• Hunde halten fit - Deutsche bewegen sich dagegen zu wenig

    Die Deutschen bewegen sich zu wenig und sind daher anfälliger für Krankheiten. Schon Kinder würden sich viel zu wenige körperlich anstrengen, sagte der Freiburger Prof. Berg auf einem Sportmediziner - Kongress. Der Bewegungsradius von Kindern, die früher Kilometer zur Schule gingen oder radelten, sei heute erheblich eingeschränkt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es mindestens 16 Krankheiten, die wegen Bewegungsmangels zugenommen haben.

    Dazu zählen Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt sowie Lungen- und Tumorerkrankungen. Was hat diese Meldung mit Hunden zu tun? Viel. Denn mit Hunden werden junge wie ältere Menschen viel beweglicher, also gesünder. Das Problem besteht weniger im numerischen Alter als vielmehr in der wachsenden Zahl älterer Menschen, die zunehmend allein oder in Heimen leben und ihre Situation als Vereinsamung und Isolation empfinden. Physische und psychische Krankheiten wie koronale Herzkrankheiten, Depressionen und steigende Selbsttötungsabsichten sind häufig die Folge. Diese Krankheiten verfolgen zunehmend auch jüngere Menschen. In akuten Krankheitsfällen - so ergaben Studien bei Herzinfarktpatienten - wiesen die Hundebesitzer eine deutlich höhere Überlebensquote auf.


    Der Hund hat vor allem eine Zukunft als sozialer Katalysator in der kontakthemmenden hochindus-trialisierten Gesellschaft, als Co-Therapeut für den alternden, multimorbiden Menschen, als Gesell-schafter aktiver Alter, als Bewegungs-Sparringspartner für Berufssitzende, sogar als Regenerator für Kranke. Zahl und Qualität der Untersuchungen über therapeutische Mithilfe des Hundes nehmen zu. Eine Studie des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) in Zürich beweist, dass Hundehalter - die dazu natürlich mit ihrem Hund Gassi gehen müssen - seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen befallen werden als jene ohne vierbeinigen Bewegungs-Partner. Fachleute empfehlen bei Bluthochdruck das Streicheln von Hunden. Diabetikern sollen sich einen Hund zulegen, damit sie sich mehr bewegen. Die Schweizer zitierten eine amerikanische Untersuchung, nach der 94,6 Prozent der Patienten, die ein Haustier hielten, ein Jahr nach einer Herzoperation noch am Leben waren; von denen ohne Haustier dagegen nur 69,6 Prozent. Tier- und Humanmediziner, Biologen und Sozialwissenschaftler entdecken eine uralte Erfahrung wieder: Eine intakte Beziehung zur Natur und zu unseren Mitlebewesen fördert das Erleben der Ein-bettung in Gemeinschaft und Umwelt, sie beugt der Vereinsamung vor und wirkt positiv auf physische und psychische Gesundheit sowie auf die Lebensqualität von Menschen. Neu ist, dass solches Wissen wissenschaftlich (also reproduzierbar) erklärt und in der Ausbildung, in der Therapie und der Praxis eingesetzt wird. Über "Die Rolle von Heimtieren für Gesundheit und Lebensqualität im Alter" schrieb Prof. Dr. Erhard Olbrich vom Psychologischen Institut der Uni Erlangen: "Tiere können Helfer für alte Menschen sein. Die Beobachtung eines kleinen Hundes, der seinen Wunsch zu spielen ausdrückt, macht den alten Menschen auf Hinweisreize aufmerksam, die er üblicherweise nicht beachtet, geschweige denn, dass er darauf reagiert." Olbrich: "Aus der alltäglichen Erfahrung wissen wir, dass regelmässige Bewegung, wie sie beispiels-weise das Ausführen eines Hundes verlangt, positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann, auf das Herz-Kreislaufsystem, den muskulär-skelettalen Apparat, aber auch auf das Verdau-ungssystem. Ebenso ist bekannt, dass Tiere ihre Besitzer bedrängen, Nahrung zuzubereiten - nicht nur für sich selbst, sondern eben zugleich für den Menschen."


    Judith Sigel berichtete 1990, dass ältere Menschen, die ein Heimtier haben, zu 16 Prozent seltener den Arzt besuchen als vergleichbare Gruppen ohne Heimtier. Besonders deutlich wird das bei Hunde-besitzern: 21 Prozent weniger Besuche beim Arzt. Andere Beobachtungen heben die Bedeutung von Tieren für die Bewältigung des Überganges aus dem Berufsleben in die Pension hervor, manche alte Menschen verschieben die Übersiedlung in ein Altersheim, bis das Tier verstorben ist.


    Ganz ähnlich ergeht dies Kindern. Eine Untersuchung am Psychologischen Institut der Universität Bonn fand heraus, dass die Anwesenheit eines Tieres auf einem Bild dazu führte, beruhigend auf das Kind einzuwirken. Menschen, die mit Tieren zusammen dargestellt wurden, wurden von Kindern als weniger bedrohlich eingestuft. Das relativiere ich ein wenig nach den Erfahrungen mit Hunde-ängstlichen (Erwachsene wie Kinder) und nach Erfahrung mit bestimmten Hundetypen. Der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Reinhold Bergler: "Sicherlich können wir heute anhand vieler Studien belegen, dass Kinder, wenn sie mit Hunden aufwachsen, deutlich kontaktfreudiger sind. Ein Hund kann die Erziehung sehr positiv beeinflussen: Das Kind lernt früh, was Verantwortung, Fürsorge und Zuver-lässigkeit bedeuten. Grundvoraussetzung: Der Hund muss artgerecht gehalten werden, und die Eltern sollten ihre Kinder anleiten."


    Durch seine Anpassungsfähigkeit erwies sich in Langzeitstudien zwischen zehn und zwanzig Jahren der Hund als besonders geeignet, das Gefühl zu vermitteln, im besten Sinne gebraucht zu werden und verantwortlich zu sein. Der Hund wird in Zukunft mehr als zuvor gebraucht als Kontaktfinder und Kommunikationshelfer. Der Hund wird gerade bei vereinsamten Menschen durch sein natürliches, soziales Anregungsbedürfnis dazu beitragen, Ängste zu reduzieren, Selbstvertrauen aufzubauen. Er ermöglicht es, auf medikamentöse Behandlung zu verzichten, sprich: auf Abhängigkeit von Pillen und Therapien. In der kontaktfeindlichen Gesellschaft wird der streichelfreudige Hund als Berührungs-therapeut mehr denn je gebraucht. Wo zwischenmenschliche Berührungen als anstössig bis lästig empfunden werden, muss der kuschelfellige Hund als Ersatz herhalten. Er tut es gern, weil das Streicheln und Kraulen von ihm als Fellpflege-Ersatz akzeptiert wird.