Wie wachsen sie denn?
Grössenordnungen und Wachstum
Wie gross ist der Do-Khyi? Nur so gross wie ein Esel, gaben frühere Reisende an. Es waren Angeber. Und, wer bitte, ist ein Do-Khyi? Der Tibet-Mastiff oder die Tibet Dogge oder der Anbindehund oder der Territoriums-Wächter vom himalayischen Hochgebirge?
Die letzten beiden Begriffsbestimmungen sind die richtigen. Do Khyi ist tibetanisch und heisst, was der Hund manchmal über sich ergehen lassen musste, damit kein Tourist oder ein unbeliebter Nachbar einfach in eine Yurte reingeht: Anbindehund. Alles andere zählt bereits zu den überlieferten Stories, die uns - damals sich
unkontrolliert wähnende Reisende mit mehr oder weniger Hundekenntnis erzählten. Und manche dieser Märchen halten sich bis heute in viele Hundebücher hinein.
Dazu eine drollige Geschichte, die im sehr seriösen Do-Khyi Club Schweiz steht (siehe auch Link-Liste): „Der Hund, den die Liu dem Kaiser Wu Wang schenkten, soll vier Fuss, also rund 120 cm hoch gewesen sein. Dazu darf man füglich ein
grosses Fragezeichen setzen! Marco Polo beschreibt die Hunde „so gross wie Esel". Nun sind die tibetischen Esel auffallend klein, und vielleicht könnte die übertriebene Grösse zum Teil auch daher rühren, dass die meisten Rüden offenbar kastriert
waren. Hedy Nouc musste bei ihrer Pfostenschau in Palanchik mit Bedauern
feststellen, dass gerade die grössten und schönsten Kastraten waren, von den 13 besten Hunden waren deren 10 kastriert. Die Hirten kastrierten die Hunde vor der
Geschlechtsreife und erreichten dadurch, dass sie bei der Herde blieben und nicht herumstreunten.
Nun hat aber eine Kastration vor der Geschlechtsreife oft eine Verzögerung des
Epiphysenfugenschlusses zur Folge: die grossen Röhrenknochen wachsen deshalb bei den Kastraten länger als bei unkastrierten Tieren, es kommt zum sogenannten „eunuchoiden Hochwuchs".
Vielleicht liegt hier eine Erklärung für die eselsgrossen Tibethunde. Die Meinung, der Tibet-Mastiff müsse riesengross sein, war aber allgemein verbreitet. Und als dann die ersten Hunde nach Europa kamen, war man arg enttäuscht.
Zwar schrieb noch Sieber von Schulterhöhen bis zu 90 cm und Graf Bylandt forderte 85 cm, obschon er zugeben musste, dass die von ihm gesehenen Rüden kaum mehr als 75 cm und die Hündinnen zwischen 65 und 70 cm massen. Beckmann fiel die
geringe Grösse der Hunde des Grafen Szechenyi sofort auf; er verglich sie mit eher kleinen Neufundländern. Beckmann vermutet deshalb, dass die Schilderungen der meisten Reisenden, was die riesige Grösse der Hunde betraf, auf Übertreibungen beruhen".
Der FCI-Standard legt beim Do-Khyi eine erwünschte Schulterhöhe von 65 bis 75 cm bei einem Körpergewicht von 45 bis 65 Kilo fest. Riesig ist was anderes.
Wie gross wird er denn?
Für die übrigen Hundefreunde dieser Welt gilt, wenn sie einen Welpen erstehen oder nur sehen: wie gross wird er denn?
Die Bilder in diesem Artikel zeigen Vicki u. Kimura = Chihuahua\'s sowie Jule u. Celestine = Irish Wolfshund - also die kleinsten und die größten! Wir danken dafür
Eva + Oskar Kroll Yasmin u. Rudel
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Der einzige Vorteil von Rassehunden ist der, das man etwas mehr darüber weiss, wie er wohl aussehen wird und ungefähr wie gross er werden wird. Alles andere ist nicht beweisbar. Auch innerhalb eines Rassewurfs sind es Individuen, charakterlich und leistungsmässig sehr verschieden. Warum soll es bei Hunden anders sein wie bei anderen Lebewesen wie Menschen?
