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Angst vor Hunden

1. März 2001

Was ist Angst, woher kommt sie, wie kann man sie beherrschen?

Wie kommt es, dass Menschen Angst vor dem erwiesenen Menschenfreund Hund bekommen und selber oft nie loswerden? Fördern ahnungs- und rücksichtslose Hundehalter die Angst vor Hunden? Ist die Ursache, Angst vor Hunden zu haben, Horrormärchen wie -filmen als Züchtigungsmittel zuzuschreiben - Druck oder gar Gewalt als Erziehungsmethode, nicht nur bei Hunden? Wie kann man Angst vor Hunden beherrschen lernen? Angst vor Hunden wahr- und ernst zu nehmen, ist auch Aufgabe und Öffentlichkeitsarbeit von Hundeausbildern und -haltern. Im ersten Teil das Wissen um die Angst und das, was Angst macht, dann im nächsten up date die Ratschläge, was Hundehalter tun können und wie Ängstliche mit Begegnungen umgehen.

Angst und Phobie
Angst ist ein Gefühls- oder Gemütszustand (Affekt), der aus einer mehr oder weniger unbestimmten Lebensbedrohung stammt. Angst ist eine erworbene Erfahrung. Sie kann realen Ursprungs sein (erfahren oder erlebt) oder phantasiert (eingebildet). Hysterie ist eine übersteigerte Ausdrucksform der Angst. Was ist dann eine Phobie? Die Krankheitsform der Angst. Eine ausgeprägte, sich entgegen besserer Einsicht zwanghaft aufdrängende Angst, wobei der Betroffene versucht, die gefürchtete Situation und ähnliches zu vermeiden. Es gibt viele Formen der Phobien. Hier interessiert uns die Phobie vor Hunden (in einer späteren Ausgabe informiert hundezeitung.de auch darüber, welche Ängste Hunde befallen). Wenn Angst zur Sucht wird, wird sie verleugnet - ein Symptom der Abhängigkeit.

Angaben der Weltgesundheits-Organisation (WHO) zufolge leiden über 400 Millionen Menschen an Phobien. Auch in Deutschland soll jeder Zehnte an Phobien oder Panikattacken leiden. Angst ist eine Volkskrankheit geworden. Abgesehen von volkswirtschaftlichen Schäden ist die Angst ein ständiger Begleiter des Lebens. Ohne sie können wir nicht überleben, und zu viel davon ist schädlich.

Angst ist eine Urform des Lebens. Angst ist nicht "angeboren" aber erlebt, mitunter schon als ungeborenes Leben. Angst lehrt viel. Unter anderem dieses: mit ihr umgehen zu lernen oder es nicht zu "können", nicht zu wollen. Angst ist drastischer Lehrmeister. Angst hindert jene, die auf ihre Angstzeichen hören, Dummheiten bis tödliche Fehler zu begehen. Angst kann aber auch dazu führen, nichts zu versuchen, nichts zu probieren, nichts oder wenig zu erfahren.

Jemandem Angst zu machen, ist eine bewusste Aggressionshandlung, mit dem Ziel, den anderen zumindest zu verunsichern, wenn nicht "auszuschalten" (früher zum Beispiel durch verordnetes Kriegsgeschrei vor der Schlacht als "Motivation"). Angst zu erzeugen kann auch ein Ablenkungsmanöver von der eigenen Angst sein.

Hundefreunde, die nie Angst vor dem "Angstmacher" Hund erfuhren, können diese Angst nicht verstehen, beziehungsweise: sie ignorieren diese Angst. Die miesesten Helfer sind dabei solche ahnungslosen Sprüche wie "Der tut nix". Nicht nur der erfahrene Hundeausbilder hasst diese meist entschuldigende Ausrede. Meist bedeutet es nämlich in Wahrheit: "Ich weiss nicht, ob der Hund was tut". Oder: "Ich habe mit dem Hund nichts getan!". Was ihn so sicher macht, dass er dem Ängstlichen nichts tut? Gar nichts. Nur die Hoffnung, möglicherweise auch der Rest an unverdorbener Sozialität seines Hundes.

