Was so genannte Kynologen (eine nicht erlern- oder gar studierbare Selbstbetitelung) als "Rasse" bezeichnen, ist in über 90 Prozent nur ein Farbschlag. Der amerikanische Kennel-Club kennt nur rund 150 Rassen. Seine. Auch die - kleinere - europäische Rassehunde-Kommission FCI "anerkennt" nur ihre eigenen "Rassen". Es sind aber gleich 400. Seit wann steht es einer Kommission zu, Lebewesen überhaupt anzuerkennen oder nicht? In einem Verband konkurrieren teils mehrere Vereine um dieselbe "Rasse", teils wird ein zweiter mit allen menschlichen Mitteln rüde abgebissen. Ein Berliner Hundeausbilder erzählte mir den Witz über den grössten deutschen Rassehundeverband: Sein Symbol würde künftig eine Ziege und eine Schwalbe zieren: Wer meckert, fliegt!
Es gibt einige andere Verbände, sie sind nur
kleiner. Viele Züchter glauben gar, sie dürften ohne
Verein gar nicht züchten. Sie haben sich abhängig machen
lassen. Woher kamen dann früher die ganzen Hunde her - ohne
Verein? Es geht um Rassehunde, die vertrieben werden. Gegen
ordentliches Entgelt. Sonst müssten sie die Züchter ja
alle behalten. Warum züchtet man sonst so viel und so viele
Varietäten? Was macht einen Rassehund so teuer gegenüber
einem Mischling oder Tierheimasylanten? Ich frage mich ja nur immer
wieder. .
Entscheidend für diese biologische Ordnung sollten ursprüngliche und aufgabengeprägte Eigenschaften und ihre daraus resultierenden psychischen und physischen Anforderungen sein. Die "Ordnung" ist natürlich übergreifend wie gleichzeitig engstirnig, denn Hunde belehren durch Vielseitigkeit dank variabler Abstammung und durch immer wieder faszinierende Multi-Talente. Dabei könnte man es belassen. Freunde von Mischlingen tun dies.
Was treibt die Rassefans? Sucht nach dem Uniformen als Vorstufe des Klonens oder die Vervielfältigung eines Statussymbols, je exklusiver, desto teurer?
Die wenigsten Rassen sind wirklich alt, meist sind es Arbeitstypen, die von Moden verschont blieben. Bisher wurde noch jede Moderasse fast zugrunde gezüchtet. In den 30er Jahren waren es die Foxterrier, die sich schon im Wurflager gegenseitig abmurksten; diese Hunde würden heute in allen Gefahrhundelisten stehen, sind aber unter 40 Zentimeter hoch. Später - dank Lassie - der Collie, dann Bobtail, Cocker-Spaniel, Basset Hound, Deutscher und Belgischer Schäferhund, Rottweiler, Dobermann, Berner Sennenhund, Golden und Labrador Retriever, Irish Wolfhound. Habe ich eine "Rasse" vergessen? Sicherlich. Die Nächste, bitte!
Dürrbächler Anfang 1900 ****Berner Sennenhund 2000 Aber die "alten Rassen" sahen (siehe oben) vor ca. 100 Jahren so verschieden aus, dass sie heute durch keine Rasse-Bewertung kommen und disqualifiziert würden. Der Leonberger war früher zu Kaiserin Sissis Zeiten silbergrau und hatte die gesunde Figur eines Hovawarts. Boxer sahen aus wie heute ihre Molosser-Verwandten aus Frankreich, die Bordeaux-Doggen. Der Deutsche Schäferhund hatte einen geraden Rücken.
Die meisten modernen Rassehunde sind gerade mal 100 Jahre alt. Sie entstanden aus Mischungen. Zuerst aus Gründen der spezifischen Leistung, heute nur noch aus optischen Motiven. Früher wurden Hundetypen meist nach ihren Gegenden benannt, in denen sie arbeiteten. Die doggenähnlichen Schutz- und Wachhunde um Epirus im alten Griechenland nannte man nach einem ihrer Hauptstämme: Molosser.
Auf keinem Tiergebiet gibt es jedoch solch ein unwissenschaftliches Varietäten-Splitting in Rassen wie bei den Rassehundlern, und dann noch von Verband zu Verband unterschiedlich beurteilt. Es sind oft nur nach Urkunden heischende Menschen oder nationaler Stolz, die Rassen entstehen lassen, wo keine biologischen Unterschiede sind.
Sie werden zu Rassen erhoben, damit es mehr Pokale und Urkunden gibt. Das ist der einzige Grund für die Rassenflut. Ein nicht-weisser Bolonka Zwetna ist zum Beispiel nichts anderes als ein Bologneser, der nur weiss sein darf. "Bolonka" ist polnisch für "Bologneser".
Die Hunde-Rassler sollten sich mal ein Beispiel an der englischsprachigen Hundewelt nehmen, denn die kennt korrekterweise nicht die Übersetzung für Rasse "race", sondern "breed" (Zucht). Eine logische Bezeichnung. Mischlinge sind deshalb nicht Un-Zucht. Das tun andere.
Der ganze eitle Statussymbolik namens Rassenstolz schlägt nun zurück. Wer einen anständigen vereinsfreien Mischling sein eigen nennt, kommt derzeit nicht in Verruf. Wer stolz auf eine der pauschaliert "gefährlichen" Rassen war und dies auf dem Ordnungsamt schön brav erklärte, auf den greifen nun die Behörden zurück: danke für die Selbstauskunft.
Wollten diese Leute Statussymbole oder nur einen Hund? Jetzt hätten sie gerne einen Mischling gehabt. Für manchen armen Hund kommt diese wenig prestigeträchtige Einsicht zu spät. Er wurde verraten, so flugs wie gekauft.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf! Ihr Rainer Brinks P.S. Wir zählen nun im fünften Monat schon über 350 000 Besucher. Danke für das Vertrauen.


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