Auf den ersten Blick kann man die wahrscheinliche Endstufe eines - erwachsen
grossen - Hundes an den überproportional grossen Pfoten erkennen, die an
vergleichsweise ähnlich dicken Pfoten hängen, die so gar nicht zur sonstigen
Körpergrösse eines Welpen passen wollen. Doch die Beurteilung nach unproportioniert dicken Pfoten bei einem Welpen, der dann sehr gross wird, stimmt nicht immer. Herdenschutzhunde wachsen langsamer, ihre Knochen sind daher nicht „voreilig" proportioniert.
Eine These: Vielleicht wachsen sie natürlicher, also unbeeinflusst von züchterischen Riesenselektionen, deshalb harmonischer auf als etwa bei einer Deutschen Dogge. Denn Doggen waren früher auch nicht so riesig wie heute, doch Herdenschutzhunde mussten zum Beispiel Wölfen immer schon gewachsen sein, seit rund 3 000 Jahren, so lange also schon, wie die ersten Hirten Nutztierherden bewachen liessen.
Ein 14 Monate alter Kangal-Rüde wurde wegen einer anderen Untersuchung an den Röhrenknochen untersucht. Bei den Aufnahmen stellte der Tierarzt fest, dass die für das endgültige Wachstum verantwortlichen Röhrenknochen noch fast vier Zentimeter „Spiel" hatten, um endgültig ihre Passung zu finden. Der Rüde mass zum Zeitpunkt der Aufnahmen 74 Zentimeter am Widerrist. Er wird also vermutlich noch über das zweite Lebensjahr hinaus wachsen und dann sicherlich 78 Zentimeter hoch werden.
Und dann gibt es noch diese sehr eigenwilligen Grössen-Vorstellungen. Von dem Erfahrungsschatz eines Yorkshire-Besitzers, der vielleicht nie andere Hunde als
seinen Winzling hatte, ist ein Spaniel ein grosser Hund. Ist fast jeder Hund grösser. Die eigenen Gewohnheiten werden da zum verengten Massstab. Man geht von
seinen Vorstellungen und Massstäben aus. Von einem Doggen-Besitzer aus
gesehen oder von Leuten, die ähnlich grosse Hunde hielten und halten, ist fast alles kleiner.
Es steht immer noch nicht im Tierschutzgesetz, dass es Qualzucht ist, Hunde extra leichter zu züchten, der unnatürlich Gestalt, dass beim Superlativ „kleinster Hund der Welt", dem Chihuahua, die Fontanelle der Schädeldecke nicht mehr zuwächst. Zudem wurde die Schädeldecke durch entsprechende Auswahl der Zuchttiere ausgedünnt. Sie entsprach manchmal der eines Pergamentpapiers.
Diese Gewichtserleichterung ist tödlich, wenn ein Apfel just vom Baum fällt, wenn solch ein Hund drunter steht. Diese Zweipfünder werden von verantwortungslosen Züchtern aber mit diesem Superlativ feilgeboten und allerherzliebst in Weingläsern zum Posing fotografiert. Nicht nur Amerikaner fanden dies so crazy nice.
Es gibt jedoch Züchter, die diese Qual beendet haben und wieder normalgewichtige Winzlinge züchten. In der Zuchtvorschrift ist inzwischen ein Passus eingefügt, der ein Mindestgewicht vorschreibt.
Maße

Machen wir deshalb zur klaren Beurteilung eine Rechnung auf: Wir gehen von den kleinstmöglichen bis zu den grösstmöglichen Typen aus. Wobei wir immer die
erwachsene Form annehmen als endgültigen Grössenbestimmung. Und bei den
kleinsten die meist kleineren Hündinnen, bei den grössten die oft zehn Prozent
grösseren Rüden. Die Extreme: Chihuahua oder Yorkshire Terrier als
erwachsene Hündin mit rund 20 Zentimeter Schulterhöhe (so wird gemessen; auch Widerrist genannt), bei den grössten Typen wie Deutsche Dogge oder Irish
Wolfhound meist über 85 bis ab und zu fast 100 Zentimeter für Rüden.
Nicht immer wird die ganze Rasse oder gar Verwandtschaft gleich gross. Vergleiche aus dem eigenen Fundus: Mein jetziger Rüden-Mix aus Leonberger und Boxer misst 62 Zentimeter, nähme man den theoretischen Mix aus den Rassestandards beider Typen, käme man auf erheblich mehr. Die Mutter meiner Maremmano-Hündin misst als kleiner Typ 64 Zentimeter. Eine Kollegin vom Berg-Typ freilich gleich 76 Zentimeter - zweifellos eine Ausnahme. Mein Irish Wolfhound-Rüde war ein „kleiner" mit 87 Zentimetern, sein Vater jedoch ein Riese mit 97 Zentimetern Schulterhöhe. Das sind wirkliche Maximalwerte, ohne Beurteilung anderer Qualitäten oder gar Gesundheiten. Es gibt vereinzelt solche Riesen.