Hunde mit normalen Riechräumen als Nasen riechen bis zu 60-fach besser als Menschen (300 zu rund 5 Millionen Riechzellen). Für Menschen also unvorstellbar. Das heisst zu diesem Thema: Unsichere Hunde reagieren auf den für menschliche Nasen nicht riechbaren Angstdrüsensekret-Ausstross von Adrenalin mitunter angriffslustig, weil sie hier - sonst unterdrückt und unsicher gehalten/ausgebildet - endlich sich mal mit einem "Schwächeren" messen können. Sie wollen im Rang aufsteigen.

Selbstversuche mit vermeintlich beruhigenden, tatsächlich aber auf die Schippe nehmenden Sprüchen sind auch für den empfindungsärmsten Patienten kontraproduktiv. Es festigt den Ärger und den Hass auf das angstmachende Subjekt, den Hund. Der Patient ist hier nicht der Hund, sondern ein Mensch, der vollkommen andere Erfahrungen hat wie der Pseudopsychologe nach Hausmacherart oder Fernkurs. "Gut gemeint" ist hier besonders schlecht getan.

Wer sagt, er habe keine Angst, ist entweder ohne jede Erfahrung, was nach dem ersten Lebensjahr nicht möglich ist, oder er ist dumm (geblieben), weil er Angst nie erfahren hat oder sie leugnet. Meist geben Männer nicht zu, Angst zu haben oder zu kennen. Sie wissen es nicht besser. Oder sie lügen - auch sich selbst an. Keine Angst zu haben, ja haben zu dürfen, ist eine alte (verlogene) Dressurregel. Es ist Männern eingeprägt worden, keine Angst zeigen zu dürfen. Das heisst nicht, dass sie keine hätten. Sie dürfen es bloss nicht zugeben oder gar zeigen.

In der Gruppendynamik macht sich dann der Ritus des Heldentums breit. Meist mit dem Verdränger Alkohol und dem Gemeinsam-sind-wir-stark-Gefühl künstlich herbeigeführt. Als Einzelweisen würden diese Menschen nie so aggressiv auftreten, weil sie dann Angst haben zu verlieren. Lässt die Wirkung des Realitäts-Täuschers Alkohol nach, kommt der Katzenjammer.

Jene, die sich davon lösen oder diese Regel bewusst durchbrechen, gelten dann - Strafe als Prinzip des Regelverstosses - als Feiglinge, Memmen oder Warmduscher. Die Begriffe der Verachtung - gewissermassen als Ordnungswidrigkeit - sind vielfältig.

Mannbarkeitsrituale sind so alt wie die Angst und der herbeigetanzte oder gesungene oder lautgegrölte Kampf gegen diese Angst. Frauen jammerten dagegen nur leise bis wimmernd. Nur das oft tödliche Ergebnis von Heldentaten (Helden sterben meist früh) wurde hörbar von "professionellen" Klageweibern angezeigt.

Therapie wirkt nur mit dem Kennenlernen des Angstmachers
Ehrlichkeit ist ein Grundsatz der Angst-Therapie, Verleugnung nur ein Aufschub zur Lösung der Schwierigkeit. Ignoranz ("Ich habe keine Angst") ist bloss Angst vor der Erkenntnis, Angst haben zu müssen.

Es gibt zwar Therapie-Institute für Phobiker, aber keines über Hundephobie. Die Phobie vor Insekten oder Mäusen, Schlangen oder anderen "Vehikeln" ist eine andere wie die vor Hunden. Denn zur Therapie gehört auch das grosse Wissen um den "Angstmacher". Und ob in diesen normalen psychologischen Instituten auch wirkliche Hundekenner arbeiten, da ist der Autor sehr skeptisch. Er kann also keine gezielte Empfehlung aussprechen.

Ein Hundephobie-Therapeut muss beides wissen und kennen: Hunde und die Angst vor ihnen. Das eine ist nicht ohne das andere zu vermitteln. Humanpsychologen gibt es zwar viele staatlich anerkannte und - was wichtiger ist - lebenserfahrene, aber dass diese sich auch genauso gut in Hunden auskennen, ist höchst selten. Andererseits gibt es kein anerkanntes Berufsbild des Tierpsychologen, nur ein bezahltes, an Privatinstitute. Es gibt jedoch viele Hundelehrer, die nicht mal den blassesten Schimmer von Humanpsychologie besitzen.

