Was ist ...?
Anal-Fissur
Was ist eine Analfissur? Fissur (lateinisch) heisst: Spalte, Furche, Einriss.
Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Haut-Schleimhaut-Einriss der Aftergegend,
der bis an den inneren Analsphinkter (-schliessmuskel) reicht.
Eine Analfissur ist ein Längsriss der Schleimhaut im Bereich des äusseren
Enddarms. Durch die Gefahr zur Entzündung und einer unvollständigen Abheilung
sprechen Mediziner auch von einem Ulkus (Geschwür).
Analfissuren gehören zu den Enddarmerkrankungen. Es gibt die akute und
chronische Analfissur. Symptome werden oft als Zeichen von Hämorrhoiden
fehlgedeutet.
Aufgabe des Enddarms ist es, Kot und Gase abzuleiten. Ein komplizierter
Muskelapparat bewerkstelligt dies, speziell durch den inneren Schliessmuskel
(Musculus sphinkter ani internus), dessen kleinere Öffnung den Anus umschliesst.
Dieser Muskel steht ständig unter Spannung, die vom vegetativen Nervensystem
immer den momentanen Bedürfnissen der Verdauung und Ausscheidung angepasst wird.
Dieser innere Sphinktermuskel ist im Gegensatz zum äusseren nicht beeinflussbar.
Die Ursache für eine Analfissur ist noch nicht bekannt. Fest steht lediglich,
dass ein erhöhter Sphinktertonus an der Entstehung der Krankheit beteiligt ist.
Es wird vermutet, dass auch ein harter Stuhl, ein Hämorrhoidalleiden oder
anhaltender Durchfall zu Schäden an der Analschleimhaut führen. Die anhaltenden
Schliessmuskel-Spannung führt zu Durchblutungsstörungen, dadurch heilen die
Gewebeschäden schlechter ab.
Ist bereits eine akute Analfissur entstanden, wird die normale Wundheilung
behindert. Eine Wunde im Analbereich ist dann schnell mit Keimen aus der
Darmflora infiziert. Vermutlich hindern auch Entzündungsprozesse bei der
Wundheilung.
Bei einer chronischen Analfissur bildet sich eine auffällige Hautverdickung in
der betroffenen Gegend.
Bei einer Analfissur sind alle Untersuchungen schmerzhaft. Eine Spiegelung des
Enddarms (Proktoskopie) wird, sofern eine Analfissur vorliegt, nur unter Narkose
vorgenommen.
Das Geschwür wird heute meist in einer Kurznarkose entfernt (Fissurektomie).
Dabei bleibt der Schliessmuskel vollständig erhalten. Nur wenn als Komplikation
bereits eine Fistel entstanden ist, werden oberflächliche Anteile des
Schliessmuskels aufgespalten.
Eine chronische Analfissur ist eine offene Wunde, in die ständig Keime gelangen
und so Entzündungsprozesse aufrecht erhalten. Dann kann sich eine Analfistel
bilden. Dabei formt sich vom Wundherd - durch die Entzündung - ein Kanal, der
den inneren Schliessmuskel durchbohrt und die Entzündung in das umliegende
Gewebe ausbreitet.
Im Unterschied zur Fissur ist eine Fistel ein röhrenförmiger Gang, der von einem
erkrankten Hohlraum ausgeht und an der Hautoberfläche mündet. Hier eben am
Analausgang.
Anfalfissuren sind wegen einer angenommenen Immunschwäche vornehmlich bei
Deutschen Schäferhunden bekannt.
Praktischer Fall und seine bisher erfolgreiche Behandlung
von Tierarzt Dr. J. W. Schäffner aus
Haslach (Schwarzwald) an einem Schäferhund-Mix-Rüden:
Im Februar 2002 wurden - nach einer Analdrüsen-Spülung mit Oribiotic Ende 2001 -
Analfissuren festgestellt. Versuch mit Cyclosporin-Salbe lokal (aus der
Apotheke: 1 %ig) und Cortison in immunsuppressiver (Immunsuppression: künstlich
unterdrückte Immunreaktion) zur Dosierung.
Im März zunächst Besserung der Analfissuren, Cortison aussschleichend
(Dosisreduktion). Im April weiterhin stabiler Zustand, weiterhin lokale Therapie
mit Zink-Wund-Heilsalbe durch die Besitzerin.
Im August wurden die Fissuren schlimmer, Schmerzen beim Kotabsatz, systemische
Therapie mit Cyclosporin 100 mg zweimal täglich, Ketokonazol 200 mg zweimal
täglich, Lincomycin 750 mg zweimal täglich.
Eine Woche danach war der Zustand deutlich verbessert. Wegen der
Appetitlosigkeit des Hundes wurden Ketokonazol und Cyclosporin reduziert. Danach
war die Fissur fast weg. Weitere Reduktion dieser Medikamente.
Mitte September wurden die Medikamente abgesetzt. Analgegend ohne Befund.
Einen Monat später Wiederkehren der Analfissuren, systemische Therapie wie
gehabt plus Cortison. Vier Tage später wieder Dosis-Reduktion, da die Fissuren
deutlich zurück gingen.
Eine Woche später Pneumonie (Lungenentzündung), der Arzt vermutet eine Folge der
immunsuppressiven Therapie, mit Fieber (40,7 Grad), durch Therapie mit
Amoxicillin/Clavulansäure und Enrofloxacin rasche Besserung.
Versuch einer lokalen Therapie durch Infiltration mit Cyclosporin 25 mg pro
Seite.
Drei Wochen später erneute Infiltration wie gehabt, zusätzlich systemisch
Cortison plus Lincomycin. Danach Spülung Analadrüse.
Heilerfolg nur kurzfristig.
Neuer Versuch von Dr. Schäffner Anfang Dezember 2002: Infiltration mit je 50 mg
Cyclosporin in Sesamöl im Verhältnis 1 : 1. (Sesamöl gibt die Inhaltsstoffe von
Cyclosporin langsamer an den Organismus ab.)
© Hundezeitung; 02/2003
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