Dann nehmen wir zur Berechnung (was ist wie gross) den Durchschnitt dieser Extreme: 60 Zentimeter. Diese Mitte nennen wir mittelgross. Mit der Toleranz von je 5 Zentimeter (damit wir der Einfachheit halber keine halben Zentimeter und keine zu grossen und zu kleinen Unterschiede bekommen) nach oben und unten. Mittelgrosse Hunde reichen also nach dieser Rechnung von 55 bis 65 Zentimeter - wie zum Beispiel mit Absicht die meisten der so genannten Diensthunde. Dort und bei den „benachbarten", auch populären untermittelgrossen Typen nehme ich die grösste Spreizung in Form eines Zehnersprungs vor. Progressiv aber bei
Hundezüchtungen, die Genetiker „verzwergt" oder „Zwergformen" nennen, und bei grösseren Typen bis hin zu ebenfalls züchterischem Gigantismus.
Super miniature (verzwergt): bis 24 cm
Miniature (kleinst): 25 bis 31 cm
Medium miniature (mittelklein) 32 bis 38 cm
Small (klein): 39 bis 45 cm
Medium small (mittelklein): 46 bis 55 cm
Medium (mittel): 56 bis 65 cm
Medium large (mittelgross): 66 bis 72 cm
Large (gross): 73 bis 79 cm
Extra large (sehr gross): 80 bis 86 cm
Super extra large (riesengross): ab 87 cm
Zum Vergleich: die grössten Wölfe in Kanada und Alaska (Grau- und Timberwölfe) und in Russland messen maximal 80 Zentimeter an der Schulter bei maximal 65 Kilo. Ist ein Wolf schwerer, wird er bald leichter. Er kommt nicht mehr so gut an leichte Beute heran, weil er zur Jagd zu übergewichtig ist.
Wann erreichen Hunde ihre maximale Höhe? Herdenschutzhunde erst ab etwa zwei Jahren, andere sehr grosse und mittelgrosse Hunde mit etwa mehr oder weniger als einem Jahr, danach legen sie nur noch bei der Muskelmasse zu. Kleine Hunde schaffen ihre grösste Höhe schon im Alter von etwa sieben Monaten. Das letzte Viertel an maximaler Höhe kann man ohnehin nicht mehr mit dem blossen Auge feststellen, das muss man schon exakt bei senkrecht stehendem Hund messen.
Über ist nicht super
Übergewicht und Übergrösse sind unnatürlich. Und sie sind ungesund. Die Knochen und Gelenke unterliegen viel zu hoher Beanspruchung, falls sie im schwierigen Aufzuchtstadium überhaupt dem raketenartigen Wachstum standhalten - im wörtlichen Sinn.
Ähnlich problematisch verhält sich das bei Verzwergung. Auch diese Extremzucht ist unnatürlich. Verzwergung (Miniaturisierung) ist eben nicht gleichzusetzen mit natürlich kleinen Körperformen, die sich entsprechend gleichförmig entwickeln konnten. Glupschaugen, Nasenraumverkürzungen oder züchterisch leicht gehaltene Schädeldecken sind Beispiele.
Wachstumsstörungen sind schon bei mittelgrossen, erst recht bei grossen Hunden üblich. Im Gegensatz zu altmodischen, überholten Meinungen ist diesen Störungen im Muskel- und Knochenaufbau, bei Bändern und Sehnen nicht automatisch mit einer erhöhten Zufuhr an Zusatzmitteln wie Calcium (Kalk) oder dergleichen beizukommen. Im Gegenteil kann eine Überversorgung erst für andere Störungen der schlimmeren Art sorgen.
