Teil 3: Gelenke und Gelenkformen
Im Hundekörper stehen die einzelnen Knochen über verschiedene echte und unechte Gelenke miteinander in Verbindung. Durch die Gelenke werden die einzelnen Knochen zu einem Ganzen, dem Skelett, verbunden. So wird einerseits für die notwendige Stabilität und den Zusammenhalt im Körper gesorgt, andererseits erhält der Körper durch die gelenkigen Verbindungen seine Beweglichkeit.
Das Ausmaß der Bewegungen hängt in erster Linie von dem Gelenktyp ab. Aber auch der Muskel- und Bandapparat sorgt für eine gewisse Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. Alle knöchernen Anteile, mit Ausnahme von Knorpel und Sehnen, sind mit Knochenhaut (Periost) überzogen.
Die knöchernen Anteile werden wie folgt unterschieden: lange Röhrenknochen (z. B. Oberschenkelknochen), kurze Röhrenknochen (z. B. Fußknochen), flache Knochen (z. B. Rippen), unregelmäßige Knochen (z. B. Wirbelknochen), Sesambeine sind von Sehnen umgebene Knochenanteile (z. B. Kniescheibe/Patella)
Die langen Röhrenknochen werden in einen Schaft (Diaphyse) und in die jeweiligen Enden (Epiphyse) eingeteilt. In der Wachstumsphase sind die Diaphyse und die Epiphyse durch die Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) voneinander getrennt. Hier befindet sich in dieser Zeit ein Knorpel der für das Längenwachstum verantwortlich ist. Mit Abschluss des Wachstums schließen sich die Epiphysenfugen und verknöchern.
Die Anatomie teilt die Gelenke in zwei Hauptarten ein:
- echte (Synovialgelenke) und
- unechte Gelenke (Knorpelgelenke).
Echte Gelenke
Die echten Gelenke sind gekennzeichnet durch den Gelenkknorpel, die Gelenkhöhle, eine Gelenkkapsel, Gelenkbänder und die Gelenkflüssigkeit (Synovia).
Der Gelenkknorpel (hyaliner Knorpel) ist nur wenige Millimeter dick und enthält keine Blutgefässe. Daher muss er durch die Gelenkflüssigkeit (Synovia) mittels Diffusion ernährt werden.
Durch eine physiologische regelmäßige Bewegung wird die knorpelernährende Gelenkflüssigkeit (Synovia) in den Knorpel gepresst und versorgt ihn somit. Bei Bewegungsmangel oder extremen Überbelastungen wird dieses Gleichgewicht zerstört und der Knorpel nicht mehr ausreichend ernährt. Hier durch können Arthrosen und Knorpelabbauten entstehen.
Die Gelenkkapsel besteht aus zwei Schichten, der äußeren derben Schicht (Membrana Fibrosa) und einer Innenschicht (Membrana synovialis).
Die Membrana fibrosa besteht aus straffen Bindegewebe und gibt dem Gelenk
eine gewisse mechanische Stabilität. Die ist aber von Gelenk zu Gelenk unterschiedlich. Im Hüftgelenk ist sie fast elastisch und im Ellenbogen dagegen sehr straff. Durch eine längere Ruhigstellung (z. B. nach einem Knochenbruch durch eine Schienenfixation) kann sie zusammenschrumpfen und dadurch eine Bewegungseinschränkung verursachen.
Die Membrana synovialis ist die innere Schicht der Gelenkkapsel. Sie ist reich an Nerven, Blut- und Lymphgefäßen. Die innere Oberfläche produziert nicht nur die Gelenkschmiere, sondern kann auch abgestorbene Zellen aufnehmen und verwerten.
Die Gelenkflüssigkeit (Synovia) ist eine klare bis hellgelbe, zähe Flüssigkeit.
Sie trennt die Gelenkflächen voneinander und setzt damit die Knorpelreibung auf ein Minimum herab. Durch die visköse, zähe Konsistenz lässt sie sich unter Belastung nicht auspressen. Bei einer krankhaften Reizung des Gelenkes und bei einer Entzündung der inneren Gelenkhaut wird vermehrt Synovia produziert.
