Aurora Brizzi aus Assisi
Als ob wir in Deutschland nicht genug Tierquälerei oder Tierschützer hätten - dennoch oder gerade deshalb schreibe ich hier über Aurora Brizzi. Weil wir auch bei Tieren schon lange nicht mehr national denken und handeln sollten. Wenn solche Begriffe schon Mode sind: Sie ist für mich die Tierschützerin des Jahres.
Warum? Ausgerechnet vor dem Touristen-„Tempel" des bekanntesten und verehrtesten Tierschützers aller Zeiten, des im zwölften Jahrhundert vom „Playboy" und reichen Sohn zum freiwillig Armen konvertierten Franziskus von Assisi, ausgerechnet an seiner Wirkungsstätte des auch unter Nicht-Katholiken hoch geschätzten Schutzpatrons aller Tiere befand sich ein „Tierheim" - auf dem Müllplatz der berühmten Stadt.
Die Deutsche Künstlerin Ute Langenkamp und ihre italienische Freundin Aurora Brizzi fanden vor einigen Jahren 250 halb verhungerte Hunde und 60 Katzen vor, die sich zwischen Glasscherben und Giftfässern und sonstigem Müll aufhielten und ihren Kot fressen mussten. Kein Tier war gesund. Bei 50 Grad im Sommer. Im Winter erfroren Tiere.
Aurora Brizzi wollte sofort helfen, aber die Stadtverwaltung liess sie nicht. Sie zeigte die Stadtverwaltung und die staatliche italienische Tierschutzorganisation ENPA wegen Tierquälerei an. Die Verwaltung trug ihr darauf in einem vermeintlich schlauen Manöver die Leitung des Tierheims an. Die Tiere erhielten nun täglich ordentliches Futter und wurden medizinisch versorgt. Die alten Hütten wurden desinfiziert und mit Schutz versehen. So gut es eben ging. Die Tiere dürfen aber nur am Sonntag auslaufen, wenn kein Müllautos fahren. Sie müssen über Glasscherben und Abfall laufen. Das mieseste Tierheim Deutschlands ist ein Luxushotel gegen diesen Zustand.
Die reiche Stadt war nicht bereit, einen anderen Platz für ihr Tierheim zur Verfügung zu stellen. Ein besonders zynisches Armutszeugnis für eine Stadt, die von der Berühmtheit des Tierschützer-Sohnes und Ordensstifters profitiert. Also taten sich Freunde zusammen und kauften ein Grundstück, wo nun die inzwischen drei „Tierlager" aus 70 Kilometer Entfernung zusammengelegt werden können. In diesen Lagern befinden sich nun gut 600 Hunde und über 200 Katzen. Das Grundstück konnte aber nur angezahlt werden. Aurora Brizzi und ihre ebenfalls ehrenamtlichen Helfer brauchen dringend Hilfe, um den Tieren eine halbwegs angemessene Unterkunft zu gewähren. Und das Grundstück muss schnell abbezahlt werden.
Dass sich die Stadtverwalter des berühmtesten Tierschützers Assisi so beschämend verhält, ist kein Grund, in diesem vergleichbar beschämenden Land nichts zu tun. hundezeitung.de ist vorsichtig mit Spendenaufrufen, aber bei dieser Bitte gibt es für den Autor keine Zweifel. Er legt seine Hand für die starken Frauen Aurora Brizzi und Ute Langenkamp ins Feuer. Wenn man Untersuchungen glauben darf, wollen die Deutschen besonders zu dieser besinnlichen Zeit für gute Zwecke spenden. Na denn.
Informationen: Förderverein Tierhilfe Aurora, c/o Ute Langenkamp, Uhlandstrasse 20, D-72135 Dettenhausen, Fax: 07157-67102. Spendenkonto: Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641500 20, Kontonummer 24 80 460.
Webmaster und Chefredakteur wünschen friedliche und heitere Feiertage. Und passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr Rainer Brinks


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