• Gefährdete Arten/Hausrinder, Teil 5

    Serie: Hausrinder

    Wir berichten hier in der üblichen konzentrierten Form nicht nur über die populären Hausrinderrassen, sondern auch über jene Tiere der "Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen in Deutschland", erhoben durch die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)". Nach der Serie der Rinder folgen andere Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Schweine.


    Vor der Serie über einige Rindertypen grundsätzliche Informationen:
    Das Hausrind (Bos taurus) gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) der Familie der Hornträger (Bovidae). Alle heutigen Hausrinder inder der Welt stammen vom Ur bzw. vom Auerochsen (Bos primigenius) ab.
    Siehe auch der Bericht in www.hundezeitung.de/typen/yak.html


    Älteste Funde des Hausrindes datieren seit 8 000 Jahren. Sie stammen aus dem Vorderen Orient (Ostanatolien, Syrien), von dort aus verbreitete sich die Kenntnis über die Haustierzucht.


    Foto: Unbekannt


    Die Fleischproduktion war Hauptgrund der Rinderzucht, als Zug- oder Tragtiere dienten sie erst in zweiter Linie. Milchwirtschaft dürfte erst später betrieben worden sein.



    Rinder sehen nicht besonders gut, sie hören und riechen viel besser. Es sind Pflanzenfresser und Wiederkäuer mit einem mehrhöhligen Magen. Ein Rind hat vier Mägen (Pansen, Netz-, Blätter- und Labmagen) mit zusammen 100 bis über 200 Litern Inhalt. Dünn- und Dickdarm schliessen mit einer Länge von 35 bis 60 Metern an. Rinder fressen jedes Gras. Das Verdauungssystem ist jedoch sensibel gegenüber Futterumstellung und langen Futterpausen sowie Wassermangel. Sie tolerieren gut Temperaturen zwischen Gefrierpunkt und 20° C und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80 Prozent. Andere Werte sind schwierig für die Tiere. Rinder leben in kleineren Herden, die aus Tieren beiderlei Geschlechts bestehen. Innerhalb der Herde besteht eine strikte Rangordnung, die meist durch unblutige Kämpfe festgelegt wird. Kühe werden in der Herde meist durch den ranghöchsten Stier gedeckt. Vor der Geburt setzen sich hochträchtige Kühe ab und werfen das Kalb an einem geschützten Ort. Kuh und Kalb kehren zur Herde zurück. Es besteht eine enge Kuh- Kalb-Beziehung, das Kalb kann nur bei der eigenen Mutter saugen. Schon nach einem Tag sind Kälber in der Lage, den adulten Tieren zu folgen. Die Tiere erkennen sich am Geruch. gleichaltrige Kälber bilden innerhalb der Herde eine "Spielgruppe" und kehren nur noch zur Nahrungsaufnahme zur Mutter zurück.

    Rinder in der modernen Landwirtschaft


    Mit über 1,3 Milliarden ist das Hausrind inzwischen weltweit das häufigste aller Haustiere. Heute stammt rund ein Drittel des konsumierten Fleisches vom Rind.Viel bedeutender ist die Rindviehzucht zur Milchproduktion.



    Die Rinderzucht unterscheidet zwischen Mast- und Zuchtkälbern (bis zu einem halben Jahr alt), Jungvieh (zur Aufzucht, ab einem halben Jahr bis zum Abkalben), Mastvieh (für Grossviehmast ab drei Monaten bis zur Schlachtung) und Milchkühe (Tiere nach dem Kalben). Kälber, Jung- und Mastvieh werden heute meist in Ställen mit Vollspaltenböden ohne Einstreu gehalten, was zwar dem Bauern die Arbeit erleichtert, aber als tierunfreundlich gelten kann. Eine Haltung mit Weideland ist immer noch das artgerechteste und beste für die Fleisch- und Milchqualität. Alls vor zehn Jahren die BSE-Krise erstmals auch den deutschen Markt beeinflusste, analysierten einige RInderzüchter die Lage für den Fleischrindermarkt. Fast 94 Prozent Milchrindern standen lediglich gut sechs Prozent Fleischrinder (Charolais, Galloway, Limousin, Angus und Highland Cattle) gegenüber. Es gibt eine Vielzahl von Rassen, die teils auf hohe Milchleistung (etwa das schwarz-weiss oder braun-weiss gefleckte Holstein-Rind), auf starken Fleischansatz (etwa Charolais, Angus und Simmentaler Fleckvieh) oder beides "Zweinutzungsrind") gezüchtet wurden.



    Neues aus der Rinder-Verhaltensforschung


    Aus "Nature"


    Tierforschern zufolge bringt es nichts, Kühen Zärtlichkeiten ins Ohr zu flüstern. Allein Futter kann die Tiere glücklich machen. Verängstigte Kühe geben bis zu 15 Prozent weniger Milch - was sie allerdings beunruhigt, wissen Landwirte weniger genau. Edmond Pajor und seine Kollegen von der Purdue University in West Lafayette, Illinois, haben deshalb eine Möglichkeit gefunden, Milchkühe direkt zu fragen, wie sie behandelt werden wollen. Das Team führte Färsen in ein Y-förmiges Labyrinth. Die Tiere gingen auf ein oder zwei Menschen am Ende der Sperrholz-Korridore zu, die ihnen jeweils Futter, handfeste Schelte oder Streicheleinheiten angeboten haben. Die Forscher entdeckten, dass lautes Schimpfen für diese empfindlichen Tiere genauso scheußlich wie ein Schlag oder ein elektrischer Viehtreiber ist - trotzdem reagierten die Kühe Streicheln oder zarten Stimmen gegenüber gleichgültig. Die unbeirrbaren Tiere zogen das Futter allem anderen vor. Die Moral von der Geschichte sei, stets darüber nachzudenken, wie man seine Herde behandelt, sagt Pajor. Aber, fügt er hinzu, "man muss es nicht übertreiben und die Tiere verhätscheln."



    Allgäuer für Rolls


    Das Allgäuer Braunvieh gilt den Allgäuern (Männer) mit dem unhöflichen Scherz, sie seien hübscher als die Mädchen, inzwischen nicht nur als Milchlieferant, sondern dem bayerischen Besitzer der Luxusautomarke Rolls Royce, BMW, als Lieferant für die edelsten Lederhäute. Denn die Rinderhäute aus England sind wegen BSE-Massenschlachtungen nicht mehr in dieser Qualität und Menge "lieferbar".



    Foto: Unbekannt


    Bevor die Allgäuer Kühe ihre Haut zu Markte tragen lassen müssen, bringen sie auch noch Geld in die Gemeindekassen beim herbstlichen Viehscheid, dem Abtrieb von den Alpen.