Baby + Hund = Glück?
10. Januar 2001
Es gibt keine lehrreichere und unterhaltsamere Beziehung als die zwischen sehr jungen Menschen und Hunden.
Haushunde sind als geborene Gesellschafts-Lebewesen besonders geeignet, Kontakte herzustellen, das gilt für vereinsamte alte Menschen so wie für ganz junge. Leider werden sie aber gerade deshalb missbraucht - hier als Spielzeug und als Langeweiler-Vertreiber für isolierte, luxuriös gehaltene Kinder. Beide in Einzelhaft. Wie bereitet man aber gerade Kleinkinder auf Hunde vor und den oder gar die Hunde auf die menschliche „Konkurrenz", um Schwierigkeiten zu vermeiden? Passend zum Thema versucht hundezeitung.de eine wachsende Entwicklung: hundehaltende Eltern schreiben und beteiligen sich an der Geschichte.
Vor der dynamischen Wachstums-Geschichte allerlei Erfahrungen und Meinungen zum Thema: Wie sag ichs dem Kinde, dass der Hund kein Spielzeug ist, kein
Werkzeug zur Erprobung einer verständlicher Aggression, kein Fernsehersatz etc.?
Ich antworte darauf schlicht: Indem die Eltern die faire und hundegerechte
Behandlung vorleben.
Ein wirklich vielseitig sozialisierter Hund wird es leicht haben, ein Kleinstkind als Konkurrenten und neues Rudelmitglied aufzunehmen und anzuerkennen. Er wird es integrieren, weil der Hund selbst eingeordnet und damit in seiner Rolle zufrieden ist.
Isolierte und alte Hunde ohne Kinder-Erfahrung, auch nur guter, werden natürlich Schwierigkeiten bekommen in ihrer Rangordnung. Es kann zum Rangkonflikt
werden.
Eifersucht kann man schon vor der Geburt eines Menschenkindes und der
Integration ins neue Rudel (aus der Sicht des Hundes, der sich um seinen Status betrogen fühlen kann und ihn mit aller Kraft verteidigen will) begegnen, indem man den Hund nicht ausschliesst. Aber nie das Kind in verdrängender Sorglosigkeit mit dem Hund allein lässt.
Bestens vorbereitet ist man, indem der Hund schon von klein auf mit Kindern
Umgang lernte, dabei von Kindern immer fair behandelt wurde. Das ist aber eine der Schlüsselaufgaben der Eltern!
Hier haben Eltern, die glauben, ihr Kind müsse ohne Tabus aufwachsen, zu lernen, dass dies ohnehin gefährlich ist. Das Kind lernt dann die Regeln um so rauer.
Die Sozialordnung von Hund und Kind müssen auf einen Nenner gebracht werden. das ist eigentlich leicht, weil sie im Idealfall deckungsgleich sein sollten. Denn der Hund ist ein Gesellschaftswesen mit sehr strengen, aber einfachen Regeln.
Die modernen Menschen jedoch sind nicht nur oft im Egoismus erzogen, sie geben diese Ellenbogen-Mentalität an ihre Kinder weiter.
Solche Eltern sind nicht geeignet, Kinder auf Hunde abzustimmen! Ich gehe auch ganz direkt jene Züchter/Verkäufer an, die mit den unbiologischsten Verkaufsargumenten predigen, nur ihre Rassevertreter seien die geboren Kindernarren. Es ist gefährlicher eigennütziger Quatsch. Natürlich können dies alle Hunde sein. Wenn die Eltern dies den Kindern lernen! Das gilt gerade, wenn Kinder noch ungeschickt mit ihren Händen umgehen - und den Hund an Extremitäten anpacken, die nicht als Rettungsanker und Haltestange gedacht sind. Von Anfang an muss dem Kleinkind Respekt vor dem Tier beigebracht werden.
Hat ein Hund nur gute Erfahrungen mit Kindern gemacht, wird er bei jedem Kind von dieser Verhaltensweise ausgehen. Hat er viele - mitunter reicht eine als Welpe - schlechte Erfahrung gemacht, wird er diese seine Erfahrung auf andere Kinder übertragen.
