• Verkauft wie verraten

    Konsumverhalten wie beim Kauf eines Haushaltgeräts

    Tierisch paradox: Ausgerechnet in Deutschland, einem der hundefeindlichsten Industrieländer (nur Japaner halten weniger Hunde), benützen Werbestrategen den Hund als Gefühlsförderer. Weil die Kunden, die Zuschauer, angesichts von possierlichen Tieren so ansprechbar sind. Da ist keine Verführungstechnik zu schade. Das bisschen Verständnis für das anpassungsfähigste - und mit wahrscheinlich mindestens 25 000 Jahren weitaus älteste - Haustier verkommt zum Konsumartikel, Plaisierchen oder Kampfgenossen, Bauern legen ihn als gewohnte Nutztierhalter in Ketten, wo ein Bewegungsmelder preiswerter und pflegeleichter wäre. In städtischen Wohnsilos verkommt das Gesellschaftstier in luxuriöser Isolationshaft zum Kuschelersatz, abends, wenn die Halter ihren Frust durch notorisches Fellkraulen ablassen.

    Andere potenzieren angestaute Aggression als Unterdrückte über einen vermeintlichen Sportkumpel, den man meist beliebig unterdrücken kann. Eigenwillige Hunde oder gar Katzen eignen sich nicht dazu. Auf dem tierischen Exerzierplatz gehorcht einem wenigstens der Hund noch aus Wort. Menschen dressieren Hunde mit Gebrüll und Gewalt, weil sie selbst nichts anderes kennen. Der Industriemensch hat zu seinem Hund ein Verhältnis wie zu einem tierischen Haushaltsgerät. Getreu diesem Konsumverhalten werden Hunde produziert und gekauft wie gewünscht, Käufer wie Hunde aber verkauft und verraten. Zum Führen eines Autos muss man einen Führerschein machen, einen Hund kann jeder ungeprüft verkaufen und kaufen, wenn er nur willkürlich erhobene Steuern für ein Mitgeschöpf zahlt.

    Die meisten Käufer sind Mittäter. Jedes junge Tier weckt das Kindchenschema im Käufer. Da werden auch persönliche Wunschbilder auf Hunde übertragen: schutzbedürftiger Mensch will vierbeinigem Bodyguard. Leibhaftig halten kann er ihn aber nicht. Je stärker der Hund, desto durchsetzungsfähiger muss sein Boss sein. Gekauft werden aber vielfach Wunschbilder, gefördert von VermarktungsVereinen, die Rassetiere mit Versprechungen wie "kinderlieb", "intelligent", oder "Familienhund" anbieten, die sich wie serienmässige Konstruktionsmerkmale lesen, aber nicht erblich sind, sondern höchstens erlernbar.

    Pro Jahr werden allein im hundefeindlichen Deutschland mindestens 2,5 Milliarden Mark mit Futtermitteln, Zubehör und an Hunden umgesetzt. 400 000 Hunde werden gezüchtet. Dazu 100 000 aus dem Ausland. Genau so viel landen wieder in den Bio-Sondermüll-Stationen, Tierheime genannt. Der Staat jedoch lässt die Tierheime bar jeder Subvention, kassiert aber am Elend mit. Mit welcher Begründung wird eine Hundesteuer verlangt, aber keine für die sechs Millionen Katzen, die sich rapide vermehren? Wenn schon mit Hundekot argumentiert wird: Wieso wird für einen zweiten Hund der doppelte Steuersatz verlangt wie für den ersten? Kackt der doppelt so viel wie der Ersthund?

    Das Geschäft mit einem lebendigen Markenartikel läuft unter dem steuerfreien Deckmantel des eingetragenen Vereins. Es wird produziert, was die Hündinnen hergeben. Die vor Tierliebe tumben Spontankäufer fallen drauf rein. Massenzüchter gaukeln Liebhaberei vor, und müssen dann abgeben statt verkaufen. Als ob sie sich nur schweren Herzens von den "süssen Hundebabies" trennen würden. Der nächste Wurf ist schon in Arbeit. Das Deckmaterial ist schon im Hause. Inzucht ist unnatürlich; Wölfe in freier Wildbahn meiden Inzest und wandern lieber aus. Wenn die grossen Rasseverbände Inzucht untersagen würden, wie einige wenige kleine Clubs, wären etliche Erbkrankheiten ausgestorben. Aber dann würde man nicht so bequem und häufig produzieren können. Das Geschäft wäre stark rückläufig. Deutsche Welpen sind ohnehin die teuersten. Wer billiger einkaufen will, verramschen dubiose Dealer osteuropäische, meist kranke Welpen gleich an der Grenze oder an Autobahn-Raststätten. Solche armen, viel zu früh vom Muttertier genommenen Hunde sind viel billiger, kurzfristig, bis sich die Behandlungskosten vom Tierarzt häufen.