• Generalisierte Demodikose -ein Erfahrungsbericht- Teil 2

    Trügerische Ruhe, oder hatten Tierarzt und ich mögliche Anzeichen nicht angemessen genug gedeutet? Seit dem Frühsommer 2007 hatte Susie einen massivem Mitesserbefall im unteren Bauch-/Genitalbereich, weniger im Zwischenpfoten- und oberen Schwanzbereich. Dazu kamen schwarze Hautverfärbungen, die ein Problem der Nebennieren andeuteten. Die Hautzonen wurden auch regelmäßig bis zu drei Mal am Tag intensiv geleckt.

    Dieses und mit Gewichtsverlust von über 4 kg nach Futterumstellung von Trockenfutter ein halbes Jahr zuvor bewogen mich im Herbst 2007 zu einer Blutentnahme.

    Ergebnis: Leber- und ernährungsbedingte Werte Daumen nach unten. Das Cortisol war ebenfalls deutlich erniedrigt. Der Tierarzt hegte den Verdacht, dass wir uns ich in Zukunft möglicherweise mit einem Morbus Addison aus einander setzen müssen. Morbus Addison ist eine Unterfunktion der Nebennierenrinde. Das bedeutet, die Bildung des wichtigen körpereigenen Cortisols ist gestört. Morbus Addison lässt sich ja eigentlich ganz gut mit Kortison behandeln, wenn da nicht die Demodex-Milben wären, deren Behandlung mit Kortison kontraproduktiv sind.

    Das nächste halbe Jahr lag die Konzentration darauf, die Leber- und ernährungsbedingten Werte in die Norm zu bringen und regelmäßige Hautreinigungen mit Kernseife. Das war aber alles aber ohne nennenswerten Erfolg. Also gab es zusätzlich über diesen Zeitraum Antibiotikum, weil die betroffene Haut unterdessen auch zu kleinen Pickeln/Pusteln neigte. Mariendistel wurde gegeben, um die Leber zu regenerieren.

    Die nächste Blutkontrolle war minimal besser, aber noch immer kein Grund zur Freude.
    Der Tierarzt und ich beschlossen erst mal weiterhin die Ernährung anzupassen, Mariendistel und Kernseifenwaschungen weiter zu geben bzw. durchzuführen. Susies Schwanz war unterdessen wegen Schlecken allerdings teilweise ziemlich haarlos. Ein gründliches Durchtrimmen zeigte zwei ganz kleine, ovale, kahle Flecken im mittleren Rückenbereich, ohne Schuppen, Pusteln oder Schuppen. Sie trotzte aber vor Lebensfreude.

    Das veranlasste mich schließlich zu der Überlegung, einen Kortison-Versuch zu wagen. Der Tierarzt stimmte schließlich zu, da eigentlich keine Andeutung von Demodikose nach mehreren tiefen Geschabseln gegeben war. Das verminderte Cortisol konnte auch grundsätzlich für die Schleckattacken und das schlechte Hautbild verantwortlich sein.

    Zunächst bekam sie eine leichte Kortisonspritze, die keinerlei Wirkung zeigte.

    Zwei Wochen später beschlossen der Tierarzt und ich ihr Kortison in Tablettenform zu geben, die Dosierung angepasst auf Größe/Gewicht in Zusammenhang auf das deutlich erniedrigte Cortisol.

    Die Schleckerei besserte sich schnell, die Pusteln/Pickel/Mitesser wurden weniger und das Fell am Schwanz begann endlich nachzuwachsen. Susie wurde immer kecker und agiler, sodass der Tierarzt und ich uns eigentlich in Richtung richtigen Weg sahen.

    Zeitnah war wieder eine Blutkontrolle erfolgt, die mir der TA zugefaxt hatte. Während wir uns telefonierend überlegten, warum nur das Cortisol trotz ungefähr vierwöchiger Kortisongabe so enorm weiter abgesackt war, beobachtete ich die schlafende Susie neben mir. Plötzlich sah ich an einer noch kahlen Stelle am Schwanz Blut austreten. Susie war natürlich sofort auch mit der Zunge dran.

    Knapp ½ Stunde später war der Tierarzt am tief schabseln. Schon in dem ersten Geschabsel fanden sich oberflächlich zwei Demodexmilben, bei genauer Durchsicht mehr, in einem weiteren, dicken Blutropfen, der an gleicher Stelle nachkam, über zwanzig Demodexmilben.

    Kurz entschlossen vor dem Wochenende erhielt die Große eine Ivermectin-Spritze und ein Shampoo (Etyllactat/Benzolkoniumchlorid/Chitosamid, alle zwei Tage anzuwenden) gegen Pyodermie. Das Fell wurde kurzentschlossen weiträumig rasiert, verklebte Stellen bis auf die Haut abgeschnitten.

    Das Kortison wurde im Galopp ausgeschlichen. Und ich hatte die Qual der Wahl in der Therapie. Amitraz-Waschungen, Ivermectin-Spritzen, Milbemycin-Tabletten, Imidacloprid-Moxidectin als Spot-On oder Cydectin (für Schafe).

