Was ist ein Hundesupermarkt? Diesen Begriff hatte ich für alle Hundehändler gewählt, die zig Rassen feilbieten, bei Bedarf gar von dubiosen Züchtern zukaufen, eben halt die Moderassen, die der Markt so verlangt und hergibt. Und er verlangt sie offensichtlich. Denn die Fragerin war eine Schülerin, für die der Kaufpreis eines Malteser-Welpen von 1 200 Mark bei einem regulären Züchter nach ihrem Bekenntnis zu hoch war. Nun wollte sie wissen, ob es preisgünstigere Möglichkeiten gibt, einen solchen Hund anzuschaffen. Eben einen solchen Hundesupermarkt, wo man vielleicht in einem tierischen Regal wühlen und probieren kann? Und später bei Nichtgefallen umtauschen? Ich habe nicht geantwortet, weil ich höflich bleiben wollte.
Es ist manchmal schockierend, wie unnatürlich manche Tierkäufer denken und handeln. Sie sind überrascht bis entsetzt, wenn ein Welpe wächst, wenn sie staunen, dass er ihnen über ihr Vorstellungsvermögen gewachsen ist. Sie sind so unnatürlich geworden, dass sie von einem Haustier als Haushaltsgerät ausgehen. Geräte wachsen nicht mehr, sie funktionieren.
Exakt so denken viele Hundebesitzer bei der Ausbildung ihrer Anschaffung. Er soll möglichst auf Knopfdruck das können, was sie von ihm fordern. Sofort, ohne Fehler. Sonst wird er in die Reparatur gegeben. Die Hundereparaturwerkstätten verdienen an der technisierten Einstellung der Hundekäufer. Hundehalter sind sie nicht, denn sie können das Ding da vorn an der Rolle nicht mal halten. Die meisten Hundehalter wollen nicht mit dem Hund lernen. Selbst das schlechteste und verlogenste Hundeverkäufererziehungsbuch ist besser als diese technisierte Haushaltsgeräteeinstellung. Da steht immer noch mehr drin als manche Leute zu wissen glauben.
Ein Hund wird nur angeschafft. Meist der falsche. Wunschdenken auf vier Beinen. Doch die Menschen, die sich vor dem Spontankauf informieren müssten, lesen lieber über ein neues Haarfärbemittel oder eine neue Digitalkamera. Und wenn das Einzelkind schreit: Ich will einen Kuschelhund, dann kriegt er ihn. Ruhigstellung live. Und dann steht es verloren und verlassen stundenlang herum - der gekaufte und verratene Hund. Das süsse Knuddelding wächst, die Käufer sind empört, sie haben ihn doch in einem anderen Zustand, mit allen Versprechungen gekauft!
Und dann lebt der Welpe, er entleert sich, was er fressen musste - igitt! Kann er nicht aufs Klo wie andere Menschen auch? Er nagt und knabbert! Das wussten wir aber nicht! Die übliche Litanei der dümmsten Ausreden der Welt.
In Tierarzt-Menschen-Kontakthöfen sitzen die Patienten mit zwei Beinen. Und reden von ihren neurotischen und degenerierten Hunden, die nur gelernt haben, sich so wie ihre Besitzer zu benehmen.
Fragen Sie mal Tierheimmitarbeiter, was sich die so anhören müssen.
Eine Frau klingelt am Sonntag im Tierheim Ludwigsburg. (Tierheimmitarbeiter haben ja rund um die Uhr verfügbar zu sein, es sind ja blöde Idealisten.) Neben ihr eine junge Tibet-Mastiff-Hündin. Sie habe die Hündin mit sechs Monaten von einem Züchter aus einem Rudel gekauft. Nun zerstöre sie alles. Nach den 2 000 Mark für die Hündin habe sie das Geld nicht für einen Trainer. Der (deutsche) Züchter wolle die Hündin nicht mehr zurücknehmen. Die Tierheimleiterin schickte sie noch mal spazieren, damit sie sich das noch mal überlegen kann. Dann stand die Frau wieder unten. Sie musste ein Papier unterschreiben, dass die Abgabe unwiderruflich ist. Denn noch mal wird ein so instinktsicherer Herdenschutzhund diese Trennung nicht mehr verkraften. Zuvor liess sie die angenehme Hündin eine Dreiviertelstunde im Auto.
Die Hündin fühlt sich im ausgesuchten Rudel der Tierheimleiterin inzwischen pudelwohl. Ihr fehlte die Gesellschaft. Sie erhielt bei der Besitzerin die doppelte Höchststrafe für Rudeltiere: Isolation und Trennungsangst. Exklusive Ware gekauft, damit man prahlen kann, dann im Handumdrehen instinktlos abgeschoben. Der Hund als Wa(hr)e Liebe. Männer fragen angesichts eines anzuschaffenden Welpen, der nicht zu den Schosshunde-Rassen gehört: Kann man den scharf machen?
Es gibt Züchter, die haben die Schnauze voll von solchen Käufern. Sie gaben auf. Letzte Nachricht: Der von Sony hergestellte Roboter-Spielzeughund „Aibo" soll deutlich billiger werden, weil sich bislang nur Japaner für den niedlichen Blechhund erwärmten. Ich empfehle den Kultkunsthund „Aibo" massenweise für das Marktpotenzial von 90 Prozent der Hundekäufer einzuführen, die dafür zehn Prozent des Kaufpreises an Tierheime abgeben. Zwangsweise. Wir sind in Deutschland!
Liebe hundefreunde in de und im zwar deutschsprachig, aber hundefreundlichen Ausland: Helfen Sie mit, einen leider eingebürgerten Begriff auszurotten: den Sachverstand, wenn es um Lebewesen geht. Dagegen ist Fachverstand gefragt und bitter nötig. Sachverständige werden weiterhin ihre Sache betreiben. Ein Buchstabe sagt viel über das Denken.
Stand in Sachen Menschen gegen Hunde: Ein paar durchgeknallte Studenten empfehlen den Luftgewehrkrieg gegen „shitbulls", siehe kurz gemeldet.
Passen Sie gut auf Ihre vierbeinigen Gesellschafter auf!
Ihr Rainer Brinks


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Editorial