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Hundekunde |
Der oft unterschätzte "Rest" der Hundewelt, weil ohne besondere Aufgaben, meist als "Begleit-" oder "Schosshunde" abgewertet. Bei den Klein- und Kleinsthunden (20 bis 35 Zentimeter und leider ein bis zwölf Kilo) sorgt meist Terrierblut für enormes Temperament. Nicht wenige der kleinen Terrier sind nur Farbschläge, wenn sie auch noch fast alle aus Grossbritannien kommen. So ist der populäre West Highland White Terrier (Westi) nichts anderes als ein weisser Cairn. Der Tibet-Terrier trägt einen falschen Nachnamen, er ist ein ehemaliger Hütehund. Besonders die kleinen Terrier haben auch im Haushalt eine Beliebtheit gefunden, weil sie sich gut anpassen können und räumlich nicht viel Platz beanspruchen. Was erforderlich ist, sind ihrem enormem Temperament und Bewegungsbedürfnis entsprechende Ersatzbeschäftigungen. Vernünftiger Agilitysport ist eine dieser Lösungen. Leider hat der populär gewordene (Parson) Jack Russel Terrier zum Beispiel in England und Irland die Hitliste jener Beisser übernommen, deren Opfer nachweislich in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Manche Züchter lernten nicht aus den Erfahrungen der 30er Jahre nach Selektion auf "Schärfe" der Foxterrier, die sich schon als Welpen umzubringen trachteten. Auch der war damals Modehund. Die kleineren Varietäten der Pudel sind als ehemalige Apportierhunde ebenso zu beschäftigen wie alle Spielarten von Spaniels, die gemäss ihrer Veranlagung gern stöbern, also jagen. Miniaturisierungen sind Spielarten (Toys). Diese züchterischen Verzwergungen sind oft mit Augen- und Atemwegskrankheiten verbunden. Nicht wenigen dieser Toys wurde der Nasenraum verkürzt, und damit das Ziel erreicht, über ein Stupsnäschen und hervorstehende Kulleraugen ein Kindchenschema herzustellen. Gebärproblematische brachyzephale (überproportionierte Rundköpfe) sind die Folge. Einige Züchter kehren um, stossen dann auf Schwierigkeiten bei den Rassestandards und Vereinsoberen. Aber auf Freude der Tiermediziner, die diese teilweisen Qualzuchten (auch mit unnatürlicher Behaarung) als permanente Patienten behandeln müssen. Diese Degenerationen traten auch beim immer noch gern zum Superlativ stilisierten kleinsten Hundetyp, dem Chihuahua, auf inform verdünnter Schädeldecken. Nur langsam setzte sich ein Mindestgewicht durch, um die Fontanelle der Schädeldecke wieder zu schliessen. Dazu kamen andere typische Krankheiten von Verzwergungen an Augen und Nasenraum. Durch fehlendes - wichtiges - Fett (unter der Haut) frieren manche Zwerge auch schneller. Auch beim Mops und Pekingesen führten krankhafte Züchterexzesse - durch Shows gefördert, die reine Frisierwettbewerbe sind - zu Deformationen. In der hundezeitung stand die Möglichkeit einer Kehrwende, ein Beispiel, wie verantwortungsvolle Züchter auch durch viele Anfeindungen ihre Hunde wieder gesunden lassen können. Ausschnitt aus "Von wegen Mops-fidel": "Die Möpse und Pekingesen von heute haben eine extrem kurze Nasenpartie. Darüber liegt ein Wulst, den man Nasenfalte nennt. Die Hunde sind in der Atmung enorm beeinträchtigt. Oft kommt es zu einem Kollaps der Luftröhre (Trachea): der Hund bekommt einen lebensgefährlichen Erstickungsanfall. Die behaarte Nasenfalte führt dabei auch noch zu Verletzungen des Augapfels. Dann bleibt nichts anderes übrig, als die Nasenfalte operativ zu entfernen. Die beiden Rassen werden immer kleinwüchsiger, so, dass sie ihre Welpen oft nicht mehr ohne Kaiserschnitt gebären können. Das Fell der Pekingesen ist nur üppig, inzwischen sogar übermässig. Das Pflegen wird zur Tortur. Einige Züchter haben sich nun zusammengetan und wollen wieder den "altdeutschen"
Mops und den Pekingesen aus den 60er Jahren züchten. In diesen Jahren hatten die
Hunde noch eine gesunde Lebensqualität."
