Suche in der HZ
Newsletter bestellen:
Über 50 Artikel in dieser Rubrik

Was ist eigentlich...
Botulismus? Parasiten/Würmer? Tollwut? Phyodermie? Distichiasis? Neosporose? Spondylose Parasiten/Milben? Parasiten/Flöhe? Staupe? Demodikose? Schilddrüsen- Dysfunktion? Ellenbogengelenk- Dysplasie / ED? Borreliose/FSME? Ehrlichose? Epilepsie? Hüftgelenks- Dysplasie (HD)? Babesiose? Sebadenitits? Panosteitis? Dermatomyositis? Magen-Darm- Atonie? Kupferspeicherkrankheit?

Hunde - Physiotherapie
6-teilige Serie

Anwendungsgebiete, Ziele, therapeutische Möglichkeiten Der hundekrankengymnastische Befund Entstehen von Muskelverspannungen Schmerzformen, Erkennung des Schmerzes Manuelle Therapien Gerätetherapien

Erbfehler und Gendefekte - eine Übersicht
Infektionskrankheiten - eine Übersicht

Narkolepsie Teil 1 Narkolepsie Teil 2

Parvovirose
Herzerkrankungen
Analfissur

Serie Genitalorgan- Erkrankungen:
Pyometra Kryptorchismus, Maldescensus Hodenhypoplasie Läufigkeits- Störungen 1 Läufigkeits- Störungen 2

Leishmaniose
Teil 1 Teil 2 Leishmaniose und Zeckenmittel

Serie: Haut und Haare
1.Anatomie und Physiologie der Haut 2.Hautdrüsen 3.Haarwachstum und Haarwechsel

Stichwort HD
Diagnose: HD! Was nun? Die HD - Prothese Zement vs. Titan

Borreliose - Labormethoden zur Diagnosestellung
Borreliose - Impfung?
Otitis

Serie Augenkrankheiten:
Retinadysplasie, Trockenes Auge Follikel, Hornhautdystropie, Keratitis Ektropium, Entropium Dermoid, Distichiasis, ektopische Zilie Birkenauge Augendruck, Grüner Star Konjunktivitis? Distichiasis?

Neues über Magendrehung
Hausapotheke
Was alles tierisch krank macht
Sind Mischlinge gesünder?
Impfpraxis in der Kritik




Was ist ....

Leishmaniose

Von Dr. Torsten J. Nauck

2. Teil: Diagnostik, Therapie und Prophylaxe

Die klinischen Anzeichen für eine Leishmaniose variieren beim Hund sehr stark. Dieses hängt zum einen von zahlreichen pathogenen Mechanismen während des Krankheitsfortschrittes und der individuellen Immunantwort des Hundes ab, zum anderen vom lokalen Leishmania infantum-Stamm. Wie bereits erwähnt, so ist der Erreger der Leishmaniose im mediterranen Raum L. infantum, jedoch sind bis heute mindestens neun verschiedene Stämme (Zymodeme) dieses Erregers bekannt. So kommt in Griechenland das Zymodem Leishmania infantum MON-1 vor, in Italien zusätzlich L. infantum MON-27, in Frankreich auch MON-108 und in Spanien MON-11, MON-77 und MON-105.

Vergleicht man nun klinische Symptome von Hunden, die aus Griechenland, Sizilien oder Südspanien kommen, so fällt - derzeit völlig grob betrachtet - eine regional unterschiedliche Klinik auf. Ich stelle daher alle bekannten klinischen Symptome zusammen, die einen Verdacht auf Leishmaniose bei einem Hund mit mediterraner Historie begründen.

Erste, sehr unspezifische Symptome einer klinischen Leishmaniosemanifestation können Durchfall, Lahmheit, sowie allgemeine Trägheit und Appetitlosigkeit begleitet von schleichendem Gewichtsverlust sein.

Ein spezifischeres Symptom ist das "Ausfransen", also leichtes und mehrfaches Einreissen der Ohrränder. Einige mediterrane Bauern kennen diese Symptomatik, deuten dieses jedoch damit, dass irgendwelche Fliegen die Ohrränder angebissen haben. Begleitet ist dieses Einreissen der Ohrränder häufig mit Schuppenbildung, erst auf den Ohren, dann auch am Kopf, und schliesslich am gesamten Körper.

Hautläsionen sind das häufigste klinische Erscheinungsbild, aber auch ebenso variabel. Offene kleine Hautwunden (Ulcera) finden sich an der Innenseite der Ohren. Diese Wunden sind meist kreisrund, und verheilen schlecht.

