• 6. und letzter Teil: Gerätetherapien

    Von Hundephysiotherapeutin Katrin Blümchen
    6. und letzter Teil: Gerätetherapien
    In der Hundephysiotherapie werden zwei verschiedene Therapiearten unterschieden. Das Eine sind rein manuelle Techniken und der andere große Bereich ist die Gerätetherapie.


    Die manuellen Therapien der Hundephysiotherapie wurden in der letzten Ausgabe der HZ vorgestellt. Die Gerätetherapien werden in Wasserbehandlung und Trockenbehandlung unterschieden. Zur Wasserbehandlung zählt man das Bewegungsbad, das Unterwasserlaufband, die Unterwassermassage und das Stangerbad (Elektrotherapie im Wasser).

    Elektro- und Magnetfeldtherapie, Ultraschall, Wärme- und Kälteanwendungen und diverse unterstützende Gerätschaften (Bürste, Igelball, Laufband, Trampolin, u.a.) werden in der Trockenbehandlung eingesetzt.

    Bewegungsbad/Unterwasserlaufband:



    Foto: Jochen Woßlick - Bewegungsbad

    Muskelaufbau und Muskelkräftigung, Mobilisation der Gelenke und eine Anbahnung des normalen (physiologischen) Gangbildes wird im Bewegungsbad und im Unterwasserlaufband erreicht. Alternativ kann ein Schwimmtraining auch in einem See oder Fluss durchgeführt werden.

    Wichtig ist eine ausreichende Sicherung des Hundes durch Schwimmweste oder Brustgeschirr in Kombination mit einer Schleppleine.

    Indiziert ist es bei Skeletterkrankungen jeglicher Art und bei Krankheiten des Nervensystems.
    Gefahr droht bei Tieren mit einer Herzerkrankung. Eine Wassertherapie ist hier kontraindiziert bzw. muss sehr vorsichtig durchgeführt werden, da die Herz/Kreislaufbelastung enorm ist.

    Unterwassermassage (UWM):


    Eine UWM ist eine Massage unter Wasser, die mit einem Wasserdruckstrahl ausgeführt wird. Über eine integrierte Umwälzpumpe arbeitet der Therapeut mit dem erwärmten Wannenwasser in der Muskulatur des Hundes. Einzusetzen ist sie wie eine normale Trockenmassage. Zusätzlich ist der positive Wasserauftrieb in Verbindung mit Wärme zu nennen.Wasserscheue Hunde werden effektiver durch eine Trockenmassage behandelt.

    Stangerbad:



    Das Stangerbad ist eine Elektrotherapie unter Wasser. Seitlich an den Wannenrändern angebrachte Elektroden durchströmen das Wasser mit Gleichstrom.

    Ein Stromgefühl ist nicht vorhanden, eher ein starkes Kribbeln auf der Haut. Der Hund erleidet hierdurch keine Schmerzen. Bei Erkrankungen der Nerven und Lähmungen ist es eine erfolgsversprechende Behandlungsmethode, um Nerven und Muskulatur anzuregen und zu reizen. Auch die Hautsensibilität - das Gefühl - wird verbessert.

    Trockentherapie:


    Elektrotherapie:

    In der Hundephysiotherapie kommen diverse Stromformen zum Einsatz. Unterteilt werden Gleich- und Wechselströme. Je nach Gerät und Stromform wirkt die Elektrotherapie schmerzlindernd, muskelkräftigend und nervenreizend. Die Durchblutung wird gefördert und der Stoffwechsel im Gewebe angeregt.

    Einsatzgebiete sind Nerven-, Muskel- und Skeletterkrankungen.

    Hat der Hund Metalle im Körper (z.B. Draht oder Platten bei Knochenbrüchen) ist die Gleichstromtherapie verboten, da Verätzungen im Gewebe entstehen können. Die Leitfähigkeit des Stroms wird durch das Fell eingeschränkt. Eine Rasur oder eine Verbesserung der Leitfähigkeit durch entsprechende Gele sind erforderlich.

    Magnetfeldtherapie


    Diese Therapieform hat sich im Veterinärbereich stark durchgesetzt. Es sind diverse Geräte im Handel erhältlich, wie z.B. Magnetfeldecken oder Spulen. Eine Schmerzlinderung steht im Vordergrund. Auch bei Nervenerkrankungen und Wundheilungsstörungen ist eine Magnetfeldbehandlung angebracht.

    Leidet der Hund unter einer Krebserkrankung oder Epilepsie sollte von dieser Behandlung Abstand gekommen werden.

    Ultraschalltherapie


    Der therapeutische Ultraschall hat keine Ähnlichkeit mit bildgebenden diagnostischen Verfahren. Der Ultraschall kann "trocken" mit einem Schallgel oder unter Wasser durchgeführt werden. Es ist für den Hund eine angenehme Therapieform.

