• Welpenkauf im Laden

    „Oh ist der süsssssss…“ die Kinder drücken sich die Nase an der Scheibe platt, klopfen gegen das Fensterglas und erfreuen sich an den niedlichen kleinen Hunden. Welpen, ca. 8 Wochen, ohne ihre Mutter in einem Schauraum oder besser in einem Glaskasten. Die Kinder blicken ihre Eltern an, betteln, denn sie wollten doch schon immer so einen süßen „Beethoven“ wie im Fernsehen - und die Eltern lassen sich erweichen, gehen zu dem freundlichen Verkäufer. Und der packt den Kindern ihren „Beethoven“ auf den Arm.

    Nebenan steht ein junges Paar, beide berufstätig. Eigentlich wollten sie heute, am Samstag, nur bummeln, aber als sie diese übereinander purzelnden schwarz -gepunkteten Hundewelpen sehen, bleiben sie stehen. Sie sieht nach einer ganzen Zeit ihren Freund an, strahlt verzückt und sagt: „Den kleinen Ruhigen da hinten, den nehmen wir jetzt mit – ich wollte schon immer einen von den 101 Dalmatinern haben, die sind lustig.“ Auch die Beiden finden schnell einen Verkäufer, der ihnen „Pünktchen“ wie er ab sofort heißt, aus der Ecke holt und nach der Bezahlung mitgibt.

    Vergangenheit zur Gegenwart?

    So war es lange Zeit in deutschen Zoohandlungen und Kaufhäusern und genau so soll es, wenn es nach den Vorstellungen eines deutschen Geschäftsmannes (im folgenden Text Herr A.) geht, auch wieder werden.

    Früher waren es Hunde, die neben dem Familienleben einfach nebenher mitliefen. Heute sind Hunde in den meisten Fällen Familienmitglieder, die uns überall begleiten sollen und mit denen das Leben einfach Spaß macht. Sie müssen den Ansprüchen entsprechen, gehorchen, „lieb sein“ und vor allen Dingen keinen Stress machen.


    Tapsige Welpen, große Augen und einfach niedlich – das ist das Welpenschema an dem fast kein Hundefreund vorbeikommt.

    Genau diesen Faktor möchte nun Herr A. nutzen, um sein Kapital zu vergrößern. Ob es sich hier um einen Geschäftsmann oder um einen Tierliebhaber handelt sei dahingestellt. Allerdings missachtet er unter anderem mit diesem Vorhaben die Beschlüsse des Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF)(2) und die Vorgaben des Deutschen Tierschutzbund e. V.. Durch die Mitglieder des ZZF wurde bereits vor einigen Jahren im Satz 3 der Heidelberger Beschlüsse festgelegt:

    „Mitgliedsfirmen des ZZF verzichten auf die Präsentation und den Verkauf von Hunden. Die vermittelnde Zusammenarbeit mit Tierheimen und Züchtern wird ausdrücklich empfohlen.“ (Quelle: Roter Punkt)

    Das interessiert Herrn A. allerdings wenig, denn wenn man sich einem Verband nicht anschließt braucht man sich auch nicht um dessen Vorgaben zu kümmern. Ganz anders sieht es da mit dem Deutschen Tierschutzbund e.V. aus, an diesem kommt Herr A. nicht so einfach vorbei und auch dieser lehnt den Verkauf von Hundewelpen in Zoofachbetrieben vehement ab (Quelle Pressemeldung März 2011).

    Aber was ist eigentlich so schlimm daran einen Hund im Laden zu kaufen? Ist das nicht genauso, als ob ich den Hund bei einem Züchter kaufe? Der Hund hat Papiere, ich bekomme einen Kaufvertrag und kann direkt alles Zubehör für die nächsten Wochen vor Ort kaufen!

    Wo kommen die Welpen im Laden her?

    Ich beginne bei dem Ursprung der Welpen. Die Mutterhündin und der Deckrüde müssen, sofern sie in Vereinen die beispielsweise dem VDH (1) unterstellt sind, registriert sein und entsprechende Zuchtpapiere besitzen. Je nach Rasse werden zur Zuchtzulassung verschiedene Untersuchungen vorgeschrieben, um die Weitergabe von genetisch bedingten Krankheiten an die Welpen zu vermeiden, ebenso um eventuelle unerwünschte Merkmale im Erscheinungsbild oder auch im Verhalten nicht in die Zucht zu geben.
    Erst dann dürfen Hunde in den Vereinen zur Zucht eingesetzt werden. Diese Vereine und der Dachverband VDHG lehnen den Verkauf von Hundewelpen in Zoofachgeschäften ab und verbieten dies ihren Mitgliedern.

