusammenleben mit ihnen kann ebenso interessant sein.

 

 

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