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Was ist ....
Leishmaniose
Von Dr. Torsten J. Nauck
2. Teil: Diagnostik, Therapie und Prophylaxe
Die klinischen Anzeichen für eine Leishmaniose variieren beim Hund sehr stark.
Dieses hängt zum einen von zahlreichen pathogenen Mechanismen während des
Krankheitsfortschrittes und der individuellen Immunantwort des Hundes ab, zum
anderen vom lokalen Leishmania infantum-Stamm. Wie bereits erwähnt, so ist der
Erreger der Leishmaniose im mediterranen Raum L. infantum, jedoch sind bis heute
mindestens neun verschiedene Stämme (Zymodeme) dieses Erregers bekannt. So kommt
in Griechenland das Zymodem Leishmania infantum MON-1 vor, in Italien zusätzlich
L. infantum MON-27, in Frankreich auch MON-108 und in Spanien MON-11, MON-77 und
MON-105.
Vergleicht man nun klinische Symptome von Hunden, die aus Griechenland, Sizilien
oder Südspanien kommen, so fällt - derzeit völlig grob betrachtet - eine
regional unterschiedliche Klinik auf. Ich stelle daher alle bekannten klinischen
Symptome zusammen, die einen Verdacht auf Leishmaniose bei einem Hund mit
mediterraner Historie begründen.
Erste, sehr unspezifische Symptome einer klinischen Leishmaniosemanifestation
können Durchfall, Lahmheit, sowie allgemeine Trägheit und Appetitlosigkeit
begleitet von schleichendem Gewichtsverlust sein.
Ein spezifischeres Symptom ist das "Ausfransen", also leichtes und mehrfaches
Einreissen der Ohrränder. Einige mediterrane Bauern kennen diese Symptomatik,
deuten dieses jedoch damit, dass irgendwelche Fliegen die Ohrränder angebissen
haben. Begleitet ist dieses Einreissen der Ohrränder häufig mit Schuppenbildung,
erst auf den Ohren, dann auch am Kopf, und schliesslich am gesamten Körper.
Hautläsionen sind das häufigste klinische Erscheinungsbild, aber auch ebenso
variabel. Offene kleine Hautwunden (Ulcera) finden sich an der Innenseite der
Ohren. Diese Wunden sind meist kreisrund, und verheilen schlecht.
Hunde aus Griechenland haben häufig trockene Verkrustungen am Kopf, Hunde aus
Südspanien eher offene Wunden an den Beinen, besonders im Bereich der Gelenke,
aber auch an den Tatzen. Völlig unverkrustete Läsionen an der Nase haben
spanische Hunde. Als Folge der Läsionen parallel oder unabhängig davon, kommt es
zu Haarausfall (Alopezie). An den Hinterbeinen fallen Haare auch büschelweise
aus, häufig bei spanischen und italienischen Hunden.
Ein nahezu völliger Haarausfall ist bei griechischen Hunden zu beobachten. Bei
spanischen und italienischen Hunden wiederum ist eine so genannte Brillenbildung
- ein Haarausfall um die Augen herum - signifikant.
Eine lokale und/oder generalisierte Lymphknotenschwellung ist bei
fortschreitender Erkrankung häufig gegeben. Der Lymphonodus poplitheus
(Kniekehllymphknoten) ist gut tastbar vergrössert.
Augenläsionen treten nach langem (auch unbemerktem) Krankheitsverlauf bei allen
mediterranen Hunden auf, und variieren ebenfalls. Häufig ist eine Entzündung der
Augenlider (Blephartitis), oder auch die Entzündung von Hornhaut und Bindehaut
in beiden Augen gleichzeitig (bilaterale Keratoconjunctivitis).
Bei einigen Hunden kann man auch eine Entzündung der inneren Augenstrukturen wie
Iris, Regenbogenhaut, etc. in beiden Augen gleichzeitig beobachten (bilaterale
Uveitis), häufig assoziiert mit einem Hornhautödem und der Gestaltung einer
Verklebung der Iris mit der Netzhaut oder der Linse (Synechie). Letztlich können
Granulome (Entzündungsherde, die zu einer Ansammlung von bestimmten Zellen
führen) die Folge einer schweren Uveitis sein.
Etwa fünf bis zehn Prozent Leishmaniose-infizierter Hunde leiden unter
Nasenbluten (Epistaxis). Besonders häufig scheinen Schäferhunde, bzw. deren
Mischlinge betroffen zu sein. Die Ursache dieses Nasenblutens ist bislang noch
nicht völlig geklärt. Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Epistaxis von der
durch Entzündung und Hautläsionen angegriffenen Nasal mucosa (Nasenschleimhaut)
ausgeht. Das Nasenbluten kann auch alleiniges klinisches Symptom einer
Leishmaniose-Infektion sein.
Labordiagnostik:
Im Labor erfolgt der Nachweis einer Leishmaniose meist durch serologischen
Antikörpernachweis aus Blutserum. Zum Antikörpernachweis stehen zahlreiche
Verfahren zur Verfügung (IFAT, ELISA, Dot-ELISA, DAT, Western-Blot).
Der Tierarzt und Hundehalter bekommt einen so genannten "Leishmaniose-Titer" als
Ergebnis mitgeteilt. Die einzelnen Testverfahren sind untereinander jedoch nicht
standardisiert, daher sind auch die Ergebnisse untereinander nicht vergleichbar.
Die Sensitivität solcher Tests ist bei klinisch diagnostizierten Fällen hoch
(über 95 Prozent), liegt bei asymptomatisch infizierten Hunden nur etwa 50
Prozent (falsch negativ). Zu falsch positiven Ergebnissen, einem leicht erhöhter
Titer kann es auch bei nicht Leishmaniose-infizierten Hunden kommen, wenn andere
parasitäre Importkrankheiten (Babesien, Trypanosomen, evtl. auch Ehrlichien)
vorliegen.