Komplett nachzulesen unter www.hundezeitung.de/top/top-47.html Klein- oder Zwergpudel, die anderen verkleinerten, teilweise gar verzwergten Formen von anderen Hundetypen wie Schnauzer, Pinscher, Spaniel- und grösseren Terrier-Abkömmlingen sind aus dem Wunsch entsprungen, einen handlicheren Begleiter meist für die Damenwelt zu schaffen. Und dieser Wunsch und die Ergebnisse sind durchweg alt. Was man früher gern abfällig als Schosshund bezeichnete, war in der Tat eben ein Pläsier-Tierchen mit Kuschelfell, das frau buchstäblich überall mit hinnehmen konnte. Auch ins Bett. Er war schon im alten China und umliegenden Ländern (siehe etwa Pekingese oder Lhasa Apso) quasi der Ersatz, wenn der Herrscher des Hauses seinen Konkubinen etwas die Langeweile und das Warten auf den Beglücker vertrieb, indem er den Gemahlinnen und Geliebten was zum Kuscheln und Herzen hinterliess. Bis zu seinen Besuchen. Da mussten die Hunde möglicherweise kurzfristig aus dem Bett.
Insofern waren Schosshunde damals schon Sozialarbeiter - oder auch Psychokrücken. Sie wurden kolossal - proportional zu den harten Jäger- und Wachhunden der Herren - verwöhnt. Daher rührt wohl auch die immer noch verbreitete Glauben, so kleine Hunde müssten ja nichts lernen. In der modernen engen Gesellschaft ist selbst dies unverantwortlich bequem, auch den nur körperlich keinwüchsigen Hunden gegenüber. Im Vergleich dazu würden diese Faulpelze auf zwei Beinen, die den Spaziergang um den Block schon als Wanderung bezeichnen würden, bei kleinwüchsigen Menschen auch meinen, sie müssten nichts lernen. Kleine Hunde genauso ernst zu nehmen wie grosse scheint manchen Menschen (auch Hundehaltern) schwerzufallen. Für manchen Halter grosser Hunde wäre es nicht nur von der Kraft des
Beherrschen-könnens sozialer, wenn er sich für einen kleineren Hund entschieden
hätte. Dafür dürfen es dann auch mal zwei sein, die so ihre artgemäss hundliche
Gesellschaftsfähigkeit besser ausleben könnten. Siehe auch Plädoyer der
Chihuahua-Besitzer Eva und Oskar Kroll und der ehemaligen Besitzerin eines
mächtigen Sarplaninac, heute Tibet-Spaniel-Freundin Luise Daser: Klein - aber
oho!
hundzeitung mag nicht alle Varietäten von Kleinhunden hier wie einen Farb- und Typenkatalog aus den Rassestandards nachbellen, aber zwei interessante Vertreter sollen erhellen, wie man Kleinhunde auch definieren kann, nicht muss. Wenn in der letzten Folge der kleinen Jägerhunde nicht alle kleinen Terrier (nebst Zwergteckel) aufgeführt waren, liegt das darin, dass einige der kleinen längst keine Arbeit mehr haben und als Sofawölfchen agieren. Der dem Chihuahua nächstkleinste Hundetyp, der Yorkshire-Terrier, hat über die Jahre seiner Beliebtheit an Robustheit verloren. Das ist die Folge seiner züchterischen Vermehrung, die im Widerspruch zu seiner immer kleiner werdenden Körpergrösse steht.
