• Agility, Clicker, Flyball, Freestyle und Co.

    1. Marilis Weisskopf: Agility für Schlittenhunde?
    2. Katja Hasselbeck: In Deutschland habe ich noch niemanden mit einer Dogge Agility machen sehen....
    3. Richard Ebert: Wer motiviert eigentlich wen wozu?






    Marilis Weisskopf: Agility für Schlittenhunde?



    Schlittenhunde sind bekannt dafür, dass sie, meist zu mehreren, ihren Besitzer auf einem Rollwagen oder einem Schlitten durch die Landschaft ziehen oder an speziellen Rennveranstaltungen teilnehmen. Aus diesem Grund wird auch der grösste Teil der Schlittenhunde gehalten, denn als reiner Haus- und Hofhund oder nur zum Gas-sigehen um drei Ecken ist ein Schlittenhund nicht geeignet, da komplett unterfordert



    Allerdings steigt die Zahl der einzeln gehaltenen Schlittenhunde. Und damit auch das Bedürfnis der Besitzer, sich mit ihrem Hund sinnvoll zu beschäftigen und nicht immer nur als Bremsklotz an der langen Leine durch die Gegend gezerrt zu werden. Und so tauchten sie vereinzelt auf diversen Hundeplätzen auf. Zuerst wohl, um einige Regeln des verkehrssicheren Begleithundes zu verinnerlichen, dann aber, um mit Herrchen oder Frauchen die Sportart Agility auszuprobieren. Da dieses durchaus eine Möglichkeit sein kann, einen Schlittenhund zu beschäftigen und auch auszulasten, habe ich mir ein solches Agilityturnier einmal aus der Nähe angesehen. Es fand als eine Art Probeveranstaltung am Vortag einer grossen Ausstellung für Nordische Hunde statt, begann mit Unterordnungsprüfungen und an-schliessendem Agility-Wettbewerb. Falls ich jetzt nicht die richtigen Termini benutze, möge man mir das nachsehen, denn diese und ähnliche Arten Hundesport waren und sind für mich nicht weiter interessant, so dass ich mich auch nicht sehr intensiv damit auseinandergesetzt habe.Teilnehmer an diesem Turnier waren zwei Akita Inu, ein Alaskan Malamute, zwei Siberian Husky, ein Samojede, eine Laiki und ein Zwergteckel. Der Teckel wohl als gutes Vorbild, denn er machte seine Sache hervorragend. Er schnitt auch bei den Unterordnungsprüfungen am besten ab, mit denen besonders die Sibirier und der Malamute so ihre Probleme hatten. Besser, oder soll man sagen gehorsamer, waren die Akitas, der Samojede und besonders die Laiki, die fast die Qualitäten des Teckels erreichte. Ich gebe ehrlich zu, dass mich das Zusehen bei diesen Unterordnungsübungen gelangweilt hat. Wer die Atmosphäre auf den Schlittenhunderennen kennt und die Hektik, die dort herrscht, dem dauern schon die Pausen zwischen den Starts bei einem Windhundecoursing zu lang. Diie penible Korrektheit, mit der Schritte und Sekunden gezählt wurden, Haltungsfehler der Hunde kritisch beäugt wurden und zum Punkteverlust beitrugen waren für mich als Uneingeweihte kaum nachzuvollziehen. (Ein Musher, der neben mir stand, murmelte sogar etwas von "preussischem Drill".) Da fand ich es doch ganz unterhaltsam, dass der Malamute seine eigenen Vorstellungen vom Abliegen hatte und dieses auch unverzüglich in die Tat umsetzte. (Er stand flugs auf, als seine Besitzerin ihm den Rücken zudrehte und marschierte in die entgegengesetzte Richtung.) Ein Husky war der Meinung, dass links auf keinen Fall da ist, wo der Daumen rechts ist (oder war es umgedreht?), und der Samojede lächelte in alle Richtungen, anstatt konzentriert seinen Herrn zu beobachten. Spektakulärer waren dann der anschliessende Hindernislauf, der Slalomlauf und was es noch mehr im Agility gibt. Hier gab es ordentlich Bewegung, und man konnte ahnen, dass dieses besonders den Schlittenhunden endlich Spass machte. Sieger dieses "Wettbewerbes" war natürlich der Zwergteckel, gefolgt von der Laiki, weit abgeschlagen der Malamute und die Huskies. Das Fazit für mich daraus: wem es Spass macht, der kann natürlich mit seinem Schlittenhund Agility betreiben, aber es wird wesentlich mehr Nerven kosten als
    etwa mit einem Border Collie, und viele Lorbeeren wird es bei Turnieren nicht zu
    ernten geben. Schlittenhunde sind zu selbständig und zu eigensinnig, um hervorragende Leistungen in diesem Sport zu bringen. Sie leben nach dem Motto "Ich und der Chef", warum sollten sie dann Übungen absolvieren, die ihnen keinen Spass machen und deren Sinn sie nicht einsehen? Und in der Tat gibt es nur ganz vereinzelt Schlittenhunde, die vordere Plätze belegen.

