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Warum züchten?

Nachvollziehbare Gründe, warum gezüchtet wird, und welche Motiven in Wirklichkeit dahinter stecken können. Fragen, ohne dass wir eine Antwort veröffentlichen, denn diese mag besser still bleiben.

Ich glaube, am Ende wird herauskommen, dass nur ganz wenige Gründe wirklich produktiv sind, die meisten aber selbstbefriedend. Freude am Züchten? Das ist kein Motiv, das ist nur ein Vorwand. Wer arbeitet schon gerne mehr, als er zum eigenen Bedarf muss?

Wie viele Tierhalter züchten nur für den eigenen Bedarf - womit nicht das Portemonnaie gemeint ist, sondern für den eigenen Beruf mit oder ohne Nutztierhaltung?

Sind diese oft der Lächerlichkeit preisgegebenen verkindlichten Fotos von Welpen nicht Indiz genug, um das Züchten in solchen Fällen als Freude am Ersatzkinderkriegen zu werten? Ist es nicht kurzsichtig, weil emotional total überlagert, wenn man zwar einige Kaufinteressenten hat, aber nie genug, um wahrhaftig streng auszulesen oder gar einen Wurf von über zehn Welpen an die richtigen Leute zu verkaufen? Warum ist so mancher Züchter dann überrascht, wenn nicht wie erwünscht fünf, sondern zehn und mehr Welpen geworfen werden? Dann suchen sie aber dringen und oft genug ziemlich kompromissbereit für fünf ein neues Zuhause, falls nicht schon vorher von den fünf Fast-Fest-Bestellern einer abspringt – soll ja vorkommen. Leider halten sich die Mutterhündinnen nicht an derartig menschliche Planungen. In der Volkswirtschaftslehre nennt man das Überflussproduktion.

Wo fängt die kleine oder große Hundeproduktion an und wo bleibt sie seriöse Deckung aus Bedarf? Kennt man nicht die häufigen Berichte von weltweiten Welpentransporten – in China oder sonstwo, wo nicht so viel Medien unterwegs sind oder engagierte Tierfreunde, die dann über höchst ekelhaft tierschutzwidrige Transporte per Flugzeug in den Westen Europas und Nordamerikas verfrachtet werden? Müssen auch hier noch Welpen – wo keine sicheren Abnehmer vorhanden sind – verramscht werden? Seit wann gibt es in Tierheimen keine Rassehunde mehr? Oh, weniger Welpen, ja. Das kommt dennoch vor, wenn auch Tierschützer nicht aufpassen oder mal unkontrolliert nebenraus decken. Geld macht fast alle ehemaligen Moralansprüche platt. So lange Käufer angesichts eine Welpen ihren Verstand ausschalten, gibt es einen Markt.

Ich halte aber auch nichts von jenen Tierschützern, die von bestimmten Rassen schwärmen oder welche haben. Woher kommen denn ihre Lieblinge? Ist es nicht eine Ersatzbefriedigung, Tiere zu horten und unter anderen Umständen günstiger zu vermitteln? Was wären manche Tierschützer gar ohne Vermehrer und Vielzüchter oder Überraschendgrossewürfezüchter? Beschäftigungslos. Ein Markt deckt den anderen. Das Geld machen andere.

Warum bilden sich Hundezüchter ein, sie verbesserten ständig die Rasse – wo doch nachweisbar stetig eine Verschlechterung zu registrieren ist, was man nicht nur an der Anzahl der Erbkrankheiten feststellen kann, sondern auf die Reduzierung der Zucht auf rein phänotypische Merkmale wie Farben und Felle. Manche Vereine halten sich gar Qualitätsmanagement-Techniken zu gute, ohne jedoch auf Fremdkontrollen wie etwa in der Industrie (ohne Tierzucht) zu achten. Sie etikettieren viel Qualität, ohne sie nachhaltig zu beweisen. Show ohne wirklich tierzüchterischen Erfolg. Die Champions sind leider immer mehr nur noch Blendwerk. Wäre es anders, so, wie sie vorgeben, gäbe es weniger tiermedizinische oder psychisch-physische Schwierigkeiten. Doch sie häufen sich, zusammen mit einer rein kaufmännischen Verkaufsmentalität, wenn man an die Praxis der Verkaufsförderung und Kundenwahl denkt.