    Anwendungsgebiete sind Arthrosen, Narben, Verstauchungen, Muskel-, Sehnen- und Knochenbeschwerden sowie Gelenkkapselentzündungen im subakuten Stadium.

    Auch Wundheilungsstörungen sind exelend behandelbar.

    Wärmeanwendungen:
    Diese Therapieform kann jeder Hundebesitzer zu Hause mit seinem Hund durchführen.
    Gerade bei Verschleißerkrankungen (Arthrose) ist sie hilfreich.

    Rotlicht, heiße Körnerkissen oder eine Wärmflasche werden auf die betroffenen Gelenke aufgelegt (Dauer ca. 20-30 Minuten). Die Wärmetherapie bewirkt eine Schmerzlinderung, Steigerung der Durchblutung und eine Lockerung der Muskulatur.

    Kälteanwendungen:
    Kälteanwendungen sind sinnvoll bei Entzündungen, Prellungen, Verbrennungen und Insektenstichen. Eine im Handel gebräuchliche Kühlkompresse ist ausreichend und sollte in keiner Gefriertruhe fehlen. Diese wird für ca. 10 Minuten auf die betroffene Körperstelle aufgelegt.

    Keine Kälte im Nieren-Blasenbereich!

    Bürstenmassage/Igelballmassage
    Die Bürsten- oder Igelballmassage wird mit einem handelsüblichen Igelball, einer Massagebürste oder einem Gummistriegel durchgeführt (Die Bürstenmassage ist in der Ausgabe 10 der HZ näher beschrieben). Die Dauer beträgt etwa 10-15 min. je nach Größe des Hundes und wird ca. 3-4 Mal die Woche durchgeführt. Der gesamte Körper des Hundes wird in Fellrichtung abgebürstet bzw. mit dem Ball abgerollt.

    Empfindliche Regionen wie Kopf, Brustdrüse und Geschlechtsteile werden ausgespart.

    Vierbeiner mit Arthrosen, Hüfterkrankungen und Wirbelsäulenerkrankungen empfinden sie als besonders wohltuend.

    elektrisches Laufband:

    Foto:


    Durch eine Therapie auf dem Laufband wird ein Muskel- und Konditionsaufbau erreicht. Die Ausführung eines normalen Gangbildes wird beübt und Koordination und Gleichgewicht werden geschult.

    Bei Tieren mit Skeletterkrankungen ist es eine Unterstützung in der Kräftigungstherapie. Vorsicht bei herzkranken Hunden. Eine Überanstrengung muss vermieden werden.

    Schaukelbrett/Trampolin

    Foto:

    Das Trampolin und das Schaukelbrett sind physiotherapeutische Geräte, die hervorragend in der Hundebehandlung zum Einsatz kommen können.

    Durch diese Geräte werden die stabilisierenden Übungen (siehe Hundephysiotherapie - manuelle Techniken) intensiviert. Die Therapie auf dem Trampolin und auf dem Schaukelbrett ist bei vielen Skeletterkrankungen, nach Operationen und bei Nervenerkrankungen einsetzbar.

    Slalom:
    Der Slalom wird in der Praxis ausgeführt, der Hundebesitzer kann aber auch als Hausaufgabenprogramm mit seinem Hund auf einem Spaziergang den Slalom beüben.

    Bei dem Lauf um Slalomstangen herum belastet der Hund die inneren Gliedmaßen stärker als die äußeren. Somit wird die Belastungsphase beübt, eine Gangschule wird ausgeführt.
    Außerdem erreicht man eine aktive Mobilisation und eine Gleichgewichts- und Koordinationsschulung.

    Die Therapie mit dem Slalom ist bei Skeletterkrankungen, nach Operationen und nach Nervenerkrankungen einsetzbar.

    Stepper/Treppe:
    Der Stepper, eine Treppenstufe, bei kleinen Hunden ein dickes Buch, sind gute Möglichkeiten in der Hundetherapie.Der Hund steht mit den Vordergliedmaßen erhöht und belastet somit seine Hintergliedmaßen vermehrt. Auch dies ist eine Intensivierung der stabilisierenden Übungen.

    Ziel ist eine Muskelkräftigung und das Beüben von Belastungsphasen.

    Die Therapie mit dem Stepper ist bei Skeletterkrankungen, vor und nach Operationen und nach Nervenerkrankungen einsetzbar.



    Kontakt:
    Deutsche Ausbildungsstätten für Hundekrankengymnastik www.dahp.de


    Literaturtipp:


    Mehr zu diesem Thema in dem Buch "Hundemassage" von Katrin Blümchen. Infos und Bestellungen gibt es hier

    © bei der Autorin 10/2003