Farbenpsychologie malt schwarz-weiss
Ach ja, die Farbenpsychologie spielt auch noch mit. Helle Farben gelten als freundlich, dunkle als gefährlich. Sagen die Farbenpsychologen. Die aber haben die Hunde vergessen, denen ist diese Einordnung schnuppe. Diese zweifellos vorhandenen Ängste vor dem Dunklen sind meist individuelle Kindheitserlebnisse und/oder spätere gezielte Angstmache (Märchen oder Horrorfilme).

Diese Schwarz-Weiss-Malerei lässt sich auch mit Hunde-Images leicht aufhellen: Schwarze Neufundländer haben ein kinderfreundliches Image, Labradors auch. Aber nur, wenn man dies weiss. Weisse Herdenschutzhunde hingegen, von ihrer Aufgabe her haben sie unbestechlich fremdenabweisend zu sein, sind keine Grapschsubjekte, bloss weil sie wie Eisbärchen aussehen (Ich nenne das Eisteddybären-Syndrom). Das kann nicht nur bei einem Eisbären ins Auge gehen. Grapschen ist generell tabu für Tierfreunde. Katzen gesteht man zu, sich dagegen wehren zu dürfen. Das darf auch für ungefragt begrapschte Hunde gelten.

Wahrnehmen und Aufarbeiten
Der wichtigste Schritt, Angst kennenzulernen, ist die Erfahrung - bewusst oder unbewusst erlebt. Der zweite ist der, Angst als solche wahr- und anzunehmen.

Dann folgt das Aufarbeiten. Es beginnt damit, die Verursacher der verschiedenen Ängste kennenzulernen. Sich mit dem Gegner zu beschäftigen, ihn wahrnehmen zu wollen und "berechnen" zu können, ist erstens alte Kriegskunst (Schachspieler sind darin theoretisch geübt, die Züge des Gegners berechnen zu können), zweitens eine private Erfahrung, mit Gegnern oder Schwierigkeiten umgehen zu lernen. Ängstliche Menschen vermeiden es auch meist, Schwierigkeiten anzunehmen, sie gehen ihnen lieber aus dem Weg.

Man kann Angst nie restlos besiegen oder gar beseitigen. Das wäre wiederum eine Selbstverleugnung. Eigenlügen helfen nicht, sie verdrängen nur. Es geht nur, die Angst beherrschen zu lernen, mit ihr umgehen können.

Reizkonfrontations-Therapie (Schocktherapie) ist kein Allheilmittel. Es ist nur Fachleuten vorbehalten, die Therapieform zu entscheiden, sonst geht der Schuss nach hinten los. Manchmal hilft Schocktherapie. Hier muss sich der Betroffene ohne direkte Hilfe mit dem Angstauslöser auseinandersetzen (zuerst informieren auch gegen die eigenen Widerstände), dann auf das angstauslösende Subjekt oder Objekt zugehen (sich konfrontieren) und es folglich berühren oder empfinden (auch: riechen). Streicheln ist ein vorläufiger erfolgreicher Höhepunkt dieser Therapie am "Hilfsmittel" Tier, angstarmes Streicheln der Anfang der Heilung.

Nur wenige Menschen schaffen den Angstabbau ohne Hilfe. (Es muss ja auch vor der Erfindung der Psychoanalyse und -therapie möglich gewesen sein.) Mit fachlicher Hilfe ist es leichter, eventuell bequemer.

Wer es ohne Hilfe wirklich schafft, der ist wahrlich stark, der kennt sich selbst und hat jede Möglichkeit, zu lernen und mit vielen Herausforderungen umzugehen. Helden, die nicht denken, sterben jedoch immer zu früh.

Der wahre Starke hat sich selber besiegt, nicht die andern.

Geeignete Hunde als Therapeuten
Erfahrene Therapeuten nehmen einen ruhigen, mit ängstlichen Menschen erfahrenen und eben allgemein liebenswerten Hund, keinen jungen ungestümen, erst in der fortgeschrittenen Phase einen Welpen. Diese Therapie ist kein angewandter Streichelzoo, denn immer gilt es auch den Respekt vor dem Tier zu bewahren und es nicht für Selbstversuche zu missbrauchen. Manche Angeber (Menschen) meinen, nur ihr Hund taugte zum Therapiehund. Sie machen den Patienten damit wegen dummer Selbstüberschätzung zum wirklichen Krankheitsfall. Der will dann möglicherweise sich nicht mehr therapieren lassen.

