Serie: Biologische Artenkunde.
Welche Hundeart was und wie ist.
Teil 3: Die Gruppen im Detail
10. Gruppe: "Sonstige" (Bullterrier-Varianten)
Diese in dieser Ordnung "letzte" Gruppe würde "sonst" in keine der bisherigen
Gruppen passen. Hier ist eine besondere Spezies gemeint. Ziel für diesen Schlag
Hund und seine Varianten war und ist es, aus den Grundtypen des früheren
Bullenbeissers (bulldog) und des flinken "scharfen" Terriers den "idealen" Mix
aus Schnelligkeit und Kraft zu formen.
Es entstanden die Bull-and-Terrier-Varianten. Leider mit dem gegenwärtigen
Resultate-Mix aus Missbrauch und Brachial-Image, der uns allen bekannt ist.
Nie wurden die Hunde so unrühmlich populär wie seit dem fürchterlichen Vorfall
des Sommers 2000. Das auch vom Hamburger Ordnungsamt vernachlässigte Problem,
neben der bekannten Kriminalität des Hundehalters, führte zu einer Hysterie und
zu einem geradezu zynischen Aktionismus der Politiker, die gerade auf diesem
Gebiet der Fachkunde sich von ganz anderen Motiven, teils auch
rassehundepolitisch motiviert, leiten liessen. Es ging darum, den Bestand an
diesen Tieren durch teilweise perfide Tests und willkürlichen Tötungen zu
dezimieren - und für die Volksmeinung pauschal zu potenziellen Tätern
entwürdigt.
Man kann nicht verhehlen, dass zu diesem unrühmlichen Image vor allem nicht
wenige Züchter und Halter tatsächlich beigetragen haben. Die Fälle aggressiven
Verhaltens jener Gruppe von Haltern, die sich absichtlich aggressiv selektierte
Tiere von einschlägigen Züchtern holten und dafür gezielt und buchstäblich
einschlägig dressierten, sind eben keine Ausnahme. Heuchelei auf Seiten von
Fanatikern führte zu einer Pseudo-Verzerrung auf der anderen Seite: Aus nicht
wenigen aggressiv gezogenen Hunden wurden plötzlich unisono familienliebe
Schmusetierchen. Diese Umtaufe entstand aber just nach der Hysterie, der viele
Hunde zum Opfer fielen.
Dass es daher auch nicht wenige ganz normale, hundeüblich sozialfähige und auch
hochreizschwellige Hunde dieser Gattung gab, bestärkt das Problem, dass es eben
die Anlagen der Hunde waren, die viele falsche Leute begehrten und
missbrauchten.
Und als ob dies nicht genügte, dass das Image stark im kriminellen Milieu
angesiedelt war mit etwas Outlow-Touch: einige "Kynologen" verherrlichten die
Herkunft zu "Gladiatoren", zu Hunden mit grösstmöglicher Kraft bei
kleinstmöglicher Grösse, zu Hunden ohne Schmerzempfinden, nicht selten eben auch
von einschlägigen, wirklichen Hundekampfhunde-Dresseuren zielgerecht
abgerichtet. Stammtisch-Angebereien über Beisskraft und Härte schufen
schliesslich ein Image, das zum bekannten Ergebnis der Ächtung führte.
Die eben oft absichtlich niedrig selektierte Reizschwelle führte dann zunehmend
zur inzwischen staatlich verordneten und gesellschaftlichen Diskriminierung.
Die seriösen Züchter und Halter und folglich Hunde litten mit.
Nicht wenige dieser Tierhasser warfen ihre Hunde, plötzlich verfemt, schlicht
und buchstäblich aus dem Fenster. Sie wurden Wesenstest vorenthalten, weil sie
diese sicherlich anfangs auch fragwürdige Selektion nicht bestanden hätten. Es
half den Hunden auch nicht, dass auch einige Polizeihunde diese Tests nicht
bestanden hätten.
Es gab auch krasse Heuchelei auf Seiten der Fans, es wurde gelogen, und dann kam
zuweilen doch heraus, dass die Hunde schon gebissen hatten. Die Redaktion der
hundezeitung fiel auch mal auf eine absichtlich falsche Darstellung herein.
Unkritische Fans glauben heute noch an die Unschuld dieser Halterin.
