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  1. #1 Hüteverhalten
    Bine59

    Hüteverhalten

    Hallo,

    Kann es sein, das ein Jagdhund Hüteverhalten zeigt und zum Schutzhund wird? Meine JR-Mix Hündin verhält sich bei Familientreffen oder einer plötzlich auftauchenden Schafherde sehr merkwürdig. Ist die Familie zusammen unterwegsrennt sie wie eine Wilde hin und her, bellt die an die am Ende laufen an, springt an ihnen hoch und rennt wieder nach vorne. Sie ist nicht mehr ansprechbar, hört auf kein Signal mehr und hat meiner Meinung nach, den totalen Stress. Schaffen wir es den Hund an die Leine zu nehmen, fängt sie an zu ziehen und zu keuchen, wenn Jemand vor uns läuft, ist man aber mit ihr an der Spitze dreht sie sich ständig nach hinten um und will zurück laufen.

    Als wir auf die Schafherde trafen war sie zum Glück an der Leine, ist aber total ausgeflippt. Sie fing an zu fiepen und zu zerren und wollte hin. Ich bin dann so lange stehen geblieben bis die Schafe vom Zaun weg gingen, danach war erst an ein weiterlaufen ohne sturzgefahr zu denken.

    Gestern ist sie zum erstenmal auf sich nähernde Pferde zugerannt. Die Reiter waren noch ca. 200 Meter von uns entfernt, als ich sie sah. Ich rufe "Tinki" hier, um sie anzuleinen, da rennt sie los und war nicht mehr zu stoppen. Als ich dann ganz laut "au weia" schrie (voll in Panik) kam sie plötzlich wieder zurück, das war kurz bevor sie die Pferde erreichte.

    Jetzt frage ich mich, warum kam sie zurück? Hat sie auf dieses "au weia" reagiert oder da erst erkannt das es Pferde sind, die sich nähern und keine Gefahr besteht.

    Ich bin jeden Tag mit ihr im Wald unterwegs und somit auch an Pferdebegegnungen gewöhnt. Die beachtet sie sonst überhaupt gar nicht und läßt sich sofort an die Leine nehmen oder sie macht neben mir Platz.

    Warum verhält sie sich so?

    Wegen dem Hund finden die Familientreffen immer im Wald statt, damit sie nicht auf ihren Auslauf verzichten muß und wir haben immer viel Spass dabei. Denn es sind immer Tagesausflüge. Aber wie fühlt sich Tinki dabei? Sie braucht ihr Ballspielen und ist danach auch immer entspannter.
    Sie hat sich Rituale geschaffen die sie braucht, nicht wir. Das Ballspielen muß immer an bestimmten Stellen statt finden ( umgestürzter Baum oder eine Bank) . Da wird 5 mal geworfen und auf "Schluß" sofort aufgehört. Der Ball wird eingepackt und wir gehen weiter.

    Soll ich in Zukunft den Hund lieber zu Hause lassen ( 8 Stdn.) oder weiterhin mitnehmen?

    Zeigt sie Hüteverhalten und kann man es abgewöhnen? Was meint Ihr denn so?

    Viele Grüsse

    Sabine

  2.   Alt 
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  3. #2 Hüteverhalten
    Wobdog
    Sieht so aus als wäre da noch ein Hütehund mit drin ;)

    Nein mal im Ernst, kann es sein das der Hund unterfordert ist?
    Gerade bei Jackis ist es wichtig, sie kopfmäßig zu beanspruchen.
    Wenn der Hund keine Aufgabe hat, sucht er sich eine und dass kann dann manchmal nicht so erfreulich aussehen.

    Ich weiss ja nicht wie der Alltag so bei euch aussieht, deswegen ist es schwierig da genaueres zu sagen.

