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Hunde - Physiotherapie
6-teilige Serie

Anwendungsgebiete, Ziele, therapeutische Möglichkeiten Der hundekrankengymnastische Befund Entstehen von Muskelverspannungen Schmerzformen, Erkennung des Schmerzes Manuelle Therapien Gerätetherapien

Erbfehler und Gendefekte - eine Übersicht
Infektionskrankheiten - eine Übersicht

Narkolepsie Teil 1 Narkolepsie Teil 2

Parvovirose
Herzerkrankungen
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Leishmaniose
Teil 1 Teil 2 Leishmaniose und Zeckenmittel

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Serie Hundephysiotherapie
Von Tier-Physiotherapeutin Katrin Blümchen

1. Teil: Anwendungsgebiete, Ziele, therapeutische Möglichkeiten

Die Hundekrankengymnastik - oder auch Hundephysiotherapie - ist in Deutschland mittlerweile eine bekannte Behandlungsmethode geworden. In den Niederlanden, USA und England ist die Krankengymnastik beim Hund schon seit vielen Jahren eine etablierte Therapieform.

Die Krankengymnastik setzt sich zusammen aus dem großen Gebiet der Bewegungstherapie - Kräftigung und Mobilisation, der Elektrotherapie, der Hydrotherapie (Wärme/Kälte) und verschiedenen Massagetechniken.

Der Hauptschwerpunkt ist die Schmerzlinderung, der Muskelaufbau, der Erhalt und das Wiedererlangen der Gelenkbeweglichkeit und das Bewusstmachen von Bewegung. Eine gute Vorarbeit für Operationen kann geleistet werden, und auch zur Heilungsförderung und Rehabilitation ist die Krankengymnastik sehr gut einsetzbar.

Es sind ausschließlich äußere, manuelle Anwendungen. Der Hundekrankengymnast verabreicht keine Medikamente oder durchbricht die Hautoberfläche durch z. B. Spritzen. Grundsätzlich ist die Krankengymnastik bei allen Erkrankungen der Knochen, Nerven und Muskeln einsetzbar und wirksam.

Die Hundekrankengymnastik sollte eine tierärztliche Behandlung niemals ersetzen, sondern immer eine begleitende Therapieform darstellen!

Anwendungsgebiete:

  • Skeletterkrankungen (wie z. B. Hüftgelenksdysplasie, Ellenbogen- und Wirbelsäulenerkrankungen),
  • degenerative und Verschleißerkrankungen (Arthrose),
  • bei älteren und alten Hunden mit altersentsprechenden Gebrechen,
  • Nervenerkrankungen/Lähmungen (z. B. Bandscheibenvorfall),
  • vor Operationen (z. B. Patellaluxation),
  • nach Operationen (z. B. Kreuzbandriss) zur Rehabilitation,
  • Schmerzlinderung, Muskelaufbau und zur allgemeinen Wiederherstellung,
  • Muskelerkrankungen (z. B. Hartspann), Ödeme, Wundheilungsstörungen,
  • therapeutisches Muskelaufbautraining von Sport-, Dienst- und Gebrauchshunden,
  • klassische Massage und andere entspannende Techniken

Ziele:

  • Schmerzlinderung,
  • Muskelaufbau,
  • Muskelentspannung,
  • psychische Entspannung,
  • Erhalt und Wiedererlangen der Gelenkbeweglichkeit,
  • Bewusstmachen von Bewegung,
  • Nervenreizung,
  • Verbesserung von Kondition und Ausdauer,
  • Stoffwechselaktivität steigern

Therapeutische Möglichkeiten:

  • Massage zur Schmerzlinderung und Entspannung,
  • Lymphdrainage bei Ödemen und zur Schmerzlinderung,
  • Reflexzonentherapie,
  • isometrische Spannungsübungen zum Muskelaufbau,
  • manuelle Therapie zur Schmerzlinderung und zum Erhalt und Wiedererlangen der Gelenkbeweglichkeit,
  • Behandlung auf neurophysiologischen Grundlagen,
  • Elektrotherapie/Reizstromtherapie zur Schmerzlinderung und Nervenreizung,
  • Magnetfeldtherapie zur Schmerzlinderung,
  • Moxibustion (Akupunktur durch Hitzeentwicklung),
  • Bürsten- und Igelballmassage zur Schmerzlinderung,
  • Entspannung und auch zur Nervenreizung,
  • Wärmeanwendungen zur Schmerzlinderung und Entspannung,
  • Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung und bei Entzündungen,
  • Unterwassermassage zur Schmerzlinderung und Entspannung,
  • Stangerbad zur Nervenreizung bei gelähmten Hunden,
  • Bewegungsbad zum Muskelaufbau,
  • Gerätetherapie (Schaukelbrett, Trampolin, Laufband, Therapiekreisel,
  • Übungsparcours, Therapiematte, etc.) zum Muskelaufbau und zur Schulung von Koordination und Gleichgewicht,
  • Wickeltherapie (Kneipp`sche Behandlungen).

Kurzer Einblick in den Alltag des Hundekrankengymnasten am Beispiel der Behandlung des Kleinpudels Toni:

    Toni ist ein 4-jähriger Kleinpudel mit einem Bandscheibenvorfall. Als ich Ihn das erste Mal sah, war er ein Bild des Jammers. Seine Hinterbeine waren komplett gelähmt und er bewegte sich robbend vorwärts.

    In den ersten Behandlungstagen bekam er eine Strombehandlung im Wasser (Stangerbad). Er saß dort in einer großen Wanne, in der Stromelektroden angebracht sind. So fließt der Strom durch seinen Körper und natürlich durch das betroffene Gebiet. Durch diese Stromform werden die Nerven angeregt und gereizt, so auch die Muskulatur. Es konnte schon nach der ersten Strombehandlung eine Besserung erzielt werden.

Stangerbadbehandlung
    Weiterhin bekam Toni bewusstseinsfördernde und lockernde Massagen, in den Bereichen in denen Muskelverspannungen ihm Schmerzen bereiteten.

    Dies ist ein großes Problem. Ein Hund - wie auch jeder Mensch - benutzt bei Problemen Ausweichmechanismen, die Muskelverspannungen in eigentlich gesunden Körperabschnitten bewirken. Das muss jeder Therapeut wissen, um entsprechend darauf einwirken zu können.

    Zum Ende der Behandlungseinheit hatte Toni nur noch geringfügige Einschränkungen. Spielerisch brachte ich ihn dazu ,auf weichem Untergrund, einer Schaumstoffmatte, zu laufen. Die Wirkung dabei ist ein Muskelaufbau, aber auch die Nerven und Muskeln werden dabei angeregt, schnell und effektiv zu reagieren.


    Wärmebehandlung

    Toni ist im Moment wieder ein glücklicher, lebendiger Pudel. Die Gefahr eines Rückschlages ist aber nicht gebannt. Der Besitzer ist dazu Angehalten, seinen Hund wenig hochspringen zu lassen, und Treppensteigen ist verboten.

    Es wird viel Zeit in eine Kräftigungstherapie investiert. Bei Muskelverspannungen erhält Toni weiterhin regelmäßige Wärmeanwendungen und Massagen.
    Diese prophylaktischen Maßnahmen werden hoffentlich eine neuerliche Lähmung verhindern - die Chancen stehen sehr gut.

In der eigentlichen Behandlung hat man natürlich noch unendlich mehr Möglichkeiten zu therapieren und zu helfen. Nicht jede Behandlung bringt Erfolg, dies kann man aber wahrscheinlich von keiner Behandlungsmethode behaupten. Jeder Besitzer von einem kranken Vierbeiner hat aber vielleicht mit der Krankengymnastik die Möglichkeit, seinem Tier zu helfen und Beschwerden zu lindern. Diese Möglichkeit sollte man seinem Tier nicht vorenthalten.

Kontakt:
Deutsche Ausbildungsstätten für Hundekrankengymnastik www.dahp.de

Nächste Folge: Der hundekrankengymnastische Befund, Muskulatur des Hundes (Entstehung von Muskelverspannungen), Schmerzformen, Erkennung des Schmerzes, Hundekrankengymnastik - manuelle Therapien, Gerätetherapien.