Resultat dieser zynischen Heuchelei und dieses kriminellen Missbrauchs an Hunden
war, dass sie inzwischen fast weltweit geächtet wurden. Die Hunde wohlgemerkt,
nicht die Halter und deren Protagonisten.
Wie viele soziale Beispiele (nicht nur als Rettungshunde) dabei in einen Topf
mit den anderen Hunden, den aus kriminellen Motiven missbrauchten, verraten oder
nur durch sehr viel Einsatz von vielen ehrlichen Hundefreunden gerettet wurden,
ist freilich auch ein Tatbestand, der angesichts der ekelhaften Entwicklung
unterging.
Es war einmal - das Ideal aus grösstmöglicher Kraft bei geringstmöglichem
Gewicht?
Entwicklung:
Zu erst eine Begriffsdefinition: Hundekämpfe sind im Prinzip natürlich, es sind
Rang- und Revier- und Sexual- und Nahrungsbeschaffungskämpfe wie unter der
überwiegenden Zahl aller Tiere auch. Dass heute noch Hunde gegen Bären auf
Geheiss ihrer Herren und Geld-Wetter "kämpfen" müssen, denen die Krallen und
Reisszähne vorher gezogen wurden, als Touristenattraktion herhalten, wurde in
der Hysterie der "Kampfhunde"-Erregung gern vergessen.
Kampfhunde sind zuerst und früher Kriegshunde gewesen, die dem Besitzer in den
Kampf folgten. Die Schutz-Veranlagung sehr kräftiger Hunde (frühe Molossertypen)
wurde ausgenutzt. Diese Hunde schützten alles ihnen Anbefohlene, auch in Hof und
Haus.
Hundekämpfe, wie sie nun in aller meist auch unberufenen Munde geführt sind,
meinen aber exakt vom Menschen herbeigeführte Kämpfe unter Hunden. Es sind also
genauer "Hundekampfhunde", und keine Menschenkampfhunde. Wobei die Halter oft
die Grenzen verwischten; wiewohl auch andere Hunde als Beutegreifer auch mal
Menschen angreifen.
Kurze Geschichte, die fast harmlos anfing. Bulldoggen sollten auf Geheiss des
Viehzüchters ausbrechende Bullen an Ohr oder Nase packen und so lang nicht
loslassen, bis der Ausbrecher wieder zur Herde zurückzuführen war.
Es blieb nicht aus, dass diese Aufgabe von Nutztierhaltern in Hallen verlegt
wurden, wo eben Bullen zum Spass von Bullenbeissern an der Nase gepackt wurden.
Sie liessen nicht mehr los. Verbesserungen für diesen Bloodsport wurden zuerst
in England im späten 18. Jahrhundert von findigen Züchtern eingeführt. Erst Fang
und Nasen so durch heraussragende Untergebissformen verändert, dass die Hunde
dank dieses Unterbisses beim Festhalten weiterhin durch die Nase atmen konnten.
Ein anderer mit Überbiss hätte früh aufgeben müssen, weil ihm die Luft ausging.
Dieses Bull baiting (biting) war Anlass zu Wetten. Und damit zu mehr Ehrgeiz,
speziellere Hunde zu züchten. Bessere Hundekämpfer. Ausdauer,
Schmerzunempfindlichkeit, und Kraft waren gefragt, sie brachten schliesslich
Geld für die kleinen Leute. Das förderte Exzesse.
Die früheren Bullenbeisser waren zwar enorm stark, aber auch schwer. Da tauchte
ein Mann mit einem kleineren Typ auf, der mit dem altenglischen weissen
glatthaarigen Terrier gekreuzt war. Der gewann dann alle Kämpfe durch seine
grössere Schnelligkeit. Dieser Hundetyp war der Durchbruch für den späteren
Bullterrier, der mit den Schweinsäuglein und der typischen Ramsnase. Diesen Typ
gab ist in Staffordshire auch ohne Ramnase.
Die Art dieses Volkssports blieb auch dem britischen Königshaus nicht fremd.
Schliesslich war Queen Elisabeth I. gern gesehener Gast in den Pits (Geviert
ohne Seile, wie früher die Boxringe). Sie erliess ein Gesetz, wonach zu all den
sonstigen Wettfreuden der Donnerstag den Hundekämpfen in den Pits reserviert
war.