Die organisierte und nicht organisierte Züchterei, ob kontrolliert (mit welchem Qualitätsstandard und von wem?) oder unkontrolliert (es könnten ja höhere Anforderungen sein als dies ein Verein will), ist nachweislich erschreckend unprofessionell. Ist denn ein Fortschritt auf biologisch-kynologischem Gebiet nachweisbar seit Erfindung der Hundezucht? Nein. Nur in den Methoden der Vermarktung. Bedarf für die meisten Hunderassen besteht ohnehin nicht mehr. Für neue schon gar nicht, aber dieser Erweiterungsdrang beweist, dass es nur noch um Farben und Felle geht, nicht mehr um hundliche Qualitäten.

Lauthalse Empörungen sind wie Schall und Rauch. Es soll jeder nur seine Erkenntnisse aus diesen folgenden Fragen ordnen und dann wütend sein oder lächeln, für sich. Anlügen muss er andere nicht. Erkennen darf er für sich, und letztlich für die Hunde.

Achtung: Dies ist keine Umfrage;-) Antworten werden daher hier nicht veröffentlicht. Aber man kanns in Forum diskutieren.

Warum züchten?

1. Zur eigenen Freude
1. a. Um am Aufwachsen von jungen Lebewesen erfreut zu werden (Versorgungstrieb- Motiv), weil man doch als Kindersersatz züchtet (Babykriegen-Motiv) – Hunde, die niemand mehr braucht, daher zum Luxusartikel deklariert werden (Luxuszucht-Motiv)
1. b. Um natürlich den ganzen Wurf selbst zu behalten
1. c. Um sie trotzdem fast alle wieder abzugeben gegen gutes Geld oder als Ausnahme zu verschenken (Selbstlosigkeits-Motiv)
1. d. Um mit ihnen Sport und Spass mit dem selbstgezogenen Hund zu treiben, welchen auch immer (Eigenbeschäftigungs-Motiv)

2. Aus beruflichen Gründen
2. a. Um sie als Arbeitshunde zu beschäftigen und für Nachwuchs darin zu sorgen (beweisbares Bedarfs-Motiv)
2. b. Um von ihnen zu lernen für einen Beruf, der praktische Kenntnisse von Hunden erfordert (Wissen-Motiv) oder um sich selbst zu beschäftigen oder gar berufen zu fühlen (Egotrip-Motiv)
2. c. Für eine Zusatzeinnahmequelle, die auch Haupteinnahmequelle werden kann (Finanz-Motiv, das zum Bereicherungs-Motiv verkommen kann)
2. d. Um mit ihnen in Vereinen und Verbänden oder auch privat sogenannten Hundeleistungssport zu treiben und damit Ruhm und Preise erwirbt, die den Wert der Zucht heben (Konkurrenz-Bestätigungs-Motiv mit mehr oder minder krankhaftem Ehrgeiz; für ein pures Sport-Motiv sollte man auch selbst Sport treiben)

3. Aus züchterischen Verbesserungsgründen
3. a. Um die Rasse – wie auch immer und fraglich – zu „verbessern“ (Vorwand- oder nachweisbares Leistungs-Motiv, wobei vorausgesetzt wird, dass Inzucht oder jeglicher Verdacht an erblichen Krankheiten ausgeschlossen werden, und zwar mit Fremd- und nicht Vereinskontrolle)
3. b. Um eine Beschäftigung dabei zu finden (korreliert mit 2. a., b. und c.)
3. c. Um sich auf einem Hobbygebiet zu profilieren (privates Bestätigungs-Motiv, korrelliert mit 2. d.)

4. Warum meiden die meisten Züchter Tierheime oder Notfallvermittlungsstationen wie der Teufel das Weihwasser?
4. a. Weil sie dort eventuell mit Hunden aus ihrer Zucht konfrontiert werden könnten, deren Käufer sie nicht sorgfältig genug ausgewählt haben
4. b. Weil sie dort die generelle Überproduktion sehen
4. c. Weil sie verleugnen, dass es solche Ergebnisse gibt

5. Warum handeln nicht alle Züchter so wie wirklich sorgfältige, freilich seltene, die etwa Hunde wieder gar aus anderen Kontinenten zurückkaufen, weil sie nicht gut genug gehalten werden?
5. a. Weil die Kosten zu hoch sind
5. b. Weil sie dann im Idealanspruch fast wieder alle Hunde zurückkaufen müssten
5. c. Weil auch das keine absolute Gewähr ist und man nicht alles zu jeder Zeit kontrollieren kann, schon gar nicht rechtswirksam, und das für ein ganzes Hundeleben. Das gewähren auch keine Tierheime oder Vermittler. Die kontrollieren oft genauso wenig wie die meisten Züchter, was aus „ihren“ Hunden wird.

