• Bachblütler contra Schulmedizin

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    In den letzten Jahr begann ein Run auf ein einfacher zu lernendes, tiermedizinisches Gebiet: das der Tierheilpraktik. Privatschulen bewerben es und schulen - mit sehr unterschiedlicher Qualität und zu ebenso unterschiedlichen Preisen. Es ist ein nicht staatlich anerkanntes Gewerbe, um es hier deutlich zu machen - was die Anwender vermeiden. Sie geben sich schon gern den Anschein eines universitär geschulten Tiermediziners. Nur die Hinweistafeln sind geregelt, aber wer blickt als Hilfesuchender da schon durch.

    Durch eine etwa zweijährige Schulung kann keine langjährige Veterinärmedizin-Ausbildung ersetzt werden. Man bezahlt für ein Abschlusszeugnis - bis zu 7 000 Mark. Zweifellos bietet der "andere" Weg aber teils segens- und erfolgreiche Zusatzheilmethoden. In eine verbeamtete Schulmedizin und in Bachblütler zu trennen, trifft nicht mehr zu. Die so genannten Schulmediziner wenden oft und gerne homöopathische Methoden an, sie scheuen sich nicht davor. Umgekehrt werden - auch durch die grosse Konkurrenz mit wichtigtuerischen, weil täuschenden Bezeichnungen höhere Anforderungen gestellt.



    Wenn Schulmediziner nicht stur und wenig souverän anderes Wissen ablehnen, weil sie ihre Kompetenz angezweifelt sehen; wenn Tierheilpraktiker sich nicht anmassen, über ihr Wissen hinaus zu diagnostizieren und therapieren, wäre schon ein Fortschritt für die Patienten erreicht. Es gibt seit langem Erkenntnisse, von denen alle Parteien profitieren, und das ist durchaus doppelsinnig gemeint. Beide Parteien wollen Kunden behalten. Nicht wenige Veterinäre urteilen nach der Schublade, frischen ihr Wissen nicht auf, lernen nicht dazu, urteilen unsicher, aber zu schnell. Die Folgen sind - wie immer in der Medizin - fatal.



    Wenn aber eine frisch gelernte Tierheilpraktikerin - und Züchterin - auf einer populären Hunde-Internet-Seite sich anbietet als am "Schulungszentrum Stuttgart für biologische Veterinärmedizin und Naturheilkunde absolviert und eine 2-jährige Fachfortbildung zur Veterinärhomöopathin" darstellt, so sind solche unakademische Titel Schall und Rauch. Klingt sehr universitär und aufwendig - für zwei Jahre Schulzeit. Seit wann ist Veterinärmedizin etwa nicht biologisch? Und wenn die offensichtlich sehr unerfahrene Dame in ihrer Vorstellung behauptet, dass "die Zeiten der Hinterhofzuchtstätten und Hundevermehrer hoffentlich endgültig vorbei" seien, dann frage ich mich, in welcher Zeit sie denn geschult worden ist.



    Nicht wenige unsichere Hundehalter springen von einem Tierarzt zum anderen, nur um ihr
    Halbwissen bestätigt zu sehen, nicht wenige haben recht, wenn sie eine andere Diagnose einholen, um dadurch ein Tier vor einer Fehldiagnose zu retten. Kein Veterinär ist fehlerfrei. Nicht wenige Heilpraktiker weiden sich jedoch gütlich am schicken Glauben der Esoterik, um die naiven Halter zu schröpfen. Auch wenn das Tier nach allem Wissen nicht überlebensfähig ist. Ein Bachblüte kann auch nicht alles heilen. Ein gesundes Mass an Information, Zweifel und vor allem an Neugierde ist überlebenswichtig. Extreme Haltungen sind dagegen schädlich - vor allem für das kranke Tier.



    Im Übrigen gibt es zwei Arten von Therapien: eine, die hilft, und eine, die nicht hilft.