Es gibt keine Rassen, die sich speziell eignen. Dies sind nur von den - eigennützigen - Züchtern oder Haltern unbewiesene, aber - leider gern wiederholte - verkaufstüchtige Argumente. Und es wäre Verrat an anderen Hundearten, aus Eigennutz (wegen Verkauf) oder Ignoranz. Es gibt aber unter bestimmten Hundearten dafür eher veranlagte als unter anderen. Voraussetzung ist aber immer eine von Welpenbeinen an bestmögliche Sozialisierung mit und Prägung auf Menschen in allen Formen.

Im Groben sind vor allem Hunde von Rettungshunde-Ausbildern, natürlich vor allem den Profis, den Behindertenhunde-Ausbildern geeignet. Eine Rasse-Empfehlung zu geben, wäre so unfachlich und unqualifiziert wie die Angebereien von manchen höchst eigensüchtigen Rassezüchtern, die nur ihre Zucht verkaufen wollen.

Es können natürlich auch Hunde sein, die keine absonderlichen Prüfungen abgelegt haben, einfach nur sozial, unverdorben, menschen-gesellig geprägt wurden. Das Problem: dies glauben die meisten Hundebesitzer.

Jeder Hund ist anders, aber allen Hunden sind natürlich als hervorragende Gesellschaftstiere gewisse Grundeigenschaften gleich. Nach den Informationen über das Angst-Subjekt mit mehreren Formen der Angstauslösung (Knurren, Zähnefletschen, Anspringen, Bellen) und dem schrittweisen Abbau der Vorurteile (die grösste Arbeit, meist verursacht durch Märchen als Angsterzieher) sollten distanzierte Begegnungen mit ausgesucht vertrauenswürdigen Therapiehelfern (Hunden) folgen.

Information als Lehre
Man kann eine Angst vor einem Lebewesen oder Ding nicht besiegen wollen, wenn man sich nicht über die Lebensweise, über die Aktionen und Reaktionen informiert. Und wenn es zunächst nur als Abwehrmassnahme dient. Wie verhalte ich mich bei der angeblichen Bedrohung? Die Informationen über die vielfältige Körper- und Lautsprache des Hundes, mit vielen Varietäten, finden hundezeitung-Leser als Anregung und grobes Raster in der Rubrik Hundekunde, beziehungsweise im "Suche"-Logo "Körper- und Lautsprache". Es ist ein grobes Raster der Kommunikationsvielfalt des Hundes.

Der Erfolg einer Therapie hängt auch entscheidend davon ab, den Patienten nicht überreden zu wollen, sondern ihn zu überzeugen. Das Empfinden dafür muss er selber aufbringen. Immer muss der Patient seine Einwilligung zu weiteren Schritten geben, sonst setzt es Rückschritte.

Jeder Hundehalter, der einem Hundeängstlichen hilft, die Angst zu mildern, ist ein wahrer Tier- und Menschenfreund. Er ist gerade in der Zeit des Hundehasses ein beispielhafter Öffentlichkeits- und Sozialarbeiter. Weitere Schritte werden hier in dieser virtuellen Information nicht gegeben, weil dies exakt zum Gegenteil fachlich fundierter Therapien führt. Nichts sollte Hundeängstliche mehr jedoch überzeugen als in wirklicher Lebensnot von einem Pitbull, American Staffordshire Terrier, Rottweiler, Dobermann oder anderen - durch Menschenhand berüchtigt gemachten - Hunden gerettet zu werden.

Die hausgemachte Aggression
Zuerst war der erzieherische Angstmacher "böses Märchen". Druckmittel für so genannt unerzogene Kinder. Das wandten Erwachsene auch gegen sich und andere an. So entstanden blutrünstige Legenden. Die Märchen vom bösen Wolf oder Schwarzen Hund (meist der des verhassten Nachbarn) hielten sich, weil man diese Aggression selbst brauchte, um von eigener Angst abzulenken. Interessant ist, dass die meisten bösen - weil absichtlich angstmachenden, also manipulierten Horrorgeschichten im Zeitalter der so genannten Aufklärung entstanden. Ein Hohn.