Hunde aus Griechenland haben häufig trockene Verkrustungen am Kopf, Hunde aus Südspanien eher offene Wunden an den Beinen, besonders im Bereich der Gelenke, aber auch an den Tatzen. Völlig unverkrustete Läsionen an der Nase haben spanische Hunde. Als Folge der Läsionen parallel oder unabhängig davon, kommt es zu Haarausfall (Alopezie). An den Hinterbeinen fallen Haare auch büschelweise aus, häufig bei spanischen und italienischen Hunden.

Ein nahezu völliger Haarausfall ist bei griechischen Hunden zu beobachten. Bei spanischen und italienischen Hunden wiederum ist eine so genannte Brillenbildung - ein Haarausfall um die Augen herum - signifikant.

Eine lokale und/oder generalisierte Lymphknotenschwellung ist bei fortschreitender Erkrankung häufig gegeben. Der Lymphonodus poplitheus (Kniekehllymphknoten) ist gut tastbar vergrössert.

Augenläsionen treten nach langem (auch unbemerktem) Krankheitsverlauf bei allen mediterranen Hunden auf, und variieren ebenfalls. Häufig ist eine Entzündung der Augenlider (Blephartitis), oder auch die Entzündung von Hornhaut und Bindehaut in beiden Augen gleichzeitig (bilaterale Keratoconjunctivitis).

Bei einigen Hunden kann man auch eine Entzündung der inneren Augenstrukturen wie Iris, Regenbogenhaut, etc. in beiden Augen gleichzeitig beobachten (bilaterale Uveitis), häufig assoziiert mit einem Hornhautödem und der Gestaltung einer Verklebung der Iris mit der Netzhaut oder der Linse (Synechie). Letztlich können Granulome (Entzündungsherde, die zu einer Ansammlung von bestimmten Zellen führen) die Folge einer schweren Uveitis sein.

Etwa fünf bis zehn Prozent Leishmaniose-infizierter Hunde leiden unter Nasenbluten (Epistaxis). Besonders häufig scheinen Schäferhunde, bzw. deren Mischlinge betroffen zu sein. Die Ursache dieses Nasenblutens ist bislang noch nicht völlig geklärt. Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Epistaxis von der durch Entzündung und Hautläsionen angegriffenen Nasal mucosa (Nasenschleimhaut) ausgeht. Das Nasenbluten kann auch alleiniges klinisches Symptom einer Leishmaniose-Infektion sein.

Labordiagnostik:

Im Labor erfolgt der Nachweis einer Leishmaniose meist durch serologischen Antikörpernachweis aus Blutserum. Zum Antikörpernachweis stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung (IFAT, ELISA, Dot-ELISA, DAT, Western-Blot).

Der Tierarzt und Hundehalter bekommt einen so genannten "Leishmaniose-Titer" als Ergebnis mitgeteilt. Die einzelnen Testverfahren sind untereinander jedoch nicht standardisiert, daher sind auch die Ergebnisse untereinander nicht vergleichbar. Die Sensitivität solcher Tests ist bei klinisch diagnostizierten Fällen hoch (über 95 Prozent), liegt bei asymptomatisch infizierten Hunden nur etwa 50 Prozent (falsch negativ). Zu falsch positiven Ergebnissen, einem leicht erhöhter Titer kann es auch bei nicht Leishmaniose-infizierten Hunden kommen, wenn andere parasitäre Importkrankheiten (Babesien, Trypanosomen, evtl. auch Ehrlichien) vorliegen.

Alternativ oder parallel zur Serologie kann der direkte Erregernachweis (mikroskopisch oder durch Kultur) versucht werden. Hierzu ist Punktionsmaterial des Sternal- oder Hüftmarks oder von Lymphknoten nötig. Der mikroskopische Nachweis von Leishmanien in den Makrophagen funktioniert auch bei asymptomatisch infizierten Hunden gut, und ist dann im positiven Fall beweisend. Für den kulturellen Nachweis ist ein Punktat des Lymphonodus poplitheus (Kniekehllymphknoten) empfehlenswert.

Als relativ sicher gilt das molekulare Nachweisverfahren mittels PCR (Polymerase Chain Reaction) aus Knochenmark. Diese Methode kann die Erbsubstanz einer einzelnen Leishmanie aus dem Knochenmark detektieren; derzeit stellt sich die Situation jedoch so dar, dass die PCR bei Hunden in bis zu 20 Prozent der Fälle falsch negativ sein kann. Der Grund hierfür liegt häufig in unkorrekter Probennahme des Punktats. Eine PCR kann auch mit Blut versucht werden, jedoch ist dann darauf zu achten, dass die Blutentnahme zwischen 22 und 24 Uhr stattfindet - dies ist die Hauptstechzeit von Sandmücken, zur gleichen Zeit proliferieren Leishmanien ins Blut.