6. Warum züchten, wenn man kaum fachlich dazu und vorher geprüft wird, ob alle Voraussetzungen dazu erfüllbar sind?
Damit ist keine interessen-involvierte und oft genug schlecht ausgebildete Vereinsführung gemeint, sondern eine Ausbildung mit staatlich gegengeprüfter, rasseneutraler und fachlich vielseitiger Grundlagenkenntnis. Die bisherigen Voraussetzungen sind geringer als die eines Gemüsehändlers oder Landwirts.
6. a. Es soll jeder züchten, was er will, die Konkurrenz bestimmt den Markt
6. b. Es sind leider viel zu viele Geldgierige dabei, die vom Züchten gar keine Ahnung haben wollen, darunter leiden die guten. Die fordern schärfere Vorschriften.
6. c. Es wird immer viele miese und wenige gute Züchter geben, Vorschriften werden auch nur von den dicken Verbänden reguliert. Da wird sich nichts ändern. Wir müssen selber besser und strenger werden.

7. Warum sinken die am Anfang so hochgeschraubten Selbstansprüche mit dem vierten, fünften erfolgreich verkauften Wurf dann schnell auf Null, so dass die meisten Züchter nur noch Vermehrer sind?
7. a. Weil die Kunden einem bei gefragten Rassen die Tür einrennen.
7. b. Weil diese Züchter dann bald merken, wie schnell damit doch gutes Geld verdient ist, die Ansprüche halten nicht lange.
7. c. Weil dann das Geschäft andere machen würden, also passen die Züchter dann ihre ersten Versprechen dem Markt, den sie mitbestimmen, an.

8. Warum geben auch anerkannt gute Züchter oft auf?
8. a. Weil sie die Nase voll haben vom Marktgeschehen, von der Haben-Gier wie Denaturierung der Käufer und von den Vereins- und Verbandsintrigen.
8. b. Weil sie nicht schnell genug auf andere Moderassen umsteigen. Dann bleiben sie auf ihren Ladenhütern hocken. 8. c. Weil sie kaufmännisch naiv geblieben sind.

9. Warum interessieren sich viele Züchter nicht auch für andere Hunderassen als ihre?
9. a. Weil sie fanatisiert bleiben wollen.
9. b. Weil sie züchterblind bleiben wollen, es könnte ja was Besseres geben und sie könnten dazulernen müssen oder gar tolerant gegenüber anderen Hundetypen.
9. c. Weil sie gar nicht mehr anders können dürfen, weil sie ihr Verein schon dahingehend manipuliert und kontrolliert. Uninformierte Mitglieder sind die bequemsten.

10. Was war der erste Gedanke, warum jemand züchten will, der einen Hundetyp nicht für seine Arbeit braucht?
10. a. Er will den Hundetyp irgendwie verbessern.
10. b. Er sieht, dass die meisten Züchter doch leicht Geld damit verdienen. Auch wenn viele das Gegenteil behaupten.
10. c. Er will seinen schönsten Hund der Welt gerühmt und vermehrt wissen und ist stolz drauf. Dafür tut er alles.

11. Warum züchtet jemand bewusst Tiere, die bedingt - durch den offiziellen Zuchtstandard - erhebliche gesundheitliche Probleme haben?
11. a. Weil das immer nur von Manchen Tierärzten oder Tierschützern reklamiert wird, und die sind nicht repräsentativ.
11. b. Die paar Rassen müssen halt von Fall zu Fall operiert werden. Auch viele Frauen lassen einfacher durch Kaiserschnitt gebären. Das erleichtert die Geburt, wenns normal nicht geht.
11. c. Ja, es sind Ausnahmen, die von Tierliebe reden und dennoch Qualzucht betreiben.

12. Warum verkaufen Züchter ihre Hündinnen mit rund sechs Jahren, meist ausgeschrieben für „Zuchtanfänger“?
12. a. Ja, das nennt man in Fachkreisen „Sanierung der wirtschaftliche Zuchtbasis“.
12. b. Damit die einen preisgünstigen Start hinkriegen.
12. c. Damit die Anfänger mit einer erfahrenen Zuchthündin lernen können.

 

 

Autor: Dr. Rainer Brinks
© Hundezeitung 07/2007