    Fragt man die Besitzer, wie sie es geschafft haben, ihren Hund so weit zu bringen, bekommt man fast immer zu Antwort: "Unendliche, heilige Geduld, üben, üben, üben und vor allen Dingen niemals nervös werden."






    Katja Hasselbeck

    In Deutschland habe ich noch niemanden mit einer Dogge Agility machen sehen. Spass machen würde es bestimmt, aber zu Spitzenleistungen im Klassement sind Doggen wahrscheinlich nicht geeignet. Zu gross, zu schwer, da platzen die hübschen bunten Tunnel aus den Nähten und gehen Wippen zu Bruch. Klar gibt es den Parcours auch in "gross", aber wenn ein Schäferhund schon "gross" ist, was dann? Nein, da muss es doch andere Beschäftigungen geben.

    Obedience: Gut. Einen Versuch ist es wert. Da bleibe ich dann allerdings beim Freisprung durch die Arme schon in der Entwicklung stecken. Und die Acht durch die Beine bleibt denen überlassen, die auf Claudia-Schiffer-ähnlichen solchen durch die Welt marschieren. Und hoffentlich eine eher kleinwüchsige Dogge ihr Eigen nennen. Also auch nicht der richtige Wettkampfsport, obwohl einige Dinge aus dem Obedience sehr schön sind und viel Spass machen. In der Freizeit, auf dem Spaziergang oder daheim. Zum Geschmeidigbleiben. Flyball? Zu gefährlich - Erstickungsgefahr am Tennisball. Das lassen wir lieber bleiben. So ist die Dogge einer Freundin von mir zu Tode gekommen - zwar nicht beim Flyball aber beim Fangen eines Tennisballs aus der Luft. Viel zu gefährlich, diese kleinen giftigen gelben Filzdinger.



    Foto: Unbekannt
    Heelwork to Music - das hört sich gut an. Das kann auch eine Dogge, die ja sowieso schon das Anlehnen als rassespezifische Eigenschaft ins Körbchen gelegt bekommt. Und zur Musik... Taktgefühl haben sie ja. Das könnte Spass machen und bringt auch das Blut des Hundeführers in Wallung und die Beine ins richtige Tempo. Da wird der Hunde- auch zum Hundebesitzersport. Wünschenswert sind bayrische Volksmusik oder der Radetzky-Marsch. Oder Sexbomb von Tom Jones, da könnte ich mir eine herrliche Freestyle-Kür dazu ausmalen. Ohrwürmer sind wichtig, die hat man auch ohne Walkman dabei. Auf dem Spaziergang nicht von Passanten aus der Ruhe bringen lassen! Die gucken halt komisch, wenn man summend mit seinem Hund so seine Figuren dreht. Was gibt es denn da noch? Breitensport - Tonnenhopsen, wie mancher es ketzerisch nennt. Ist zu materialintensiv. Kann man nur auf dem Hundeplatz üben. Blöd. Ich mach lieber was, was ich auch auf dem Spaziergang machen kann. Dann hopsen wir eben in unserer Freizeit im Wald über Baumstämme. Und die Spaziergänger wundern sich, aber das tun sie sowieso, also egal.



    Clickertraining: Voraussetzung für erfolgreiches Clickern ist ein Hund, der mit Spass dabei und möglichst verfressen ist. Ja, damit kann man dem verfressenen Vierbeiner so manches Kunststückchen beibringen (nur mit dem Timing und dem Shaping hapert es manchmal, aber dagegen hilft ein Seminarbesuch oder ein gutes Buch oder zwei oder drei oder fünf). Der Khani ist der verfressenere von beiden und hat schon die wildesten Tricks drauf. So langsam klappts auch mit dem Fussgehen...
    Tyras findet das Clickern übrigens nur die ersten ca. 30 Sekunden spannend, dann trollt er sich lieber und geht schnüffeln.



    Also wenden wir uns dann wieder unserer zweitliebsten Beschäftigung zu und gehen in die Fährte - das entspannt! Ist zwar nicht neu, aber muss deswegen nicht schlecht sein. Und der Khani kann mit seinen bald acht Jahren auch noch mitmachen und hat seinen Spass. Leider hat der liebe Prüfungsgott vor die erste Fährtenprüfung die BH gesetzt, also beschäftigen wir uns damit im Augenblick auch noch - zumindest der Tyras und ich. Der Khani hat schon alles gemacht, was man machen kann, deshalb ist er jetzt in Rente. Er hat erst mit sechs Jahren das erste mal gefährtet, deshalb werden wir beiden wohl keine Prüfung mehr schaffen, aber was soll's - solange er Spass am Suchen hat, soll er suchen bis ich keine Bockwürstchen mehr habe...
    Doggen lernen schnell und leicht, wenn man sie nicht zu hart anfasst. Sind halt Sensibelchen. Sie sprechen auf positive Methoden sehr gut an und haben einen Heidenspass daran, wenn sie merken, dass man selbst auch mit Feuereifer dabei ist und sich einen Knicker freut, wenn was klappt. Auf allzu gewagte Kletterpartien oder Sprünge verzichten wir lieber - den Knochen zuliebe. Und in grosser Hitze machen wir lieber eine kühle Waldrunde als uns bei irgendeiner neuen Sportart zu quälen.So kann man den Tag auch rumkriegen.








