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Apotheke Natur: bald ausverkauft?

Hundehalter kennen die Mittel inzwischen - und wenn auch nur vom Hörensagen: Bachblüten, Johanniskraut, Teebaumöl, Arnika und so weiter. Naturprodukte. Immer mehr Ärzte und Tierheilpraktiker und Hundehalter wünschen sich die natürliche Therapie und Naturheilmittel. Doch die Ressourcen wachsen nicht so schnell nach wie sie abgegrast werden.

"Boomartige Steigerungsraten" meldet der "Spiegel", weil die Nachfrage nach so genannt alternativer Medizin erheblich angestiegen ist. Folge: Die Grundstoffe der Natur für die Befriedigung dieser Nachfrage werden knapp. 1998 wurden weltweit fast eine halbe Million Tonnen an Heilpflanzen im Wert von 2,2 Milliarden Mark gehandelt. Der Umsatz verdoppelte sich nur in der EU innerhalb von zehn Jahren.

Noch nie waren Pillen und Pasten, Tees und Tinkturen aus pflanzlichen und tierlichen Substanzen so begehrt wie zur Zeit, durchaus als Abneigung der Schulmedizin und vor allem der Pharmaprodukte zu verstehen.

Die Heilpflanzen stammen vornehmlich aus China, Indien, Afrika und Südosteuropa. Was der Naturfreund jedoch auch wissen sollte: Kräutersalben oder Tee aus dem Bio-Laden werden nicht immer naturfreundlich erbeutet, denn fast alle der rund 2 000 verwendeten Heilkräuterarten werden nicht aus anbaubaren Kulturen gewonnen, sondern aus der Wildnis entnommen.

"Sanft heilen, aber hart räubern" schreibt die "Zeit" dazu. Vielerorts werden Tonnen von Thymian- oder Johanniskrautbüschen kahlrasiert. Die Depression, gegen die diese Kräuter helfen sollen, bleibt quasi am "Herstellungsort" entwurzelt zurück. Einige Pflanzen sind nun bereits vom Aussterben bedroht. Deutschland ist die Drehscheibe des europäischen Heilpflanzenhandels.

Auch für die seit Jahren nicht nur bei Esoterikern beliebte Bachblüten- und Aromatherapie werden Wildpflanzen verwendet. Aber auch die auf Nachweisbarkeit gründende "Schulmedizin" entnimmt viele Pflanzen, die in herkömmlichen Arzneimitteln enthalten sind (zum Beispiel Aspirin).

Eine wichtige Instanz zur Überwachung des Handels mit bedrohten Pflanzen (und Tieren) ist das Washingtoner Artenschutz-Abkommen (CITES). Handelsbeschränkungen werden von dieser Institution ausgesprochen. Doch die Kontrollen sind schwierig.

Forderung: Nachhaltige Nutzung ist geboten. Durch schonendes Sammeln können Pflanzen regenerieren. Durch erhöhten Anbau von Pflanzenkulturen wird der Bestand wild lebender Pflanzen erhalten. Es ist zu kontrollieren, dass nicht mehr entnommen wird als nachwachsen kann (nachhaltige Wirtschaft). Und durch kritische und nicht emotionale Aufklärung sind die Verbraucher zu informieren, was wirklich wirkt.

Wir sollten nicht auf die abergläubischen Räuber von tierlichen Organen schimpfen, deren Wirkungslosigkeit zur sexuellen Stimulans ohnehin erwiesen ist, ohne selbst nachzudenken, was wir leichtfertig vielen Wildpflanzen antun.