Nicht nur Möpse und Pekingesen von heute sind Produkte falscher Zuchtziele. Umdenken wird erschwert. Doch einige Freunde dieser Kleinhunde haben sich nun entschlossen, dem unhaltbaren Zustand entgegenzuzüchten. Der Vorsitzende des Mops- und Pekingesen-Rassehunde-Verbands (MPRV), Ulrich Willms aus Löhne, zeigt die neuen "alten" Zuchtziele auf und schildert die Aufgabe:
Die Möpse und Pekingesen von heute haben eine extrem kurze Nasenpartie. Darüber liegt ein Wulst, den man Nasenfalte nennt. Die Hunde sind in der Atmung enorm beeinträchtigt. Oft kommt es zu einem Kollaps der Luftröhre (Trachea): der Hund bekommt einen lebensgefährlichen Erstickungsanfall. Die behaarte Nasenfalte führt dabei auch noch zu Verletzungen des Augapfels. Dann bleibt nichts anderes übrig, als die Nasenfalte operativ zu entfernen.
Die beiden Rassen werden immer kleinwüchsiger, so, dass sie ihre Welpen oft nicht mehr ohne Kaiserschnitt gebären können.
Das Fell der Pekingesen ist nur üppig, inzwischen sogar übermässig. Das Pflegen wird zur Tortur.
Einige Züchter haben sich nun zusammengetan und wollen wieder den "altdeutschen" Mops und den Pekingesen aus den 60er Jahren züchten. In diesen Jahren hatten die Hunde noch eine gesunde Lebensqualität.
60er Jahre - Standard
Leider züchten wir damit gegen den vorgegebenen Rassestandard der FCI und des VDH. Man schimpft uns "Vermehrer" und "Nestbeschmutzer". Der VDH hat gegenüber dem Bundesministerium, das für Tierschutz zuständig ist, angekündigt, den Rassestandard nicht zu ändern. Trotzdem werden wir (MPRV) unseren Weg zielgerecht verfolgen.
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Rassestandard FCI:
*Die Augen des Mops sind dunkel und etwas vorstehend.
*Es gibt keinen deutlich erkennbaren Fang, im Seitenprofil ist der Hund flach.
*Die dicke Nasenfalte verdeckt den Nasenschwamm vollständig.
*Beim Pekingesen ist das Fell lang.
*Das Deckhaar ist hart, mit dichter Unterwolle.
*Beim Pekingesen beträgt das Gewicht 3,5 bis 5,5 Kilo bei schwerem Knochenbau.
*Beim Mops beträgt das Gewicht 6,3 bis 8,0 Kilo bei starkem Knochenbau.
*MPRV-Standard:
*Die Augen sind dunkel, gut eingebettet und niemals vorstehend.
*Im Seitenprofil ist ein deutlicher Fang zu erkennen.
*Die Nasenfalte ist mittig unterbrochen und nur minimal angedeutet.
*Der Nasenschwamm liegt vollständig frei.
*Beim Pekingesen ist das Fell lang.
*Das Deckhaar ist hart, mit luftdurchlässiger Unterwolle.
*Beim Pekingesen beträgt das Gewicht 5,0 bis 8,5 Kilo.
*Beim Mops beträgt das Gewicht 8,0 bis 11,0 Kilo.
*Beim Pekingesen ist die gleiche Schnauzenpartie wie beim Mops erwünscht.
Bei Hündinnen beider Rassen stimmt die Relation der Grösse zu den Welpen nicht mehr, die Welpen sind für die bisher zu kleinwüchsigen Muttertiere zu gross. Es gibt Gebärschwierigkeiten. Durch den zu kurzen Fang sind die Hündinnen nicht in der Lage, ihre Welpen, wie jeder andere erwachsene Hund, abzunabeln, geschweige denn, sie im Fang zu transportieren.
Neues Ziel: Der Fang wird nach vorne verlagert, während die Nasenfalte nur noch seitlich angedeutet ist. Somit sind die Atemwege frei und die Luftröhre kollabiert nicht mehr. Beide Rassen können unbehindert atmen. Die Hunde sind dann agiler und ausdauernder, da die Lebensqualität durch diese Änderungen erheblich gesteigert wird.
Uns liegt ein Gutachten vom Januar 2002 zur Auslegung des Tierschutzgesetzes vor. Beauftragter war das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. U. a. heisst es hier zu den Pekingesen und Möpsen: "Durch Appelle konnten die Verbände jedoch nicht in ausreichendem Masse dazu bewegt werden, auf tierschutzwidrige Rassestandards zu verzichten und Übertypisierungen bei der Zuchtauswahl zu vermeiden".
Aus diesem Grund wurde das Tierschutzgesetz erweitert. Danach ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Massnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muß, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder ungestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Zuspruch vom Fachmann:
Brief von Prof. Dr. Bernhard M. Spiess, Abteilung für Veterinär-Ophthalmologie, Departement Kleintiere an der Universität Zürich an den Vorsitzenden des MPRV: "Es ist eigentlich schade, dass in Deutschland immer wieder "dissidente" Züchter eigene Clubs gründen müssen, um ihre meist gut gemeinten Anliegen zum Wohle des Hundes in die Tat umsetzen zu können. Offenbar erfahren sie im ursprünglichen Club zu wenig Unterstützung und Rückendeckung durch den VDH.
Es ist aus augenärztlicher Sicht sehr zu begrüssen, dass sich endlich jemand der brachycephalen Rassen annimmt (es gibt noch mehr davon!).
An unserer Klinik bilden diese Hunde den Hauptanteil aller Patienten mit schwerwiegenden Augenveränderungen, v. a. Verletzungen und Geschwüre der Hornhaut. Es darf doch nicht sein, dass wir bei vielen Vertretern dieser Rassen erst die Lidspalten verkürzen und die Nasenfalten entfernen müssen, damit sie problemlos, d. h. ohne fortschreitende Pigmentierung der Hornhaut und ohne wiederkehrende Geschwürsbildung durchs Leben gehen können.
Daher bin ich sehr froh, wenn Sie in Ihrem Club die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Möpse und Pekingesen wieder etwas mehr in den Vordergrund rücken.
Meine zugegebenermassen etwas einseitige und pragmatische Sicht der Dinge würde allerdings im Rassestandard vor allzu prominenten und buschigen Nasenfalten warnen und versuchen, die Nase etwas zu verlängern, sowie die Lidspalte kleiner zu halten.
Es gibt immer wieder solche Exemplare, über die ich mich jedesmal sehr freue - allerdings kommen sie zumindest in der Schweiz an Ausstellungen schlecht weg."
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