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Hunde - Physiotherapie
6-teilige Serie

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Was ist ...?

Anal-Fissur

Was ist eine Analfissur? Fissur (lateinisch) heisst: Spalte, Furche, Einriss. Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Haut-Schleimhaut-Einriss der Aftergegend, der bis an den inneren Analsphinkter (-schliessmuskel) reicht.

Eine Analfissur ist ein Längsriss der Schleimhaut im Bereich des äusseren Enddarms. Durch die Gefahr zur Entzündung und einer unvollständigen Abheilung sprechen Mediziner auch von einem Ulkus (Geschwür).

Analfissuren gehören zu den Enddarmerkrankungen. Es gibt die akute und chronische Analfissur. Symptome werden oft als Zeichen von Hämorrhoiden fehlgedeutet.

Aufgabe des Enddarms ist es, Kot und Gase abzuleiten. Ein komplizierter Muskelapparat bewerkstelligt dies, speziell durch den inneren Schliessmuskel (Musculus sphinkter ani internus), dessen kleinere Öffnung den Anus umschliesst. Dieser Muskel steht ständig unter Spannung, die vom vegetativen Nervensystem immer den momentanen Bedürfnissen der Verdauung und Ausscheidung angepasst wird. Dieser innere Sphinktermuskel ist im Gegensatz zum äusseren nicht beeinflussbar.

Die Ursache für eine Analfissur ist noch nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass ein erhöhter Sphinktertonus an der Entstehung der Krankheit beteiligt ist. Es wird vermutet, dass auch ein harter Stuhl, ein Hämorrhoidalleiden oder anhaltender Durchfall zu Schäden an der Analschleimhaut führen. Die anhaltenden Schliessmuskel-Spannung führt zu Durchblutungsstörungen, dadurch heilen die Gewebeschäden schlechter ab.

Ist bereits eine akute Analfissur entstanden, wird die normale Wundheilung behindert. Eine Wunde im Analbereich ist dann schnell mit Keimen aus der Darmflora infiziert. Vermutlich hindern auch Entzündungsprozesse bei der Wundheilung.

Bei einer chronischen Analfissur bildet sich eine auffällige Hautverdickung in der betroffenen Gegend.

Bei einer Analfissur sind alle Untersuchungen schmerzhaft. Eine Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) wird, sofern eine Analfissur vorliegt, nur unter Narkose vorgenommen.

Das Geschwür wird heute meist in einer Kurznarkose entfernt (Fissurektomie). Dabei bleibt der Schliessmuskel vollständig erhalten. Nur wenn als Komplikation bereits eine Fistel entstanden ist, werden oberflächliche Anteile des Schliessmuskels aufgespalten.

Eine chronische Analfissur ist eine offene Wunde, in die ständig Keime gelangen und so Entzündungsprozesse aufrecht erhalten. Dann kann sich eine Analfistel bilden. Dabei formt sich vom Wundherd - durch die Entzündung - ein Kanal, der den inneren Schliessmuskel durchbohrt und die Entzündung in das umliegende Gewebe ausbreitet.

Im Unterschied zur Fissur ist eine Fistel ein röhrenförmiger Gang, der von einem erkrankten Hohlraum ausgeht und an der Hautoberfläche mündet. Hier eben am Analausgang.

Anfalfissuren sind wegen einer angenommenen Immunschwäche vornehmlich bei Deutschen Schäferhunden bekannt.

Praktischer Fall und seine bisher erfolgreiche Behandlung

von Tierarzt Dr. J. W. Schäffner aus Haslach (Schwarzwald) an einem Schäferhund-Mix-Rüden:

Im Februar 2002 wurden - nach einer Analdrüsen-Spülung mit Oribiotic Ende 2001 - Analfissuren festgestellt. Versuch mit Cyclosporin-Salbe lokal (aus der Apotheke: 1 %ig) und Cortison in immunsuppressiver (Immunsuppression: künstlich unterdrückte Immunreaktion) zur Dosierung.

Im März zunächst Besserung der Analfissuren, Cortison aussschleichend (Dosisreduktion). Im April weiterhin stabiler Zustand, weiterhin lokale Therapie mit Zink-Wund-Heilsalbe durch die Besitzerin.

Im August wurden die Fissuren schlimmer, Schmerzen beim Kotabsatz, systemische Therapie mit Cyclosporin 100 mg zweimal täglich, Ketokonazol 200 mg zweimal täglich, Lincomycin 750 mg zweimal täglich.

Eine Woche danach war der Zustand deutlich verbessert. Wegen der Appetitlosigkeit des Hundes wurden Ketokonazol und Cyclosporin reduziert. Danach war die Fissur fast weg. Weitere Reduktion dieser Medikamente.

Mitte September wurden die Medikamente abgesetzt. Analgegend ohne Befund.

Einen Monat später Wiederkehren der Analfissuren, systemische Therapie wie gehabt plus Cortison. Vier Tage später wieder Dosis-Reduktion, da die Fissuren deutlich zurück gingen.

Eine Woche später Pneumonie (Lungenentzündung), der Arzt vermutet eine Folge der immunsuppressiven Therapie, mit Fieber (40,7 Grad), durch Therapie mit Amoxicillin/Clavulansäure und Enrofloxacin rasche Besserung.

Versuch einer lokalen Therapie durch Infiltration mit Cyclosporin 25 mg pro Seite.

Drei Wochen später erneute Infiltration wie gehabt, zusätzlich systemisch Cortison plus Lincomycin. Danach Spülung Analadrüse.

Heilerfolg nur kurzfristig.

Neuer Versuch von Dr. Schäffner Anfang Dezember 2002: Infiltration mit je 50 mg Cyclosporin in Sesamöl im Verhältnis 1 : 1. (Sesamöl gibt die Inhaltsstoffe von Cyclosporin langsamer an den Organismus ab.)


 

© Hundezeitung; 02/2003