    Richard Ebert: Wer motiviert eigentlich wen wozu?


    "Das mit der "positiven Verstärkung" und mit "den Hund motivieren" habe ich ja im Forum der hundezeitung schon etliche Male gelesen. Dann war ich mit Satchmo unterwegs. Und dabei ging mir durch den Kopf: Wer motiviert eigentlich wen wozu? Ich bin erklärtermassen Anfänger im Umgang mit Hunden. Daher kenne ich viele Fragen und wenige Antworten. Indes - soviel hat mir Satchmo beigebracht: Ein Hund, der als Welpe von seiner Hundemutter normalhündisch sozialisiert wurde, weiss, wie er sich hunderichtig verhält. Ganz ohne menschliche Motivation und Verstärkung. Was wir ihn danach lehren ist die Anpassung an Menschen und ihre merkwürdigen Gewohnheiten (an Strassen Autos, Nachbarn und Zäune, Verordnungen, aufgeräumte Zimmer) - also an alles das, was nicht zwingend Hundenatur ist. Wir konditionieren/ erziehen/ motivieren ihn immer dann, wenn er sich menschen-ordnungs-gerecht verhalten soll. Oder - beim Nutz- / Arbeitshund - wenn er die ihm vom Menschen zugedachte Tätigkeit ausführen soll. Solange ein Hund sich wie ein Hund verhalten darf, bedarf er keiner Motivation und Verstärkung.Wenn wir bis hierhin übereinstimmen, kommt wieder meine Frage: Wer motiviert wen? Anders herum gefragt: Warum macht ein Hund Sachen, die er kaum machen würde, wenn er alleine oder mit anderen Hunden ohne Menscheneinwirkung auf einem Hundeplatz sein würde? Meine bescheidene Meinung: Er macht es, um "seinem" Menschen zu gefallen. Und warum will er seinem Menschen gefallen? Die einzig hündische Antwort ist: Damit Mensch ihn Hund sein lässt. Doch das tut ja, wenn ich es richtig sehe, der konditionierende / sporttreibende / leistungsmessende und -vergleichende Mensch nicht. Vielmehr steigert er die Hürden, ab wann die Zuwendung kommt. Der Hund strengt sich an und motiviert und motiviert seinen Menschen nach Kräften, damit der ihn Hund sein lässt. Der Hund möchte seinem Besitzer gefallen (in England sagt nennt man das Verhalten "Will to please"), damit der ihn füttert und - ihn Hund sein läßt.



    Warum möchte das der Hund? Wettkämpfe nach Menschenart sind, soweit ich es verstehe, Hunden unbekannt, weil Menschenkultur, also: entwicklungsgeschichtlich zu "jung". Hundebestreben, wie ich es kennenlerne, ist: satt werden und sich fortpflanzen. Daraus leiten sich mehr oder weniger direkt oder indirekt all seine Verhaltensweisen ab - auch das Bestreben nach Aufstieg in der Hierarchie des Rudels. Es scheint mir immer mehr nicht nur eine nette Hypothese zu sein, dass irgendwann nicht der Mensch auf den Hund kam, sondern dass sich der Hund den Menschen aussuchte als jenes Gattungswesen, das er am effektivsten beeinflussen, ergo: motivieren könnte, sich ihm zuzuwenden und ihm auch in elenden Zeiten beim Sattwerden und beim Finden von Paarungs-Partner(innen) nützlich zu sein. Daran hat sich scheins bis heute nicht so arg viel geändert. Und so motivieren denn unsere Hunde munter weiter an uns herum, macht uns zu Gefallen ganz unhündische Dinge, verhält sich hunde-un-gerecht und verbiegt seine Hundenatur oft bis zur Unkenntlichkeit - Mensch zum Gefallen! Und wir verstehen es mehr oder weniger schlecht - und interpretieren unsererseits ganz menschlich: wir müssten die Hunde motivieren.



    Wozu denn? Zum Hund sein muss man sie nicht motivieren - dass können sie. Bleibt: Wir motivieren sie, damit sie etwas tun, was uns gefällt. Und Hund macht es und "folgt", weil er uns motivieren will, Hund sein zu dürfen. Find ich putzig"



    Im Forum der hundezeitung stehen in der Rubrik Ausbildung weitere persönliche Erfahrungen und Meinungen - speziell über Clicker-Training. Da kann sich jeder seine Meinung pro oder contra bilden. Oder seine eigene beitragen!



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