4. Teil: Schmerzformen, Erkennung des Schmerzes
Schmerzen des Hundes sind ein umfangreiches Thema. Es ist einer der wichtigsten Gesichtspunkte im Leben unseres Hundes. Die gesamte Lebensqualität, das Wohlbefinden, die Gemütslage und das Wesen des Hundes werden sehr stark durch Schmerz, besser gesagt durch Schmerzfreiheit bestimmt. Das Problem ist das Erkennen. Wie kann ich herausfinden, ob mein Hund unter Schmerzen leidet?
Nur in wenigen Fällen wird sich der Vierbeiner verbal äußern durch Fiepen oder Winseln. Er kann nicht sprechen und sagen: "Hier, dieses Gelenk tut mir ständig weh, bereitet mir fortwährend Schmerzen." Zumeist leidet er nonverbal und der Besitzer ist dafür verantwortlich diese "stumme" Äußerung zu erkennen und zu deuten. Nur wie zeigt mir ein Hund seine Schmerzen? Wann sollte ich tätig werden und einen Tierarzt meines Vertrauens aufsuchen und meinen Verdacht abklären lassen?
Im Folgenden finden Sie einen kurzen Fragenkatalog. Sollten Sie auch nur eine oder mehrere Fragen mit "Ja" beantworten können, ist ein Tierarztbesuch notwendig.
- Lahmt Ihr Hund, zeitweise, nach einer Ruhephase, nach größerer Belastung, während des Spazierganges?
- Hat Ihr Hund Schwierigkeiten beim Aufstehen, gibt er eine hörbare Lautäußerung an?
- Läuft er nach einer Ruhephase einige Schritte sehr steif, und nach einiger Zeit wird der Gang gleichmäßiger?
- Vermeidet Ihr Hund Dinge, die er früher gerne getan hat (z. B. ins Auto springen, Treppe laufen, auf das Sofa/Bett springen, etc.)?
- Hat das Verhalten Ihres Hundes sich geändert (z. B. ruhiger geworden, ängstlicher, aggressiver, teilnahmslos, möchte nicht mehr spielen, will nicht mehr gestreichelt werden, etc.)?
- Haben sich die Eßgewohnheiten Ihres Hundes geändert (z. B. Freßunlust, vermehrte Fressgier)?
- Hat sich das Fell Ihres Hundes verändert (z. B. stumpfes, schuppiges Fell, fettiges Fell)?
- Leckt der Hund sich vermehrt an bestimmten Körperstellen?
- Hechelt er vermehrt (ggf. auch Herz/Kreislaufsystem)?
- Schauen Sie Ihrem Hund ins Gesicht und in seine Augen. Wirkt das Gesicht eingefallen? Haben sich die Augen, der Ausdruck verändert?
- Bitten Sie einen guten Freund, der Ihren Hund länger nicht gesehen hat, zu sich. Dieser soll sich nun Ihren Hund anschauen und sagen, ob ihm etwas auffällt. Der eigene Besitzer sieht oftmals Veränderungen nicht, da er seinen Vierbeiner ständig vor Augen hat.
Viele Hundebesitzer machen ein steigendes Lebensalter des Hundes oder geänderte Lebensumstände (Umzug, Tod eines Artgenossen, Krankheit des Besitzers, u. a.) für bestimmte Veränderungen (Verhalten) verantwortlich. Es können aber auch Schmerzen (Gelenkschmerzen, Schmerzen innerer Organe) dahinterstecken. Eine Schmerztherapie (Schmerzmedikamente, Hundephysiotherapie, o. ä.) wäre hier dringend anzuraten.
Wir, die Besitzer, sind für unseren Hund verantwortlich, wir bestimmen prinzipiell sein ganzes Leben und in den meisten Fällen sogar den Zeitpunkt seines Todes.
Und sind daher auch dringlich für die Schmerzfreiheit = Lebensqualität zuständig.
Definition von Schmerzen:
Anlaufschmerzen - ein typisches Symptom des arthrosekranken Vierbeiners. Nach einer Ruhephase gibt der Hund Schmerzen beim Aufstehen an (eventuell verbale Lautäußerung) und läuft die ersten Meter sehr steif und hinkend. Nach kürzester Zeit sind diese Symptome vorüber, der Hund hat sich "eingelaufen".
Belastungsschmerz:
Der Vierbeiner fängt nach einer gewissen Zeit der Belastung an zu lahmen.
Dies könnte für eine Gelenksentzündung sprechen, da auch hier die Symptomatik erst durch Belastung schlimmer wird. Aber auch andere Erkrankungen sind möglich.
Ruheschmerz:
Leidet der Hund unter einem Ruheschmerz, ist dies negativ zu deuten und gegebenenfalls für den Besitzer schwer erkennbar. Arthrosen aber auch Erkrankungen innerer Organe, Krebserkrankungen und andere Krankheiten können dafür verantwortlich sein.
Nächste Folge: manuelle Therapien
Kontakt:
Deutsche Ausbildungsstätten für Hundekrankengymnastik www.dahp.de
Literaturtipp:
Buch "Hundemassage" von Katrin Blümchen.
© bei der Autorin 9/2003


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