Über die Herkunft des Chihuahua (gesprochen: Tschiwahwah) stellte Oskar Kroll in seiner Homepage www.chihuahua.de launig fest: "Die Aussage, Chi´s seien eine Mischung aus einem Eichhörnchen und kleinem wilden Hund, weil sie für Hunde aussergewöhnlich lange Zehennägel haben, ist natürlich ein Ammenmärchen. Wer sind nun also die Vorfahren? Es gibt da verschiedene Theorien. Erstens: Chi´s sind von Europa nach Mittelamerika von feinen spanischen Damen mitgenommen worden und dort verwildert. Zweitens: Chi´s sind aus China vor mehr als 15 000 Jahren über die noch begehbare Beringstraße nach Mittel- und Südamerika eingewandert. Seltsamerweise gab es aber keine kleinen Hunde in Nordamerika (bisher sind noch keine Überreste von Kleinhunden aus vorkolumbianischer Zeit gefunden worden). Drittens: In den Bergen im Norden von Mexiko, in dem Bundesland Chihuahua, lebten scheue wilde kleine Hunde die, da sie in Gefangenschaft nicht lange überlebten, mit einer anderen kleinen Hunderasse gekreuzt wurden. Daraus entstand der Chihuahua. Viertens: Sie sollen aus Mittelamerika stammen, waren schon bei den Tolteken beliebt, in den Tempeln wurden sie verehrt. Von den Azteken wird berichtet, dass Montezuma mehre Hundert heiliger Kleinhunde besass, die den Chi`s sehr ähnlich waren.
Nach einer Legende sollen Krieger diese Hund vor den Spaniern in die Berge des Nordens (Staat Chihuahua) in Sicherheit gebracht haben. Dort sind sie dann verwildert. Fünftens: Nach der Eroberung von Mittelamerika durch die Spanier sind sie dann an den spanischen Hof gekommen und sollen in Adelskreisen sehr beliebt gewesen sein." Plädoyer für drei vergessene Kleine: Der Begriff Pinscher wurde nur eingedeutscht. Er stammt aus dem Englischen "pinch": kneifen oder zwicken. Diesem Ruf wird er durchaus gerecht. Trotz seiner Winzigkeit legt er sich gern mit Hunden an, die vielfach grösser sind als er, und nach verwandter Terrierart schnappt er oft unverhofft und gern zu.
Was die Betrachtung lohnt, ist noch ein anderes Argument. Die kleinen Pinscher (vor allem aber der viel seltenere Rehpinscher) können noch als relativ gesund gelten. Ein anderer, im Gegensatz zu den kurzhaarigen Pinschern rauhaariger Typ ist der ebenso schneidige Zwergschnauzer. Im Charakter geben sich beide Verwandte nicht viel.
Der dritte im Bunde ist die Miniaturausgabe des Spitzes, jener aus Pommern. Wie viele auch asiatische Spielformen des nordischen Urspitzes musste der Zwerg unter den Spitzen in der Anschaffungsgunst gegen diese exotischen Kleinen Haare lassen. Das hat ihm jedoch zucht-gesundheitlich sicherlich gut getan. Bis die amerikanischen Hundeshowleute sich auf ihn stürzten, zum Pomeranian toupierten und stylten, die Nasenräumchen kürzer züchteten etc. p.p. Das äfften dann auch die europäischen Züchter leider meist nach. Das übliche Leidwesen der Verkindlichung an kleinen Hunden.
Synonym für Kleinhunde:
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Skizze des Ur-Pudel |
Zwergpudel |
Den Pudel gibt es in fast allen Farben, teilweise mit Farbbezeichnungen, die auch aus einem Autoprospekt oder Modejournal stammen könnten. Man sagt ihm - wie auch den folgenden Bichons - nach, dass er nicht haare. Die lässt er besser im Salon.
Vom Kleinpudel, der schon mal über 40 cm Schulterhöhe erreichen kann, über den Zwergform, der um die 30 cm hoch wird, bis zur anscheinend unvermeidlichen Spielfom Toy (unter 28 cm) sind vielfältigen Ausstellungsmöglichkeiten gegeben.
Der vermutlich unübertreffliche Grad an Verkindlichung durch die Halter, die
leider - wie viele Kleinhundehalter - an einer hundsnormalen Grundausbildung
nicht interessiert sind, schadet dem eigentlich viven Hund in seinem Image. Das
steht auch im Widerspruch zu seiner eher legendären Lernfähigkeit. Des Pudels
Kern ist nämlich: er ist ein Hund wie jeder andere. Wenn seine Fans ihn nur
liessen.
Doch das gilt - wenn auch nicht so exemplarisch - auch für andere Hunde.
Der Pudel jeder Grösse ist übrigens eine flotter Feger bei Agility. Der grösste Pudel-Zuchtverein in Deutschland propagiert aber eine stressfreie Form dieser Beschäftigung.