Dennoch klappern in diesem zweiten grossen Wachstumsschub vom fünften bis zum siebten Monat die Junghunde wie ein schlampig zusammengebautes Möbelstück. Da entdeckt man die Unmöglichkeiten, und hört sie gar. Da passt noch nichts zusammen. Das ist die Zeit des Fugenzusammenwachsens. Ellenbogen und Hüftknochen passen sich ein, da knirscht es bis zum völligen zusammenwachsen schon mal. Überbeanspruchung ist in dieser Zeit tabu. Ich habe bei meiner Akbash-Hündin zu dieser Zeit (zwischen dem fünften und siebten Monat) zuerst mit einem sündhaft teuren Mittel aus der Schweiz - und dann auf Anraten eines Grosstierarztes - mit verblüffend billiger Schlämmkreide zugefüttert. Geschadet hat beides nicht. Ab dem siebten Monat war Ruhe im Gebälk.
In dieser Zeit können auch Überbauungen an der Kruppe (der Hund ist vor dem Rutenansatz am Rücken höher als an der Schulter) vorkommen, sie sich im Verlauf des weiteren Wachstums vollkommen ausgleichen können.
Dies alles wird man bei kleinen Hundetypen nicht beobachten können.
Masse
Die Spannbreite bei den Gewichten ist ebenso gross wie bei den reinen Grössen. Von entrückt berichteten 500 Gramm (Züchterleistung!) mit gesundheitlichen Problematiken (zum Beispiel dünner Schädeldecke) bis zu eben solchen, mindestens gelenküberlastenden 100 Kilo und noch mehr.
Für einen reinen Arbeits- oder wirklichen Sporthund (Hüte-, Schlitten-, Dienstgebrauchs-, Behinderten- Jäger-, aktiven Hetz- oder Herdenschutzhund) sollte die Gewichtregel - schon aus Gesundheitsgründen - lauten: in jedem Fall unter 700 Gramm pro Zentimeter Schulterhöhe. Bei Molossern, die ja nun keine Sportler sein sollen, darf wegen zunehmender Gesundheitsschäden durch Übergewicht - manche Züchter sind auch noch stolz auf ihre Kolosse - nicht über einem Kilogramm pro Zentimeter Schulterhöhe liegen.
Die andere Regel ist kürzer und immer gesünder: je leichter, desto gesünder.
Die meisten der Hunde in den aktiven Einsatzbereichen - bei den so genannten Dienstgebrauchshunden - haben als mittel- bis übermittelgrosse Typen nicht mehr als 40 Kilo; aktive Herdenschutzhunde, die zur durchschnittlich grössten Gruppe
gehören, sollten nicht mehr als 65 Kilo wiegen, um nachts bis zu 60 Kilometer auf den Beinen zu sein. Im Übrigen: Kleinwüchsige Hunde fressen - proportional zu
ihrem Gewicht und Grösse - mehr als grosse. Aber eben nur proportional.
Und wie misst man den Hund?

Die geläufigen Bezeichnungen „Widerrist" und Schulterhöhe sind die höchsten Punkte „hinter dem Hals". Dort müssen die Haare niedergedrückt werden. Es gibt dafür einen Kynometer-Stab, der sich exakter - wie ein Winkel - an den
Schulterblättern anlegen lässt, sieht aus wie ein Winkel mit verschiebbarer
Messlatte. Das brauchen aber nur Rassehunderichter, um den zuchtfähigen Hund zu vermessen, ob er auch in den Standard der Rasse passt.
Warum muss man die Hunde messen? Nur im Wachstum ist das interessant, weil man mit blossem Auge nicht feststellen kann, ob der Hund an Gewicht normal zulegt oder nicht. Er kann Würmer haben oder eine Krankheit, die ihn nur langsam abmagern lässt. Im Wachstum ist das ein Problem.
Normale Hundehalter brauchen diese Angabe dann, wenn sie das Wachstum
ermitteln wollen. Sie messen dies mit einem Meterstab, legen dazu eine Querlatte an - und hoffen, dass der Hund so lange still und vor allem gerade auf ebenem
Untergrund steht, bis man den Wert abgelesen hat.
Das Gewicht ist leicht zu messen: Stellen Sie sich allein auf die justierte Waage, dann nehmen Sie den Hund auf und wiegen noch mal. Abzug. Der Hund sollte leichter sein... Sie dürfen Ihre Waage auch gern der Lüge bezichtigen. Bei Ihrem Gewicht. Ich mache das so.
Bei Hunden über 50 Kilo hören sie auf zu wiegen, müssen zum Tierarzt oder auf die Dorfwaage, wenn bei Traktoren die Anhänger mit den Äpfel zum Mosten abgewogen werden.
Mehr über Typen (Rassen) steht im Kapitel Typenkunde in dieser Rubrik.
©Hundezeitung.de Oktober 2000
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