• BILD und der Pudel-Präsi

    1. Februar 2001

    BILD und der Pudel-Präsi

    Tausche Pitbull gegen Pudel-Präsi. So hätte meine Schlagzeile lauten müssen, wenn, ja wenn es nach dem Pudel-Präsi gestimmt hätte, was da in BILD stand. Es erschien unter der Schlagzeile "Pudelpräsident fordert zum Umstieg auf".

    BILD bot Rolf Eggerking, Präsident des Deutschen Pudel-Klubs im VDH, für diese Story eine millionenfache Plattform. Da kann man schon mal ins Plaudern kommen. Er vertritt ja seinen Rassehund Pudel. Warum ging er aber den BILD-Reportern dermassen schnell auf dem Leim? Was hätte der Pudel-Präsi verbrochen, wogegen er sich nun wehrt? Zitat von BILD laut Eggerking: "Besitzer von Kampfhunden sollten ihre Tiere gegen Pudel eintauschen!"

    Allein der Gedanke, vermutlich unliebsame Hunde gegen einen Pudel - natürlich nur aus seinem Geschäftsbereich, sorry: Klub - einzutauschen, wäre tierschutzwidrig. Er riefe eindeutig zum Wegwerfen eines Hunde gegen seine Rasse auf. Oder geht es dem Klub und seinem Absatz an Pudeln so schlecht, dass er zu diesen unfassbaren Mittel des Tauschgeschäfts aufrufen muss - und BILD ist pudelwohl dabei. Dass BILD dabei auch noch - vermutlich aus purem Desinteresse, der Rest ist miserable Recherche - schreibt, dass in Deutschland Hunderte Hundehalter ihre Pitbulls, Staffordshire-Terrier oder Rottweiler abgeben mussten, das ist nebensächlich, weil gewöhnlich. Es mussten nicht nur Hunderte von Hunden dran glauben, aber einfach so "abgeben"? Und welcher Rottweiler wäre dabei abgegeben worden? Diese EinBILDung wäre ja noch schöner.

    Dass aber - wer hat nun wirklich? - ein Tauschgeschäft draus schlagen möchte, wäre so ekelhaft wie durchsichtig. Davon abgesehen, wieviel Stuss - wer hat nun wirklich? - über die wie einen Autotest verglichenen Pudel und Pitbull etc. schreibt: "Der Pitbull gilt als eigensinnig und dickköpfig (Anm.: was wohl auch noch dasselbe ist - wenn auch beides pauschal falsch). BILD zitiert so aber Eggerking. Danach verstünde der Mann nicht mal die Grundlagen des Verhaltens von Hunden, denn: "Schon als Welpe sollte der Pitbull soziales Verhalten lernen, dann bleibt er treu."

    Weiter: "Ist selten verschmust, kein Schosshund." Alle mal lachen. Selten habe ich mehr verschmuste Hunde getroffen als ausgerechnet unter den drei berüchtigten kleinen Muskeltieren. Klein? Da steht unter Grösse, Gewicht bei den Tauschobjekten: "Erreicht Schulterhöhen bis 70 cm und dabei ein Gewicht von 80 bis sogar 100 Kilo." Stammt diese Big Molosser-Mutation nun von BILD oder vom Pudel-Präsi? Ich tendiere im Zweifel pro Pudel-Präsi. Ach, ist das lustig, was der Pudel-Präsi da von sich gibt, laut BILD, so fürchterlich uneigennützig: "Er sei unfähig, aggressiv zu reagieren." Der Pudel. Der Präsi weiter: " Sie können kräftig bellen. Ein Einbrecher, der nicht hinter die Tür sehen kann, ergreift dann lieber die Flucht." Jau. Und der lacht sich noch auf der Treppe tot. Oder war das wieder O-Ton BILD? Dass der Präsi - wie alle Rassehundler schreiben sie nicht veranlagte Eigenschaften wie zum Beispiel Intelligenz als gegeben vor - natürlich auch die alte Mär vom hochlehrreichen Pudel (als ob andere das nicht auch wären) betont, ist seine Aufgabe als Lobbyist, die bei BILD (wissentlich?) unredigiert durchgeht.

    Aber nun betet der Präsi auch diese biologische Dummheit nach von "einer überdurchschnittlichen Intelligenz." Und er behauptet: "Nicht bissig". Da lachen nicht nur die Hühner. Damit diejenigen, die ich gezielt treffe, nicht falsches Zeugnis geben können: Hier wird nie etwas gegen die Hunde stehen.

    Was würde dafür eine vergleichbare Anzeigenseite kosten mit der Headline: "Einmalige Tauschaktion: Ihre gefährliche Dreckstöle gegen unsere süssen Silberlocken-Pudel." Zu verlockend, diese Darstellungschance, um darauf verzichten zu können?

    Der Präsi erschrak nun aber über die Reaktion und verschickte nun eineGegendarstellung an alle via Internet.

    Da sieht die Chose nun ganz anders aus. Nie gesagt, einfach Aussagen gemischt, die BILD wollte gar "den Pudel als Alternative für Menschen, die sich mit der Anschaffung eines Hundes befassen, darstellen". Eggerking betont in der Gegendarstellung: "Der Freund Hund ist kein Umtausch- oder Wegwerfartikel." Freilich auch folgendes, das die Uneigennützigkeit des Pudel-Präsi auch darstellt: "Bei manchen Hunderassen liegt die Reizschwelle tiefer als bei anderen." Womit er tief liegt im Unwissen. Er kocht doch ein bisschen auf dem Süppchen, das ihm raffinierte wie gewissen- und ahnungslose BILD-Reporter unters Kinn schoben?

    Ist er nun entsetzt, dass seine Pressefreundlichkeit so entartet dargestellt wurde? Auf die BILD-Bitte, doch wenigstens kurz die Eigenschaften und Vorzüge der Rasse Pudel darzustellen, habe er das getan. Ist der Präsi nun erschrocken von dem, was er da naiv-pudelselig dem Reporter gesagt hat? Wenn der Präsi mit seiner Darstellung recht hat, dann hätte ihn BILD schlicht verarscht. (Jeder Verein verdient seinen Präsi.) Wenn nicht, wer ist dann der begossene Pudel, der das Image der Hundefreunde weiter beschädigt, damit seine Hunde schön dastehen? Warum hat er sich dazu überhaupt geäussert?

    Hundezeitung.de fragte den Präsi nach seiner Gegendarstellung, was nun wirklich geschehen sei. Umgehende Antwort einer Helga Watzema: "Unser Präsident Herr Eggerking hat die Anwaltskanzlei Becher in Dortmund eingeschaltet. Wir erwarten von der BILD-Zeitung eine Gegendarstellung auf der gleichen Seite und in gleicher Grösse, ohne Weglassen einiger Passagen."

    hundezeitung.de bat dazu wiederum die BILD-Redaktion um eine Stellungnahme. Dort hat man eine Woche nach dem Frage-Mail sich dazu entweder noch keine Meinung gebildet oder die Schnauze voll oder keine Lust, auf eine Frage online zu antworten.

    Es bleibt was hängen.

    Passen Sie bloss auf Ihre Hunde auf! Zur Zeit werden ihnen von 100-Kilo schweren Kampfhundlern gegen Vorzeigen eines BILDs brutalstmöglich - ob Pudel oder nicht, wer macht da schon einen Unterschied? - Ihre Hunde eingetauscht!

    Ihr Rainer Brinks