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Wenig Hund, weniger Philosophie, noch weniger „Wolf“ - und gar kein Mensch!
Das Buch ist aus mehreren Gründen nicht zu empfehlen und da es unter anderem auch durch eine sehr bekannte deutsche Verlags- sowie Musik- und Buchhandelsfirma mit Direktvertrieb über Versandhandel massiv beworben und positiv bewertet wurde im letzten Merkheft, muss man als Hundehalter, Philosoph und Mensch unbedingt sein Veto einlegen, da sich das Werk vor allem unter vier Aspekten selbst diskreditiert:
1. Der „Wolf“: Ich schreibe bewusst Hundehalter und nicht Wolfhalter, weil es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um einen reinrassigen Wolf handelt (bereits das Bild spricht für den nordischen Schlittenhund), sondern bestenfalls um einen Wolfshund, einen Mischling also (nicht einmal einen Hybriden) und auch hier überwiegen - glaubt man den Bemerkungen des Autors über Wesen, Charakter und Erziehung – eindeutig die haushündischen Elemente. Kein normaler Wolf läuft ohne Leine bei Fuß und reagiert so schnell auf Erziehungskonzepte und Kommandos; kein normaler Wolf zeigt so wenig Scheu und kein normaler Wolf würde sich von einem Laien, wie der Autor trotz Hundevorgeschichte in der Kindheit nun mal ist, derart problemlos halten lassen! Hierzulande weiß man durch den Saarlooswolfhund oder den Tschechoslowakischer Wolfhund um die Schwierigkeiten einer Rasse, in der sich zum hündischen Erbe erneut wölfisches gesellt – die Bandbreite an Wesensausprägungen ist enorm, die Palette umfasst hundeähnliche, also sehr treue, wesensfeste und gehorsame Tiere, aber auch beinahe rein Wölfe, die extrem scheu, schreckhaft und im normalen Alltag kaum zu führen sind. Brenin aber, der Held dieses Buches, mag vom Körperbau her ein Wolf sein; sein Wesen hat viel vom Alaskan Malamute – mehr Hund denn Wolf also!
2. Der Hundehalter: Ganz im Ernst und ohne moralischen Vorwurf – als Hundehalter ist der Autor eine Katastrophe! Das beginnt mit den vollkommen und auch in den Vereinigten Staaten mittlerweile antiquierten Hundeerziehungsmethoden von William Koehler, nach denen gearbeitet wird; das setzt sich fort mit dem Freilauf in den unmöglichsten Situationen vom Sportfeld, in Siedlungen oder gar in einer Großstadt wie London; das sieht man an der Verantwortungslosigkeit eines Rüdenbesitzers bei läufigen Hündinnen in der Nachbarschaft; an den hanebüchenen Gründen für die Anschaffung zweier Hündinnen und der zwanghaften Nahrungsumstellung für einen genuinen Fleischfresser. Die Aufsichtspflicht wird leger gehandhabt, was beinahe einen tödlichen Autounfall zur Folge hat; ein im Grunde ungesichertes Grundstück (eine Hecke ist kein Zaun!) birgt für einen verirrten Besucher durch Hund und Halter beinahe den Tod in Gestalt von Fangzähnen und Prügel; durch Unachtsamkeit verursacht ein Weidezaunstromschlag eine wilde Flucht. Da wird die mit im Haushalt lebende Hündin der viel gefährlicheren und viel aufwändigeren Kastration unterzogen; weil der Mann im Mann diejenige des Ründen nicht zu ertragen vermochte!!! Da lässt der Autor seinen Hund und gar das ganze Rudel jagen, das Ende mit der Spritze erleben wir auf der Ladefläche eines Jeeps; zum Schluss erfahren wir etwas über die Freude des Autors darüber, dass die anderen amerikanischen Hunde Angst vor den beiden verbliebenen Hündinnen haben und bei Begegnungen lieber die Straße wechseln. In Deutschland wäre der Autor als Hundehalter ein Ding der Unmöglichkeit; in den USA und auf den britischen Inseln scheint man das anders zu sehen. Der absolute Hammer aber ist die Geschichte mit der Quarantäne: Wegen eines Wohnort- und Arbeitsstellenwechsels, der aus freiem Willen erfolgte (die Krankheit des Vaters wird bloß vorgeschoben!), wird dem Hund wegen der seinerzeit in Irland noch bestehenden Gesetze zugemutet, sechs Monate auf einer Quarantänestation zu verbringen. Man muss sich das einmal vor Augen halten: Ein Hund mit wölfischen Anteilen; ein Tier also, dass praktisch nie ohne die Nähe des Besitzers leben kann; ein Tier, dass jahrelang mit im Haus leben und den Autor überallhin, sogar in den Hörsaal, begleiten durfte – ein solches Tier wird wegen des Wunsches nach beruflicher und privater Veränderung ein halbes Jahr seinem gewohnten Leben entrissen! Unglaublich das Ganze an sich und unerträglicher noch die larmoyanten Rechtfertigungsversuche des Autors! Natürlich kann es durch Krankheit, Unfall etc. immer wieder einmal vorkommen; dass Hund und Herrchen getrennt werden – aber hier erfolgte jene erzwungene Trennung aus rein egoistischen Gründen des Autors. Bei einem Alter von zehn Jahren musste Brenin ein Zwanzigstel seines Lebens im „Knast“ verbringen, weil sein Herr und Meister das glaubte verantworten zu können.
