| Hundezeitung | Hundewiese | Bildergalerie | HEN Netzwerk | ||||
Jetzt eintragen für die kostenlose Newsletter |
|
|
| Regelmässig neu, kostenlos und nur online | ||
|
Hundekunde |
Die Doggenartigen oder Molosser sind vornehmlich haus- und hofgebundene Wachhunde, den beiden ersten Gruppen entfernt verwandt. Sie waren früher zum Teil Kriegshunde im Dienste ihrer (Feld)-Herrn, meist aber dazu gebraucht, Menschen wie Hab und Gut zu schützen. Manche wurden - fast zwei tausend Jahre später - zum Bullenbeissen "gebraucht", um 1900 war das in Frankreich und England noch ein "Sport". Diese Gruppe kann man mit den zuvor beschriebenen als verwandt bezeichnen, denn neben dem stabilen Körperbau und der Kraft ist auch dieser Gruppe der Eigenwille typisch, was sie eben auch zu den nicht gerade besonders leichtführigen Hunden macht. Aber sie zählen ebenfalls - Ursprung aller drei Gruppenhunde - zu den besonders wachsamen Vertretern ihrer Gattung - ihr Job seit Alters her, aber eher um Hof und Haus herum, nicht draussen auf den Weiden wie die erste Gruppe. Daher mussten sie auch kein allzu wetterfestes Haarkleid tragen, es ist meist kurz, selten mittellang oder lang, weil die aufgabengemässe Verwandtschaft und die gemeinsame Herkunft mit den Herdenschutzhunden bei manchen Typen fliessend war und ist. Die starken und besonders grobknochigen Hunde wurden von den seefahrenden Nationen um das Mittelmeer mitgenommen, dort zogen sie mit den handelnden und kriegerischen Herren weiter. Im Gefolge kamen sie bis nach England. Diese molossiden Hunde beeinflussten daher sehr viele bodenständige grosse Hundetypen. Sie waren als Wächter und Schützer gefragt. Haus- und Hofwachhunde - und bei beweglicheren Typen zu Hilfsdiensten am oder mit Menschen fähig - sind sie bis heute. Sie sind daher meist ausserordentlich kräftig (der kleinste, der Boxer: 55 bis 63 Zentimeter und etwa 30 Kilo; alle anderen 50 bis fast 90, bei der Deutschen Dogge manchmal über 90 Zentimeter, 70 bis 90 Kilo). Ihr Aussehen wurde durch ihre Aufgabe geformt: sie sollten abschrecken. Auch wenn sie normalerweise eine sehr hohe Reizschwelle besitzen.
Ungefähre Grössenordnungen: Den American Bulldog kann man sich etwa als kräftigeren Boxer-Typ vorstellen, bei weniger Vorbiss. Hierzulande bekannt wurde ein junger Vertreter dieser beweglichen Molosser in einem natürlich reichlich vermenschlichten US-Film "Homeward Bound" oder "Zurück nach Hause" 1993, der aber einen lustigen Rüpelcharakter zu mimen hatte. Was ihm nicht schwer fiel. Wie zuvor das entzückende Sabbermonster einer Bordeaux-Dogge im Film "Turner and Hooch". Damals war der menschliche Film-Partner Tom Hanks aber noch beim Karriere-Durchbruch. Durchgebrochen ist der BX-Rüde aber durch alle unmöglichen Stuntszenen im Film. Der heiteren Seite dieser Hundegattung insgesamt haben beide Filme gut getan. Bis auf die ignoranten Stellen bei den ersten Hundeverordnungen in Deutschland.
Die südeuropäischen Molosser Presa Mallorquin, Presa Canario und der Alano gehören wie der Dogo Argentino zu den "kleineren" Typen (rund 60 bis 67 cm), der Cane Corso wird ein bisschen grösser, fast wie Bullmastiff und Bordeauxdogge), also ungefähr 65 bis knapp 70 cm, wie auch Rottweiler, der als grosser Rüdentyp schon mal deutlich über 55 kg wiegt. Eine Besinnung auf den beweglicheren früheren Typ mit wirklich ausreichenden 45 kg bei Rüden wäre gesünder, also wünschenswert. Es gibt auch erfreulicherweise Rutenträger unter einigen Rotties. Der Fila Brasileiro wird bis 75 cm gross, wie die wirkliche dänische Dogge, der Broholmer. Der Fila bleibt - bei ähnlich ausgeprägter Halswamme - aber schlanker als der etwa gleich grosse Mastino Napoletano, der wesentlich schwerer wird (nicht selten "locker" über 70 kg). Der südafrikanische Boerboel wird etwas grösser und schwerer als ein durchschnittlicher "moderner", also schwerer Rottweiler.