Die Gelenkbänder können in der Gelenkkapsel sein (z. B. Kreuzbänder im Kniegelenk) oder außerhalb der Kapsel. Die Bänder geben zusammen mit der Kapsel und den Muskeln die notwendige
mechanische Stabilität.
Weitere Gelenkstrukturen sind zum Beispiel die Menisken im Knie (faserige Zwischenknorpelscheiben). Wenn Gelenkflächen nicht genau aufeinander passen (Kniegelenk = inkongruentes Gelenk) oder das Gelenk einen Puffer benötigt (Wirbelsäule - Bandscheiben) ist dieses Gewebe zur Unterstützung vorhanden.
1) Gelenkkopf - konvex geformt
2) Gelenkpfanne - konkav geformt
3) Knochenmasse
4) Knorpel - Gelenkknorpel
5) Gelenkflüssigkeit (Synovia)
6) Äußere Haut (Membrana fibrosa)
7) Innere Haut (innere Synovialmembran)
8) Bänder zur Verstärkung
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Quelle:Bertelsmann Lexikon |
Unechte Gelenke
Die unechten Gelenke sind eher unbewegliche Gelenke. Sie werden in folgende Typen eingeteilt:
Syndesmosen: Zwei Knochen sind durch Bindegewebe miteinander verbunden. Diese Form ist zumeist bei jungen Tieren vorhanden (z.B. Schädelknochen).
Synchondrosen: Diese Gelenkform bezeichnet eine Knochenverbindung durch Knorpel, wie man sie in der Beckensymphyse (knorpelige Verbindung am Becken) und an den Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben) antrifft.
Synostosen: Zwei Knochen sind durch Knochen oder verknöcherten Knorpel miteinander verbunden. Dieser Typ entsteht mit zunehmendem Alter aus Synchondrosen und Syndesmosen.
Synsarkose: Die Synsarkose ist eine Knochenverbindung durch Muskulatur. Hier kann die Verbindung vom Schulterblatt mit dem Rumpf genannt werden.
Gelenkformen
Die Gelenke im Hundekörper sind sehr unterschiedlich gestaltet. Und gemäss ihrer Funktion und Lage von einem anderen Erscheinungsbild. Im Folgenden finden Sie die Formen der großen Gelenke (Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie) und weitere typische Gelenkformen.
Das Kugelgelenk findet man beispielsweise im Schultergelenk.
Der halbkugelförmige Gelenkkopf gehört zu einer schalenförmigen Gelenkpfanne.
Theoretisch ermöglicht es Bewegungen in alle Richtungen,
durch Bänder und Muskeln ist die Beweglichkeit bei den Haussäugetieren aber sehr eingeschränkt. Beim Hund und Katze ist noch eine geringe Rotation möglich, bei Pferden nur noch die Streckung und Beugung.
Das Nussgelenk (Bild links) ist eine Sonderform des Kugelgelenks. Die Gelenkpfanne geht über den Äquator des Gelenkkopfes. Das Hüftgelenk ist ein typisches Beispiel.
Das Ellenbogengelenk ist ein Scharniergelenk aus der Gruppe der Walzengelenke
Scharniergelenke haben nur eine Bewegungsachse mit zwei Hauptbewegungen, der Beugung und Streckung.
Das Schlittengelenk ist eine weitere Form des Walzengelenkes.
Hier gleitet ein Knochen in einer Gelenkvertiefung zwischen zwei Rollkämmen.
Ein Beispiel ist das Kniescheibengelenk (Kniescheibe gleitet in Rollfurche).
Das Sattelgelenk besitzt eine konkave und eine konvexe Gelenkfläche und hat dadurch die Form eines Sattels. Es sind nur Beuge- und Streckbewegungen möglich.
Ein typisches Beispiel ist das Krallengelenk.
Alle Gelenke verändern sich durch den natürlichen Alterungsprozess. Eine Arthrose ist eine physiologische Erscheinung ab einem gewissen Lebensalter.
Es gibt viele andere Gelenkserkrankungen. Ich nenne nur die häufigsten Formen wie die Hüftgelenksdysplasie und die Ellenbogendysplasie.
Nächste Folge: Skelett Vordergliedmaße
© bei der Autorin 2002-2003
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