3. Der „Philosoph“: Nichts sage ich gegen die populäre Darstellung philosophischer Probleme; nichts gegen Vereinfachungen und Glättungen und nicht einmal etwas gegen Populismus in den Wissenschaften! Über die Fragen des Lebens selbst bzw. nach dem Sinn desselben ist die Menschheit noch lange nicht hinweg; mag man auch streiten, ob eine solche Beschäftigung sinnvoll sei oder nicht. Auch sage ich nichts gegen das Verfahren als solches, ein Tier als Dreh- und Angelpunkt des eigenen Philosophierens in den Focus zu stellen! Aber zwei Dinge muss ich einfordern: Das intellektuelle Niveau an sich und die Richtigkeit der Ausgangshypothese. Bezüglich letzterer hat es ein Rezensent hier bereits ganz richtig festgestellt:“ Ein wildes Tier lehrt uns überhaupt nichts!“ Natürlich hilft der modernen Verhaltensforschung ein Vergleich zwischen Caniden und Primaten, wenn es darum geht, Erziehung und Verhalten von Hunden zu verstehen und artgerecht anzupassen; die Ethologie kann dazu beitragen, dass ohnehin gute Verhältnis des Menschen zu seinem besten Freund noch zu perfektionieren! Aber ein Hund ist ein Hund und als solcher bereits ein Produkt des Menschen und ein richtiger Wolf ist eben ein wildes Tier und für uns Menschen nur dahingehend von Belang, dass sich einige Wesensmerkmale und Verhaltensweisen auch noch im modernen Haushund zeigen. Es ist einfach nicht integer und schon gar nicht wissenschaftlich, Vergleiche zwischen dem Canis lupus und dem Homo sapiens sapiens anzustellen; schon gar nicht, wenn es um die höchsten Fragen der Menschheit geht und als Ausgangspunkt auch noch ein Mischling aus Wolfsvorfahren und Hunden dient, der beim Autor ein reines Hundeleben führt! Wenn man im ersten Kapitel lesen muss, der Wolf sei die Lichtung in der menschlichen Seele und müsse in uns sprechen, um dem unaufhörlichen Plappern des Affen in uns Einhalt zu gebieten, so ist die denkerische Fallhöhe des Buches umrissen und es bräuchte den Hinweis des Autors, er wollte keine genuin philosophische Arbeit schreiben, nicht mehr! Was soll uns die Feststellung innerhalb des Komplexes Zeit und Wahrnehmung derselben, dass Wölfe nur im Augenblick leben und wir das eben nicht vermöchten? Ganz abgesehen davon, dass auch Tiere eine Zeitvorstellung haben; das beweisen die alltäglichsten Beobachtungen und wovon möchten sonst ihre Träume handeln? In dem Modus geht es weiter: Beinahe alle wichtigen philosophischen Fragen und Themenkomplexe werden angerissen - Glück und Unglück, Freiheit und Zwang, Natur und Zivilisation bzw. das Wilde in der Kultur, Tiere und Emotionen bzw. Gefühle, Kraft und Schönheit oder das große Thema Gut und Böse. Nicht alles ist wirklich schlecht; aber nichts wirklich gut! Die Plattitüden zum Gesellschaftsvertrag zum Beispiel mag man trotz des ethischen Impetus kaum glauben; andererseits dürfte für die Majorität der Leser der Gedankengang aufschlussreich gewesen sein; dass einer Theorie nach Affen nicht durch höhere Intelligenz zu sozialen Wesen geworden seien; sondern umgekehrt durch ihre Existenz als soziale Wesen intelligenter geworden sind; wobei neben der Neigung zu und Notwendigkeit von Intrigen und Betrug Sex und Gewalt als Triebfedern menschlicher Höherentwicklung konstatiert werden müssen. Immerhin menschlich anrührend die Frage nach der Liebe zum Tier, wenn man es um der Gesundheit Willen „quälen“ müsse und also derart die „Liebe“ des Tieres zu einem selbst aufs Spiel setzte, um einem anderen Lebewesen zu helfen. Was aber im vorletzten Kapitel über den Tod von Hunden und Wölfen haarsträubend „philosophiert“ wird, unterbietet selbst noch die Ausführungen in weiten Teilen vorher. Da das Leben für jene keine Abwicklung von Verlust sei – so das