• Kein Biss mehr in den Medien

    15. September 2001

    Kein Biss mehr in den Medien ?

    Es ist fast unheimlich still geworden in den Medien, wenn es um Beissattacken von Hunden geht. Was ist los mit Deutschlands Hunden? Haben die Journalisten keinen Bock mehr auf Hundebiss-Stories? Sind gefahren-relevante Hunde gebisslos geworden?

    Ich habe zumindest in den letzten acht oder neun Monaten keine Meldung mehr gelesen oder von einer gehört, wo ein Biss von einem Hund der Inhalt war.

    Bis diese Meldung, ganz versteckt, vor wenigen Wochen auftauchte im Internet, in den Kreisnachrichten in Schleswig-Holstein. Nicht im Fernsehen, nicht mal in der BILD. Nicht aufgemotzt. Nichts. Aber wir vergessen nicht.

    Es ging um diesen tödlichen Unfall mit einem Deutschen Schäferhund, der ein elfjähriges Mädchen totgebissen haben soll. Sie spielten nach Angaben der Eltern im Garten. Niemand war zugegen. Hund und Mädchen kannten sich. Das Mädchen soll im Teich (als Elfjährige?) am Ertrinken gewesen sein, der Hund soll sie versucht haben zu retten. Und so weiter der Spekulationen. Beisst ein Hund dann tödlich zu?

    Die Eltern haben zunächst eine Obduktion des Mädchens untersagt. Warum? Auch die des Hundes, der eingeschläfert wurde. Ohne untersucht zu werden. Ein anderer Hund, unbeteiligt, ist in ein Tierheim abgeschoben worden. Warum das denn? Denn sollte der Hund doch, einige Tage danach, obduziert werden, weil neue Spekulationen auftauchten, ohne dass einer der Spekulanten auch Tatsachen wüsste. Auch ein epileptischer Hund beisst keine Jugendliche tot. Schon gar nicht, wenn auch ein gesunder Hund einen Menschen retten will. Welches Heldenmärchen will man uns hier auftischen? Hier wird was geschützt? Der deutsche Dienst-Hund. Der Deutsche Schäferhund kann nichts für dieses Theater. Er ist ohnehin ein armer Hund.

    Das eigentlich Rätselhafte und Unfassbare aber ist: Warum wurde dies alles - fast professionell - so totgeschwiegen? Wehe, ein so genannter Listenhund hätte dies verursacht!

    Weil es der deutsche Diensthund Nummer eins ist. Weil er alle Dummheiten der Listen aufdeckte, was so klammheimlich durchgesetzt werden sollte. Weil er ein rassehundpolitischer Betriebsunfall war.

    Nun bin ich hier der letzte, der den Deutschen Schäferhund auch auf diese Liste setzen würde. Sie kann dadurch nicht richtiger werden. Aber es ist eine Blamage ohnegleichen, und eine Bestätigung des rassehundpolitischen Ränkespiels der Verordner und der vereinspolitischen Mithelfer, wie dieser Fall unter den Medienteppich gekehrt wurde. Ein Pitbull hatte letzten Jahr diese Hysterie ausgelöst. Und nun? Nichts. Betretenes Schweigen. Die Medien mögen auch künftig so behutsam schweigen, wenn nichts bewiesen ist.

    Wahr ist wohl, dass die Beissattacken nicht nur in den Medien fast verschwunden sind. Wahr ist auch, dass Hundehalter aller Arten duch den bundesweiten Schock über die teilweise totalitären Massnahmen ihre Hunde so unter Kontrolle haben, dass es zu keinen relevanten Bissverletzungen mehr gekommen ist, seit den Erlassen der Landesverordnungen.

    Wahr ist sicherlich auch, dass viele der so genannten Kampfhunde nun sehr vorsichtig geführt werden, die meisten einen - wie auch immer gearteten -"Wesenstest" bestanden haben oder eben den verlangten Maulkorb tragen.

    Es ist auch so, dass etliche Hunde verschoben oder versteckt wurden, ins Ausland, bei Freunden etc.

    Aber es ist auch wahr, dass etliche Hunde, auffällig oder nicht, getötet wurden. Und nicht nur, weil es der Amtsschimmel befahl.

    Nicht wenige der vorher so fürchterlich hundeliebenden Besitzer haben sich ihres Hundes entledigt: selber einschläfern lassen durch verantwortungslose Tierärzte, oder einfach ermordet auf jene Weise, die man auch vereinzelten öffentlichen Organen vorwerfen kann.

    Aus Imponierkampfgenossen wurden teilweise auch flugs Kampfschmuser. Vorher ging man gern auf den Schutzhundeplatz und konnte einen beachteten "Bringer" vorweisen, dann wurde er schnell umgetauft in kinderliebe Familienhunde. Als ob sie das nicht schon vor dem Hunde-GAU im Sommer 2000 gewesen sein könnten.

    Heuchler waren am Werk, einige haben auch ihre Hunde verraten.

    Und nun? Man hört nichts mehr. Es kann gar nicht die nun ignorierende Match-Presse sein. Denn die warten doch nur auf das Wiederaufleben der blutrünstigen Schlagzeilen.

    Es muss an den Haltern liegen. An den Hunden, an deren Willen, menschenfreundlich zu sein, hat es nie gelegen. Die wurden immer nur von ihren - im Fall des Falles - verantwortungslosen Haltern missbraucht.

    Das lässt zur Vorsicht raten. Weniger dieser "gefahren-relevanten" Hunde laufen weniger frei herum. Denn auch die ungleich häufigeren Hundehalter populärer Rassen möchten nicht in die Schusslinie geraten, um die sie sich dank unfachlicher Listen drücken konnten.

    Es ist die Angst, durch einen Unfall doch noch aufzufliegen.

    Diese Nicht-Hundebiss-Phase ist verdächtig, so etwa, wie das vor dem grausamen Unfall des Kriminellen in Hamburg war.

    Ist alles so wie es vorher war? Haben diese unseligen Listen und die Verordnungen diese gütige erfreuliche Ereignislosigkeit doch zustande gebracht?

    Kann es das denn gewesen sein, dass man solch unseligen Verordnungen und Drohungen bei den Deutschen braucht?

    Denn anderswo, im Ausland, staunte man in dieser hysterischen Sommerlochzeit vor einem Jahr, und jetzt? Soll es durch diese Massnahmen doch gerechtfertigt sein, weil nichts mehr passierte, dass diese von fachlicher Ignoranz strotzenden Listen bestehen bleiben - nach dem Bürokratenmotto: abgestempelt, abgeheftet. Es sind ja bloss ein paar Hunde dabei draufgegangen. Der Rest hängt als Akten in den Gerichten. Dort geht man verfahrensrechtlich vor. Nicht biologisch.

    Die Kriminellen, die Scharfmacher haben sich zurückgezogen, mit oder ohne Hund, sie warten und kommen zurück. Eventuell mit einem neuen Hund als Waffe.

    Es ist nichts erledigt. Es ist nur momentan still.

    Passen Sie auf Ihre Hunde auf!

    Ihr Rainer Brinks

    *