Besserbeisser mussten her. Das Wettgeschäft blühte. Viele Grausamkeiten
entstanden schon vor dem Kampf bis zum Tod im Pit oder kurz danach durch
Kupieren von Ohren und Ruten, durch Verstümmelungen an den Pfoten. Gegner
sollten weniger verletzen können, damit der eigene Hunde länger durchhält.
Bevor nun einige in Ohnmacht fallen: Das Kupieren wurde 1895 (achtzehnhundert..)
in England verboten. In Deutschland rund 100 Jahre später.
Hundekämpfe sind nach dem zweiten Weltkrieg nicht nur in Grossbritannien, auch
in Japan und USA, und im kontinentalen Europa verboten. Das Geschäft blüht im
Verschwiegenen weiter.
Varianten:
Englische Bullterrier kamen natürlich auch in die USA. Dort wurden dann auch
wieder grössere Typen eingekreuzt.

Bullterrier
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English Staffordshire Terrier
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American Staffordshire Terrier
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Pitbull (Terrier)
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MiniatureBullterrier
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So entstanden nun teilweise verwirrende Rassebezeichnungen. Mal mit der
Bezeichnung "Bull", mal ohne "Terrier". Man kann es sich bei der Unterscheidung
etwas einfacher machen: Die amerikanischen Varianten von Staffordshire Bull-
Terriern (Fachjargon: AmStaff) sind etwas grösser und schwerer als die
englischen, und sie sind an den Ohren kupiert (was nun hier nicht mehr
gestattet, weil durch Zuchtverbot kein - offizielles - Thema mehr ist).
Die verschiedenen Rassevereine stellen keine Grössen- und Gewichtsvorschriften
heraus, die Farben sind die bekannten braunen, braun-gestromten, die weissen und
die weissgefleckten, auch dreifarbige und schwarze (die beim AmStaff und Pit
selten vorkommen sollen), mit und ohne Abzeichen. Immer noch beliebt sind
besonders beim englischen Bullterrier die ein "Monokel" tragenden Hunde: die
schwarze Partie an einem Auge. Allen gemeinsam ist die Kurzhaarigkeit. Und eine
Rute, die beim kurzen Wedeln in erhabenem Zustand nicht immer automatisch
freudige Erregung signalisiert, im Gegenteil: das geht mitunter eher in Richtung
jenem kritischen Ruten-Schlagen, das man von Katzen als Angriffs-Zeichen kennt.
Regelangaben:
(American) Pitbull (Terrier) als grösste Variante wiegen zwischen
23 und knapp 40 Kilo und sind zwischen 45 und knapp 60 cm gross.
(American) Staffordshire Terrier (der englische ist immer etwas kleiner und
leichter) sind zwischen 20 und 30 Kilo schwer bei 43 bis unter 50 cm
Schulterhöhe.
Der (ramsnasige) Bullterrier kann zwischen 24 und über 30 Kilo wiegen und
zwischen 40 und knapp 50 cm gross sein.
Der verkleinerte Bullterrier, der Miniature, zwischen 5 und 12 Kilo leicht und
maximal 35 cm gross.
Diesen Mini setzten aber untypisch übereifrige Verordnungspolitiker der ersten
"Kampfhunde"-Hysterie auf die Kladde der "gefährlichen Listis", obschon der Mini
Bulli doch die berüchtigte 40 cm-Grenze unterschritt. Wie auch "sonst" die
komplette Verordnungsunlogik leider keinen Einzug in die Themenwahl jener
Berufszyniker fand, die man früher Kaberettisten nannte und heute Comedys
heisst.
Wie typisch bei Züchtern gab es auch eine krankhafte Verzwergung mit dem
"Rekord" von nur 1,4 Kilo. Diese Verformung hielt sich aber glücklicherweise
nicht lange.
hundezeitung setzt unter die Reihe der Gruppen-Beschreibungen eine Duftnote mit
Stammbaum für jene Hunde, die missbraucht wurde, weil sie gezüchtet wurden mit
Anlagen, die zu viele vorgebliche Liebhaber dieser Hundespezies zum Missbrauch
verführen mussten. Viele von ihnen hatten Talente, die human-kriminellen Anlagen
zum Opfer fielen. Die Hunde konnten und können nie verantwortlich gemacht
werden.
Denkmal für eine zum Aussterben verurteilte Gruppe, die woanders weiterblühen
wird, nur unkontrolliert und damit gefährlicher - vor allem für die Hunde.