    Gitta, Userin der Hundewiese, hatte mir unterdessen den Tipp gegeben, die betroffenen Stellen mit Zitronensaft/Zitronensud abzutupfen. Gitta wiederum hatte diesen Tipp von einer ganzheitlich behandelnden Tierärztin, die wiederum unter anderem nach den Grundsätzen von Juliette de Baircacli Levy behandelte. Ich probierte es noch am selben Tag aus. Bis zum nächsten Tag hatten sich teilweise an den behandelten Stellen, Schwanz(-wurzel), Bauch und Innenseiten der Hinterläufe, fast trockene, großflächigere Hautschuppen gebildet, die einfach und ohne Hinterlassung von Hautreizungen abzuziehen waren. Teilweise blieben die Mitesser in den Hautschuppen hängen.

    In Verbindung mit dem Shampoo gingen die Hautverunreinigungen allgemein recht gut zurück. Die immer wieder neu auftretenden Verschorfungen durch Aufplatzen der Haut ließen sich leicht lösen.

    Es gab dennoch weiterhin Antiobiotika und nach meiner Entscheidung das Spot-On.

    Zur Steigerung des Immunsystems gab ich für das nächste ¾ Jahr jeden Tag ¼ TL in Wasser aufgelöste Blütenpollen. Auf keinen Stress, aber auf Licht, Sonne, Bewegung, Ruhe, ... und Ernährung hatte ich ja sowie schon immer ein besonderes Augenmerk.

    Die Leckattacken tagsüber waren im Griff, gegen die nächtlichen bezog ich wieder mein Lager auf dem Fußboden neben Susie, die Pfoten in meinen Händen, diesmal für weit längere Zeit.

    Es besserte sich, sogar das Fell wuchs schon nach, aber immer wieder platzte plötzlich die Haut auf.

    Weil es notwendig schien, wurde das Spot-On wurde nun bereits nach drei, anstatt nach Angabe des Herstellers mit vier Wochen aufgetragen. Nachdem auch das noch nicht ausreichend erschien, war vom Hersteller des Spot-Ons zu erfahren, dass das Spot-On, wenn nicht zur Prophylaxe, sogar spätestens alle zwei Wochen aufgetragen werden sollte (entgegen Beipackzettel).

    Die Antibiotikatherapie lief weiterhin. Das Abtupfen mit Zitrone bzw. das Waschen mit dem Shampoo verlief auch weiterhin parallel, ersteres jeden Abend, letzteres jeden zweiten Morgen.

    Dennoch war nach acht Wochen kein richtiges Vorankommen mehr zu erkennen. Mit dem Zitronensud hatte ich zwischenzeitlich wegen „Streik“ aufhören müssen. Trotz umsichtigster Anwendung ließ es sich nicht vermeiden, dass ab und an ein paar Tropfen Richtung offene Wunden und Genital-/Afterbereich geronnen waren. Das hatte, denke ich doch zu arg gebrannt.

    Susie zeigte sich unterdessen auch schmerzempfindlicher, nervlich überempfindlicher und butterte Strolchie, die als Welpe acht Wochen zuvor eingezogen war, manchmal böse runter.

    Dann, bei einem normalen Sprung ins Auto schrie Susie auf und streckte mir ich blutende Pfote jammernd hin.

    Die lange Runde fiel aus. Nach schnellem Pieselgang, ab zum Tierarzt:

    Der Schorf, der sich bis zum Tierarzt gebildet hatte, wurde abgekratzt, das hervortretende Blut untersucht: Keine Demodexmilbe war zu finden.

    Die unterdessen beendete Antibiotikatherapie wurde dennoch wieder aufgenommen und nun mit Cephalexin-Monohydrat fortgeführt.

    Gleichzeitig und trotzdem wurde die Therapie radikal umgestellt: Neben den Antibiotika für vier Wochen nun Cydectin 8 ml/Tag dreizehn Wochen und dann weitere zwölf Wochen langsam ausschleichend. Das eigentliche Leben wurde nicht geändert.

    Die Ernährung wurde versucht zu weiter zu optimieren, letztendlich erfolgreich. Die Pflege (einschließlich täglich/nächtlicher) gemeinsamer Kruschel-/Wuschel-/Schmuse-Einheiten, auch mit gemeinsamen Tiefschlaf war und ist Susie und mir noch heute auch ein tiefes gemeinsames Bedürfnis.

    Die daraufhin folgende Untersuchung von Susie und ihre Blutuntersuchung zeigten mit Beginn ihres 6. Lebensjahres zum ersten Mal einen eigentlich kerngesunden Hund.

    Ich mache mir nichts vor, es ist wohl eine Momentaufnahme (die hoffentlich recht lange dauert).

    Resümee:

    Susie hat sich teilweise sehr gequält. In wie weit wirklich, kann ich so richtig nicht beurteilen. Ich weiß aber, auf Grund ihrer Leidensgeschichte, dass sie einen hohen Leidensdruck aushalten kann.

    Was ich hätte ich jedoch tatsächlich besser machen können? Nur Überlegungen:

    Demodikose steht ja unmittelbar in Zusammenhang mit einer Schwäche des Immunsystems, beispielsweise auch ausgelöst durch Erkrankungen oder Stress.