    Gesunde Welpen?

    Das bedeutet also, dass die Welpen nicht von einem seriösen Züchter mit offiziellen VDH Papieren, oder einem anderen Verein der ebenso handelt, kommen können. Die Vermutung liegt nah, dass die Welpen aus dem benachbarten Ausland, Vermehrungsstationen oder Vermehrern kommen werden. In allen drei Fällen geht es nicht um die Zucht von gesunden Hunden und Rasseerhalt, sondern um Kapital. Weder auf die Gesundheit der Mutterhündin, der Welpen, noch auf die wichtigste Phase der Welpen, die Prägephase, wird dort Rücksicht genommen. Natürlich wird kein Geschäftsmann kranke Hundewelpen verkaufen, zumindest keine, denen man es ansieht. Aber ist der Laie, wie das Pärchen im ersten Absatz, in der Lage zu sehen ob der Welpe einfach nur ein ruhiger Zeitgenosse, oder vielleicht doch krank ist?

    Was ist mit den Eltern, die der Bettelei ihrer Kinder nachgegeben haben? Auch für diese wird der Unterschied zwischen einem wohlgenährten Welpenbauch und einem aufgeblähtem Bauch aufgrund von Wurmbefall nicht zu erkennen sein. Sofern der Welpe in den nächsten Tagen nach dem Kauf dem Tierarzt vorgestellt wird, werden diese allerdings den Unterschied kennen. Die genetischen Vorgaben beider oben genannter Hunde werden den neuen Hundebesitzern - wenn es schlecht kommt - ebenfalls noch viele schlaflose Nächte bereiten. Von den Kosten für Tierarztbehandlungen, Zeitaufwand und nicht zuletzt Sorgen um den Hund ganz abgesehen.

    Aufwachsen ohne mütterliche Erziehung?

    Erst einmal müssen die Welpen aufwachsen, doch sie haben in den ersten Lebenswochen schon sehr viel verpasst. Laut Tierschutzgesetz müssen die Welpen bis zur 8. Woche bei der Mutter verbleiben. Viele Züchter empfehlen die Trennung von der Mutter erst mit der 10. Woche und einige sogar erst ab der 12. Lebenswoche. Ab der 8. Woche beginnt die Prägephase. Welpen lernen in dieser Zeit sehr schnell und fürs Leben, allerdings ist der Unterschied zwischen positivem und negativem Lernen nicht zu trennen. Macht der Welpe in dieser Zeit schlechte Erfahrungen, wird diese zu einem späteren Zeitpunkt nur sehr schwer wieder umgelenkt werden können.

    Aber damit man die Welpen entsprechend verkaufen kann, müssen sie sehr früh in die Schaufenster gesetzt werden. Somit werden sie zu früh an das Zoofachgeschäft verkauft und zu früh von der Mutterhündin getrennt. Wenn es gut läuft, sind sie relativ stressresistent, denn sie haben in der Zeit im Schaufenster sehr viel Stress, kennen aber auch keine anderen Umweltreize.

    Beethoven, der süße Welpe, wird ein Bernhardiner werden, der viel Platz braucht und sich wie im Film („Ein Hund namens Beethoven“) entweder die Herzen der Familie erobern, oder eben im Tierheim landen wird, weil alle mit ihm überfordert sind.
    Pünktchen muss ab Montag alleine Zuhause bleiben und wird sich - nachdem er die Schuhe vom Frauchen verputzt hat – über die Musikinstrumente von Herrchen hermachen. Dass er zwischendurch raus muss ist nicht so ein Problem: Er benutzt halt die Badezimmermatte. Sein Jammern, weil er nun den ganzen Tag alleine ist, hört niemand, denn das Häuschen der Beiden steht in Alleinlage. Und dass seine Menschen am Abend schreien ist ihm erst einmal egal, denn er freut sich, endlich nicht mehr alleine zu sein.

    Ja, es mag sich etwas überspitzt lesen, aber genau solche Fälle wird es geben - und dann?

