• Bachblütler contra Schulmedizin, Teil II

    Sind Tiere an Kinderkrankheiten schuld?

    Meldung in Videotext von ARD/ZDF vom 20. Oktober 1998: Tiere sind nach Aussagen von Kinderärzten eine bedeutende Krankheitsquelle. Haustiere und Insekten wirkten immer häufiger als Überträger von Krankheiten. Der Kontakt mit Haustieren spiele bei Krankheiten von Kindern oft eine grössere Rolle als angenommen, betonten Experten auf dem Kinderärztekongress in Bad Orb. Er sei zwar bekannt, dass Tierfell Allergien auslöse, aber auch zahlreiche andere Erreger sitzen in Pelz oder Schleimhäuten der Hausgenossen. Soweit die Nachricht.



    Nun der Kommentar: Der erste Satz ist grundsätzlich falsch und wird im zweiten ad absurdum geführt: Eine Quelle ist eine Ursache. Und ein Überträger muss also eine Ursache wo anders haben, sonst könnte er nicht übertragen. Er ist nur Wirt. Allergien und Erreger sind nicht ursächlich von Tieren produziert, sondern von Umwelteinflüssen. Und die werden stark von Menschen beeinflusst. Das sollte sich auch unter Kinderärzten herumgesprochen haben. Das Unwissenschaftliche an dieser Nachricht ist erstens die - unbewusst oder bewusst - falsche Schuldzuschiebung auf Wirte und Zwischenwirte, und zweitens eine unbegründbare Förderung der Anti-Tier-Psychose. Hier wird wieder mal Ursache mit Wirkung verwechselt. Denn es ist
    unbestreitbar, dass Allergien und andere Erreger nicht von Tieren produziert werden, sondern von allgemeiner Empfindlichkeit, die wesentlich tiefgreifendere und umfassendere Ursachen hat. Wer anderes behauptet, ist noch auf dem Stand des mittelalterlichen Vorurteils, dass Ratten die Ursache für die Pest gewesen seien. Erwiesenermassen waren es die äusserst mangelhafte menschliche Hygiene und die erstmals auftretende Reiselust. Zum anderen waren nicht mal Ratten die Wirte, sondern der Rattenfloh. Aber so entstehen krankhafte Vorurteile. Auf Kosten unschuldiger Tiere.

    Vielleicht bewirkt diese Schreckensnachricht eines: dass Allergiker schon vor dem emotional gesteuerten Kauf eines Haustiers besser auf eines verzichten, damit es nicht auf dem Bio-Sondermüll namens Tierheim entsorgt wird, mit der neuesten Ausrede: Das Tier mache krank. Der Dermatologe und Allergologe Dr. Steffen Gass aus Pfronten meinte freilich, viele seiner Patienten stammten aus "sagrotan-gereinigten Mittelstandsfamilien". Kinder aus Slums hätten diese Neurodermitis nicht.

    Mischlinge gesünder?
    Nach diesem Zynismus noch ein altes Vorurteil: Mischlinge sind gesünder als Rassetiere. Jüngst jubeln die Interessenvertreter von Rassehunden. Warum? Weil es nicht bewiesen ist. Es ist nicht beweisbar, weil die Mischlings-Freunde keine Interessenvertretung haben, die eine solche Untersuchung, die sich als wissenschaftlich bezeichnen könnte, bezahlen. Und Rassehundevertreter fördern keine Untersuchungen, die gegen ihre Interessen wären. Das ist der einzige Grund, warum die Rassehundevertreter jubeln. Zu früh gefreut. Der Gen-Pool unter Mischlingen, wie ehedem den Vorläufern von professionell gezüchteten Tieren, ist grösser als der gegenwärtiger Rassehundezucht. Und je grösser der Gen-Pool, desto geringer die Wahrscheinlichkeit von Erbdefekten. Aber damit wir uns da nicht verrechnen: dies ist nur eine Chance, keine Qualitäts-Automatik.

    Die Untersuchungen belegen, dass auch hier die Lebenserwartung der Mischlinge der verschiedenen Gewichtsklassen jeweils beträchtlich höher ist als bei vergleichbaren Rassehunden. Dies zeigt die so oft abgestrittene Bedeutung der genetischen Variabilität für eine lange Lebensdauer. Die meisten Hunde, die 15 Jahre alt wurden, wiesen einen Inzuchtkoeffizienten unter 20 Prozent auf. Züchter von Arbeitshunderassen vermeiden Inzucht, da sie Leistungsverlust befürchten. Arbeitslinien sind auch weniger durch Inzucht gefährdet, da der Gebrauch eine Selektion auf geringeren Verlust von Genvarianten mit sich bringt. Der Wiener Tierzucht-Experte Dr. Hellmuth Wachtel: "Der Mischling ist eindeutig gesünder, auch wenn dies gern bestritten wird. Dies ergibt sich schon von der populationsgenetischen Überlegung her, die auch die grosse Mehrzahl diesbezüglicher Studien bestätigt. Und - die bessere Mischlingsgesundheit ist ja schliesslich der Hoffnungsstrahl für die Zukunft der Rassehundes, wenn die entsprechenden Lehren gezogen werden!"