Der englische Mastiff überragt auch diese beiden Typen in beiden Ordnungen. Die Deutsche Dogge ist wie schon geschrieben der grösste Molosser. Es gibt Doggen mit weit über 90 cm Schulterhöhe. In den alten grossen Saupacker sind vor fast 150 Jahren erstmals sehr grosse Hetzhunde (vermutlich vom Typ Irish Wolfhound) eingekreuzt worden. So entstand die Deutsche Dogge. Die grossen Molosser besitzen bei verantwortungsvoller sozialer Aufzucht und Selektion, eine hohe, also sozialverträgliche Reizschwelle, sind aber wegen ihres Riesenwuchses sehr aufzuchtschwierig. Diese Riesen sind wegen ihrer - heute leider Überschwere - geradezu prädestiniert für erbliche Erkrankungen an Herzgefässen, Rücken-, Hüft-, Gelenkmuskulatur und -knochen und an Verdauungsorganen. Dies und andere Zuchtanomalien verkürzt die Lebensdauer auf ein Durchschnittsalter zwischen sechs und acht Jahren; erfreulich, dass es längerlebige Ausnahmen gibt. Eine - inzwischen wieder rückläufige - Unzucht waren und sind noch durch angezüchtete Übermasse an Schädel und Kopfhaut auch unnatürlicher Vorbiss und "offene Augenpartien" (Ektropium). Früher waren diese Riesen leichter und kleiner. Gigantismus vor allem durch Eitelkeit und Ehrgeiz bei Ausstellungen führten zu diesen Degenerationsformen. Dass diese Hunde durch fatale Fehlbeurteilungen zu der unseligen Bezeichnung der Kampfhunde gezählt wurden, macht es ausgerechnet diesen Sabbermonstern nicht leichter. Es sind gut 2 000 Jahre her, als diese Hunde mit den Soldaten in Kriege ziehen mussten. Sie waren also dann Kriegshunde. Wie andere dienstbare Hunde in anderen Bereichen auch. Zu dieser Arten-Gruppe gehören heute der American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, English Bulldog, Dogue de Bordeaux, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastino Napoletano, Cane Corso, Alano, die Presas aus den Kanaren und Mallorca, Deutsche Dogge, Broholmer (die wirkliche dänische Dogge), der Tosa Inu und die südafrikanische Neuzüchtung Boerboel (ein Mix aus Boxer, Bulldoggen unter anderen). Und natürlich der deutsche Boxer, der früher eher wie eine Bordeaux- Dogge aussah und in der Neuzeit verschlankt wurde.
Auch der Rottweiler kann wegen seines molossiden Körperbaus hier zugeordnet werden. Der heutige Bernhardiner ist so wie der Pyrenäenberghund oder Moskauer Wachhund ein eindeutiger Molossertypus. Mehr oder weniger deutlich molossid sind auch die beiden Mastines-Schläge in Spanien, Neufundländer/Landseer und auch der Grosse Schweizer Sennenhund. Zu den zucht-gesünderen Typen gehören heute immer - fast zwangsläufig - die weniger gigantischen, wie etwas der Bullmastiff, der in England früher als Gamekeepers Night Dogs, also als ein vornehmlich in der Nacht schützender Begleiter geschätzt wurde.
Ein heute eher kurios dreinschauender alter Typus des Bullenbeissers gilt die englische Bulldogge. Mit zu den kleinsten Typen zählend (maximal 30 kg), was nicht zuletzt aufgrund einer bis vor wenigen Jahren qualzüchterischen Deformierung des ganzen Gebäudes samt Gebiss/Fang führte. Rachitische Hunde mit Gebärproblemen waren die Folge. Er wurde eine Karikatur. Das hat ihm charakterlich nicht geschadet. Meist gibt er auch den unfreiwilligen Clown.
Heute besinnen sich die Züchter wieder und versuchen, dem Unikum wieder das atmungsfreie Laufen beizubringen. Seiner Gesundheit ist dies sehr förderlich. Wir haben daher einen gesunden Typ aus der Schweiz als Bild-Beispiel ausgewählt. Dieser Hund hat unter anderem geradezu gerade Läufe statt der leider noch üblichen, fast Chippendale-Stuhl-förmigen krummen. Einer der ursprünglichsten Formen ist die der französischen Bulldogge um Bordeaux - deutlicher als Dogue de Bordeaux bezeichnet, die nicht verwechselt werden darf mit dem Kleinhund, die eingedeutscht französische Bulledogge genannt wird. Die Bordeaux-Dogge (abgekürzt BX) sind um einige Jahrhunderte älter als etwa der Bullmastiff oder der brasilianische Fila. Nettes Zitat eines Liebhabers: "Die Schönheit reicht nur bis zur Haut". Und davon haben die Molosser reichlich, vornehmlich an der Wamme - wiederum ein Verwandtschaftsmerkmal zu den Herdenschutzhunden. Diese Wamme schützte die Hunde vor Kehlbissen.