Alternativ oder parallel zur Serologie kann der direkte Erregernachweis
(mikroskopisch oder durch Kultur) versucht werden. Hierzu ist Punktionsmaterial
des Sternal- oder Hüftmarks oder von Lymphknoten nötig. Der mikroskopische
Nachweis von Leishmanien in den Makrophagen funktioniert auch bei asymptomatisch
infizierten Hunden gut, und ist dann im positiven Fall beweisend. Für den
kulturellen Nachweis ist ein Punktat des Lymphonodus poplitheus
(Kniekehllymphknoten) empfehlenswert.
Als relativ sicher gilt das molekulare Nachweisverfahren mittels PCR (Polymerase
Chain Reaction) aus Knochenmark. Diese Methode kann die Erbsubstanz einer
einzelnen Leishmanie aus dem Knochenmark detektieren; derzeit stellt sich die
Situation jedoch so dar, dass die PCR bei Hunden in bis zu 20 Prozent der Fälle
falsch negativ sein kann. Der Grund hierfür liegt häufig in unkorrekter
Probennahme des Punktats. Eine PCR kann auch mit Blut versucht werden, jedoch
ist dann darauf zu achten, dass die Blutentnahme zwischen 22 und 24 Uhr
stattfindet - dies ist die Hauptstechzeit von Sandmücken, zur gleichen Zeit
proliferieren Leishmanien ins Blut.
Einen weiteren deutlichen Hinweis auf eine Leishmaniose liefert die Eiweiss-
Elektrophorese. Von besonderen Bedeutung ist hier ein sehr niedriger Albumin /
Globulin - Quotient. Im Blutbild ist häufig ein niedriger Hämatokrit
(prozentualer Anteil an Erythrozyten) und Hämoglobin-Anteil auffällig.
Therapie:
Seit mehr als 50 Jahren wird Glucantime bei Mensch und Hund gegen Leishmanien
benutzt. Auch heute noch wendet man Glucantime an, gerne in Kombination mit
anderen Medikamenten, so zum Beispiel Allopurinol, Aminosidin, Azolen (derzeit
Itraconazol), etc.
Hier soll und kann keine allgemeingültige Therapieempfehlung gegeben werden.
Aufgrund der zum Teil massiven Nebenwirkungen verschiedener Therapeutika stellt
sich meist die Frage, welches Medikament überhaupt eingesetzt werden kann.
Weiterhin ist derzeit auffällig, dass gute Therapieerfolge, die in einem Land
mit einem Medikament erhielt wurden, nicht unbedingt gleiche Erfolge in anderen
Regionen zeigen.
So sind gute Erfolge bei der Behandlung einer Leishmania infantum MON-1
Infektion mit Allopurinol und Levamisole bei Hunden aus Nord-Griechenland
bekannt, bei Hunden, die sich in Süd-Spanien infiziert haben, liegt die
Erfolgsquote lange nicht so hoch - in Süd-Spanien haben wir es mit anderen L.
infantum-Stämmen zu tun, als in Griechenland. Aus Südfrankreich wird sogar
berichtet, dass Leishmanien regional eine Resistenz gegen Glucantime gebildet
haben.
Die Zukunft wird vermutlich darin liegen, dass verschiedene Leishmania-Arten und
-Stämme auch unterschiedlich, und damit spezifischer therapiert werden können.
Daher ist derzeit im Falle einer Leishmaniose-Therapie zu raten, möglichst
diejenige (Kombinations-) Therapie für einen Importhund zu übernehmen, die an
dessen Ursprungsort mit Erfolg eingesetzt wird.
Viel Hoffnung wird derzeit in zwei Entwicklungspräparate gesetzt, in das
Miltefosine und Oleyl-PC. Das Miltefosine wird von Asta Medica als Humanpräparat
vertrieben, und wirkt gegen die Humane Leishmaniose in Indien, für den Hund
eignet sich das Humanpräparat nicht. Miltefosine wird nun auch für den Hund
weiterentwickelt. Auch das Oleyl-PC, sowie Weiterentwicklungen davon, befinden
sich derzeit in der Testphase.
Prophylaktische Massnahmen:
Für Reisende mit Hund sind die Flugzeiten von Sandmücken zu beachten. Der
höchste Prozentsatz infizierter Sandmücken ist Mitte August - Ende September zu
erwarten. Während der Sandmückenflugzeit sollen Hunde nicht im Freien schlafen,
auch nicht im Auto.
Falls möglich, so sollten die Fenster und Türen am Urlaubsort mit feinmaschiger
(kleiner als 0,4 mm Maschenweite) Moskitogaze bespannt sein. Ein feinmaschiges
Moskitonetz gehört zum allgemeinen Schutz von Insekten (auch Skorpionen und
Hundertfüsslern) über jedes Bett. Moskitonetze aus Naturfasern sind
synthetischen Netzen vorzuziehen, damit diese zusätzlich mit
Insektenabwehrmitteln imprägniert werden können (zum Beispiel Autan,
synthetische Pyrethroide).
Glühbirnen in den Schlafzimmern sind durch Energiesparlampen auszutauschen.
In Griechenland wird von der Firma Tafarm ein "Autan" für Hunde vertrieben,
Anti-Phlebotome for Dogs. Dieses schützt kurzzeitig (ca. vier Stunden) vor
Sandmückenstichen.
Lesen Sie auch: Leishmaniose Teil 1
Die derzeit einzige prophylaktische Schutzmassnahme für reisebegleitende Hunde
ist das Tragen des Hundehalsbandes Scalibor (Intervet). Siehe auch unter Top
Thema "Über Leishmaniose und Zeckenmittel".
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