    Bei euren Familienfeiern, ist die Hündin da auch mal zwischendurch entspannt oder ist sie immer auf Achtung und in Bewegung?
    Wenn sie zwischenzeitlich tief und fest schläft, kann sie ruhig weiter mit auf diese Feiern.
    Ist Sie aber nur in Bewegung, leckt sich und versucht sich vielleicht noch bei Dir zu verstecken, sollte sie lieber nicht mehr mitkommen, dann ist das Stress pur für die Hündin.

  4. #3 Hüteverhalten
    Bine59
    Danke Wobdog für deine Antwort,

    genau das ist das Problem. Wir wissen nicht was für ein Mix unser Hund ist
    und ob sie unterfordert ist oder wir irgend etwas falsch machen. Vom Tagesablauf her fordern wir den Hund mit Kopfarbeit, Suchspielen, Agility, Dogdancing, Ball spielen und die normalen Gehorsamsübungen. Dabei wird sie aber nicht von uns überfordert, sondern in Maßen über den Tag verteilt angewand. Sie lernt schnell und hat viel Spaß dabei, denn die Reihenfolge die ich mit ihr geübt habe, macht sie ohne Komando, von alleine nach. Sollte da aber ein Hütehund enthalten sein wird ihr das nicht reichen, glaube ich jedenfalls.

    Sie hat je nach Wetterlage zwischen 3-6 Stdn Auslauf mit Schleppleine, die wir aber im Hundeauslaufgebiet nicht einsetzen brauchen, weil wir ihr die ganzen negativen Angewohnheiten abtrainiert haben.

    Bei den Familienausflügen ist das einsetzen der SL aber nicht möglich, weil sie so schnell hin u. her rennt, das die Sturzgefahr zu groß ist.

    Entspannen tut sie nur im Auto, auf der Rückfahrt.

    Bei Feiern die in unserer Wohnung statt finden, findet sie überhaupt keine
    Ruhe. Sie rennt pausenlos von Zimmer zu Zimmer und wenn Jemand aufsteht geht sie hinterher. Wenn wir ihr Körbchen in einen anderen Raum stellen, wo sie Ruhe hätte, bleibt sie da nicht und schließen wir die Tür, fängt sie an zu bellen und springt gegen die Tür.

    Wenn wir das mit ihr üben (Wir sind 5 P.), dann gibt es überhaupt kein Problem damit, egal ob die Tür offen oder geschlossen ist sie bleibt im K.

    Es könnte ja auch sein, das sie uns kontrollieren will und meint sie ist der Chef. Sie geht ja auch "bei Fuß" an der Leine, aber eben nicht, wenn 12 Personen dabei sind. Früher war sie immer eine Woche lang krank nach solchen Treffen, mittlerweile hat sich das gelegt.

    Viele Grüsse
    Sabine

  5. #4 Hüteverhalten
    Torsten
    Meine bescheidene Vermutung:

    Viel zu viel. Ihr habt Euch einen Adrenalinjunkie gebastelt. Fahrt das tägliche Programm nicht rauf, sondern runter. Ein, vielleicht zwei mal die Woche

    Kopfarbeit, Suchspielen, Agility, Dogdancing, Ball spielen
    reicht. Und 3-6 Stunden selbst einfacher Auslauf täglich (?!?) ist m.E. auch ganz schön viel - auch das ist ja für den Hund anstrengend (alle möglichen Duftmarken müssen registriert, untersucht und eingeordnet werden, beispielsweise). Wenn dann noch das normale Familienleben zu Hause dazu kommt... Eure Gehorsamsübungen kann man doch auch einfach nebenbei einstreuen - da braucht es keine gesonderten "Einheiten" (die der Hund sowieso als solche erkennt).

    Wie gesagt: Meine Vermutung.

  6. #5 Hüteverhalten
    Torsten
    PS.: Ein gewisser Kontrollwahn kann vielleicht auch noch dabei sein.

  7. #6 Hüteverhalten
    Scruffy
    Ich denke auch es ist zuviel des Guten. Hat sie echt 3-6 Stunden Auslauf taeglich? Zusaetzlich zu all den anderen Aktivitaeten? Je mehr Ihr tut und macht, desto mehr Kondition bekommt der Hund, desto mehr fordert sie ihre Bewegung. Fuer mich ist das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung aus den Fugen geraten.