Der deutsche Boxer ist heute (die ersten sahen freilich nicht nur plumper aus) mit rund 30 bis 35 Kilo bei rund 60 cm das temperamentvolle Leichtgewicht unter den Molossern, eine verzierlichte Form des alten Bullenbeisser-Typs. Es soll immer noch vorkommen, dass reinweisse Boxer eliminiert werden, weil sie nicht mehr dem Standard entsprechen. Dafür gestatten die kräftiger gestalteten American Bulldogs auch diese Farbe, allemal mit Flecken oder Monokeln um eine Augenpartie. Die Deutsche Dogge, der grösste Molosser, ist früher auch kleiner gewesen. Vielfach als "Great Dane" in englisch-sprachigen Hundewelt falsch - absichtlich? - deklariert, denn die grosse dänische Dogge wurde inzwischen umgetauft in Broholmer. Die ist noch "normal" gross, maximal um die 75 cm. Ursprungsland der Deutschen Dogge ist halt Deutschland. In etlichen Hunderassebüchern sind Gewichte von 45 bis 55 Kilo angegeben, etwas rätselhaft. Diese Gewichte überschreiten sogar die anderen absoluten Grössengiganten, die Irish Wolfhounds. Ein Deutsche Doggen-Rüde wird heute meist zwischen 85 und über 90 cm hoch und wiegt dann gute 70 Kilo und mehr. Auch oder gerade die Deutschen Doggen leiden unter diesen Verfehlungen der Züchter. Ihre Lebenserwartung und erblichen Krankheiten sind ein leidvolles Kapitel dieser majestätischen Hunde. Auch der ursprüngliche kleinere Typ war mal ein Helfer bei der Grosswildjagd. Lange her. Eines der liebenswertesten Beschreibungen der Deutschen Dogge ist das nach wie vor empfehlenswerte Buch von Paul Eipper "Die gelbe Dogge Senta". Keine unbiologische Rassebeschwörung, nur eine charmante Erzählung. Dies würde ohne Abstriche auch auf andere Molosser zutreffen: Nicht eben superleichtführig, aber bis zur notwendigen Verteidigung von Haus und Familie gemütliche, sehr menschengebundene Schwergewichte. Die unsinnige Beschwichtigungsformel von den "sanften Riesen" ist bei beiden grössten Hundetypen der Welt eine mitunter bloss verkaufsfördernde Verkennung: auch sie sind eben nur Hunde. Andere Formen sind aufgabengemäss geänderte und regional angepasste Typen aus den Molosser aus alten Zeiten. Zu den Aufgaben zählten auch - bei beweglicheren Typen wie Dogo Argentino - die Jagd auf Grosskatzen oder Wildschweine. Oder in Form eines Tosa als wehrhafter Begleiter den japanischen Samurai gedient haben sollen - unkritische Legenden wollen es so. Stimmt aber nicht. Denn der Tosa ist ein Mix aus europäischen Molossertypen, die nach Japan eingeführt wurden, weil die japanischen Hundefeinde ihre eigenen Akita noch stärker machen wollten - zu just jenen Hundekämpfen, die auch dort nach dem zweiten Weltkrieg einzogen. Die italienischen Verwandten markieren ähnliche Eigenschaften, wie nach den körperlich beweglicheren Typen Cane Corso oder Alano bei den vor Jahren leider noch völlig vermassten Mastini Napoletani. Deren ultrakurz-kupierte Ohren machten sie, die dunklen Hofwächter unterhalb von Rom, zu besonders abschreckenden Gebilden auf vier stämmigen Läufen. Es wäre den Hunden dienlich, würde man sie etwas gesünder züchten, 75 Kilo reichen bei einem Stockmass von 75 Zentimeter doch auch. Zur Neuzüchtung des wohl absichtlich ungeschlachten Boerboel in Südafrika verweise ich auf eine Folge der Satire in der Hundezeitung in der Serie "Typologie deutscher Hundler", gewissermassen eine grobe Abart eines aus dem Vollen geschnitzten andersfarbigen Rottweilers.
Der vielfach einsetzbare Treiber aus früheren Metzgershunden wurde leider auch immer massiver gezüchtet, was seiner Lebensdauer wie seiner Arbeitsfähigkeit abträglich war und teilweise noch ist. Er hat - wie alle anderen Molossertypen - einen besseren Ruf verdient, als ihm und seinen Kollegen angedichtet wird. Gerade bei den vielschichtigen Molossern mit den massiven Visagen und Körpern gilt: bei freundlicher Handhabung und gesunder Zucht kann so schlimm keiner sein wie er aussieht.
Lesen Sie auch: Die Einführung
© Hundezeitung 2002
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Home ¦
TopThemen ¦
Notruf ¦
Hundekunde ¦
Ausbildung ¦
Ratgeber ¦
Hundemedizin ¦
andere Tiere ¦
Satire ¦
Forum ¦
Kontakt, Impressum
| |||