    Ich wusste nicht, dass Susie „Produkt“ von Hunden im Tierschutz durch Tierschutz in Deutschland war. Ich wusste auch lange nicht, das erfuhr ich erst beim zweiten Schub der Demodikose, dass bei der Erstimpfung von Susie das Immunsystem zusammenbrach, die eine Intensiv-Behandlung in der Tierklinik zur Folge hatte und auch eine Lungenentzündung.

    Halfen damals zunächst immunaufbauende Spritzen des Tierarztes, war ich seitdem dabei, unter anderem vor allem auch durch Ernährung das Immunsystem aufzubauen bzw. zu stabilisieren. Wenige Wochen nach der Radikalumstellung des Futters, Trockenfutter zu selbst zubereitetem Futter waren die ersten Mitesserstellen zu sehen, die auf eine mögliche neuerliche Demodikose (3. Schub) hätten hindeuten können.

    Stress, das heißt die Trennung von den Geschwistern und in das neue Zuhause, bzw. das Alleinsein dürften sicherlich mit Grund für die ersten Demodikose-Schübe gewesen sein. Seitdem wird, soweit es geht, Stress vermieden oder schnell aufgelöst. Das Alleinsein ist unterdessen auch schon lange kein Thema mehr.

    Strolchie, das ungestüme Welpenteufelchen, das unterdessen einzog, war sicherlich und kann ab und an noch ein bisschen Stressfaktor sein. Möglicherweise könnte Strolchie neben der Kortisongabe mit Auslöser für den dritten Schub gewesen sein.

    Diesen Stress hätte ich Susie tatsächlich ersparen können bzw. wäre es vielleicht besser gewesen mehr regelnd eingegriffen. Andererseits ist Susie an dem Stressfaktor Strolchie enorm in sich gewachsen. Zumindest bringt Susie schon sehr lange nichts mehr aus der Fassung.

    Hätte ein schnelleres, besseres medizinisches Erkennen bzw. Versorgung die jeweiligen Therapien abkürzen können?

    Abgesehen von dem Wissen jetzt, dass sich eine Demodikose zwar recht vielfältig andeuten kann, aber gleichzeitig durchaus auf andere Erkrankungen hinweisen kann, ist eine Demodikose grundsätzlich erst gesichert, wenn Demodex-Milben zu finden sind. Das ist, wie auch bei der Therapiekontrolle manchmal gar nicht so einfach, manchmal auch unmöglich.

    Der Zeitaufwand für die Behandlung ist enorm.

    Da sind zum einen regelmäßige Tierarztbesuche, anfänglich alle zwei bis drei Tage, zuletzt wöchentlich bis zwei-/dreiwöchentlich.

    Blutkrusten müssen täglich sanft über Waschungen aufgelöst werden, um über die Haut zu behandeln oder auch von außen zu unterstützen.

    Bei einer Amitraz-Waschungen muss der Hund wechselseitig oder lokal gründlich einshampooniert werden und die Lösung muss am Hund trocknen, ohne dass er sich trocken lecken kann.

    Zum heutigen Zeitpunkt ist die Demodikose nicht mehr eine Diagnose, die es als auch noch zu beachten gibt.

    Demodikose tritt hier unterdessen deutlich häufiger auf. Vor 5 ½ Jahren war sie noch eher Seltenheit.

    Unterdessen gibt es auch mehr Behandlungsmöglichkeiten. Von der Zitronensaft-, Zitronensudbehandlung, hätte ich damals aber schon gern gehört, als die betroffenen Stellen mehr an unempfindlicheren Bereichen wie Hals/Kopf/Rücken bestanden.

    Bei allen Behandlungsmöglichkeiten stellt sich auch die Frage der langfristigen Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen, wie z. B. denen des Entgiftungsorgans Leber, oder auch der Niere. Darüber gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.

    Auch wenn es über die Vererbung der Demodikose noch keine abschließenden Erkenntnisse gibt, gilt Demodikose als zuchtausschließend.

    Demodikose ist eine Erkrankung, die nicht nur sehr lange und meist weit über die Symptomatik hinaus konsequent zu behandeln ist. Sie kann sowohl medizinische, wie auch seelische Hintergründe haben, die mit behoben werden müssen. Und das braucht Zeit, sehr, sehr viel Zeit und noch mehr Geduld.

    Die Kosten für eine Demodikose-Behandlung und Kontrollen sind auch nicht gerade gering: 1. Schub: 900,00 €, 2. Schub: € 1.200,00, 3. Schub: € 1.200,00.

    Mir persönlich war und ist jeder Cent wert. Sicher wegen Susie an sich und weil sie mir eine unbezahlbare Lehrerin ist.

    Sicherlich und vor allem aber auch deshalb, sind mir die Kosten sowohl für den Tierarzt und die Medikamente genauso viel wert, weil die Therapie der (generalisierten) Demodikose grundsätzlich reines Gift für Hund und bei unsachgemäßer Anwendung auch für den Hundehalter sein kann.