    Umtauschen?

    Das Zoofachgeschäft ist eigentlich - wie bei jeder anderen Ware - verpflichtet, die Welpen zurückzunehmen, sofern beim Verkauf bzw. der Übergabe ein Mangel bestanden hat. (3) Wer wird den Secondhand-Welpen im Laden kaufen? Kann man den Welpen dann überhaupt noch verkaufen? Wer bringt es fertig, den niedlichen Welpen zurück zu bringen? Die Tierheime sind jetzt schon voll - also wohin damit? Und wenn sie zurück genommen und nicht mehr verkauft werden können, was passiert dann mit ihnen? Was geschieht mit den Welpen, wenn sie Junghunde und zu alt für den Glaskasten sind?

    Einen Welpen von dort zu kaufen und sei es, weil man ihn aus diesem Umstand retten will, wird den nächsten Welpen nachziehen. Nachfrage regelt den Markt - und viele gekaufte Welpen bedeuten noch mehr Hündinnen, die irgendwo zur Zucht gehalten werden.

    Sozial kompatibel?

    Die Gegebenheiten haben sich für uns und unser Umfeld geändert. Wir sind heute mehr den je darauf angewiesen, dass unser Hund sozial kompatibel ist. Wir wollen ihn mit in den Park nehmen, essen gehen oder auch einfach nur durch den Wald laufen. Überall werden uns andere Hunde und Menschen begegnen. Ein Hund, der schon als Welpe nicht gelernt hat sich richtig zu verhalten, wird unter Umständen den Ersthundebesitzer (denn ein Anderer wird einen Hund nicht in einem Zoofachgeschäft kaufen) vor für ihn unlösbare Probleme stellen.

    Die Verkäufer aus dem Zoofachgeschäft werden ihm in solch einem Fall, wenn er sich überhaupt dorthin wendet, vielleicht einige „Erziehungsmittel“ aus dem Verkauf, Bücher oder Erziehungstipps geben, ohne den Hund erneut gesehen zu haben. Ganz zu schweigen davon, dass ihre Kompetenz als Hundetrainer sicherlich nicht vorhanden ist…

    Die Hundetrainer in der Umgebung dieses Geschäfts können sich schon jetzt freuen, denn den Welpen fehlt es an sozialem Verhalten. Sie werden sicher mehr Erziehung benötigen als Hunde, die nach einer ausführlichen Beratung und langer Überlegung aus einer guten Aufzucht mit entsprechender Sozialisierung ein neues Zuhause beziehen.

    Wartet der neue Hundebesitzer zu lange oder hat keine Nerven, ist der kleine niedliche Welpe aus dem Glaskasten schnell dort, wo er nie hätte hinkommen sollen: Im Tierheim, denn da sind gemachte Problemhunde besser aufgehoben.

    Futtermittelhersteller und ihre Möglichkeiten!

    Im Zuge meiner Recherche habe ich alle Hersteller von Futter und Bedarfsartikeln, die derzeit Herrn A. beliefern angeschrieben und um ihre Stellungnahme gebeten. Es ist für mich persönlich erschreckend, dass von 18 Unternehmen, die alle das Wohl unserer Hunde (oder ist es doch nur den Griff in unseren Geldbeutel?) im Auge haben, lediglich 8 Unternehmen dazu Stellung beziehen.

    Happy Dog geht mit gutem Beispiel voran

    Lediglich die Firma Happy Dog (News März 2011) hat bei Kenntnisnahme über den geplanten Welpenverkauf die Geschäftsbeziehungen zu Herrn A. eingestellt.

    7 der Unternehmen bekräftigen die Veröffentlichungen des ZZF, berufen sich jedoch darauf, dass Herr A. das Futter über Zwischenlieferanten bezieht, auf welche die Hersteller nur bedingt einwirken können.

