Marilis Weisskopf: Agility für Schlittenhunde?
Schlittenhunde sind bekannt dafür, dass sie, meist zu mehreren, ihren Besitzer auf einem Rollwagen oder einem Schlitten durch die Landschaft ziehen oder an speziellen Rennveranstaltungen teilnehmen. Aus diesem Grund wird auch der grösste Teil der Schlittenhunde gehalten, denn als reiner Haus- und Hofhund oder nur zum Gas-sigehen um drei Ecken ist ein Schlittenhund nicht geeignet, da komplett unterfordert
Allerdings steigt die Zahl der einzeln gehaltenen Schlittenhunde. Und damit auch das Bedürfnis der Besitzer, sich mit ihrem Hund sinnvoll zu beschäftigen und nicht immer nur als Bremsklotz an der langen Leine durch die Gegend gezerrt zu werden. Und so tauchten sie vereinzelt auf diversen Hundeplätzen auf. Zuerst wohl, um einige Regeln des verkehrssicheren Begleithundes zu verinnerlichen, dann aber, um mit Herrchen oder Frauchen die Sportart Agility auszuprobieren. Da dieses durchaus eine Möglichkeit sein kann, einen Schlittenhund zu beschäftigen und auch auszulasten, habe ich mir ein solches Agilityturnier einmal aus der Nähe angesehen. Es fand als eine Art Probeveranstaltung am Vortag einer grossen Ausstellung für Nordische Hunde statt, begann mit Unterordnungsprüfungen und an-schliessendem Agility-Wettbewerb. Falls ich jetzt nicht die richtigen Termini benutze, möge man mir das nachsehen, denn diese und ähnliche Arten Hundesport waren und sind für mich nicht weiter interessant, so dass ich mich auch nicht sehr intensiv damit auseinandergesetzt habe.Teilnehmer an diesem Turnier waren zwei Akita Inu, ein Alaskan Malamute, zwei Siberian Husky, ein Samojede, eine Laiki und ein Zwergteckel. Der Teckel wohl als gutes Vorbild, denn er machte seine Sache hervorragend. Er schnitt auch bei den Unterordnungsprüfungen am besten ab, mit denen besonders die Sibirier und der Malamute so ihre Probleme hatten. Besser, oder soll man sagen gehorsamer, waren die Akitas, der Samojede und besonders die Laiki, die fast die Qualitäten des Teckels erreichte. Ich gebe ehrlich zu, dass mich das Zusehen bei diesen Unterordnungsübungen gelangweilt hat. Wer die Atmosphäre auf den Schlittenhunderennen kennt und die Hektik, die dort herrscht, dem dauern schon die Pausen zwischen den Starts bei einem Windhundecoursing zu lang. Diie penible Korrektheit, mit der Schritte und Sekunden gezählt wurden, Haltungsfehler der Hunde kritisch beäugt wurden und zum Punkteverlust beitrugen waren für mich als Uneingeweihte kaum nachzuvollziehen. (Ein Musher, der neben mir stand, murmelte sogar etwas von "preussischem Drill".) Da fand ich es doch ganz unterhaltsam, dass der Malamute seine eigenen Vorstellungen vom Abliegen hatte und dieses auch unverzüglich in die Tat umsetzte. (Er stand flugs auf, als seine Besitzerin ihm den Rücken zudrehte und marschierte in die entgegengesetzte Richtung.) Ein Husky war der Meinung, dass links auf keinen Fall da ist, wo der Daumen rechts ist (oder war es umgedreht?), und der Samojede lächelte in alle Richtungen, anstatt konzentriert seinen Herrn zu beobachten. Spektakulärer waren dann der anschliessende Hindernislauf, der Slalomlauf und was es noch mehr im Agility gibt. Hier gab es ordentlich Bewegung, und man konnte ahnen, dass dieses besonders den Schlittenhunden endlich Spass machte. Sieger dieses "Wettbewerbes" war natürlich der Zwergteckel, gefolgt von der Laiki, weit abgeschlagen der Malamute und die Huskies. Das Fazit für mich daraus: wem es Spass macht, der kann natürlich mit seinem Schlittenhund Agility betreiben, aber es wird wesentlich mehr Nerven kosten als
etwa mit einem Border Collie, und viele Lorbeeren wird es bei Turnieren nicht zu
ernten geben. Schlittenhunde sind zu selbständig und zu eigensinnig, um hervorragende Leistungen in diesem Sport zu bringen. Sie leben nach dem Motto "Ich und der Chef", warum sollten sie dann Übungen absolvieren, die ihnen keinen Spass machen und deren Sinn sie nicht einsehen? Und in der Tat gibt es nur ganz vereinzelt Schlittenhunde, die vordere Plätze belegen.
Fragt man die Besitzer, wie sie es geschafft haben, ihren Hund so weit zu bringen, bekommt man fast immer zu Antwort: "Unendliche, heilige Geduld, üben, üben, üben und vor allen Dingen niemals nervös werden."
|