Was für ein hundsföttisches Urteil: Der Richter des Bundes-Verwaltungs-Gerichts hat verraten, dass Kommunen eine fiskalische Waffe zur Eindämmung der Hundeflut in der öffentlichen Hand halten dürfen...
- in einem hundefeindlichen Land. Doch wer hat den pauschal-urteilenden, durch nichts begründeten und kynologischen Unsinn dieser alles auslösenden Gefahrhundeliste verbrochen? Es war der Ausbilder eines sehr grossen deutschen Rassehundevereins (der eine vielbeschäftigte Rechtsabteilung hat - und wir nicht). In dieser Liste wird keine einzige deutsche Rasse aufgeführt (mehr Informationen in "Im Namen des Volkshundehasses"). Welchen Eindruck müssen Hundefreunde, die sich "nur" an einem Mischling erfreuen, von dieser Rassetümelei mit seinen Exzessen haben, bei denen es tierisch menschelt? Sie werden sehen: Dies ist weder eine Kuschelfell-Homepage noch ein internetter Hundebaby-Verkaufsprospekt oder eine Interessenvertretung von Rassevereinen. Wir sind nur Hunden verpflichtet, daher unabhängig und kritisch. Betroffene Hundefanatiker werden bellen. Sie sind gemeint, denn von Verharmlosung haben die betroffenen Hunde wie ratsuchende Menschen nichts. Jedes junge Tier weckt das Kindchenschema im Käufer. Da werden Wunschbilder vom vierbeinigen Bodyguard vorgeschützt: "Ist er zu stark, bist du zu schwach!" oder das Teddybär-Syndrom bemüht. Es sind Welpen, sie werden aber als süssen Hundebabies in mehrfach geschalteten Anzeigen feilgeboten. Mit "Argumenten", die voll ins dahinschmelzende Herz treffen. "Kinderliebe" oder "Intelligenz" ist aber nicht erblich, höchstens erlernbar. Kaum ist der Knuddeldarling zu Hause, geht es los! Hilfe! Der Welpe funktioniert nicht wie ein Haushaltsgerät: Ab zur Psycho-Reparatur. Doch da läuft das Missverständnis munter weiter. Fast alle Hundeschulen fangen beim falschen Subjekt an: beim Hund. Repariert werden "Problemhunde". Ein faule Schuldzuweisung. Wenn schon, dann wurden sie dazu gemacht. Nie war der berühmte Buchtitel von Konrad Lorenz "So kam der Mensch auf den Hund" zynischer als heute. "Zynismus" stammt aus dem altgriechischen cynos (Hund). Das erklärt vieles. Für manchen Hundefan wäre die Anschaffung des Hunderoboters "Aibo" sorgloser: Der muss nicht Gassi gehen, kackt nicht in fremde Gärten - alles ohne Stimmbänder. Mütterlicher Versorgungstrieb bleibt wartungsfrei erhalten. Nur persönliche Defizite wie Aggression oder Liebesentzug werden nicht befriedigt. Aibo hat kein Kuschelfell. Noch nicht.Bis Sie auf diesen Hund kommen, lachen Sie auf meine Kosten: Entgegen meinem Rat in der Mensch-Hund-Typ-Beratung, dass sich ähnliche Typen finden mögen, übertreffen mich meine Hunde an Fitness und Schönheit. Sie lehren mich täglich Biologie, Konsequenz und Disziplin. Unter Gemeinsamkeiten finden sich Neugier, Eigenwille und leichter Vorbiss.
Rainer Brinks, Februar 2000

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