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HD-Prothese

Von Harald Wenner

Ergänzend zu unserem Erfahrungsbericht über die Hüftgelenks- Totalendoprothesen unserer Hündin Nuca berichte ich nun über positive Veränderungen dieser Operationsmethode.

Nucas Operationen liegen heute etwas mehr als 4 ½ bzw. 5 Jahre zurück. Ihr geht es auch heute, im Alter von fast zehn Jahren, noch blendend, die künstlichen Hüftgelenke bereiten ihr nach wie vor keinerlei Probleme. Nuca diente schon unzählige Male als "Referenzhund", wenn sich ratsuchende Hundehalter mit den Problemen ihres an Hüftdysplasie (HD) erkrankten Hundes an uns wandten.

Auch heute noch raten einige Tierärzte von Prothesenoperationen ab. Dies liegt allein daran, dass viele Chirurgen diese äußerst komplizierte OP vornehmen, ohne über die nötigen Erfahrungen zu verfügen. Auch wir haben bereits einige sehr bedauernswerte Ergebnisse von missglückten Prothesen-OP gesehen.

Ausschlaggebend für den Erfolg dieser Operationen ist die chirurgische Leistung des Operateurs, die auf umfangreichen Erfahrungen basiert, nicht etwa die verwendete Prothese.

Ich betone dies ausdrücklich noch einmal, weil die Auswahl des Chirurgen der erste Schritt zur Gesundung Ihres Tieres ist; wird man hier falsch beraten bzw. aufgeklärt, ist das Tier der Leidtragende.

Die Operations- und Prothesentechniken (ich gehe hier von der Klinik aus, in der Nuca operiert wurde) haben sich in folgenden Punkten verbessert: Wir berichten hier nach umfangreichen Recherchen in eigenen, einfachen Worten.

Die Prothesen wurden dahingehend verbessert, dass die beiden Prothesenteile ineinander "einrasten" - die Schonzeit bis zur endgültigen Stabilität des künstlichen Gelenkes wird daher erheblich verkürzt (früher saß die Gelenkkugel direkt nach der OP relativ locker in der Gelenkpfanne und der operierte Hund durfte mehrere Wochen lang nur kontrollierte Bewegungen ausführen). Auch die Gefahr einer Gelenkauskugelung in den ersten Wochen nach der OP wird dadurch minimiert.

Die Problematik beim Knochenzement, mit dem das künstliche Gelenk im/am Knochen befestigt wird, lag im Einschluß von Luft bei der Herstellung und der Verarbeitung des Knochenzementes, was unter Umständen zu einer verkürzten Haltbarkeit des Knochenzementes und damit zu einer Implantatlockerung führen konnte. Durch spezielle Verfahren beim "Anrühren" des Zementes wird hier schon ein Lufteinschluß verhindert.

Im Knochen selbst werden am Ende des Schaftes, in den die Prothese einzementiert wird, kleine Bohrungen eingebracht, durch die überschüssiger Zement austritt und entfernt werden kann. So wird auch hier sichergestellt, dass keine Luft zwischen Knochen und Prothese zurückbleibt.

In der Humanmedizin geht man beim Knochenzement von einer Haltbarkeit von 15 - 20 Jahren aus. Da ein Hund nur 40 Prozent seines Körpergewichtes auf der Hinterhand trägt (ein Mensch trägt sein ganzes Gewicht auf den Beinen), spielt die Haltbarkeit des Knochenzementes beim Hund eine sehr untergeordnete Rolle.

Zusammengefasst: Bei einer Prothesenimplantation wird die Gelenkkugel am Oberschenkelknochen entfernt und durch eine Prothese ersetzt, die in den Knochen einzementiert wird. Mit einer Schraube wird Muskel- bzw. Sehnengewebe am Knochen fixiert. Die Gelenkschale im Beckenknochen wird ebenfalls durch eine Prothese ersetzt. Beide Prothesenteile rasten ineinander ein und bieten schon unmittelbar nach der OP ein großes Maß an Stabilität.

Der Hund kann das operierte Bein sehr schnell wieder belasten und nach wenigen Wochen schon wieder machen, wozu er Lust hat (über die Länge eine Schonfrist an der Leine wird der Operateur im Einzelfall genaue Angaben machen). Hunde mit Hüftprothesen sind im Normalfall voll einsetzbar; auch Hundesport ist kein Problem.

Die OP wird ambulant durchgeführt, Sie können Ihr Tier also am Tage der OP wieder mit nach Hause nehmen.

Die Nachbehandlung besteht aus einer Fieberkontrolle am Tage nach der OP und eine fünftägigen Antibiose, was beides von einem Tierarzt Ihrer Wahl vorgenommen werden kann. Nach etwa zehn Tagen können dort auch die Fäden gezogen werden.

Die Kosten für eine Hüftgelenks-Totalendoprothese liegen bei 1400 Euro (Stand Januar 2003, Tierklinik Nürnberg).


Die beiden Bilder zeigen die Röntgenaufnahme an Nuca unmittelbar nach der OP und ihr Wohlbefinden zwei Tage später.

 

© beim Autor 03/2003


Hintergrund: Was ist Hüftgelenks-Dysplasie?