    Ich wuerde das langsam zurueckfahren, die Kondition muesst ihr wie bei einem Leistungssportler Schritt fuer Schritt abbauen. Einen Tag Agility, einen Tag DogDancing etc. Wenn sie dabei zu arg aufdreht, immer wieder Ruhephasen einlegen, oder nur sehr kurze Dauer der Uebungen. Statt der aufputschenden Sachen wuerd ich Faehrtenarbeit machen. Sie muss sich konzentrieren kommt aber nur zum Erfolg wenn sie ruhig arbeitet.

    Familienfeiern: uebt mit ein oder zwei "Besuchern". Klappt das, dann uebt mit 3 oder 4 "Besuchern" bis sie auch das ruhig und gelassen akzeptiert bis sie dann auch groesseren Tumult gelassener sieht. Diese "Besucher" kommen nur zu Trainingszwecken ins Haus.

    Zucky

  8. #7 Hüteverhalten
    Gast433
    Hat sie auf dieses "au weia" reagiert oder da erst erkannt das es Pferde sind, die sich nähern
    Ich behaupte: weder-noch. Sie hat wohl eher die Panik in Deiner Stimme registriert.
    Mit Hütehunden kenne ich mich SO nicht aus...Aber Torsten und Gitta haben n.m.M. recht...es war auch mein erster Eindruck, als ich Dich las, dass das viel zu viel sein könnte.

    Ich habe denselben Fehler gemacht mit meinen 3en: tgl. ca. 5 Std. raus: Toben, Spielen, Kopfarbeit/ UO (was immer ich damals drunter verstand;-). Der DSH (Yacka) ist DAS gar nicht gut bekommen. Erst durch die virt. HuWie kam ich ins (Nach)denken darüber und fuhr mein "Programm" zurück. Yacka wurde wesentlich ruhiger.

    Noch ein Denkansatz, von dem ich nicht weiß, ob er auf Dich/ die Hündin überhaupt zutrifft: vielleicht meint sie, sie müsse Deinen Job (Aufpassen bspw.) übernehmen? Vielleicht musst Du ihr deutlich machen, dass Du Deinen Job ganz gut alleine bringst?

  9. #8 Hüteverhalten
    Wobdog
    Wie Torsten und Scruffy schon geschrieben haben war es etwas zuviel des guten und das mit dem Adrenalin -Junki geht schon in die richtige Richtung.

    Als erstet solltet Ihr jeden Tag etwas weiniger mit ihr machen und sie auf einem der Spaziergänge einfach mal Hund sein lassen.
    Schnuppern, buddeln nebeher laufen lassen, sowas ebend.

    Und sie muss wirklich wissen wo sie in der Familie steht.
    Ein Nein muss ein Nein bleiben, da solltet Ihr 5 euch absprechen, was sie darf und was nicht.
    Und 3 Stunden reichen aus, je mehr Auslauf der Hund hat, desto besser eigentlich aber seit Ihr auch im Winter mit ihr bis zu 6 Stunden unterwegs?

    Alles muss im gesunden Maß bleiben, daß ihr es auf Dauer beibehalten könnt.

    Ich habe selbst so einen Fehler gemacht mit meinem letzten Hund, das hat etwa 6 Monate gedauert ihn wieder runter zu trainieren.

  10. #9 Hüteverhalten
    Bine59
    Danke für Eure Antworten.

