Aus dem 356 Seiten starken Jäger-Katalog "Alljagd 1999/2000": "Hundetrainer Tri-tronics The Sportsman". Klein, leistungsfähig, Reichweite bis ca. 800 Meter, verschiedene Einstellungs-Möglichkeiten, kein Schockerlebnis für den Hund."
Es folgen technische Daten und der Hinweis: "Keine Postzulassung in Deutschland." Preis: 845 Mark.
Der Reihe nach: Allein die Bezeichnungen "Hundetrainer", als Steigerung: "The Sportsman" sind zynisch und verräterisch. Dann die Widersprüche in sich: "Leistungsfähig, die Reichweite aber "nur" bis 800 Meter." Der sanfte Hinweis, dass die Wirkung (was sonst?) einstellbar sei, aber - und nun die geradezu obszöne Falschdarstellung: "Kein Schockerlebnis für den Hund." Für wen sonst?
Schon was vom Tierschutzgesetz gehört, Jäger-Katalog-Herausgeber? Dass kein Wort von Elektro-Schock-Gerät oder Teletakt - auch das kennen schon einige Leute als E-Schock-Bezeichnung, die Rede ist, sondern von einer Reichweite, die andere Geräte weit übertreffen, ist für diesen Preis ohnehin lächerlich. Wer von den "Nutzniessern" hat sich Gedanken darüber gemacht, was der Hund tut, wenn die Reichweite zu Ende ist? Ob sich die Schocker übe die Wirkung am Hund bewusst sind, bezweifle ich gar nicht. Sie nehmen den Schock in Kauf. Zumal, um dieser Folter und gleichzeitigem Erziehungsversagen (E-Schock immer als so genanntes letztes Mittel) den letzten Zahn zu ziehen: Die Anwendung und vor allem das Dressurziel ist völlig falsch verstanden.
Ich weiss wohl, wie mittelalterlich noch manche Jägerhunde abgerichtet werden: an lebenden Katzen, mit Stachelhalsbändern und eben reichlich "Saft" aus den E-Schockern. Denn wenn der Hund nicht, wie vom Halter gewünscht, auf wenig Stromstrom reagiert, dann gibt man halt ein bisschen was drauf. Immer mehr, bis der Hund "reagiert". Wo endet das? Im Schockzustand. Bei komplettem Trauma, wenn der Hund schon das "Halsband" angelegt bekommt. Bei komplettem Körperzittern bis zur Hyperventilation. Und das zu Beginn des zweiten Jahrtausends. Ob Jäger oder Nicht-Jäger: Diese Tierschänder haben seit dem Mittelalter nichts dazugelernt - obwohl man dies zu diesem Zeitpunkt nicht anwenden konnte. Schon mal beobachtet, wie ein Hund reagiert, der die Reichweite ausgereizt hat? Was dann? Der gewünschte Effekt ist beim Hasen! Es klappt nur, wenn man wie die Wild-Biologen des Africat-Projects in Namibia, den Leoparden mit leichtem Stromstoss abgewöhnt, Kälber anzugreifen. Die Kälber tragen Glöckchen. Wenn nun ein Leopard mit Teletakt-Halsband ein solches Kalb sieht, bekommt er - beobachtet und fernausgelöst - einen kleinen Stromstoss. Nur so verknüpft er: Kälber mit Glöckchen sind schlecht für mich! Die Wildbiologen starten nun einen Langzeitversuch. Und die Wildbiologen missbrauchen diese Geräte nicht. Bei den Teletraktierern ist dies meist nicht der Fall. Sie drücken nur zu gern auf den Knopf und wünschen dem Hund zu starke Impulse an den Hals. Ich habe solche Hunde gesehen, wie jämmerlich sie geschockt wurden. Der Hund hyperventiliert, erleidet einen Schock der gröbsten Sorte und kehrt nur winselnd zu seinem "Knopfdrücker" zurück. Diese Methode ist deshalb fruchtlos, weil das Wild oder das Auto keine pawlowsche Konditionierung auslöst, die Verknüpfung kann nicht stattfinden.
Es ist Brutalität und damit das völlige Versagen einer versuchten Hundeerziehung. Solche Anzeigen finden sich übrigens auch in Hundezeitschriften und in manchen Homepages. Die zitierte ist nur ein Beispiel. Auf derselben Seite dieses Katalogs finden sich auch ein "Unsichtbarer Zaun", der genauso mit elektrischen Stromstössen arbeitet wie das "Anti-Bell-Halsband". Alle drei Gegenstände sind im Merkblatt tierschutzwidriger Zubehörs der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz aufgeführt.
Rainer Brinks 2000


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