• Halbamtlicher VDH-Führerschein?

    18. Mai 2001

    Halbamtlicher VDH-Führerschein?

    De facto hat der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) als unvergleichlich grösster Rassehunde-Verband eine Quasi-Monolpolstellung. Die trachtet er verständlicherweise auszubauen, schon deshalb, weil man ihm dies stillschweigend zugesteht. Würde der in einer ähnlich fast konkurrenzlosen Stellung befindliche ADAC so halbstaatlich agieren wie der VDH (siehe Wesenstester und Brief im "Top Thema"), so wären schon die Kartellrechtler am Klagen.

    Der VDH hat wegen der pauschalen Hetzjagd auf Listenhunde denn auch nach eigenem Bekunden eine Million Mark in Aufklärungsarbeit an Politiker investiert. Das zeigte die Wirkung, wie wir sie kennen. Sein "VDH-Hundeführerschein" verbindet das Ansinnen, die Monopolstellung abzusichern. Natürlich nicht umsonst. Die "einheitliche Kursgebühr plus Teilnehmerpaket mit Schulungs-Unterlagen" kosten zusammen 180 Mark. Die Prüfungsgebühren kosten noch mal 50 Mark extra. Nichts daran ist ehrenrührig. Es geht auch erst einmal nicht um den Inhalt, nur um die Form der Durchsetzung und Installierung. Denn so untermauert der VDH etwas, was vom Gesetzgeber gar nicht gefordert ist, will aber vor einem möglichen Gesetzesvorhaben Tatsachen schaffen. Würde dies einer der kleinen "Konkurrenz"-Verbände machen wollen (aber die schlafen ja weiter), wäre dies ein normaler Vorgang, aber vom VDH rüde bekämpft. Der VDH schafft sich eine halbamtliche Position. Dank seiner Stellung.

    Was wird aus der "Begleithunde"-Prüfung? Viele Hundehalter machen die letztere ja auch schon aus der Angst heraus, man müsse sie ablegen. Nichts muss man in dieser Beziehung. Aber viele Halter jener Hundetypen, die man als mindestens mittelgross bezeichnet, agieren unter Druck. Der lässt sich weidlich ausnützen nach dem vermeintlich fürsorglichen Motto: Macht unseren Hundeführerschein, und ihr seid unter dem Protektorat des VDH alle Sorgen los. Das könnte das Motiv sein, neben dem einträglichen Geschäft. Sozialverträgliche Teams aus Halter und Hund hat es auch schon ohne diese Geldmacherei gegeben. Dazu braucht man keinen Verein. In den USA, nur um mal einen Massstab zu setzen, gibt es mehrere Rassehundeverbände, die klar grösser sind als der VDH und die vom VDH regierte FCI zusammen. Aber dort könnte sich keiner dieser Verbände eine derartige Machtfestigung erlauben, die vorsorgt, dass es quasi eine Hundehaltungs-Berechtigung nur von eines Interessenverbandes Gnaden gibt.

    Mischlinge werden vom VDH nicht standesrechtlich vertreten. Verständlich für einen reinen Rassehunde-Zuchtverband. Doch auch hier ist die Quasi-Monopolstellung machtvoll inszeniert. Der VDH muss aufpassen, dass er nicht in die Fänge des EU-Wettbewerbs- oder/und Kartellrechts-Kommissare gerät.

    Passen Sie gut auf ihre Hunde auf! Ihr Rainer Brinks

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