Ein wissenschaftlicher Ritt durch die Verhaltenspsychologie.
Teil 2: Bedingte Aktionen und Behaviorismus
Lesen Sie auch Teil 1:
Bedingte Aktionen und Behaviorismus
Bedinge Aktion - das heisst zugleich: Lernen am Erfolg oder Dressur durch Eigentätigkeit. Im wissenschaftlichen Englisch nennt man dies auch: instrumental conditioning, trial-and-error-learning oder conditioned reflex type II.
Folgt auf ein Verhaltenselement - eine durchgeführte Bewegung - eine gute Erfahrung, dann setzt das Tier diese Bewegung fortan auch ein, um Bestimmtes zu erreichen. Etwa aus einem Käfig freizukommen oder Nahrung zu erhalten. Das Tier behält die erfolgbringenden Aktionen.
Die amerikanischen Behavioristen (extreme Forschungs-Richtung der Verhaltens-Psychologie) gehen im Unterschied zu Pawlow bei der Untersuchung der Lernprozesse von der spontanen Aktion des Tieres aus. Sie untersuchen das Lernen am Erfolg (Versuch- und Irrtum-Lernen).
Einer der Begründer des Behaviorismus, J. B. Watson, verwarf grundsätzlich die Methode der Selbstbeobachtung, der Beschreibung von Bewusstseinsinhalten und der Übertragung der eigenen Erfahrung auf andere Lebewesen wegen der vielen Fehlerquellen. Er wollte die Psychologie auf die objektive Beobachtung des Verhaltens unter wechselnden Umweltbedingungen begrenzen.
Diese streng am Vorbild der exakten Naturwissenschaften (Mathematik, Physik) orientierte Psychologie sollte vermeiden, deren Bedeutung nur durch Selbstbeobachtung gegeben ist - zum Beispiel Empfindung, Denken, Wille. Gefordert wurde vielmehr Beschränkung auf die Grundkategorien Reiz und Reaktion und die Erforschung ihrer gegenseitigen funktionalen Abhängigkeiten.
Das Verhalten entsteht nach Meinung des Behaviorismus aus der Erfahrung, ist also erlernt. Daher war das zentrale Forschungsfeld der Behavioristen die Lernpsychologie. Am Tierexperiment suchte man die Gesetze des Verhaltens abzulesen, die dann auch für den Menschen gelten sollten.
Die Amerikaner steckten Tiere dazu in einen verriegelten Käfig, aus dem sie sich durch Betätigen des Verschlusses befreien (K. S. Lashley, 1935) oder durch Drücken einer Taste Futter erhalten können (B. F. Skinner, 1938).
Man kann aber auch jede andere Bewegung des Tieres belohnen, ihm etwa, wenn es sich nach rechts wendet, Futter geben und so einem Hund in mehreren Dressurschritten beibringen, sich im Kreis zu drehen. Belohnt man den Hund immer dann, wenn er seinen Kopf über eine bestimmte Marke erhebt, dann läuft er am Schluss des Experiments mit hocherhobenem Kopf umher.
Will man einen Hund dazu bringen, einen Gegenstand aufzunehmen, belohnt man ihn zunächst immer dann, wenn er sein Fang sich dem Gegenstand nähert. Später belohnt man ihn erst, wenn er auch auf den Gegensand schaut, und dann nur mehr, wenn er ihn mit dem Fang aufnimmt.
So wurden viele Tiere dressiert: Delphine, Tauben, Ratten. Dressierte Grindwale schlugen in Showbassins von Kalifornien auf Zeichen so lange mit der Heckflosse auf das Wasser, bis der Dresseur ein Zeichen zum Aufhören gibt. Die Wale wurden immer dann belohnt, wenn sie zufällig mal mit dem Schwanz schlugen. Die Wale erfassten es mit ihrer hohen Intelligenz schnell, worauf der Dresseur es anlegte. So konnte man vielen lernwilligen Tieren Show-Tricks beibringen.
Die unmittelbare Erfolgskontrolle und Erfolgsbelohnung steuert und festigt den Lernvorgang. Das Ergebnis solch programmierten Lernens hängt von der Fähigkeit des Programmierers ab. Man muss sich aber darüber im klaren sein, dass man bei solcher Art zu lehren die individuelle Meinungs- und Willensbildung ausschaltet. Dies freilich macht manche Dresseure wegen des verblüffenden Erfolgs und der attraktiven Aussenwirkung süchtig, das Tier willensabhängig zu halten.
©Rainer Brinks 2001


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