Vorläufige Schlussbemerkung zur Artenkunde:
Das Wort "Sonstiges" ist sprachlich gleichbedeutend mit der Unfähigkeit, etwas
in eine bestehende Ordnung zu kategorisieren. Wie wohl jeder Versuch, bei Tieren
eine wie auch immer begründete Ordnung fragwürdig bleibt, und oft auch
unordentlich.
Getreu nach der wissenschaftlichen These: im Chaos ist Ordnung. Insofern ist die
ganze Serie der Artenkunde nur als Orientierungshilfe zu werten, welche
ungefähren Eigenschaften die eine von der anderen Hundegruppe trennt.
Im Gegensatz zu - noch unbiologischeren - Ordnungsversuchen ist diese hier nach
den Charakter und Eigenschaften prägenden erstmaligen Arbeitsaufgaben
(Zweckbestimmungen) ausgerichtet, mit den zugestandenen Deutungen und vor allem
erfreulich biologischen Abweichungen. Normen sind Zwangsjacken, gut, dass sich
Tiere seit der Evolution nicht an menschliches Ordnungs- und Schubladendenken
halten.
Denn genauso könnte man das wichtigste Körperteil - den Schädel - als
Ordnungselement heranziehen. Denn darin enthalten sind das Hirnvolumen für
Denkvermögen und Fähigkeit für Intelligenzleistungen ("Intelligenz" selbst ist
nur ein fragwürdiger Leistungswert unter vielen, siehe "Erklärungen"), die
wichtigsten Sinnesleistungen, beim Hund ist dies vor allem der Nasenriechraum,
und die über die lange Evolution aus den Hundeahnen herausgebildete und der
gegenwärtigen Lebenslage angepasste Konstruktion des Beutefang- und -
zerlegungsapparates: das Gebiss. Aber diese durchaus in der Wissenschaft
aussagekräftige Schädelforschung sagt den normalen Hundefreunden wenig.
So sind Hilfen zur Bestimmung bei Interesse an der Vielfalt gerade bei Caniden
eine Orientierung wert. Es gibt sie eben doch, jene grundsätzlichen
Eigenschaften, die einer Gruppe im Grossen und Ganzen veranlagt ist und einer
anderen nicht oder weniger.
Der Genpool von Haushunden war gross genug, um diese Vielfalt zu erreichen (wenn
auch bei gleichzeitigem Verwandtschaftsgrad, der bei 99 Prozent liegt). Das mag
auch die Freunde von "Heinz 57" freuen, jenen Mixen, aus denen nicht wenige
"Rassen" entstanden sind, oder deren Ausgangsprodukte einer jeweiligen Rasse
zugehören. Gruppenübergreifende Eigenschaften sind jedoch allfällig, biologisch
und individuell. Aber niemals als Standard festzuschreiben.
Das sollten die Halter merken, die aus elitärem Glauben (von vielen Züchtern
schliesslich eigennützig als Imagebildung gefördert) und kynologischer Ignoranz
(so genannte Zwingerblindheit) mit ihren Hunden auf einem Platz andere treffen,
wo sich viele unterschiedlich aussehende und charakterlich differierende
Hundetypen wie unterschiedliche Hunde benehmen - wie Hunde ohne diese
angedichteten "typischen" Eigenschaften. Sie sollten sich fragen, warum sie
diesen Irrglauben so gern übernehmen, ihre Rasse sei etwas grundsätzlich
Spezielles.
Schliesslich mag bisher niemand den weisen schlichten Spruch zu widerlegen: Ein
Hund ist ein Hund ist ein Hund.
© Hundezeitung 2003
Lesen Sie auch: Die Einführung
Lesen Sie auch: Hauptteil 1
Lesen Sie auch: Hauptteil 2
Lesen Sie auch: Hauptteil 3
Lesen Sie auch: Hauptteil 4
Lesen Sie auch: Hauptteil 5
Lesen Sie auch: Hauptteil 6
Lesen Sie auch: Hauptteil 7
Lesen Sie auch: Hauptteil 8
Lesen Sie auch: Hauptteil 9
Lesen Sie auch: Hauptteil 10
Lesen Sie auch: Hauptteil 11
Lesen Sie auch: Hauptteil 12
Lesen Sie auch: Hauptteil 13
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