Einen weiteren deutlichen Hinweis auf eine Leishmaniose liefert die Eiweiss- Elektrophorese. Von besonderen Bedeutung ist hier ein sehr niedriger Albumin / Globulin - Quotient. Im Blutbild ist häufig ein niedriger Hämatokrit (prozentualer Anteil an Erythrozyten) und Hämoglobin-Anteil auffällig.

Therapie:

Seit mehr als 50 Jahren wird Glucantime bei Mensch und Hund gegen Leishmanien benutzt. Auch heute noch wendet man Glucantime an, gerne in Kombination mit anderen Medikamenten, so zum Beispiel Allopurinol, Aminosidin, Azolen (derzeit Itraconazol), etc.

Hier soll und kann keine allgemeingültige Therapieempfehlung gegeben werden. Aufgrund der zum Teil massiven Nebenwirkungen verschiedener Therapeutika stellt sich meist die Frage, welches Medikament überhaupt eingesetzt werden kann. Weiterhin ist derzeit auffällig, dass gute Therapieerfolge, die in einem Land mit einem Medikament erhielt wurden, nicht unbedingt gleiche Erfolge in anderen Regionen zeigen.

So sind gute Erfolge bei der Behandlung einer Leishmania infantum MON-1 Infektion mit Allopurinol und Levamisole bei Hunden aus Nord-Griechenland bekannt, bei Hunden, die sich in Süd-Spanien infiziert haben, liegt die Erfolgsquote lange nicht so hoch - in Süd-Spanien haben wir es mit anderen L. infantum-Stämmen zu tun, als in Griechenland. Aus Südfrankreich wird sogar berichtet, dass Leishmanien regional eine Resistenz gegen Glucantime gebildet haben.

Die Zukunft wird vermutlich darin liegen, dass verschiedene Leishmania-Arten und -Stämme auch unterschiedlich, und damit spezifischer therapiert werden können. Daher ist derzeit im Falle einer Leishmaniose-Therapie zu raten, möglichst diejenige (Kombinations-) Therapie für einen Importhund zu übernehmen, die an dessen Ursprungsort mit Erfolg eingesetzt wird.

Viel Hoffnung wird derzeit in zwei Entwicklungspräparate gesetzt, in das Miltefosine und Oleyl-PC. Das Miltefosine wird von Asta Medica als Humanpräparat vertrieben, und wirkt gegen die Humane Leishmaniose in Indien, für den Hund eignet sich das Humanpräparat nicht. Miltefosine wird nun auch für den Hund weiterentwickelt. Auch das Oleyl-PC, sowie Weiterentwicklungen davon, befinden sich derzeit in der Testphase.

Prophylaktische Massnahmen:

Für Reisende mit Hund sind die Flugzeiten von Sandmücken zu beachten. Der höchste Prozentsatz infizierter Sandmücken ist Mitte August - Ende September zu erwarten. Während der Sandmückenflugzeit sollen Hunde nicht im Freien schlafen, auch nicht im Auto.

Falls möglich, so sollten die Fenster und Türen am Urlaubsort mit feinmaschiger (kleiner als 0,4 mm Maschenweite) Moskitogaze bespannt sein. Ein feinmaschiges Moskitonetz gehört zum allgemeinen Schutz von Insekten (auch Skorpionen und Hundertfüsslern) über jedes Bett. Moskitonetze aus Naturfasern sind synthetischen Netzen vorzuziehen, damit diese zusätzlich mit Insektenabwehrmitteln imprägniert werden können (zum Beispiel Autan, synthetische Pyrethroide).

Glühbirnen in den Schlafzimmern sind durch Energiesparlampen auszutauschen. In Griechenland wird von der Firma Tafarm ein "Autan" für Hunde vertrieben, Anti-Phlebotome for Dogs. Dieses schützt kurzzeitig (ca. vier Stunden) vor Sandmückenstichen.



Lesen Sie auch: Leishmaniose Teil 1

Die derzeit einzige prophylaktische Schutzmassnahme für reisebegleitende Hunde ist das Tragen des Hundehalsbandes Scalibor (Intervet). Siehe auch unter Top Thema "Über Leishmaniose und Zeckenmittel".