Ganze in nuce - habe der Tod auch keine Macht über sie. Sich hier ständig in seiner Argumentationsreihe widersprechend, mündet das Buch in Überlegungen zum Mythos von Sisyphos und natürlich zum Sinn des Lebens, wobei eine Lehre von den höchsten Momente konstruiert wird. Wie auch immer: Trotz aller Bemühungen sehe ich immer wieder in großen Lettern blitzen, was man als moderner Mensch und kluger Denker nur noch milde belächeln kann – der Wolf ist das edle Geschöpf, noch ganz oder viel Natur; edler und weiser natürlich als der Mensch! Man könne von ihm lernen, wie man ein besseres Leben führe! Wenn das die Höhe angloamerikanischen Philosophierens ist; wenn derartige pennälerhafte Plattheiten ausreichen, um als Ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Miami zu lehren, dann muss man sich über den allgemeinen Zustand der Geisteswissenschaften und der Welt nicht wundern. Der Autor hat, wie er im Buch nur allzu oft und stolz erwähnt, noch zahlreiche andere philosophische Bücher geschrieben, die eigenen Angaben zu Folge allesamt zu Bestsellern geworden sind. Ich hegte gern die Hoffnung, sie seien besser als das hier vorliegende; zu glauben vermag ich es nicht!
4. Der Mensch: Ich sage es ganz ehrlich und gerade heraus – der Autor, der sich in diesem Buche ausspricht, ist mir ganz und gar unsympathisch. Er ist selbstverliebt und arrogant bis hin zur Egomanie; er weiß alles Schräge und Schiefe seiner Hundehaltung und seiner Philosophie, vor allem aber seines eigenen Lebens zu rechtfertigen und zu verteidigen innerhalb seines autistischen Kosmos – egozentrischer kann man eigentlich nicht versuchen, dem Leser durch Manipulation, Vorspiegelung falscher Tatsachen und sophistische Kasuistik glauben zu machen, das Tier an seiner Seite stünde über dem Menschen als Individuum. Der Autor sieht natürlich blendend aus; ist natürlich klug und wird immer klüger; er ist natürlich unheimlich sportlich und stark; er kann natürlich als einziger mit seinem „Wolf“ richtig umgehen; er wird natürlich von vielen Frauen sexuell begehrt; er schreibt natürlich die besten und interessantesten philosophischen Bücher und macht natürlich gegen seinen Willen Karriere! Neben dem keineswegs ironisch gemeinten und immer wiederkehrenden Selbstlob tritt die noch schlimmere Variante; wenn der Autor versucht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen und zu relativieren, weil in der Regel das genaue Gegenteil unterschwellig suggeriert wird. Der ständige und kaum verhaltene stolze Bezug auf Größe, Gewicht und Kraft des „Wolfes“ lässt hinter dem erwachsenen Mann die puerile, infantile und im Grunde pubertäre Charakterbildung erkennen. Diesem Mann glaube ich kein Wort, er ist nicht ehrlich – nicht mit sich selbst und nicht mit uns anderen, den Lesern! Sein kontinuierlich hoher Alkoholkonsum, der ihn streckenweise sympathisch macht, muss natürlich auch in Gigantonomie ausarten! Selbst im einzigen Abschnitt, der wirklich überzeugend wirkt; als der kranke Brenin gepflegt und verarztet werden muss und sich der Mensch als Pfleger dem Tier aus Liebe entfremden muss; tut sich der Autor im Grunde nur selbst leid. Er ist nie konsequent; mal brachiales Partyluder, mal unzugänglicher Einsiedler; mal Fleischfresser, mal Vegetarier – aber eben alles in einer unglaubwürdigen Art und Weise; weil sich der Autor selbst und uns etwas vormacht. Er mag seinen „Wolf“, keine Frage, aber mehr mag er sich selbst! Wen wundert es, dass der angeblich beziehungsscheue Solipsist zum Happy End hin verheiratet ist; natürlich mit der schönsten und klügsten Frau überhaupt; dass er nicht mehr so viel trinkt und überhaupt ein nützliches Glied der Gesellschaft geworden ist. Du liebe Güte ...
