• Letter from America

    10. Januar 2001

    Letter from America

    Amerika, hast du es besser? Gosh! Woher kommt so mancher hanebüchene menschlicher Unsinn, wenn es um die geliebten Pets geht? Richtig. Aus den USA, dem Land mit den Riesen, weil sie aus lauter Petischismus und Infantilisierung die Rüden noch vor der Geschlechtsreife kastrieren lassen, damit sie grösser werden und kindlicher bleiben (US-Annahme der Züchter). Manche machen hier das allzu gerne nach.

    Das Showdog-Unwesen treibt in USA die schrillsten Blüten. Dann schwappt die Dekadenz über Teich mit Internet-Speed. Diverse entzückend-niedliche Hüte oder ultraschräge Sonnenbrillen, die dem Hund aufgedrängt werden, verraten die den hohen Grad an infantiler Vermenschlichung. Tiermediziner, vor allem aber modisch-esoterisch werbende Therapeuten lachen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen. Ihre Zukunft ist gesichert.

    Ein alter Hut, und in jeder Hundeschule mit dem Anspruch der ungelernten aber abgeschriebenen Verhaltensbiologie gehört das zum Wissensinventar, ist schon die Züchtung zum Kindchen-Schema. Glupschaugen, verkürzter Nasenraum (Stupsnäschen) und kämmintensives Barbiepuppenhaar werden in Form eines Streichelhunds gern gekauft. Dazu kommen dann die genetischen Verkaufslügen der serienmässigen „Kinderfreundlichkeit". Natürlich nur bei der eigengezüchteten Rasse. Einen Hund als „Familienhund" zu verkaufen ist wie Eulen nach Athen tragen.

    Diese Verschosshundlichung gab es freilich schon früher. Mätressen wurden auf diese Weise freundlich gestimmt. Von betrogenen Ehefrauen sind derlei Hundespezifikationen nicht bekannt. Wohl aber als sexuelle Gebrauchshundchen, wie unverhüllte Kunstmaler schon im 17. Jahrhundert festhielten.

    Heute werden Fehlpigmentierungen - gegen jede tiergenetische Erfahrung - geradezu aus designerischen Gründen gefördert, wozu sich auch manche ins Feld geführte Propagandisten wie eine amerikanische Tiermedizinerin nicht zu Schade sind: Sharon Lynn Vanderlip propagiert Rassehunde mit Merle-Faktor. Und die unbelehrbaren Züchter klammern sich nur an solche Argumente. Wie üblich. Kritik, wie die von Tiergenetiker Wilhelm Wegner, wird gern ignoriert.

    Eine deutsch-stämmige Leserin mailte aus Texas: „Was mich hier massiv ärgert, ist die Gleichgültigkeit vieler Hundehalter. Freilaufende und vom Auto überfahrene Hunde sind Alltag. Jede Woche sehe ich mindestens drei tote Hunde am Strassenrand. Das Tierheim killt bis zu 97 Prozent aller Abgabetiere. Letzten Monat traf ich zwei Ausbilderinnen aus Schweden. Die waren genau so schockiert. Es ist das extrem vom total vermenschlichten Hund mit Nagellack auf den Krallen, gefärbtem Fell und eigenen Kleiderschrank, und dem Wegwerfhund am anderen Ende."

    Der neueste Hit: Laut einem Artikel der „Toronto" Sun ist die neueste Masche der Drogenhändler, die Stimmbänder ihrer Pitbulls zu durchtrennen, damit sie lautlos angreifen. Ohne Tierarzt kaum machbar? Hier diskutiert man schon seit Monaten darüber.

    Nach aller Erfahrung kommen amerikanische Trends nach fünf Jahren zu uns. Früher. Nun muss es aber schneller gehen.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf. Viel Freude und Gesundheit im neuen Jahrtausend wünscht

    Rainer Brinks