• Hund von Polizei erschossen - greifen Beamte vorschnell zur Waffe?

    Pressemitteilung des Landestierschutzverband Baden-Württemberg e. V.:

    Am Freitag wurde auf einen Feld bei Ludwigsburg ein Hund von einem Polizisten getötet. Der Beamte schoss offensichtlich mehrfach aus dem fahrenden Wagen auf das Tier und verletzte es schwer. Mitarbeiter des örtlichen Tierheims wurden Zeugen der tödlichen Treibjagd. Der Landestierschutzverband setzt auf Betäubungsgewehre und fordert bessere Qualifikation bei Polizisten im Einsatz mit Tieren.


    Frei herumlaufende Tiere sind in Baden-Württemberg keine Seltenheit. Verkehrsmeldungen warnen fast stündlich vor „Gefahr durch und für Tiere“ - Wildtiere, sowie entlaufene Nutztiere oder Haustiere geben dazu jeweils Anlass. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Tierschützern oder Tierhaltern gelingt es in der Regel, die meisten Nutz- und Haustiere wieder einzufangen und ihren Besitzern zurückzugeben, zumindest bei Hunden ist die Erfolgsquote hoch.
    Der kniehohe und schon etwas ältere Mischlingsrüde Fiodor hatte dieses Glück am vergangenen Freitag jedoch nicht. Seinen neuen Besitzern davongelaufen, völlig ortsunkundig und schon länger unterwegs, wurde er hungrig und erschöpft auf einen Feld ca. 2 km entfernt der A 81 gesichtet. Polizisten in Uniform und drei Helfer des örtlichen Tierschutzvereins sicherten das Terrain und versuchten ihn einzufangen, als nach Zeugenaussagen ein weiterer Beamte der Polizeidiensthundestaffel die Sache selbst in die Hand nahm und auf den Hund schoss. Im Auto verfolgte er den offensichtlich verletzten Hund und gab aus dem fahrenden Wagen weitere Schüsse auf das flüchtende Tier ab. Bei dem Tier angekommen, setzte er Fiodors Qualen dann mit dem vierten Schuss ein Ende. Die Tierheimmitarbeiter, die bereitstanden, den verletzten Hund einzufangen, waren schockiert.

    Auch der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Herbert Lawo verurteilt die ihm geschilderte Vorgehensweise auf’s Schärfste. „Der Schusswaffengebrauch war in der beschriebenen Situation völlig unangemessen, denn durch den Hund bestand keine direkte Gefahr für Verkehrsteilnehmer. Zudem waren im Umgang mit Hunden erfahrene Tierheimmitarbeiter vor Ort, um das vermutlich bereits ermüdete und erschöpfte Tier einzufangen. Selbst wenn ihnen das nicht gelungen wäre, hätte man genügend Zeit gehabt, einen Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr hinzuzuziehen, so wie es anscheinend am Dienstag in einem ähnlichen Fall im benachbarten Erdmannhausen problemlos funktioniert hat. Selbstverständlich hat die Bevölkerung ein Recht darauf, dass diese Aktion, die an schlechte Wildwest-Manier erinnert, behördenintern aufgeklärt wird und Konsequenzen hat.“

    Autobahnpolizei, Berufsfeuerwehr und ländliche Polizeidienststellen sollten nach Lawos Ansicht zur sicheren und maßvollen Gefahrenabwehr auf Verkehrsstrecken obligatorisch mit Betäubungsgewehren ausgerüstet werden. Schließlich führen nicht nur Haustiere, sondern auch Wildtiere oder ausgebrochene Kühe, Rinder, Schafe, Pferde und andere Tiere aus der Weidehaltung ständig zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr. Der schnelle Griff zur Waffe, um das jeweilige Tier zu töten, ist nicht akzeptabel, zumal es oft - wie auch im Ludwigsburger Fall - mehrerer Versuche bedarf, verbunden mit grausamem Leiden, bis das Tier tödlich getroffen ist. Erst Anfang Februar wurde bspw. ein Merinoschaf bei Eppingen von Polizeibeamten erschossen, weil es an der Bundesstraße 293 und der Bahnlinie Eppingen-Richen entlang lief und angeblich nicht eingefangen werden konnte.
    Wäre die Polizei in solchen Situationen mit Betäubungsgewehren ausgerüstet und würde über entsprechend sachkundiges Personal verfügen oder mit entsprechend erfahrenen Tierärzten zusammenarbeiten, könnte schnell und vor allem angemessen reagiert werden - zum Schutze von Mensch und Tier.
    „Der Gebrauch von tötenden Schusswaffen gegen herumirrende Tiere kann auch eine Gefahr für alle beteiligten Personen heraufbeschwören. Angeschossene und Verfolgungsjagden ausgelieferte Tiere reagieren panisch. Dies kann zu einer Eskalation der Situation führen. Zum Schutze aller sollten endlich intelligentere und gesellschaftlich akzeptierte Mittel zum Einsatz kommen. Dazu gehören für solche Fälle auch Betäubungsgewehre,“ appelliert Lawo an die zuständigen Behörden.

    Weitere Informationen zu diesem Vorfall gibt es auf der Webseite des Tierheims in Ludwigsburg: http://www.tierheim-lb.de/StartThemen/02-11-fiodor.htm