Ratschläge
Entziehen Sie dem Hund nie das neue Rudelmitglied. Lassen Sie den Hund von Anfang an Kontakt aufnehmen, vor allem braucht der Hund Geruchskontakt, wie er es bei anderen Lebewesen ja auch macht. Entzug (wie viele Kleinhundehalter ihren Hund hochreissen, um Kontaktaufnahme zu verhindern) verwirrt Hunde. Sie suchen ihn dann eventuell auf ihre Weise. Also kontrolliert miteinbeziehen. Und immer muss der Hund sich akzeptiert vorkommen dürfen, niemals in die „Ecke" stellen.
Vergessen Sie aber alle Versüsslichungen, derart, dass der Hund den Babysitter abgibt. Der Kontakt ist gleichzeitig auch Kontrolle über die notwendige Hygiene. Welpen und Junghunde übertragen noch - weil sie noch unerfahren sind - Parasiten. Grundsätzlich sollte das Kleinkind nicht in eine solche Übertragungsnähe des Hundes kommen. Machen Sie das geschickt, wird der Hund sich nicht ausgeschlossen oder gar zurückgestuft vorkommen.
Anders herum: Hunde sind keine „kostenlosen" oder angeborenen Baby-Sitter, wie sich das Eltern so manchmal vorstellen. Die Verantwortung bleibt immer bei den Eltern. Zu viele falsche Vorstellungen führten schon zu Unglücken. Der Hund ist auch daran nie schuld!
Ganz deutlich in die Wiege und deshalb als dicker Hundehinweis gelegt: Eine Rang-Rückstufung wird der Hund mit Eifersucht (Rückeroberung des Rangs) beantworten. Nicht das Problem des Hundes!
Es kann vorkommen, gerade bei Hunden mit starkem Beschützertrieb, dass er das neue Rudelmitglied vor Fremden beschützt. Mitunter kompromisslos. Das muss man vorher wissen, bevor der Besuch kommt und in die Hundefalle tappt. Den Hund also in diesem Fall ablenken.
Gerade diese (meist eigensüchtigen) Baby-Grapscher wirken auf kluge Hunde wie Bedrohungen. Für Babies übrigens auch. Erste Solidaritätsbindung und erstes blindes Verständnis zwischen Hund und Baby? Hundsnormal!
Bevor die Baby-Eltern und Hundehalter nun zu Wort kommen, um Erfahrungen auszutauschen, die anderen nützlich sind (also keine süssen Stories, sondern Ratschläge, die aber meist humorvoll sein können), lesen Sie ruhig noch einmal einen früheren Artikel: „Kind und Hund".
Vorwahl
Es gibt vor allem unter sehr souveränen (sozial und im Rang eingeordneten) Hunden geradezu Schützer über alles, was kleiner ist als sie und sich „welpenhaft"
ungeschickt bewegt. Bestens geeignet sind meist Hunde, die selbst in einem intakten grossen Rudel aufgewachsen sind und sich dort aufhalten.
Es ist nicht automatisch so, dass sich Hündinnen besser als Gouvernanten eigneten als Rüden, die den gutmütigen Onkel geben. Aber weibliche Lebewesen sind nun mal im Prinzip darauf biologisch eingerichtet.
Junge Tiere tun sich mit im Alter ähnlichen Lebewesen leichter als alte, die ihre
berechtigte Ruhe haben möchten. Das muss man unbedingt den Kindern, die
nervtötend weil sehr egoistisch vorgehen (ihr Lebenszirkel ist noch sehr eng),
beibringen. Und zwar konsequent.
Es ist nämlich gut eingerichtet, dass junge Erwachsene Nachwuchs bekommen und sich damit gerne herumplagen. Und nicht alte. Die haben das hinter sich.
Junger Besuch darf kommen, aber auch wieder gehen. Respekt vor anderen Lebewesen fängt ganz früh an und muss gelernt werden! Von Vorbildern.
Wachsende Geschichten
Zu den Berichten von Praktikerinnen, den „Beteiligten": Die Anzahl der Beiträge möge wachsen. Je nach Beteiligung werden sie fortgeführt.
Das Thema sollte sich aber auf die Art und Weise konzentrieren, wie mensch es dem Hund beigebracht hat, dass ein Menschenskind ins Rudel aufgenommen
werden soll. Sonst ufert das Thema in rührselige Geschichten aus und - andere
Mitschreiber kommen nicht mehr zu Potte. Humor ist trotzdem vermutlich unfreiwillig gefragt. Wir wollen mitlachen und mitleiden.
Den Anfang über ihre Erfahrungen mit Baby und Hund machen auf der ersten Seite der Sammlung Regina und Richard Ebert.