    Aber ich wollte auch Stimmen von Menschen die Hunde züchten oder trainieren dazu hören:

    Elena Graf, (vom Dubrava), die ich als Zuschauerin schon auf einigen Hundeausstellungen gesehen habe, hat sich direkt dazu bereit erklärt meine Frage zu beantworten. Sie selber züchtet aus Liebe zu Hunden Schwarze Terrier und gab mir darauf folgende Antwort:

    „Frau Graf, wie denken Sie über den Kauf von Welpen in Zoofachgeschäften?“
    „Ich glaube das Problem ist, dass viele Welpenkäufer vor dem Welpenkauf nicht gut genug nachdenken, sich viel zu schnell entscheiden und alles auf die leichte Schulter nehmen. Ergebnisse einer nicht durchdachten Entscheidung können dann Frust, Trennung und Tierheim sein, obwohl diese ja schon seit längerer Zeit überfüllt sind… Zurück in die Läden? …Ein Welpe sollte behutsam auf die große Welt vorbereitet werden! Ein Züchter hat nun mal weder Pause, Urlaub noch Feierabend und ein guter Züchter wird immer die unterschiedlichen Charaktere bei seinen Welpen beachten, um sie an die passenden Leute zu geben. Und wie es manchmal vorkommt gibt, der Züchter dem Käufer den Rat, eine andere Rasse zu wählen, wenn das Hunde-Mensch-Gespann nicht zusammen passt. In Läden geht es ums Verkaufen, spezialisierte Beratung zu der Rasse gibt es da nicht. Es wird an Profit gedacht, nicht an das Wohlergehen der Welpen. Was macht man zum Beispiel mit einem erkrankten Welpen? Teure Tierarztkosten können die sich nicht leisten - sonst gibt es keinen Profit. Die Hundezucht sollte ein teures Hobby bleiben, kein vermehrendes Geschäft!“


    Sami El Ayachi Longieren mit Hund, Verhaltensberater und Hundecoach, sagte dazu:

    Der Verkauf von Hundewelpen in Ladengeschäften sollte weder erlaubt noch irgendwie gefördert werden.
    Meine Haltung kann ich auch wissenschaftlich begründen. Insbesondere in den ersten drei Lebensphasen (vegetative Phase, 1. und 2. Lebenswoche; Übergangsphase, 3. Lebenswoche; Primäre Sozialisationsphase ,6. bis 9. Lebenswoche), ist der soziale und familiäre Verband für die Entwicklung des Welpen immens wichtig. In den ersten beiden Wochen sind die Augen und Ohren noch verschlossen, der Welpe erriecht jedoch bereits die Zitzen der Mutter und trinkt daran. Weiterhin stimuliert die Mutter durch Lecken die Verdauung und den Harndrang der Welpen. Erst ab der 3. Woche fängt der Welpe an, optische und akustische Signale wahrzunehmen und selbständig Urin und Exkremente abzusetzen. Ab der 6. Lebenswoche beginnen die Welpen mit dem Spielverhalten innerhalb des sozialen und familiären Verbandes. Darüber hinaus werden die Welpen nach und nach durch die Mutter abgestillt und erlernen durch Grenzsetzung innerhalb des Familienverbandes unter anderem die später notwendige Beißhemmung. Diese sensiblen Lebensphasen gehören daher nicht in die Hände von Kunden eines Ladengeschäfts, sondern ausschließlich in die Hände erfahrener Hundeeltern bzw. deren Haltern.

    Was raten Sie Personen die über den Welpenkauf im Laden nachdenken?

    Ich würde jedem Einzelnen von einem solchen Kauf abraten, selbst wenn dieser aus Mitleid geschieht. Ich würde den Personen raten, sich auf anderem Weg einen Hund anzuschaffen. Es gibt umfangreiche Informationsmöglichkeiten betreffend Züchter und Zufallsverpaarungen. Der Kauf eines Hundewelpen in einem Ladenlokal ist daher weder notwendig noch ratsam. Wir kaufen schließlich ein Lebewesen!


    Letztendlich bleibt nur der Appell an Sie, liebe Leser, dass Sie sich nicht zu einem Welpenkauf im Laden hinreißen lassen, Ihr Umfeld entsprechend aufrufen und Zoofachgeschäfte, die solch ein Vorhaben planen, komplett boykottieren.

    Es gibt genug Welpen in Tierheimen, Notstationen und bei verantwortungsvollen Züchtern; unterstützten Sie durch Ihr Verhalten bitte nicht noch die Produktion von Hunden für Verkaufsräume, denn letztlich bleiben die Hunde dabei auf der Strecke.




    (1) Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.
    (2) Dem ZZF e.V., gehört ein Großteil der deutschen Zoofachbetriebe an.
    (3) Die Beweislastumkehr zu Gunsten des Hundekäufers

    Julia Seidel, April 2011