Die Deutschen glauben, sie hätten schon einen Missstand mit abgeschobenen oder verratenen Hunden. Doch das Verhältnis zu Tieren ist fast überall bedenklich und alles andere als im - tierschützerisch überaus laschen - EU-Sinne. Tiermissbrauch kennt keine Nation.
Ein Bericht von den Münchner Tierschützern Elke Pichler, die mit ihrem Mann Christoph Ullrich an der schönen Algrave in Portugal das Tierheim Canil de Sao Francisco de Assis in Loulé mit eigenen Mitteln unterstützen.
Noch nie war der Gedanke eines aktiven Tierschutzes so in den Mittelpunkt allgemeinen Interesses gerückt, wie gerade derzeit. Gleichermassen noch nie aber war die Unfähigkeit der portugiesischen Politiker, den von ihnen geschaffenen Problemen mit Mitteln ihrer Politik beikommen zu wollen, ähnlich beschämend ausgefallen.
Dr. Bota, der portugiesische Tierarzt vor Ort, konnte einen deutlichen Rückgang der schweren und teilweise auch tödlichen Staupe- und Parvovirose-Erkrankungen feststellen. Insgesamt scheint der Infektionsdruck im Zuge der regelmässigen Impfungen mit Mehrfachvakzinen nachzulassen. Mitte März ging es wieder (jedes Jahr zwei Fuhren) mit einem mit Futter, Büromöbeln, Transportboxen, Decken, Handtüchern, zwei Katzenfallen, ca. 18 Meter Zaun und Medikamenten beladenem Transporter auf grosse Fahrt.
Während es zuvor vier Wochen ununterbrochen regnete, konnten wir bei gutem Wetter 239 Hunde und Katzen impfen und entwurmen, etliche Unfall- und Bisswunden versorgen, kranken und geschwächten Tieren mit Infusionen und Antibiotikatherapie helfen und auch einigen Todeskandidaten den Leidensweg ersparen oder verkürzen, all das natürlich zusammen mit Dr. Bota.
Doch wie kann sich die Situation im Tierheim entspannen, wenn allein an einem Tag zwei Katzen, neun Hunde und ein Esel als Neuzugänge zu verbuchen waren? Unter den Hunden waren neben einem Jagdhund-Mischling, der wohl für die Jagd ausgedient hatte und nun "weggeworfen" wurde, eine reinrassige Pointer-Hündin, schwer verletzt durch ein Auto und somit nur noch ein erheblicher Kostenfaktor für seine Besitzer, zwei total verwurmte Welpen, zwei bis auf die Knochen abgemagerte Staffordshire-Terrier-Weibchen mit einem Welpen - sie dienten englischen Hobby-Züchtern als Gebärmaschinen. Als die nach England zogen, überliessen sie die Hunde sich selbst, dazu ein Dogo Argentino- und ein Mastiff-Rüde.
Leider sind die Tiere oft durch Vernachlässigung und Gleichgültigkeit ihrer Besitzer bereits gesundheitlich sehr stark angegriffen. In einigen Fällen sind die Hunde an Staupe oder Leishmaniose erkrankt, auch der Herzwurmbefall ist verbreitet. Eine zuverlässige Isolation der Neuankömmlinge ist leider noch nicht möglich, da die finanziellen Mittel und der Platz zum Bau einer Quarantäne-Station fehlen. Die Hauterkrankung Leishmaniose bedeutet für die Hunde im Süden das Todesurteil. Rechtzeitig erkannt und behandelt hätte dieser Rüde durchaus alt werden können.
Ein angefahrener Rüde, er wurde vom Fahrer im Strassengraben zurück gelassen, zusätzlich war er von Leishmaniose zerfressen, er wurde zum Tierarzt gebracht und von diesem dann erlöst. Eine erlöste Schäferhündin. Sie hatte ein geschwächtes Immunsystem und wurde deshalb besonders stark von Zecken heimgesucht. Diese, meist sind es Hunderte (wer es noch nicht gesehen hat, kann sich das nicht vorstellen), saugen die Tiere bis zur Anämie aus. Die Opfer erkranken an Zeckenfieber und sterben elend, wenn sie nicht zuvor eingeschläfert werden.
Viele Hunde werden zur Jagd gehalten, zumeist unter erbärmlichen Umständen (an schweren, extrem kurzen Ketten oder in Verschlägen). Sonntag ist Jagdtag. Jeden Sonntag erlebt man auch im Tierheim den Krieg gegen Tiere hautnah mit: es wird auf alles geschossen, was sich bewegt. Man hat das Gefühl, man befindet sich auf einem Truppenübungsplatz. Von früh morgens bis spät abends fällt Schuss um Schuss. An einen Spaziergang mit den Hunden ist nicht zu denken. Nicht selten kommt es vor, dass der Tierarzt beim Kastrieren von Hündinnen aus dem Tierheim Schrotkugeln im Unterleib findet! Armer, abgemagerter Jagdhund-Rüde. Er wurde in das Tierheim abgeschoben, da er nicht mehr jagdtauglich war. Die erlösten oder verendeten Hunde und Katzen aus dem Tierheim müssen im Grundstück der Esel und Pferde vergraben werden. Zu diesem Zweck werden von den Tierheim-Angestellten lange Gräben gezogen - ein grosses Unfallrisiko für die Huftiere, aber unter den gegebenen Umständen nicht vermeidbar.
Beim letzten Besuch im Oktober wurde ein Husky (in Portugal!) mit eingewachsener Kette nach stundenlanger Operation in Deutschland und nach grosser Schwächung doch noch gerettet. Der Hund hat sich wie durch ein Wunder erholt und liebt seine neue Familie.
Weitere Informationen in www.tier-und-mensch.de oder auch über unseren Verlinkung (siehe Link-Seite) zu www.herdenschutzhundhilfe.de, durchklicken auf Tierschutz - Ausland.
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