    Als wir Tinki bekamen, war sie ein total verspielter Hund. Hyperaktiv und total ängstlich, bei Allem was sie nicht kannte. Sie ging auf Alles los was sie nicht kannte und bellte. Nun muß man aber erst einmal erkennen, das ein Hund Angst hat, weil er die Dinge nicht kennt. Normale Gassigänge gab es gar nicht, sie kannte wahrscheinlich keine. Aber mit anderen Hunden hat sie, als sie mit mir unterwegs, war immer gespielt. Man sollte meinen, so wie die getobt haben, das der Hund mit 5 Mon. total eledigt ist und schläft, aber die ist wie eine Wilde in der Wohnung rumgeflitzt. Die ist überhaupt nicht zur Ruhe gekommen, fing sogar noch an ihre Rute zu jagen und rein zu beißen. Daraufhin sind wir zum Tierarzt, der ihr eine Beruhigungsspritze gab. Die war völlig aus dem Häuschen, weil sie bis dahin noch nie gespielt hat. Man geht ja nun davon aus, das ein Hund Gassigänge und Hundeschule kennt, wenn man ihn als Welpe bekommt.

    Heute sieht es so aus, bekommt sie nicht genug Auslauf, flippt sie in der Wohnung aus. Hatte sie ihren A., schläft sie.

    Wir haben natürlich alles ausprobiert. Kein Ball, nur Hund sein lassen, funktioniert nicht. Sie spielt nicht mehr mit anderen Hunden und jagt statt dessen alles Andere. Sie braucht einfach den Ball und andere Aktivitäten, um ausgeglichen zu sein. Man merkt es einfach an ihrem Verhalten.

    @ Torsten

    Gehorsamsübungen finden während des Auslaufs statt, je nach Situation und morgens nur kurz bei der Handfütterung.

    @ Scruffy

    Besuch haben wir täglich durch die Kinder, ist auch kein Problem für den Hund.

    @ Birka

    Warum hört sie aus mich, wenn ich mit ihr alleine unterwegs bin und sie rufe, aber nicht bei den FA. ? Ich rufe ja erst ruhig, die Panik kommt, weil sie nicht hört. Sie verhält sich ja auch schon ganz anders als sonst und inzwischen kennt sie die Ausflüge .

    @ Wobdog

    Nur bei schönem Wetter sind wir länger draußen, wobei sich das ja auf den Tag verteilt und nicht 6 Stdn. auf einmal. Sie hat dann auch nicht nur Aktion, sondern muß mit uns z.B. am Strand liegen oder wir sitzen irgendwo im Grünen und sie soll dann eigentlich auch ruhig liegen und entspannen, aber sie tut es nicht. Sie bleibt nur kurz liegen, dann fängt sie an sich selbstständig zu machen. Wir achten natürlich darauf, nicht in der prallen Sonne zu liegen. Wenn es sehr heiß ist, lassen wir sie auch nur schwimmen.

    Im Winter tobt sie mehr und länger, weil bei Kälte mehr Kondition. Weniger mit Ball, da flitzt sie einfach so durch die Gegend. ( 3 Stdn Auslauf )

    Ich wollte keinen Roman schreiben, aber wie soll ich sonst erklären was ich meine, es entsteht ein falsches Bild von uns.

    Ich wollte eigentlich nur wissen, wie man erkennt, ob ein Hund die Veranlagung zum hüten hat ?

    Viele Grüsse
    Sabine


    Die sportlichen Aktivitäten machen wir nicht professionell sondern nur so im Wald zwischendurch. Nur Ball ist ihr zu langweilig.

  11. #10 Hüteverhalten
    Torsten
    Habt Ihr es mit langsamem (!) Runterfahren probiert?

    PS.: Soweit ich weiß, ist Hüteverhalten z.B. des Bordercollies (dieses abgeduckte Anschleichen und Fixieren) rudimentärer Teil einer Jagdsequenz. Ob Bordercollies ohne entsprechende Prägung/Training es beim Hüten belassen oder die Jagdsequenz bis zum Finale durchziehen würden, wenn man sie ließe, weiß ich nicht. Fände ich aber auch mal interessant, zu wissen. Mit anderen Worten: Gibt es "Naturhüter" überhaupt - so ganz ohne menschlichen Einfluß? Oder sind sie wegen ihres speziellen Verhaltens "nur" besser geeignet, müssen aber trotzdem in die richtigen Bahnen gelenkt werden?

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