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Was ist....Botulismus?

Seit einigen Jahren erkranken immer mehr Tiere vor allem in der Schweiz an Botulismus. Betroffen sind vor allem Rinder und Pferde. Botulismus ist eine häufig tödliche Krankheit, die durch die Vergiftung mit dem Toxin von Clostridium botulinum entsteht.

Clostridien sind für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich; Starrkrampf (C. tetani), Gasbrand ( C. perfringens) und Botulismus sind die bekanntesten.

Erreger: Clostridium botulinum ist ein sporenbildendes grampositives Bakterium, das ein hochwirksames Neurotoxin produziert. C. botulinum kommt weit verbreitet im Erdboden und im Wasser vor. Falls die Umweltbedingungen für das Überleben der Clostridien nicht ideal sind, können diese Bakterien ausgesprochen resistente Sporen bilden, die jahrzehntelang überleben können.

Bei einer Verbesserung der Umweltbedingungen können sich die Sporen wieder in die vermehrungsfähige Bakterienform zurückverwandeln. Bei den richtigen Temperaturen und unter anaeroben Verhältnissen produzieren die Bakterien dann das gefährliche Neurotoxin.

Es gibt sieben antigenetisch verschiedene Toxintypen (A-G). Meistens kommt es zu Botulismus, nachdem die Tiere verseuchtes, toxinhaltiges Futter gefressen haben. Die häufigste Ursache sind tote Vögel oder Kleinsäuger, die beim Mähen getötet werden und ins Futter gelangen. Die im Magendarmtrakt der Kadaver enthaltenen Sporen finden in den verwesenden Kadavern optimale Entwicklungsverhältnisse (eiweissreiche, anaerobe Umgebung mit günstigen pH- und Temperaturwerten). Aber auch mit Erde verunreinigtes Heu kann bei der Konservierung und Lagerung zu einer Toxinquelle werden.

Die Zunahme von Botulismusfällen bei den Tieren könnte durch die modernen Methoden der Futtergewinnung und -lagerung bedingt sein. Die neuen Mähmaschinen mähen schneller und näher am Boden. Das heisst, dass einerseits mehr Kleinsäuger von den Mähdreschern erfasst werden, da ihnen die Zeit zur Flucht fehlt, und andererseits mehr sporenverseuchte Erde ins Futter gelangen kann.

Einmal aufgenommen, wird das Gift im Dünndarm resorbiert und via Blutkreislauf zum peripheren Nervensystem gebracht. Dort bindet das Toxin an die motorischen Endplatten (Übergang von Nerv zu Muskel) der peripheren Nerven und hemmt so die Freisetzung von Acetylcholin an den Synapsen. Dadurch wird die Reizübertragung vom Nerv auf den Muskel verhindert. Es kommt zu einer schlaffen Lähmung der quergestreiften Muskulatur. Ein typisches Symptom ist die Bulbärparalyse, eine schlaffe Lähmung im Bereich des Kopfes, die unter anderem auch die Zunge, die Kaumuskulatur und den Pharynx betrifft; die Tiere können nicht mehr richtig schlucken, Speichel läuft aus dem Mund und der Zungentonus ist reduziert. Der weitere Verlauf kann zu Gangstörungen, Festliegen, Koma und Tod führen. Der Tod tritt meist durch Lähmung der Atemmuskulatur ein. Die letale Dosis für Säugetiere beträgt wenige Nanogramm pro kg Körpergewicht. Das heisst: schon 100 Gramm toxinverseuchtes Heu reichen aus, um ein Pferd zu vergiften!

Die Therapie von Botulismus ist schwierig, weil die Krankheit sehr schnell verläuft und oft nicht rechtzeitig erkannt wird. Bei einer frühzeitigen Diagnose kann ein Immunserum verabreicht werden, das das zirkulierende Gift neutralisiert. Das Immunserum ist in der Schweiz nicht registriert, kann aber in Notfällen mit einer Sondergenehmigung des IVI trotzdem eingesetzt werden. Seit Februar 2003 ist ein Impfstoff aus Südafrika in der Schweiz zugelassen (inaktivierter Impfstoff gegen Typ C und D). Immunserum und Impfstoff dürfen nie gleichzeitig angewendet werden, da sie sich gegenseitig neutralisieren würden.

Klassischer Botulismus: Eine Vergiftung, die durch verdorbene Lebensmittel (hausgemachte Konserven, Würste, Schinken u.a.) oder kontaminierte Futtermittel verursacht wird.

Säuglingsbotulismus: Mit der Nahrung (z. B. Honig) aufgenommene Sporen können, wahrscheinlich dank der speziellen Bedingungen im Darm von Säuglingen, auskeimen und Toxin produzieren. Die Sterblichkeit ist viel niedriger als beim klassischen Botulismus.

Wundbotulismus: Infektion von offenen Wunden durch Clostridum botulinum mit anschliessender Produktion von Toxin. Diese Form ist eher selten. Möglicherweise sind die neuen Mähmaschinen eine Ursache für die Zunahme an Botulismusfällen bei Rindern und Pferden, da sie unter anderem tote Vögel und Mäuse erfassen, die C. botulinum-Sporen in ihrem Magen-Darm-Trakt enthalten können. Die Sporen können sich dann unter günstigen Lagerungsbedingungen im Heu zu einer Toxinquelle entwickeln.

 

 

 

© Hundezeitung 9/2005