Neueste Genforschungen fragen: Kam der Hund schon seit 100 000 Jahren auf den Mensch statt umgekehrt?
Kalifornische Forscher haben Gene bei inzüchtigen Hunden gefunden, die für manche erbliche Erkrankungen an Menschen von Nutzen sein könnten. Sie spürten genetische Ursachen auf und können auch einige ursprüngliche Verhaltensweisen beeinflussen. Zu viele Ähnlichkeiten lassen den Schluss zu, dass sich Hund und Mensch schon seit längerer Zeit als bisher angenommen kennen - und ähneln. Der Psychiater Emmanuel Mignot an der Stanford Universität hofft, das für Schlafanfälle zuständige Gen bei enggezüchteten Rassehunden zu finden, die er in Schlaf versetzt. Andere Wissenschaftler machen sich daran, genetische Ursachen für Herzkrankheiten, Epilepsie oder Krebs zu finden. Bei einigen Störungen proben Forscher schon Therapien, zum Beispiel bei der erblich bedingten Netzhaut-Verkümmerung. Hergestellte Kopien des Gens, das für die Enzymproduktion verantwortlich ist, führten dazu, dass ein erkranktes Tier wieder sehen konnte. Kurzzeitig.
Auch die Basis für Verhalten wird durch Genforschung neu durchleuchtet. Es müsse genetisch verankert sein, dass sich einige Talente und Leistungsmerkmale wie Treiben, Hüten, Bewachen oder Herbringen bei etlichen Hundetypen so stark ausgeprägt haben. Weil Mensch und Hund schon so lange miteinander leben, hätten sich auch deren Sozialsysteme angeglichen. Die Tierärztin Karen Overall an der Universität von Pennsylvanien glaubt auch, dass Verhaltensstörungen meist auf Gendefekte zurückzuführen sind.
Mindestens die Hälfte der (Anm. d. Red.: 450) bekannten Erbkrankheiten von Hunden ähneln bestimmten menschlichen Störungen, behauptet auch die Genetikerin Elaine Ostrander am Krebsforschungszentrum von Seattle. Die US-Forscher vermuten, dass die weit überwiegende Mehrheit des vollständigen Chromosomensatzes (Genom) von Hund und Mensch gleich ist.
Durch neue genetische Untersuchungen von Biologen und Zoologen der Universität von Kalifornien wankt die auch Theorie an der Domestikation des Wolfs zum Hund durch den Menschen. Eine Wissenschaftlergruppe um den Zoologen Robert Wayne fand heraus, dass Wolf und Mensch schon vor über 100 000 Jahren ein "Verhältnis" miteinander hatten. Sie vermuten, dass sich der Mensch damals stark verändert habe und den Wolf quasi mitgenommen habe, als er von Afrika in den Orient ging. Sein Gehirnvolumen vergrösserte sich und er musste neue Situationen beherrschen lernen. Der Tierarzt Gregory Acland (der mit Elaine Ostrander eine Karte des Hunde-Erbguts schuf) von der Cornell Universität in Ithaca geht weiter. Er glaubt, dass die frühen Hunde nicht mit vollständig domestizierten Menschen gelebt hätten. Der Mensch war damals noch gar nicht dazu fähig, Hunde an sich zu trainieren. Der Hund habe vielmehr von selber eine bequeme Lücke beim Menschen gesucht, gefunden und ausgefüllt. Bei gemeinsamen Jagdausflügen habe er sich dem menschlichen Jäger angeschlossen. Dabei fiel stets Beute für ihn ab. Dies ist freilich nicht neu. Wird aber durch die "zusammenarbeit" griechischer Fischer mit Delphinen bestätigt. Der Mensch bediente sich der tierischen Beutejäger beim Aufspüren, beide begleiteten einander mit zunächst gebührendem Respekt der Jagd, zum Dank entlohnte der menschliche Erbeuter dem Jagdgenossen sein Aufspüren mit Beutestücken. Die Jagdgemeinschaft, ein Zusammenarbeiten war geboren.
Insofern stimmt die Vermutung, dass der Hund ein hochintelligenter Abfalljäger des Menschen ist. Er nimmt sich nur, was er kriegen kann. Bis heute in allen Formen.
Wie geschickt er sich danach beim Menschen eingeschlichen hat, spricht auch nicht gegen ihn, nur für seine grösste Anpassungsfähigkeit. Er half dem Menschen weiter, beim Hüten, beim Lastenziehen, beim Beschützen, als Gesellschafter. Sein Segen. Dass ihn der Mensch zeitlebens auch ausgenutzt und missbraucht hat, war und ist sein Fluch.
Die neuen Genforschungen werden hoffentlich mehr Heilung bringen - für Hund und Mensch.


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Top Themen