Fazit: Über den „Wolf“ soll hier „Philosophie“ bzw. überhaupt ein Buch verkauft und dessen Autor interessant gemacht werden! Eine Masche, die seit Jahren und Jahrzehnten auf dem Buchmarkt zu beobachten ist und die Bücher hervorbringt, die in der Regel als Mogelpackungen keinen der behandelten Aspekte wirklich durchdringen! Das Tier, am Liebsten noch das wilde, wird missbraucht; indem es für dreiste und dumme Vergleiche herhalten muss; die den Menschen vordergründig unter jenes stellen; während am Ende doch immer wieder die Überlegenheit der „Krone der Schöpfung“ durchscheint! Wenig erfährt man zum Hund, weniger zur Philosophie, noch weniger zum „Wolf“ - und gar nichts vom Menschen an sich; vom Autor allerdings und leider schon viel zu viel!
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Deinen Beitrag finde ich richtig gut - und muß leider gestehen, daß ich das Buch 2mal mit großem Erfolg verschenkt hab, selber es aber blöd und eher langweilig fand.
So tröstet es mich doch, daß jemand anders das ähnlich sieht und viel präziser und klarer erklären kann, was mir Unbehagen machte....
Ilona
Liebe Ilona.
da fällt mir wirklich ein Stein vom Herzen; denn weder amazon (die nehmen sonst jede von mir) noch andere Hundeforen wollten die Rezension bringen, weil sie so negativ sei! Ich als begeisterter Wolffan habe das Buch ursprünglich ja auch erstanden, um es zu genießen und später ausgiebig loben zu können! Leider erwies sich das Werk - wie so oft - als Mogelpackung! Und da es aber auch viel mit Hunden zu tun hat, dachte ich, eine Besprechung sei für Hundefreunde nicht ganz überflüssig, auch wenn es mehr um Philosophie als um Kynologie geht!
Gruß
Hagen
Tja, nun gut, ich bin nun wirklich irgendwie doch auch neugierig geworden.
In manchen "niedergemachten" Büchern finden sich Körner der "Wahrheit", genauso wie in anderen "hochgelobten" Büchern leider auch nur, oder sogar noch weniger. Das liegt aber wohl eher in der individuellen Betrachtungsweise des Lesers.
Nun Yorick, vielleicht hat er gelesen. frechgrins.
Gruss Tino
Nunja vielleicht auch nochmal erwähnt.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher über Hunde, viele sind echt Schrott, aber es gibt auch genauso viele wo viele Wahrheiten stehen. Die müssen nicht unbedingt immer genau mit meinen Vorgaben übereinstimmen, aber vielleicht gibt es viele Dinge in solchen Büchern wo ich sage, stümmt.
Wichtig für mich ist das man ein Buch mit dem richtigem Verstand liest und sich das für sich passende rausliest.
Ich habe auch grade eine Latte meiner Bücher an einen neuen Hundebesitzer verliehen, glaube aber er hat die noch net wirklich gelesen, er hat auf jeden Fall viele Probs.
Gruss tino
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