Bichon ist die französische Form des Miniaturhundes allgemein. Bichon à poil frisé heisst "der mit dem lockigen Fell". Die Vorliebe fürs Frisieren ist daher zwangsläufig gezüchtet.
Bichon a poil frisé (Foto mit frdl. Genehmigung von Jürgen Kraft). |
Zum Schluss zwei Zitate aus Homepages der - vermeintlich seltenen - Type, der aber dafür sehr häufig selbst im Internet angepriesen wird. Die eine klingt seriös und erzählt auch was über die Herkunft:
Das ist eine vergleichsweise seriöse Information. Nun eine andere - zum Schluss etwas fast Satirisches (es wäre nicht die hundezeitung;-)) über die Verkaufsmasche von Kleinhunden. Zitate, hier Verkaufsargumente der dümmsten Art, von einem Züchter - ungekürzt:
Übrigens: Bolonka kommt aus dem russischen und heisst übersetzt Schosshündchen Zwetna dagegen bedeutet: bunt / farbig. Also sind es bunte Schosshündchen.
Ich habe den Freunden von www.chihuahua.de vorgeschlagen, eine angepasste Variante des Agililty für Lütte einzuführen: Mini-Agility. Da geht was ab.
Das Erscheinungsbild der Kleinhundeteams aus Halter und Hund dient in der Tat oft als Karikatur, als wirklicher Schosswärmer, als Verkindlichungs-Schema und als personifiziertes Begegnungstrauma. Kleinhundchen hochgerissen auf den Arm, damit die eigene Angst (nicht selten berechtigt durch asoziale Grosshundebesitzer) einstweilen entsorgt ist. Was den sozialisierten Grosshund nur dazu hinreisst, den Schnauzenkontakt eben auf diesem Arm nachzusuchen.
Das ist verbreiteter Hundeunverstand. Das poliert eben oft das dissonante Verhältnis zwischen Gross- und Kleinhundehalter. Dabei gibt es Beispiele genug, wo Kleinehundehalter ihre Sorge überwinden und den Kontakt zu grossen Hunden und vor allem ihren Haltern überwinden. Und - die Hunde kommunizieren natürlich. Die Halter sind erst überrascht und dann erfreut.
Eine bemerkenswerte Begebenheit: Ich entdeckte einen Zweimeter-Mann mit einem Mops - und sprach ihn auf das entzückende Gesamterscheinung an. Er konterte amüsiert: ja, seine Frau, unter 1,60, stehe auf Doggen.
Und noch etwas auf die Mühlen der Vorurteile von manchen Grosshundehaltern, kleine Hunde seien automatisch debil (die präsenilen Verkindlicher und Verschosshundlicher mal abgezogen):
Ein Löwchen-Rüde bewies Überlebens-Qualitäten. Er war noch neu bei der Besitzerin und Züchterin auf der weitläufigen Schwäbischen Alb (die Frau züchtet auch Irish Wolfhounds, ist keine Verkindlicherin) - und dann ist der kleine Kerl eben doch mal ausgebüchst. Die Besitzerin hatte ihn nach Wochen der Suche schon fast aufgegeben.
Löwchen |
Indes labte sich der Rüde von der Nachgeburt einer Kuh. Wenn ihn nicht doch die Besitzerin gefunden hätte auf diesem entfernten Bauernhof und bei seiner Super- Barf-Ernährung. Survival as it`s best.
Er war bereits rückverwildert, konnte nur in einer Katzenbox gefangen werden. So viel zum Thema Schosshunde.
Kleinhundwelpen helfen: Der Bub droht zu kippen... |
© Hundezeitung 2003
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Lesen Sie auch: Hauptteil 1
Lesen Sie auch: Hauptteil 2
Lesen Sie auch: Hauptteil 3
Lesen Sie auch: Hauptteil 4
Lesen Sie auch: Hauptteil 5
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Lesen Sie auch: Hauptteil 7
Lesen Sie auch: Hauptteil 8
Lesen Sie auch: Hauptteil 9
Lesen Sie auch: Hauptteil 10
Lesen Sie auch: Hauptteil 11
Lesen Sie auch: Hauptteil 12
Lesen Sie auch: Hauptteil 13
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