Heute produzieren Fernseh- und Kinofilme diese Sehnsüchte nach der negativen Lust. Der wohlige Schauer ist eine Sonderform des Sexualismus. Naturvölker kannten dies nicht, aber andere Formen der Angst - die vor den Gewalten der Natur. Den Menschen jedoch, die sich in ihrem Hass geradezu aufgeilen (laut Sigmund Freud eine Sonderform der Sexualität, wie etwa: Horrorfilme anzugucken und sich danach wolllüstig unter die Bettdecke zu begeben), ist nicht zu helfen. Weil sie sich gar nicht helfen lassen wollen.

Eindeutig ist jedoch, dass Erwachsene ihre Angst vor Hunden an ihre Kinder weitergeben. Ein beängstigender Kreislauf.

Information ist der Feind der Angst. Daher verschwanden bestimmte Formen der Angst. Aber neue entstanden: meist durch dichtere, engere Bevölkerung. Unzufriedenheit oder Scheitern (Versagen) führen zu Ängsten oder Aggressionen gegenüber anderen. Zu vielschichtig ist diese Urform von Verhalten, als dass sie ausführlich hier beschrieben werden könnte. Sie kann nur ansatzweise erklärt werden. Damit wir andere, die unter einer Angst leiden, die wir nicht kennen, besser verstehen.

Abschreckpotenziale
Leider wählen heute viele Hundehalter aus ganz bestimmten, eben auch aus ängstlichen Motiven heraus einen ganz bestimmten Hundetyp. Der soll anderen Angst einflössen. So entsteht auch Angst vor Hunden. Diese mehr oder weniger unbewusst motivierten Hundehalter bilden ihre Hunde auch dementsprechend aus: zu wenigstens äusserlich schützenden, gefahrenabwehrenden Hunden. Mitunter auch dann, wenn gar keine Gefahr vorhanden ist. Ängstliche Hundehalter bilden automatisch ängstliche Hunde heran.

Hunde übernehmen die Laut- und Körpersprache des Rudelführers. Schrille und laute Töne, in sich geduckte Haltungen oder aggressiv-dominantes Auftreten (Präventiv-Abwehr) übernehmen sie als gelehrige Hunde. Nur der Halter hat dies nicht gelernt. Er ist ein Teil des Problems in unserer Gesellschaft und ein Mittäter der Angst vor Hunden.

Warum haben wir denn in Industrieländern diese Anhäufung von so genannt gefährlichen Hunden? Weil die Halter (und die Hundeverkäufer) diese eigene Angst - ob berechtigt oder eingebildet - produzieren. Immer häufiger. Eine uralte Lehre: Menschenmassen machen aggressiv. Bestimmte Hundearten sind hier nur ein Transportmittel der eigenen Aggressionen. Sie werden übertragen vom anpassungsfähigsten Gesellschafter auf vier Beinen - auf andere Menschen.

Mit Stärkeren (Hunden oder Menschen) legen sich nur wirklich Dumme an. Oder dressierte Hunde, denen der Eigenschutz abdressiert wurde. Sie sind nur unter Angst erzogen worden. Diese Hunde wären in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.

Eigene Unsicherheit kann ein Hund nicht kompensieren, er muss es aber oft. So entstehen die "Problemhunde" oder die "Versager". Wer hier das Problem oder der Versager ist, ist den Fachleuten auch klar. Und wenn er nicht willig ist, braucht man Gewalt. Gewalt ist die ausführende Form der Angst.

Viele Hundehalter kaufen sich ein bestimmtes Image: das Abschreckende. Da gibt es kein vertun. Denn die Gegenbeweise gibt es auch. Dieselben Abschreck-Image-Käufer beschweren sich dann über das negative Meinungsbild jenes "Produkts", das sie schliesslich selber wollten.

Es gibt eben die weitverbreiteten positiven Images (genauso unberechtigt) wie die negativen Beispiele. Die diesem einfachen pauschalen Bild gegenläufigen Einzelfälle stören dieses schlicht gestrickte Image. Nicht wenige Züchter machen sich ihren eigennützigen Vers darauf und verkaufen ihre Hunde als besonders kinderlieb oder Familienhunde. Was sind dann die konkurrierenden anderen Hunde? Diese ziemlich schlichten Bilder lassen sich oft nur auf den Verursacher anwenden. Wie der Herr so der Hund.

