Was ist ...?
Serie Genitalorgan-Erkrankungen
Teil 2
Hoden und Nebenhoden (Teil 1)
Kryptorchismus (Bauchhoden) und Maldescensus testis (gestörter Hodenabstieg)
Um eine unnormale Lage der Hoden für eine geeignete Behandlung zu beurteilen,
ist es entscheidend, die normalen Abfolgen beim Descensus (descensus:
absteigend, absenkend) testis zu kennen. Der Abstieg aus seiner normalen Lage
ist durch Bindegewebsschwäche entstanden.
Maldescensus testis: Der Hoden bleibt bei dieser Erkrankung auf seiner
Absenkungsbahn hinter dem rückseitigen Bauchfell (Kryptorchismus), im
Leistenkanal - zwischen äusserem Leistenring und Eingang zum Hodensack
(Gleithoden) liegen.
Beim neugeborenen Rüden hebt sich die Hodenlage (Hoden = Scrotum) noch nicht ab.
Doch in der vierten Lebenswoche bilden sich dann die Hodenwülste, die Behaarung
nimmt dort ab. Eine Woche später haben die Hoden in den meisten Fällen den
Leistenspalt überwunden. Der Hintergrund der Hoden wird aber erst zum dritten
Monat ausgebildet.
Wegen typbedingten und individuellen Abweichungen kann eine Diagnose über eine
Lage-Anomalie erst zu diesem Lebensabschnitt gestellt werden. Die Hoden können
bis zum Beginn der Geschlechtsreife in den Leistenspalt zurückgeführt werden.
Für Maldescensus sind überwiegend Hoden-Unterentwicklung (Hypoplasie) und
genetische Defekte verantwortlich.
Kryptorchismus ist medikamentös nicht zu beeinflussen. Es kann zu Tumorbildungen
kommen, befallene Rüden können im Alter krankheitsbedingt aggressiv werden.
Daher ist in solchen Fällen dringend eine Kastration anzuraten.
Bei der Retentio testis (retentio: zurückhaltend) ist der Abstieg des Hodens
nicht vollständig. Mit betroffenen Rüden sollte aber nicht gezüchtet werden,
weil diese Art vererbt wird.
Bei der Hodenektopie (Verlagerung an die Oberfläche) liegt der Hoden nicht im
Hodensack, sondern zum Beispiel an der Innenseite des Oberschenkels oder neben
dem Penis. Diese Hoden können gut in ihre normale Lage verschoben werden.
Operiert werden muss dann, wenn diese Verlagerung zu Verhaltensstörungen oder zu
einem Fehlwuchs führt.
© Hundezeitung; 10/2002
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