• 5. Teil: Manuelle Therapien

    Von Hundephysiotherapeutin Katrin Blümchen
    5. Teil: Manuelle Therapien
    In der Hundephysiotherapie werden zwei verschiedene Therapiearten unterschieden.
    Das Eine sind rein manuelle Techniken und der andere große Bereich, ist die Gerätetherapie.

    Zu den manuellen Techniken zählt man die therapeutische Massage, die Lymphdrainage, die Manuelle Therapie, die Atemtherapie, verschiedene Dehnungsübungen, die isometrischen Spannungsübungen, verschiedene Behandlungsmethoden auf neurophysiologischen Grundlagen und die aktive Krankengymnastik.


    Eine therapeutische Massage ist eine rein manuelle Einwirkung auf die Haut, das Gewebe und die Muskulatur. Im humanen Bereich wird eine Massage schon seit Jahrhunderten eingesetzt und dies mit großer Wirkung. Es weiß auch fast jeder Hundebesitzer wie wohltuend und schmerzlindernd eine Massage sein kann.

    Hunde, die unter Skelett- oder Nervenerkrankungen leiden, haben auch fast immer schmerzhafte Muskelverspannungen und Muskelverhärtungen. Auch ältere und alte Hunde haben Probleme bei Bewegungen, beim Aufstehen und in vielen Bereichen des Alltages. Gerade diesen Hunden kann durch eine therapeutische Massage sehr geholfen werden.



    Der Hauptaspekt der therapeutischen Massage ist die Schmerzlinderung. Eine gute Lebensqualität des Hundes steht immer in Zusammenhang mit einer Schmerzfreiheit. Durch eine Durchblutungssteigerung und eine Temperaturerhöhung im Gewebe werden schmerzauslösende Substanzen aus dem betroffenen Gebiet herausgeschwemmt.

    Die manuelle Einwirkung während einer Massage bewirkt eine Lösung von schmerzhaften Muskelverspannungen und Verklebungen. Sind diese behoben oder verbessert resultiert auch daraus wieder eine Schmerzlinderung. Im Überblick finden Sie einige Krankheiten unseres Vierbeiners, bei denen eine Massage hilfreich und therapeutisch wirksam ist:

    • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Wirbelsäulenerkrankungen,
    • Arthrosen, nach Operationen, nach Unfällen),
    • neurologische Störungen, Nervenerkrankungen (Lähmungen nach Unfällen,
    • Bandscheibenvorfall, Lähmungen nach Operationen)
    • psychische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten (Angst, Hyperaktivität)

    Die Lymphdrainage ist eine sehr sanfte und entspannende Behandlungsmaßnahme. Eine Lymphdrainage wird bei Erkrankungen angewandt, die mit Schmerzen, Narbenverhärtungen, Lymphgefäßentfernungen oder Ödemen einhergehen.

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    Die Manuelle Therapie/passive Krankengymnastik ist eine rein passive Behandlungsform, das heißt der Therapeut macht alles, das Tier macht nichts!



    Durch das passive Bewegen wird die Gelenkbeweglichkeit erhalten bzw. wiedererlangt, Schmerzen werden gelindert, die Gelenkkapsel wird gedehnt und die Produktion von Gelenkflüssigkeit wird angeregt.





    Das passive Bewegen kann bei vielen verschiedenen Erkrankungen des Hundes eingesetzt werden. Durch degenerative Gelenkerkrankungen, Arthrosen oder Hüftgelenksdysplasien kann die Gelenkbeweglichkeit eingeschränkt sein und Schmerzen verursachen. Bei Nervenerkrankungen und Lähmungen ist der Hund oftmals nicht in der Lage selbständig ein Gelenk zu bewegen, daher muss der Therapeut dieses übernehmen, damit erst gar keine Gelenksteife entsteht. Auch alte immobile, sehr kranke oder frisch operierte Hunde sind teilweise nicht in der Lage sich zu bewegen. Hier ist auch wieder der Therapeut gefragt und sollte das Tier passiv durch bewegen.

