Barf es mal was anderes sein?
1. August 2002
Allein in Deutschland gibt es 430 Futtermittelhersteller. Wann kommt der erste
Skandal bei Hundefuttern ans Tageslicht? Wer kontrolliert die
Tierfutterhersteller? Keine neutrale Institution, das machen sie schon selber,
mehr oder weniger glaubwürdig.
Barf - ist das die Lösung? Information darüber sind im Top-Thema zu lesen, und
zwar emotionslos. Eiferer und Emo`s haben bei Informationen mit Für und Wider
(auch dies geht nur in einem überschaubaren Mass, aber eben nicht masslos)
werden hier nicht fündig.
Je heisser ein Thema ist, desto kühler muss es serviert werden.
BARF ist ein emotional überhitztes Thema, weil viel Meinung in Halbwissen und -
wahrheiten gemixt wird, ein Schuss modische Esoterik und missverstandene
Natürlichkeit hinein, eine Portion cayennepfefferartiger Chemie-Hass, schon ist
ein neues Rezept auf dem Markt. Man kreiert es dann als Philosophie. Am liebsten
als Neue Natürlichkeit genossen.
Ganz so einfach ist auch das eben nicht. Die Abkehr, die Skepsis gegenüber der
Industrie und ihren Produkten ist verständlich. Ich warte schon lange auf den
ersten entdeckten Skandal. Aber ich warte auch auf Beweise dazu.
Leider verfallen auch die Barfer in sektiererische Überredungstechniken, und
diskreditieren andere Ernährungs-Überzeugungen ziemlich geschmäcklerisch. Ich
empfehle denen jedoch Selbstreflektion, denn eine Anhängerin stellt auf ihrer
Internet-Homepage auch "gesunde Schäferhunde" vor, zeigt aber ausgerechnet jene
besonders stark abfallende Rücken, die selbst der stockkonservative Verein
dieses Hundes nicht mehr für gut heisst.
Die Barferin propagiert diese krankmachende Rückenlinie als anatomisches
Beispiel. Klassischer Knieschuss in Sachen Gesundheit.
Licht und Schatten gibt es überall. Man darf wegen dieser und anderer
Fehlleitungen und Verirrungen nun der Wiederentdeckung des so genannten
Natürlichfütterns oder BARF-Idee keinen Strick drehen.
Mir erscheint die vernünftige Erfahrung und Kenntnis und die Differenzierung des
australischen Tierarztes Billinghurst mitsamt dem von keiner Mode infizierbaren
Primus der Wolfsforscher, David Mech, dennoch eine überlegenswerte Alternative.
Billinghurst will nun auch wissenschaftliche Belege sammeln, die bisher durch
Emotionen und eigenes, mitunter krudes Gebräu von nicht begründenden Fans
gewürzt wurden. Der Hinweis auf Mech kann auch nicht dafür herhalten, dass die
Ernährungsgewohnheiten von Wildcaniden nun wieder - nach jahrtausendelanger
Domestikation - quasi rückgängig gemacht werden könne. Das gehört zur
wildromantischen Verklärung, in die sich manche Barfer gern einlullen.
Die meisten Halter machen kein Gedöns um die richtige oder falsche Ernährung;
die Hunde haben menschliche Ernährungs-"Diskussionen" seit der Domestikation
überlebt. Bei vielen Barfern hört nämlich die "Natürlichkeit" bereits bei der
Fütterung auf.
Viele Halter füttern - wie ich - schon lange wie "Teilchen"-Barfer. Das Risiko
ist ähnlich wie bei Industriefutter: dort muss man dem Hersteller, hier dem
Metzger vertrauen.
Wolf bekomms.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf
Ihr
Rainer Brinks
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