HD-Prothese
Von Harald Wenner
| Wichtiger Hinweis |
Diesen Beitrag können Sie in einer aktualisierten Fassung (Dezember 2004) auf den Seiten des
HEN Hunde-Erbkrankheiten-Netzwerk lesen.
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Ergänzend zu unserem Erfahrungsbericht über die Hüftgelenks- Totalendoprothesen
unserer Hündin Nuca berichte ich nun über positive Veränderungen dieser Operationsmethode.
Nucas Operationen liegen heute etwas mehr als 4 ½ bzw. 5 Jahre zurück. Ihr geht
es auch heute, im Alter von fast zehn Jahren, noch blendend, die künstlichen
Hüftgelenke bereiten ihr nach wie vor keinerlei Probleme. Nuca diente schon
unzählige Male als "Referenzhund", wenn sich ratsuchende Hundehalter mit den
Problemen ihres an Hüftdysplasie (HD) erkrankten Hundes an uns wandten.
Auch heute noch raten einige Tierärzte von Prothesenoperationen ab. Dies liegt
allein daran, dass viele Chirurgen diese äußerst komplizierte OP vornehmen, ohne
über die nötigen Erfahrungen zu verfügen. Auch wir haben bereits einige sehr
bedauernswerte Ergebnisse von missglückten Prothesen-OP gesehen.
Ausschlaggebend für den Erfolg dieser Operationen ist die chirurgische Leistung
des Operateurs, die auf umfangreichen Erfahrungen basiert, nicht etwa die
verwendete Prothese.
Ich betone dies ausdrücklich noch einmal, weil die Auswahl des Chirurgen der
erste Schritt zur Gesundung Ihres Tieres ist; wird man hier falsch beraten bzw.
aufgeklärt, ist das Tier der Leidtragende.
Die Operations- und Prothesentechniken (ich gehe hier von der Klinik aus, in der
Nuca operiert wurde) haben sich in folgenden Punkten verbessert: Wir berichten
hier nach umfangreichen Recherchen in eigenen, einfachen Worten.
Die Prothesen wurden dahingehend verbessert, dass die beiden Prothesenteile
ineinander "einrasten" - die Schonzeit bis zur endgültigen Stabilität des
künstlichen Gelenkes wird daher erheblich verkürzt (früher saß die Gelenkkugel
direkt nach der OP relativ locker in der Gelenkpfanne und der operierte Hund
durfte mehrere Wochen lang nur kontrollierte Bewegungen ausführen). Auch die
Gefahr einer Gelenkauskugelung in den ersten Wochen nach der OP wird dadurch
minimiert.
Die Problematik beim Knochenzement, mit dem das künstliche Gelenk im/am Knochen
befestigt wird, lag im Einschluß von Luft bei der Herstellung und der
Verarbeitung des Knochenzementes, was unter Umständen zu einer verkürzten
Haltbarkeit des Knochenzementes und damit zu einer Implantatlockerung führen
konnte. Durch spezielle Verfahren beim "Anrühren" des Zementes wird hier schon
ein Lufteinschluß verhindert.
Im Knochen selbst werden am Ende des Schaftes, in den die Prothese einzementiert
wird, kleine Bohrungen eingebracht, durch die überschüssiger Zement austritt und
entfernt werden kann. So wird auch hier sichergestellt, dass keine Luft zwischen
Knochen und Prothese zurückbleibt.
In der Humanmedizin geht man beim Knochenzement von einer Haltbarkeit von 15 -
20 Jahren aus. Da ein Hund nur 40 Prozent seines Körpergewichtes auf der
Hinterhand trägt (ein Mensch trägt sein ganzes Gewicht auf den Beinen), spielt
die Haltbarkeit des Knochenzementes beim Hund eine sehr untergeordnete Rolle.
Zusammengefasst: Bei einer Prothesenimplantation wird die Gelenkkugel am
Oberschenkelknochen entfernt und durch eine Prothese ersetzt, die in den Knochen
einzementiert wird. Mit einer Schraube wird Muskel- bzw. Sehnengewebe am Knochen
fixiert. Die Gelenkschale im Beckenknochen wird ebenfalls durch eine Prothese
ersetzt. Beide Prothesenteile rasten ineinander ein und bieten schon unmittelbar
nach der OP ein großes Maß an Stabilität.
Der Hund kann das operierte Bein sehr schnell wieder belasten und nach wenigen
Wochen schon wieder machen, wozu er Lust hat (über die Länge eine Schonfrist an
der Leine wird der Operateur im Einzelfall genaue Angaben machen). Hunde mit
Hüftprothesen sind im Normalfall voll einsetzbar; auch Hundesport ist kein
Problem.
Die OP wird ambulant durchgeführt, Sie können Ihr Tier also am Tage der OP
wieder mit nach Hause nehmen.
Die Nachbehandlung besteht aus einer Fieberkontrolle am Tage nach der OP und
eine fünftägigen Antibiose, was beides von einem Tierarzt Ihrer Wahl vorgenommen
werden kann. Nach etwa zehn Tagen können dort auch die Fäden gezogen werden.
Die Kosten für eine Hüftgelenks-Totalendoprothese liegen bei 1400 Euro (Stand
Januar 2003, Tierklinik Nürnberg).
Die beiden Bilder zeigen die Röntgenaufnahme an Nuca unmittelbar nach der OP und ihr
Wohlbefinden zwei Tage später.
© beim Autor 03/2003
Hintergrund: Was ist Hüftgelenks-Dysplasie?
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