    Eine Atemtherapie kann bei einem Hund durchgeführt werden, der an einer Atemwegserkrankung leidet oder durch einen Unfall, eine Operation oder eine schwere Erkrankung längere Zeit inaktiv ist.

    Gesunde Hunde, dich sich körperlich betätigen, haben durch Bewegung und körperliche Anstrengungen eine Erhöhung ihrer Herzfrequenz und eine tiefe und zeitweise schnelle Atmung.

    Kranke und alte Vierbeiner, die sich zumeist in einem Ruhezustand befinden, haben eine relativ langsame und flache Atmung. Bei dieser Atemform wird die Lunge nur unzureichend durchlüftet und die tiefer liegenden Lungenbereiche fast nicht in Anspruch genommen. Daher können sich in diesen Lungengebieten schneller Bakterien ansammeln und zu einer Entzündung und Schleimbildung führen.

    Die Atemtherapie führt zu einer Atemvertiefung und Atemlenkung, entspannt den Hund, lindert Schmerzen und erleichtert das Abhusten von Sekret in der Lunge.

    Eine Muskeldehnung wird bei Hunden durchgeführt, die eine eiingeschränkte Gelenkbeweglichkeit durch verkürzte Muskulatur haben.

    Außerdem wird vor und nach einer Trainingseinheit oder einem Wettkampf gedehnt, um das Verletzungsrisiko zu vermindern und um die Muskulatur vorzuwärmen.


    Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, kann eine Muskeldehnung sehr schmerzhaft sein.

    Stabilisierende Übungen gehören zum Gebiet der aktiven Krankengymnastik.

    Hund und Therapeut sind gleichermaßen aktiv.



    Das Ziel einer stabilisierenden Übung ist ein Muskelaufbau, Koordination, Gleichgewicht, Motorik und das Belasten aller vier Gliedmaßen gleichzeitig.

    Diese Übungen können bei fast allen Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei Nervenerkrankungen eingesetzt werden.

    Die neurologischen Behandlungen beim Hund setzen sich aus den verschiedensten hundekrankengymnastischen Techniken zusammen. Man kann diese nicht als "neue" Behandlungstechnik verstehen. In der Behandlung wird versucht, abnorme Bewegungsmuster zu verhindern und Normale zu fördern.

    Durch eine Nervenerkrankung oder Lähmung kann es sein, dass der Hund Bewegungen, Bewegungsabläufe, u.s.w., einfach vergisst. Das bedeutet, sein Gehirn kann den Befehl zu einer bestimmten Körperreaktion nicht mehr ausführen.


    Der Therapeut hat hier die Aufgabe, den Hund wieder an alle diese verlorengegangenen Körpervorgänge heranzuführen und neu zu erlernen.


    Die aktive Krankengymnastik
    Durch aktive Bewegungen erzielt man einen Muskelaufbau, eine aktive Mobilisation der Gelenke und der Wirbelsäule, man beübt Belastungsphasen, Koordination, Gleichgewicht, und die Motorik.

    Das aktive Bewegen kommt bei fast allen Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei Nervenerkrankungen zum Einsatz.

      Beispiele:
    • Laufen an der Leine in verschiedenen Tempi
    • Kreise laufen

    • Laufen über verschiedene Untergründe (Asphalt, Wiese, Schotter, Waldboden, Untergründe mit Hindernissen, unebene Untergründe)
    • bergan und bergab laufen
    • rückwärts laufen
    • Laufen neben dem Fahrrad oder dem joggenden Besitzer

    nächste Folge: Geräteeinsatz in der Hundephysiotherapie

    Kontakt:


    Deutsche Ausbildungsstätten für Hundekrankengymnastik www.dahp.de


    Literaturtipp:


    Mehr zu diesem Thema in dem Buch "Hundemassage" von Katrin Blümchen. Infos und Bestellungen gibt es hier.


    © bei der Autorin 10/2003