Wie viele dieser verleugneten Imagebilder auf vier Beinen landeten im Tierheim - bestenfalls? Die meisten dieser Imagehundler wollten gar keinen Hund. Sie wollten ihre Angst über einen angstmachenden Vierbeiner (als Waffe) kompensieren. Dann war dieses Bild aber nicht mehr gefragt, ja beängstigend - für wen wohl? Die Hunde konnten nie etwas für das Bild, das man von ihnen wollte. Wie viele Schäferhunde, Rottweiler, Dobermänner, die ganzen Bullterrier-Varietäten wurden nicht so, wie gewünscht, und landeten im Abseits? Die Geister, die sie züchteten, dressierten, riefen.

So darf es nicht wundern, wenn selbst ernannte Kynologen früher von "Gladiatoren" unter den Hunderassen schwärmten, heute aber die Quittung für diese kolossale Übertreibung erhalten. Man schwelgte in Härte und Kampftrieb. Ja, Trieb war fürchterlich gefragt. Kompensation der eigenen Wünsche? Wie spitzfindig, dass sich manche dieser erhofft "triebstarken" Hunde an diese meist lächerlichen Wunschdenken nicht hielten und ihrer veranlagten Sozialität folgten, so gut sie durften. Wer nur von "Trieb" redet, meist nur an den Kampftrieb, nett als Schutztrieb verkleidet, der hat es selber nötig. Der Hund ist nur Opfer dieses triebhaften Wunschdenkens eigener Schwächen. Triebe sind Antriebe, nicht mehr.

Alle Images taugen nur so viel, wie im Einzelfall belegt. Als Meinungsbild taugen sie nur etwas für das schlichte Gemüt, dem das Klischee genügt, um sein Vorurteil bestätigt zu wissen. Oder für Menschen, die solche Bilder brauchen. Tieren ist der Begriff des Images fremd. Dieser Kreislauf der Angst vor und mit Hunden ist also hausgemacht. Nie von Hunden. Die bekommen Prügel von allen Seiten.

Ein Meister der Kenntnis von der Angst
Fritz Riemann, Angst-Psychoanalytiker: "Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. In immer neuen Abwandlungen begleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode. Es bleibt wohl eine der menschlichen Illusion, zu glauben, ein Leben ohne Angst leben zu können. Wir können nur versuchen, Gegenkräfte zu entwickeln. Das Annehmen und das Meistern der Angst bedeutet einen Entwicklungsschritt, lässt uns ein Stück reifen. Das Ausweichen vor ihr und vor der Auseinandersetzung mit ihr lässt uns dagegen stagnieren; es hemmt unsere Weiterentwicklung und lässt uns dort kindlich bleiben, wo wir die Angstschranke nicht überwinden."

Ein Beispiel
Lernen wollte auch Richard, der Webmaster dieser hundezeitung. Den Anstoss, diese Angst vor Hunden zu beherrschen, gab sicherlich diese eigene Belästigung, Angst stets begegnen zu müssen, und seine geliebte Frau, die Hunde liebte.
Ein Hundemensch, der für seine Profession Beispiele an Hundeangst suchte, half ihm. Richard vertraute dem Mann, und dessen Hund. Er besuchte die beiden. Solch ein Schritt kostet sehr viel Mut und Überwindung. Denn die meisten Hundehalter können sich diese Angst nicht vorstellen, weil sie diese Erfahrung nicht gemacht haben.

Richard wollte wissen, wie Hunde allgemein einzuschätzen sind. Und er hat es wunderbar geschafft. Er hat die nächsten Schritte auch getan, beispielhaft. Sie hielten sich erst mal zwei Labrador Retriever, zu deren Halter sie grosses Vertrauen hatten. Die Hunde bestätigten dies. Viele Wochen waren der ältere und jüngere Hund zu Gast bei Richard und Regina. Dann war Richard so weit, um selber auf den Hund zu kommen. Satchmo heisst das Ergebnis. Er stammt noch aus einer sehr seriösen sorgfältigen Zucht.

Der zweite Teil ist hier:
Wie sollen sich Ängstliche verhalten und: Das Postboten-Syndrom

 

 

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