Was für ein Wort - Unpaarhufer! Der britische Zoologe Richard Owen (1804-1892) dachte sich diesen Begriff aus, die so ins Deutsche übersetzt wurde. Er erkannte, das bei diesen Tieren die ideale Mittelachse der Gliedmassen bis zum Huf durch eine Zehe verläuft, egal, wieviel Zehen die Gruppe dieser Tiere hat. Bei den Paarhufern (Flusspferd, Giraffe, Schweine, Rinder, Moschustiere, Kamele) verläuft diese Mittelachse zwischen zwei Zehen.
Beide Tierordnungen sind nicht miteinander verwandt. Von den im Altterziär rund 15 Unpaarhufer-Familien gibt es heute nur noch Tapire, Nashörner und Pferdeverwandte (Familie Equidae) übrig. Der Mensch hat seit vielen tausend Jahren eine Zähmung bei mehreren Arten versucht, gleichzeitig mit der Ausrottung oder Verdrängung in menschen-unwirtliche Gegenden (zum Beispiel Mongolei); echte Haustiere wurden aber nur der Esel als Abkomme des Wildesels und das Pferd als Abkomme des Urwildpferdes.
Die ältesten "Pferde" sind die der Gattung Hyracotherium, aus dem Frühterziär. Sie waren etwa fuchsgross. Sie sahen eher wie kleine Tapire denn als Pferde aus.
Hyracotherium (Rekonstruktion)
Verluste können diese Herdentiere kaum ausgleichen, denn sie pflanzen sich sehr langsam fort. Nach einer Tragezeit von knapp einem Jahr bringen Stuten meist nur ein Fohlen zur Welt, in sehr seltenen Ausnahmen auch mal zwei. Mit der Unterordnung der Pferdeartigen (Equoida) starten wir eine kleine Serie. Die Gattung Pferde (Equus) kennt fünf Untergattungen: Wildpferde, Afrikanische und asiatische Wildesel, Grévyzebra und Zebra.
Zebra
Von den anderen Zebraarten weicht das Grévyzebra durch ursprünglichere Merkmale und anderes Verhalten ab. Es ist grösser (Widerristhöhe von 140 bis 160 Zentimeter), die Streifung ist dichter, geht bis an die Hufe herunter. Erst 1882 entdeckte der französische Zoologe Emile Oustalet das pferdegrosse Tier, das Ohren wie ein Esel hat und auch so schrie. Ein Geschenk des Königs von Äthiopien, Menelik I, an den französischen Staatspräsidenten Jules Grévy gab dem etwas anderen Zebra seinen Namen. In diesem Ursprungsgebiet um das Horn von Afrika leben heute noch vereinzelt diese Ur-Zebras.
Wie ein Eselhengst verhält sich das Grèvy aggressiv gegen Geschlechtsgenossen.
Die Herden sind kleiner gegenüber jenen der anderen "Echten Zebras". Aber die
Reviere grösser.
Die Echten (Untergattung Hippotigris) sind kleiner (120 bis 130 Zentimeter) und breiter gestreift. Es gibt zwei Arten: Berg- und Steppenzebra. Die Bergtypen bildeten kaum zahlreiche Herden wie die Steppentiere, kamen früher im Süden Afrikas aber häufig vor. Durch zunehmende Besiedlung und Landwirtschaft wurden sie verdrängt. Die Steppenzebras (Equus quagga) sind die einzigen heute noch in grosser Zahl vorkommenden Formen. Aber auch unter ihnen wurden schon zwei der fünf Unterarten ausgerottet: eine Urform darunter, das Quagga, ist nur noch in wenigen Museen zu sehen; einige Genetiker versuchen, aus "Restbeständen" eine Klonung herbeizuführen. In ihrem geselligen Verhalten unterscheiden sich die Steppenzebras stark von den Bergtypen oder Grèvys. Sie bilden grössere Herden, der Hengst ist der Beschützer der Herde (bei den Bergzebras ist es eher die aggressive Leitstute), der Steppenhengst sucht auch weniger Zweikämpfe mit Nebenbuhlern. Und wenn, dann sind sie eher spielerisch.
Die Ohren der Echten sind verhältnismässig kurz, die Schwanzquaste aber lang. Ihre Laute haben weder Pferde- noch Esel-Ähnlichkeit. Junghengste werden aber nach der Pubertät abgesondert: von der Leitstute aus der Herde verwiesen, und zwar rabiat und konsequent. Die Jungtiere bilden dann eine eigene Herde. Selbst diese Hengstgruppen sind beständig. Sie bleiben oft viele Jahre zusammen, weibliche Tiere ein Leben lang.
Die erwachsenen Tiere in einer Herde haben eine Rangordnung, in der der Hengst an oberster Stelle steht. Nach ihm die Stuten, dem Alter gemäss. Auf Futtersuche oder zu Tränken führt aber die Leitstute. Der Hengst bildet dazu die Nachhut. Von einem fremden Hengst lassen sich die Stuten erst mal nichts gefallen, sie schlagen nach ihm aus und bedrohen ihn. Erst nach einigen Tagen haben sie sich an ihn gewöhnt und erkennen ihn als Führer an. Kommt der alte Familienhengst aber zurück, dann weiss der Neuling ziemlich schnell, dass er seinen Job abgeben muss. Übernimmt ein fremder Zebrahengst eine neue Herde mit Fohlen, kann es durchaus vorkommen, dass er die Fohlen seines Vorgängers tottritt, damit die Stuten früher rossig werden. Für seine Gene.
Kann ein Zebrafohlen die Mutter nicht am Streifenmuster erkennen, so sucht es mit Geruchssinn weiter. Der ist nach der Geburt durch intensives Trockenschlecken von der Mutter "gespeichert" worden. Obwohl Zebras auch von Wildhunden, Hyänen oder Leoparden angegriffen werden, sind Löwen ihre Hauptfeinde. Und Krokodile.
Kreuzungen zwischen Zebras und Eseln und Pferden nennt man Zebroide. Kreuzungen
aber zwischen Steppen- und Bergzebras sind höchst selten.


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